Ja schade und wirklich gruselig, der Link. Hier ein Auszug daraus:
Ein sehr krasses Beispiel. Es gibt diese Beispiele jedoch zigfach in sehr unterschiedlichen Formen.Verkehrte Welt?
Die Fürsorger, Sozialarbeiter und Kinderbetreuer sind sympathische und empathische Menschen. Sie treffen sich regelmäßig, um den Fall der Familie zu besprechen. Sie haben für alles Verständnis und bieten für jedes Problem eine Lösung an - sogar wie der Garten hinter dem Haus gestaltet werden kann. Sie schicken den ältesten Sohn zum Logopäden und bemühen sich darum, für die Familie eine größere Wohnung zu finden. Sie erwarten keinen Dank und bekommen auch keinen.
Nicht ein einziges Mal zeigen Martin oder Michaela einen Anflug von Dankbarkeit. Sie nehmen alle Leistungen wie selbstverständlich hin. Immerhin, sie können auch differenzieren. Das Jugendamt, sagt Michaela, funktioniere "gut", das Sozialamt nicht, da gebe es eine Bearbeiterin, "die ist arbeitsfaul, wenn man der was schickt, muss man drei Wochen warten, bis man das Geld kriegt".
Die Lage der Familie ist in der Tat prekär, eine Besserung nicht in Sicht. Und so schrecklich schön die Reportage auch ist, die jeden arroganten Unterton vermeidet, sie hört an der Wohnungstür von Martin und Michaela auf.
Draußen vor der Tür wartet nicht nur das Sozialamt mit einer Fülle von hilfsbereiten Mitarbeitern, da ist auch eine Gesellschaft, in der die Idee von "Verantwortung" durch Begriffe wie "Maßnahmen" und "Fürsorge" ersetzt wurde. Eine Gesellschaft, in der die Vorstellung, dass Wohlstand etwas mit Arbeit und Leistung zu tun hat, als reaktionär und "sozial unverträglich" gilt. Und wer es wagt, die Frage zu stellen, ob für die Aufzucht von Kindern nicht vor allem die Eltern zuständig und verantwortlich sind, der wird sofort mit einer Einladung zu einem therapeutischen Gespräch bei Ursula von der Leyen abgestraft.
Etwas Gutes ist aber an der Sache doch dran. Es sieht nur so aus, als würde ein halbes Dutzend Sozialarbeiter eine Familie betreuen. In Wirklichkeit ist es umgekehrt. Eine Familie sichert die Existenz von einem halben Dutzend Sozialarbeiter. Rund um die "Prekariat" ist eine Industrie entstanden, die von der Verwaltung der "neuen Armut" lebt.
Allein in Bad Homburg gibt es 20 Familien, die dafür sorgen, dass die Sozialarbeiter nicht arbeitslos werden.
Tja, haben da viele womöglich doch mehr Angst um den Verlust dieser s. g. "Industrie", die sich um all diese Absurditäten, welche sehr wohl real sind und nicht dem sonstigen Unterschichtfernsehen entspringen, rankt?
Wer lebt eigentlich alles vom aufzuräumen und hat dadurch auch so gar kein Interesse, an der eigentlichen Ursache etwas ändern zu wollen?
Nun, das scheint nicht nur so zu sein sondern ist leider auch die nackte Realität und Wahrheit, die doch die wenigsten genau so lesen wollen!
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01.09.2010, 04:37
AW: Was ist falsch an Sarrazins Aussagen??
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01.09.2010, 05:39
AW: Was ist falsch an Sarrazins Aussagen??
Ich lese aus diesen Artikeln die Angst des Bildungsbürgers Schirrmacher vor der Realität.
Was er "Biologismus" nennt, das halte ich für realistisch, die Anerkenntnis der Basis des Kulturwesens Mensch: das Säugetier Mensch.
Hier spricht die Angst dessen, der nicht erkennen will, dass der Mensch nicht so durch und durch kulturell selbstbestimmt sein könnte, wie gehofft, eine schwere Kränkung, der man durch Verleugnung der Tatsachen entgehen will.
Ich weiß nicht, ob er das fordert.3.
Ich kann hellsehen, ich hab' gewusst, worauf's hinausläuft, ich bin ein Genie!
Kann mir jemand bitte (bittebittebitte!) das schöne Gerücht bestätigen, wonach Sarrazin vorschlägt, das allgemeine Kindergeld zu streichen und stattdessen eine Gebärpämie für Akademikerinnen in Höhe von 50.000 Euro einzuführen?
Ist das wirklich wahr? Sagt mir bittebitte, dass das wahr ist!
Wäre das geil: Sarrazin zeigt den Gutmenschen wie richtige Quotenpolitik geht: Mittelschichts-Eugenik vom Allerfeinsten.
