Blautanne,
Das Thema ist Politik pur! Es geht um Gegenwart (Kinder in Schulen) und Zukunft (erwachsene Mitbürger).
Unsere ganze Gesellschaft krankt daran, dass wir alles in beschriftete Ecken schieben und hoffen, die Zuständigen werden sich schon darum kümmern. Ich bin der Ansicht: Was bei uns passiert, geht uns alle an.
Ganda
Antworten
Ergebnis 91 bis 100 von 100
-
27.08.2010, 18:55
AW: Erfahrungsbericht eines Lehrers
*
Der Adler fängt keine Mücken.
'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit
Deutsche Tugenden: „Pünktlich wie die Deutsche Bahn, ehrlich wie die Deutsche Bank und sauber wie VW.“
Arnulf Rating
-
27.08.2010, 19:01
AW: Erfahrungsbericht eines Lehrers
Da fällt mir justamente etwas ein, das Lehrern in der praktischen Arbeit hilft:
Und zwar geht es um einen Lehrer, der seine Schüler jeden Morgen persönlich begrüsst.
Er geht also auf sie als Gruppe zu, geht dann zu jedem einzelnen, gibt ihm durchaus die Hand und begrüsst ihn/sie und fragt nach dem Befinden. Er wertschätzt jeden einzelnen und wechselt ein paar Worte.
Das dauert seine Zeit, aber man kann sich leicht ausrechnen, dass er damit den grössten Teil der Schulklasse für den folgenden Unterricht geöffnet hat. Es kann dadurch auch zur Bearbeitung von Themen kommen, die nicht direkt im Stundenplan vorgesehen sind.
Aber es passiert auf jeden Fall etwas Konstruktives !
-
27.08.2010, 19:06
AW: Erfahrungsbericht eines Lehrers
Zum Thema selbst:
Wie wäre es damit:
Es müsste doch möglich sein, in einer Großstadt die Kinder mit Migrationshintergrund auf überwiegend deutsche Klassen aufzuteilen. Hier auf dem Land werden die Kinder kilometerweise in Schulbussen zur ihren "Bildungsstätten" gekarrt. Da müsste es doch auch machbar sein, Stadtviertel zu vernetzen. Hätten alle Seiten vielleicht etwas davon und die Sorge, es werde nicht mehr deutsch im Unterricht gesprochen, fiele weg.
Seh' ich es zu einfach?
Grüße Ganda*
Der Adler fängt keine Mücken.
'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit
Deutsche Tugenden: „Pünktlich wie die Deutsche Bahn, ehrlich wie die Deutsche Bank und sauber wie VW.“
Arnulf Rating
-
27.08.2010, 19:25
AW: Erfahrungsbericht eines Lehrers
passiert doch schon... (zwangsweise Zusammenlegung von Schulen/Gesamtschulen/Wegfall der Hauptschule in vielen Bundesländern)
Eins, zwei, drei im Sauseschritt
eilt die Zeit - wir eilen mit.
-
27.08.2010, 19:57Inaktiver User
AW: Erfahrungsbericht eines Lehrers
Deutlich stärkere Einbindung der Kinder aus allen Nationalitäten in australische Alltagskultur, wie z.B. Nationalhymne bei Morgenappell singen oder den Volks- und Kriegshelden auf Paraden und in Liedern huldigen
Hola. Bei uns würde man das Zwangsgermanisierung nennen .
Da kämen unsere Multikultiromantiker schwer ins schwitzen .
Bei Huldigung der Kriegshelden , naja , hätte das wohl die Mobilmachung der Alliierten zur Folge , ein A-Schlag stünde kurz bevor .
Wir dürfen die Hymne nur singen wenn die Nationalmannschaft spielt
-
27.08.2010, 22:43Inaktiver User
AW: Erfahrungsbericht eines Lehrers
Und wie...das ist eher ein running gag, weil: es gibt z.B. in Berlin das Wohnortprinzip für die Schulwahl. Deine Schule ist die, wo Du wohnst... oder eben die zwei, in Deiner Umgebung.
Das führt dazu, dass sehr viele Eltern, wenn das Kind schulpflichtig wird, wegziehen, um ihr Kind nun in einem besseren Viertel zur Schule zu schicken, z.T. wird gezielt genau in das Einzugsgebiet einige Straßen um die Schule herum hingezogen. Diese Wanderungsbewegungen um das 6. Lebensjahr des ersten Kindes sind übrigens innerhalb Berlins klar durch die Melderegister nachweisbar.
