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  1. Inaktiver User

    AW: Mal wieder sind die kinderlosen Akademiker an allem Schuld...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Lorelei, ich denke, du meinst es nicht so, und ich will auch nicht wieder diese Handwerker/Akademikerdebatte anfangen - aber manchmal klingt das schon ein wenig nach akademischem Hochmut, wie eben auch im Eröffnungspost.
    Das liegt mir fern.
    Ich habe übrigens auch einen Hauptschulabschluß, weil meine Eltern meinten, das reicht.
    Alles weitere - Abitur, Studium - habe ich mir selbst erkämpft. Und größtenteils auch selbst finanziert.

    Die Hauptschulabbrecherin ist das eine, aber es gibt auch viele durchaus arbeitsame Nichtakademiker, die sich mit der Vereinbarkeit von Job und Familie schwertun, das sollte man nicht so vom Tisch wischen.
    Natürlich ist das so.
    Den Unterschied zwischen Akademikern und Ausbildungsberufen würde ich in der Zeit sehen. Wenn die Buchhalterin mit 22 merkt, der Job liegt ihr doch nicht, kann sie problemlos noch eine andere Lehre machen.
    Oder, wenns ihr liegt, in ihrem Job arbeiten, sich was aufbauen + mit 30 Kinder kriegen.

    Der Akademiker ist mehr oder weniger schon zu alt, um umzusatteln - obwohl viele sich eben doch die Nischen suchen, oder halt unter ihrer Qualifikation bleiben.
    Nicht umsonst ist die Arbeitslosigkeit unter Akademikern am niedrigsten.

    Und wer Geisteswissenschaften o.Ä. studiert, kalkuliert das durchaus ein. Eine meiner Freundinnen ist Politologin und arbeitet seit jeher als Sekretärin. Eine andere Völkerkundlerin, die arbeitet als Krankenschwester.

    Ich frag mich aber schon, wie clever es denn ist, so viel in eine offenbar so schlecht nachgefragte Hochqualifikation zu investieren - und ich finde es schon ein bisschen anmaßend,
    Das unterliegt doch Schwankungen. In meiner Studienzeit gab es in Kliniken "Gastärzte" die umsonst gearbeitet haben - jetzt haben wir Ärztemangel.
    Lehramt galt als das Taxifahrer-Studium - jetzt ist Lehrermangel.
    etc pp

    Ich denke, so ein Studium macht man in erster Linie zur persönlichen Bereicherung, und ich gönne es jedem, sich 17 Jahre lang seiner Ausbildung zu widmen - seh das aber absolut als Privatvergnügen, wenn das offensichtlich so am Bedarf vorbei ist wie hier.
    Ein Bio-Studium ist knallharte Arbeit, mit 12-Stunden-Tagen und Großpraktika in den Semester"ferien", kein Studenten-Dolce-Vita.

    Und qualifizierte Biologen werden schon gesucht - nur eben zu Ausbeutebedingungen. Das es irgendwann als normal angesehen wird, das hochqualifizierte Leute jahrelang umsonst "Praktika" machen, hätte ich auch noch vor 3-4 Jahren nicht für möglich gehalten.

    Und das betrifft nun mal Akademiker.

    Und ich habe nicht "just for fun" studiert, sondern weil ich die medizinische Wissenschaft weiter bringen wollte, als nützliches Glied der Gesellschaft, wie man so schön sagt.

    Die ultimative Krebstherapie habe ich zwar leider nicht entdeckt, wie geplant, aber so'n bißschen nützlich schätze ich mich schon ein. Auch Du wirst als alte Dame mal von meiner (derzeitigen) Arbeit profitieren .....

    Vielleicht ist der Realschüler, der Automobilkaufmann lernt und sich selbst finanziert der Gesellschaft nicht weniger nützlich als jemand, der lange Zeit Qualifikationen erwirbt die anscheinend niemand dringend braucht??
    Natürlich ist er nicht weniger nützlich.
    Geändert von Inaktiver User (29.07.2010 um 13:36 Uhr)

  2. Inaktiver User

    AW: Mal wieder sind die kinderlosen Akademiker an allem Schuld...

    Mich wundert die Bezeichnung "akademischer Hochmut". Naja, was soll's. Allen einen schönen Tag noch.

    Wie schon gesagt: Für mich ist Studieren und Promovieren normale Arbeit, im Sinne von vollwertiger und gesellschaftlich nützlicher Arbeit.

    Ich habe übrigens auch im zarten Alter auf eine Ausbildung und Karriere verzichtet - auf ein Studium zur Gesangssolistin und ein späteres Engagement an die MET und andere entsprechende Häuser .

    .
    Geändert von Inaktiver User (29.07.2010 um 14:09 Uhr)

  3. gesperrt

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    AW: Mal wieder sind die kinderlosen Akademiker an allem Schuld...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mich wundert die Bezeichnung "akademischer Hochmut". Naja, was soll's. Allen einen schönen Tag noch.

    Vielleicht ist das eine Ausformung dessen, dass man sich heutzutage mehr nach unten orientiert, was die Beachtung von Menschen und die Hilfsbereitschaft und auch die eigene Leistungsgrenze anbelangt.

    Zu meiner Zeit hat man sich nach oben orientiert, sich studierte Menschen als Vorbild genommen und dementsprechend angestrengt.

  4. Inaktiver User

    AW: Mal wieder sind die kinderlosen Akademiker an allem Schuld...

    Nein, das war schon immer unterschiedlich, glaube ich und ist es noch:

    Dazu könnte frau viel sagen: Aber: "Quod licet bovi, non licet iovi."