Ich hoffe nicht.
Forderte er es, wäre das in der Tat Sozialdarwinismus, den ich ablehne.
Nicht, weil er nicht funktionierte, nicht, weil er ineffizient wäre, sondern weil er die Menschenwürde verletzt, weil er unethisch ist, weil der Zweck nicht in jedem Falle die Mittel heiligt.
Schlimmer noch, bei Licht besehen wäre es sozialdarwinistische Planwirtschaft, vereinigte harmonisch die Nachteile freiheitlicher, "sozialdarwinistischer" Systeme mit den Nachteilen sozialistischer Systeme.Geändert von arouet58 (01.09.2010 um 05:51 Uhr)
Cum grano salis
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01.09.2010, 07:56Inaktiver User
AW: Was ist falsch an Sarrazins Aussagen??
Bitte genau lesen...

Ich hatte geschrieben dass er einige konkrete Zitate gebracht hat und in anderen Bereichen im Unklaren bleibt....
Ansonsten gebe ich es jetzt auf .....
(ps auch wenn hier intelligente Antworten wie die von Nochmaler Mann gekommen sind - generell halte ich Sarrazins Thesen für keine gute Diskussionsrundlage - ein branchenfremder Theoretiker mit unklaren Absichten - da sind mir die Praktiker und Fachleute lieber...)
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01.09.2010, 07:58Inaktiver User
AW: Was ist falsch an Sarrazins Aussagen??
(Sarkasmusmodus an)
Mir fiel dazu direkt dieser Artikel aus der Süddeutschen ein:
Konservative sind weniger intelligent Damit wäre dann bewiesen, dass Herr Sarrazin und Konsorten die Unklugen sind. Auch, wenn er noch in der SPD ist, ist das wohl erzkonservatives Gedankengut, das er vertritt.
(Sarkasmusmodus aus)
Mensch, merkt Ihr nicht, was das für ein niedriges Argumentationsniveau bei Herrn Sarrazin ist?
Aus dem Studium wissen wir doch alle, dass man keiner Statistik trauen sollte, die man nicht selbst gefälscht hat
Herr Sarrazin kann jede Statistik so frisieren, bis sie zu seinen Aussagen passt.
Ich möchte nochmal sagen, wie unglaublich dumm ich diese Intelligenzdebatte finde. Ich werde mich jetzt auch zurückziehen, denn ich denke, um weiter zu argumentieren sollte ich das Buch kaufen und lesen und ich möchte dafür kein Geld ausgeben. Vielleicht gibt es das ja in der Bücherei, dann bis in einigen Wochen ;-)Geändert von Inaktiver User (01.09.2010 um 08:05 Uhr)
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01.09.2010, 08:11Inaktiver User
AW: Was ist falsch an Sarrazins Aussagen??
Doch mehr als ein bisschen Gemöpper:
Unter Elite wird in der Regel ja nicht der Bandarbeiter verstanden, sondern der Akademiker.soziale Marktwirtschaft mit reinen Leistungseliten
Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.
Denn ich kenne sehr wohl eine (ich nenn`s mal) Elite der Bandarbeiterschaft. Sehr gut sogar, aus meiner Heimat. Damals: zehntausende verdammt gut bezahlte Schicht-Bandarbeiter, wovon heute noch die Hälfte oder sogar nur ein Drittel (?) zu Werke gehen kann.
Die würdest du jetzt alle nicht zu deinen Eliten zählen. Das eigentliche Problem ist aber, dass die dort Entlassenen jetzt irgendwo vor Nintendo-Spielen hocken, nicht wissen, wie sie ihren Kindern ein ordentliches Vater-Vorbild abgeben sollen, sich inzwischen auch gar nicht mehr anstrengen usw usw usw...
Früher gab es etwas, wofür es sich anszustrengen lohnte.
Dass heute Hauptschüler praktisch keine Chance auf einen Auszbildungsplatz haben - das ist das Problem.
Und dass der heute arbeitslose Vater dieses Hauptschülers nichts als Druckmittel in der Hand hat, um ihn zu Zielstrebigkeit, Fleiß, Mut etc... zu erziehen.
Das Problem ist, dass sich Leistung eben früher für alle lohnen konnte und dies heute eben nur noch für einen weitaus kleineren Kreis Menschen gilt.
Und aus dem Dilemma werden uns auch noch so bestens leistungsgerecht gesteuerten Akademiker-Eliten nicht raushauen. Das ist so ein typischer Irrglaube der Akademiker, dass sie als Elite das schon richten werden (wenn man nur die richtigen Männer ranließe statt Quotenweiber
). Womit denn? Tolle Erfindungen? Die Frage ist doch, wo produziert wird und nicht, wer`s erfunden hat.