Das machen natürlich auch die bildungswilligen ausländischen Familien, die ziehen dann zudem gezielt in möglichst deutsche Wohngebiete, oft auch schon zur Kindergartenzeit, übrigens.
Ansonsten nutzen deutsche und nichdeutsche Familien immer stärker Privatschulen. Diese sind zwar zumeist nur vermeintlich besser und ziehen den Leuten das Geld aus der Tasche - aber es wird seitens der Eltern ganz klar für die soziale Segregation bezahlt.
Eine weitere Möglichkeit sind Schulen mit speziellen Profil (Aufnahmetests, integrative harte Schulvereinbarungen) oder natürlich: konfessionelle Schulen (viele haben einen guten Ruf).
Nee, das mit den Bussen wird nichts...
-
28.08.2010, 18:40
AW: Erfahrungsbericht eines Lehrers
Hit the road Jack!
So trübe war's nun auch wieder nicht gemeint. Aber (fast) rein türkische Klassen mit deutschen Lehrern hinterlässt bei mir auch einen ganz schiefen Eindruck. - Wie könnte Entzerrung denn stattfinden, ohne respektlos zu sein?
Ist wohl eine andere Baustelle.*
Der Adler fängt keine Mücken.
'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit
Deutsche Tugenden: „Pünktlich wie die Deutsche Bahn, ehrlich wie die Deutsche Bank und sauber wie VW.“
Arnulf Rating
-
28.08.2010, 18:57
AW: Erfahrungsbericht eines Lehrers
Hi Luchs,
dachte mir schon vor dem Schreiben, dass da wieder die Paragraphen angeritten kommen.
Interessant, was Du über die zielgerichteten Umzüge berichtest! Was ist mit denen, die sich keinen Umzug leisten können? Trägt das nicht auch wieder dazu bei, die Problemschulen sitzen zu lassen, statt dort mal echte Lösungen zu schaffen?
Grüße*
Der Adler fängt keine Mücken.
'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit
Deutsche Tugenden: „Pünktlich wie die Deutsche Bahn, ehrlich wie die Deutsche Bank und sauber wie VW.“
Arnulf Rating
-
29.08.2010, 09:49Inaktiver User
AW: Erfahrungsbericht eines Lehrers
, aber ohne geht eine solche Diskussion doch auch nicht richtig...
Man bedenke:Wir haben 16 Bundesländer mit jeweils eigener Bildungspolitik. Und ganz unterschiedlichen Ausgangslagen. Das Wohnortprinzip gilt jedoch - glaube ich - überall.
Interessant, was Du über die zielgerichteten Umzüge berichtest! Was ist mit denen, die sich keinen Umzug leisten können? Trägt das nicht auch wieder dazu bei, die Problemschulen sitzen zu lassen, statt dort mal echte Lösungen zu schaffen?
Grüße
Das ist ja so problematisch.
Die Zahlen der Umzüge werden jedes Jahr veröffentlicht, war gerade wieder kürzlich der Fall. Das Problem ist bekannt. Es gibt schon ein paar Klassen/Schulen, wo fast keine deutschen Kinder sind. Und ich kenne viele, die dann zur Einschulung umgezogen sind (Deutsche und Ausländer!), um ihre Kinder woanders einzuschulen. Wobei es nicht nur um das Ausländisch-Sein geht, sondern darum, welche Wurzeln es sind.
Sprechen wir aber ein bisschen abstrakter noch für Berlin: Gekoppelt mit schlechter Lehrereinstellungspolitik, die zwar versprochenen aber nicht in der versprochenen Form realisierte Reform der Schulanfangsklassen, - die jeweils mehr Sozialpädagogen und je gleichzeitig in einer Klasse arbeitenden 2 Lehrer/innen für die zusammengesetzten Schulanfangsklassen vorsah (die Reform kam zwar dennoch, aber natürlich nur mit einer Lehrkraft ;-)) ....
Damit gekoppelt die gerade wieder erlaubte größeren Klassen trotz mind. 50% migrant. Hintergrund... die tun so das ihre zur VErschärfung der Lage.
ZUr Entschärfung allerdings tragen die seit ca 2-3 Jahren obligatorischen Sprachtests und der eventuell obligatorische Sprachnterricht vor Einschulung bei - es gibt also mittlerweile ein bisschen bessere Startbedingungen.
