Oh doch:
Der Widerstand in Auschwitz
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Thema: Tanzen in Auschwitz
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15.07.2010, 08:42Inaktiver User
AW: Tanzen in Auschwitz
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15.07.2010, 08:50Inaktiver User
AW: Tanzen in Auschwitz
Oh, das wusste ich nicht. Hat aber auch nicht wirklich viel angerichtet und ist auch nicht wirklich sinnbildlich für Auschwitz. Da geht es für mich um das Absprechen jeglicher menschlicher Würde, das Absprechen des Rechts auf Leben. Also wenn, dann geht es hauptsächlich um das Widerstehen, in dem man versucht, im Alltag seine Würde zu behaupten. Ich fürchte, das war nur in wenigen Fällen möglich. Auch unter den Häftlingen müssen sich menschliche Abgründe aufgetan haben, von denen wir heute nicht so viel wissen (auch wissen wollen). In dieser Generation wurde auch wenig geredet und viel verdrängt.
Tanzen passt für mich nicht dazu. Ich glaube ehrlich, der Opa ist nicht mehr ganz beieinander.
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15.07.2010, 08:54Inaktiver User
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15.07.2010, 09:00Inaktiver User
AW: Tanzen in Auschwitz
Das hat nichts mit Respektlosigkeit zu tun, wenn man es bei alten Menschen für möglich hält, dass sie geistig abgebaut haben. Das Gegenteil wäre, sich selbst Augenklappen zu verordnen.
Und es hat auch nichts damit zu tun, was er sich jenseits von Auschwitz für ein Leben aufgebaut hat. Für mich geht es um die Frage: Wie gehen solche Leute mit ihren Gefühlen um?
Die ganze Geschichte ist komisch.
Übrigens ist hier ein interessanter Beitrag zu diesem Video, in dem die "Künstlerin" nicht als Kunststudentin dargestellt wird, sondern als Tochter des angeblichen Großvaters. Ich gehe mit dem Artikel weitgehend d'accord.
...und werde mal im Netz herumsuchen, ob sich noch mehr zu den Hintergründen finden lässt!
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15.07.2010, 09:07Inaktiver User
AW: Tanzen in Auschwitz
Das wäre nett, wenn Du Deine Funde hier ebenfalls einstellen könntest. Der genannte Artikel ist etwas zu komplex zum schnell mal lesen.
Danke auf jeden Fall.
edit: Ich habe mich schon die ganze zeit gefragt, ob der Großvater sich mit dem Mitmachen nicht ein Stück weit selbst Gewalt angetan hat, diesmal seinen Enkeln zuliebe. Wie der Autor in dem Artikel schreibt, ich kann mir das schlecht vorstellen. Aber Verarbeitungs- und Verdrängungsmechanismen sind für uns Laien oft unerklärlich.Geändert von Inaktiver User (15.07.2010 um 09:10 Uhr) Grund: Ergänzung
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15.07.2010, 09:12
AW: Tanzen in Auschwitz
mich hat das video sehr verletzt.
gespräche mit kz-opfern und mit kz-aufsehern haben mich gelehrt, kz gelände als toten-gedenksorte zur mahnung an die nachfolgenden generationen zu empfinden. mein verhalten an den orten ist daher gemessen und respektvoll.Geändert von legrain (15.07.2010 um 09:16 Uhr)
lg
legrain
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15.07.2010, 09:16Inaktiver User
AW: Tanzen in Auschwitz
Auf der von mir verlinkten Seite kommt man übrigens zur Homepage der Künstlerin Jane Kormann, die Trivialisierung offenbar als Kunstkonzept betreibt: My Perfect Man (da hat sie sich einen zusammengebastelt) und Miss World Peace. Seltsamer Kontext.
Hier schreibt die Welt - liest die Welt Brigitte? - ebenfalls, dass es sich um die Tochter des Überlebenden Adolek Kohn handelt, nicht um die Enkelin.
Hier schreibt die taz dazu.
Dieses Video zu bewerten, ist deshalb so schwierig, weil wir alle von Tabus geprägt sind. Das erschwert die Diskussion. Die Tageszeitungen und auch BBC halten sich deswegen auch sehr zurück.
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15.07.2010, 09:24Inaktiver User
AW: Tanzen in Auschwitz
Gerne!
Der erste Artikel ist von einer Enkelin einer Auschwitz-Überlebenden geschrieben, die Korman beschreibt als [Vor allem aber wirft sie verschiedene Fragen auf, zu Kunst und Kommerz, zu Sinnbildung und kommt zu dem Schlusseine bislang durch ihr Schaffen eher unauffällige australische „Künstlerin“ Jane Korman -deren Kunst man einst im Ostblock als "gescheiterte Individualismen" zu bezeichnen pflegte"]eine bislang durch ihr Schaffen eher unauffällige australische „Künstlerin“ Jane Korman -deren Kunst man einst im Ostblock als "gescheiterte Individualismen" zu bezeichnen pflegte.
Ich finde ja, Kunst muss nicht auflösend wirken, sollte aber ein paar Anknüpfungspunkte bieten, die zeigen, dass hier hinreichend reflektiert wurde.In dem „Dancing Auschwitz“ Video ist bezeichnend, dass es zu einer Auflösung der sich aufdrängenden Fragen nicht kommt. Was sollte es sein? Eine Verarbeitung der eigenen Gefühle?
Ach so, und es gab durchaus auch eine Menge wütender Leserkommentare in der israelischen Zeitschrift Haaretz auf das Video.
Letzlich ist es auch eine Diskussion der Überlebenden um ihre eigene Erinnerungskultur. So wird sich das ganze auch intern regeln. In wenigen Tagen wird kein Mensch mehr von dem Video reden.
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15.07.2010, 09:27
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15.07.2010, 09:56
AW: Tanzen in Auschwitz
Danke, Ehrensenff, fürs Raussuchen der Links.
Die Tochter hat gefilmt (es ist hier nicht ungewöhnlich, als Erwachsene noch im Kunststudium zu sein, phD, z.B.) , die Enkel haben mit Opa getanzt, das war evtl etwas konfus dargestellt.
Friedhof .. ist es nicht mehr als ein Friedhof?
Ich finde z.B. Musik auf einem Friedhof nicht mehr ganz so ungewöhnlich, seit ich gesehen habe, wie auf den Philippinen zu Allerseelen Ghettoblaster und Picknicks auf den Gräbern aufgebaut werden. Ist deren Kultur. Ich mags nicht tun, was aber nicht relevant ist.
Und ich glaube, dass - auch wenn die (Ur-)Grosseltern viel erzählt haben mögen - dass sich australische Jugendliche keinerlei Vorstellungen machen können, was unter einem Konzentrationslager zu verstehen ist, was 'Arbeit macht frei' für einen Hintergrund hat.Geändert von frangipani (15.07.2010 um 10:00 Uhr)
"I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.



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