  5. gesperrt

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    AW: Mal wieder sind die kinderlosen Akademiker an allem Schuld...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Nein, das war schon immer unterschiedlich, glaube ich:
    ich stamme aus "einfachen" Verhältnissen und bei uns war es normal, dass Bildung etwas Wertvolles darstellt.

    Eine Freundin wurde mit 17 schwanger und das war eine gesellschaftliche Katastrophe.
    Da hat sich inzwischen einiges verändert.
    Jeder lebt wie er/sie will und wurschtelt sich so durch. Normen, die besagen, was positiv oder negativ ist, gibts kaum noch oder werden zumindest nicht als erstrebenswert formuliert.

    Viele Menschen, und ich glaube vor allem Frauen, sehnen sich nach den Folgen, die die Einhaltung dieser Normen mit sich bringt, können sich aber nicht gegen die allgemeine Verwirrung zur Wehr setzen.


    Dazu könnte frau viel sagen: Aber: "Quod licet bovi, non licet iovi."
    Nach meinem Eindruck ist das Rindviech zuu maßgeblich geworden.

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    AW: Mal wieder sind die kinderlosen Akademiker an allem Schuld...

    Ich sehe hier zwei Problemfelder, die vermischt werden.

    (Und dabei gehe ich nicht auf die Situation in der DDR ein, da werde ich wütend, wenn man die Situation in Deutschlands größtem Gefängnis als Ausbund von Menschenliebe und Emazipation darstellt. By the way: in der DDR hatten alle Frauen Kinder, da es völlig selbstverständlich war und die Individualisierung, die in der Bundesrepublik schon in den 60er Jahren aufkam, die DDR erst mit Verspätung erreichte. Daß so viele Frauen Kinder hatten, spricht eher für den autoritären Charakter der Gesellschaft).

    Das allgemein politische Problem ist die berufliche Unsicherheit, die heute jungen Akademikern entgegenschlägt. Das trifft sowohl für die akademische Karriere an der Universität zu (durch den Rückbau des Mittelbaus fehlt es an beruflicher Sicherheit zwischen 30 und 40 - genau der Zeit, in der Familienfründung stattfindet und diese Sicherheit benötigt) als auch für die Einstellungspraxis vieler Unternehmen. Generation Praktikum ist Realität - und extrem famlienunfreundlich.

    Allerdings ist das alles bekannt und keineswegs neu. Daher sollte man auch mit 19 darüber nachdenken, was es für die eigene Zukunft bedeutet. Also plädiere ich im Sinne von Herbstblatt für mehr Pragmatismus bei der jungen Generation. Und man sollte nicht bis 32/36 warten, um dann voller Frust vor dieser Situationzu stehen. Davor lagen 13/17 Jahre voller Entscheidungen, die zu dieser Situation geführt haben.

    Hans
    ----------------------------------------------------------------
    "Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.

  7. Inaktiver User

    AW: Mal wieder sind die kinderlosen Akademiker an allem Schuld...

    HansDampf,

    wenn Du in einer DDR gelebt hast, in der alle Frauen Kinder hatten, haben Du und ich in zwei verschiedenen Deutschen Demokratischen Republiken gelebt. In der DDR, in der ich gelebt habe, hatten manche Frauen Kinder und manche Frauen hatten keine Kinder - zählt natürlich auch für die Männer. Und beides war normal.

  8. Inaktiver User

    AW: Mal wieder sind die kinderlosen Akademiker an allem Schuld...

    Ich, 58, stamme aus einer Generation, in der Studium, sicher Stelle und Kinder eine Selbstverständlichkeit waren. (Ok, Kinderbetreuung musste ich selber organisieren)

    Und ich finde es einfach unglaublich mit wie wenig sich manche Userinnen hier zufrieden geben.

    Merkt denn die jügere Generation gar nicht wie sie verheizt und ausgeschmiert wird?

    Wenn ich hier das Argument höre, die TE soll nicht zu viel verlangen, kann ich nur vermuten, dass dahinter der Neid derer liegt, die resigniert haben und sich mit Klein-klein-Lösungen eingerichtet haben.

    Pirlipat

  9. Inaktiver User

    AW: Mal wieder sind die kinderlosen Akademiker an allem Schuld...

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mich wundert die Bezeichnung "akademischer Hochmut".
    Ich glaube, EWK ist noch angepiekst von einem "entzückenden" Strang, den wir kürzlich im Kennenlernforum hatten.

    Und der Tatsache den Tenor hatte "Nur Akademiker sind schlau und müssen den anderen Doofnüssen die Welt erklären."

  10. Inaktiver User

    AW: Mal wieder sind die kinderlosen Akademiker an allem Schuld...

    Zitat Zitat von HansDampf Beitrag anzeigen
    Daher sollte man auch mit 19 darüber nachdenken, was es für die eigene Zukunft bedeutet.
    Da erwartest Du von einem 19jährigen mehr Durchblick und prophetische Gabe, als ich sie mit 48 aufweise. Trotz Uni-Abschluß.

    Heute kann man doch garnicht mehr sagen, wie sich die Dinge entwickeln. Nur das sie sich entwickeln, und zwar rasant.

    Mal davon abgesehen, daß er permanent heißt, es mangele an Akademikern + das wäre immer noch die beste Option bzgl. Arbeitsplatzsicherheit. Fragt sich nur, was für Arbeitsplätze ....

    Wahrscheinlich muß man in 10 Jahren mit dem Wohnmobil durchs Land ziehen, von Kurzjob zu Kurzjob, voll flexibel.

    Und das gilt auch für die nicht-akademischen Berufe .... Buchhalterin galt immer als der ultimativ sichere Job .... In meiner Firma wurden fast alle entlassen und die Arbeit in Billiglohnländer verlegt .....

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