Klar trifft das besonder die, die wenig Ahnung vom Schulsystem haben und dies darüber hinaus wegen anderer Wertigkeiten ablehnen/abwerten/oder auch nur geringer schätzen.
Das sind in Berlin bestimmte Bezirke: Neukölln (aber nur NORD, der Rest von Neukölln ist wirklich z.T. idyllisch!), Wedding, Spandau...
Aber es gibt auch viele Erfolgsschulgeschichten, die es ohne Kinder mit ausländischen Wurzel nicht gäbe: Das sind wunderbare bilinguale Schulen in Berlin (auch deutsch-türkische!), Europaschulen... und dort findet man Kinder aus wirklich allen Milieus.
Auch die Schulen in Neukölln oder im Wedding - übrigens - sind nicht nur schlecht und problematisch.
Man handelt und versucht, die Lage zu entschärfen - also ein reines Lehrer und Schüler Bashing ist ganz sicher nicht angebracht. ABer es gibt natürlich geballte Problemlagen die auf einer ziemlich unangenehmen Mischung von sozialem Hintergrund, Ablehnung des deutschen Wertesystems, gekopplet mit einem "nicht Mithalten können" (das fängt schon mit dem fehlenden ruhigen Raum für eigene Hausarbeiten an , gekoppelt mit Familienpflichten, ggf. fast täglichen Nachmittagsunterricht in Koranschulen...) und Hoffnungslosigkeit einer eigenen Zukunft sowie Ablehnung und Desrespekt aus dem eigenen Herkunftsland resultieren. Und da wird es schon richtig hart, ab die Jugendlichen heranszukommen.
Ein demagogischer Ulfkotte mit Artikel aus unsauberen, nicht beweisbaren Quellen ist dabei aber nicht sehr nützlich!
LG
LLGeändert von Inaktiver User (29.08.2010 um 09:55 Uhr)
-
30.08.2010, 14:44
AW: Erfahrungsbericht eines Lehrers
Hallo LL,
Habe mich erkundigt: Wohnortprinzip gilt hier natürlich auch, schon wg. Schulpflicht und Zumutbarkeit etc.
Die guten Beispiele sollten immer dominieren, nicht nur hier. Eine Bekannte ist Hauptschullehrerin in der Großstadt und würde die "erfrischenden Beiträge" ihrer ausländischen Schüler sehr vermissen, wie sie sagt. Ich selbst habe seit Jahrzehnten auch (damit meine ich unter den Nichtdeutschen) türkische Freunde (mit inzwischen deutschem Pass) und viel von ihnen gelernt. Die Werte unterscheiden sich kaum, sie nennen nur ihren Gott mit anderem Namen. Ne, wer unter Türkisch nur Raki und Döner begreift, ist so arm dran wie eine/r, die/der unter Wiese nur Gras versteht.
Es gibt auch an "rein deutschen" Schulen Probleme genug. (Nicht zu vergessen, dass die Amoktäter an dt. Schulen bisher keine Ausländer waren.) Und da man immer die deutschen Werte so auf's Schild schreibt (meist ohne sie zu definieren!!), folgt doch logischerweise die Frage: Was sind uns unsere Kinder wert? Die ach so lebensfreundlichen Innenstätdt, ieblose Betonbunker, die man Schulen nennt, schlechte Ausstattung, Lehrermangel und Chancenungleichheit? Aber ja klar, wenn wir so viel anderes zu zahlen haben, lassen wir den Rest halt laufen wie bisher. Jetzt ist die Wirtschaftskrise die Ausrede, vorher war es etwas anderes.
Richtig, Demagogie hilft nie. Aber wegschauen und schönreden genauso wenig. Drum meine ich, es sollten sich Lehrer mit echten Problemklassen öfter zu Wort melden und schildern, wie es ist und was ihrer Meinung nach zu tun ist. Schade, dass es in Berlin und Brüssel keine Lobbyisten f. Kinder gibt.
Grüße
Ganda
(P.S.: Hab unlängst ein paar Tage in Wedding verbracht. Fand's auch sehr unterschiedlich, aber da, wo ich wohnte, ganz entspannt.)Geändert von ganda55 (30.08.2010 um 14:47 Uhr)
*
Der Adler fängt keine Mücken.
'Antisemitismus hat in Deutschland keinen Platz' ist Kindergartenniveau. - Igor Levit
Deutsche Tugenden: „Pünktlich wie die Deutsche Bahn, ehrlich wie die Deutsche Bank und sauber wie VW.“
Arnulf Rating



Zitieren