Der Krieg tobt beim Kampf um die wenigen Rest-Arbeitsplätze im weniger qualifizierten Bereich. Wem nützt es da eigentlich, wenn Sarrazin jetzt noch gruppenweise bevorteilt oder dumm hinstellt?
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01.09.2010, 09:10
AW: Was ist falsch an Sarrazins Aussagen??
#lunalimette
Was bist du denn für ein Vorbild?
ALSO für einen Hauptschüler lohnen sich gute Leistungen in der Schule nicht, weil er "vielleicht" nur schwer einen Ausbildungsplatz findet????
Es gibt es mittlerweile wieder MEHR Ausbildungsplätze als Bewerber, allerdings brauchen Hauptschüler gute Noten, soziales Verhalten und haben geringere Auwahlmöglichkeiten (im Einzelhandel, als Maurer oder Fleischer findet sich sicher etwas), dann hat JEDER Hauptschüler die Chance seinen Realschulabschluß und dann das Abitur und dann ein Studium "durchzuziehen" etc.
Und zum Thema "Vorbild": Ich kann nicht verstehen wie Eltern, gerade wenn sie Arbeitslos sind auf dem Sofa versauern. Man kann auch als Arbeitsloser Vorbild sein: Nämlich dann wenn man sich glaubhaft laufend bewirbt, weiterbildet, das Haus renoviert, Freunden/Bekannten hilft, sich sozial oder im Verein engagiert UND den Kindern MUT und Hoffnung mit auf den Lebensweg gibt ... und nicht "ich schaue 14 Stunde Fern weil es eh keine Arbeit gibt und du brauchst nicht zu lernen weil du auch nichts finden wirst ...
DIESE "Vorbildfunktion Familie" kann kein Sozialarbeiter, Schulpsychologe, Arbeitsvermittler, Bewehrungshelfer, Ausländerbeauftragter, Familienberatungsamt etc. so leicht ersetzen - und deshalb entlasse ich diese auch nicht aus ihrer Pflicht.
Deshalb bin ich auch für eine faktische Beschäftigungspflicht für Langzeitarbeitslose. Wenn sie den Kinder schon kein positives Beispiel gegen können, dann soll wenigstens keine "ruhige soziale Hängematte" ein Ziel für den Nachwuchs sein!
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01.09.2010, 09:16
AW: Was ist falsch an Sarrazins Aussagen??
Du warst noch nicht arbeitslos , oder ?
Zitat von Inaktiver User
Ich schon ....
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01.09.2010, 09:24Inaktiver User
AW: Was ist falsch an Sarrazins Aussagen??
Dieser Beitrag (#983) muss unbedingt noch einmal nach vorne geschoben werden, da wirklich gute Beiträge leider immer so schnell wieder in der Versenkung verschwinden (was für schlechte ja wiederum gut ist):
Und Menschen, die ähnlich denken, gibt es zum Glück viele (nur die schreiben nicht unbedingt alle bei Brigitte).
Jedenfalls mehr, als das Buch von Sarrazin kaufen und sich mit den Ansichten identifizieren werden.
Man kann ja demnächst mal die Verkaufszahlen mit der Zahl der Bundesbürger vergleichen
Das beruhigt mich ja doch.Geändert von Inaktiver User (01.09.2010 um 09:40 Uhr)
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01.09.2010, 09:44Inaktiver User
AW: Was ist falsch an Sarrazins Aussagen??
Es ist davon auszugehen, dass bei Thilo Sarrazin der IQ durchaus ausreichte um abzuschätzen was auf ihn zukommen würde, wenn er Überfremdungsphantasien ausbreiten und biologische sowie kulturelle Unterlegenheit der türkischen Minderheit behaupten würde.
Ich bin ganz zuversichtlich, dass er wusste, dass auf seine derbe Polemik mit derber Polemik geantwortet werden würde. Dennoch hat er sich in einer Weise geäußert, die bewusst provokativ war.
Hätte er einfach nur Integrationsdefizite beklagt, Lösungsvorschläge gemacht und ein Einwanderungssystem nach Vorbild von Australien und Kanada gefordert, bewusst die ausländerfeindlichen Ressentiments NICHT bedienend,
dann wäre sein Buch kein Bestseller geworden.
Das alles war also klares Kalkül.
Nun kann er sich auch nicht darüber beschweren, dass sein Kalkül aufgegangen ist und dass bei vielen Deutschen die Lehren aus unseliger Vergangenheit noch lebendig sind..
Geändert von Inaktiver User (01.09.2010 um 09:51 Uhr)
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01.09.2010, 09:59Inaktiver User



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