Wolfgang60,
Vergangenheitsbetrachtungen sind wohlfeil. Darin macht auch der Artikel der FAZ keinen Unterschied. Was darin steht, langweilt. Jeder Politiker kennt längst die Konstruktionsfehler der europäischen Währungsgemeinschaft - weiß aber auch, warum sie begangen wurden. Das ist ein Punkt, der von diesem FAZ-Artikel komplett ausgespart wird.
Egal. Jetzt geht es eben nicht mehr um Vergangenheitsbetrachtungen, sondern darum, wie man die Situation für Europa rettet und für die Zukunft verhindert, dass eine Finanzspekulation nach der anderen - mal Hypotheken, mal Griechenland-Anleihen, wer weiß, was als nächstes - unsere europäischen bzw. westlichen Staaten finanziell ausblutet und lähmt.
Ich sehe keinen Sinn darin mir die Denke der europafeindlichen Briten oder der US-amerikanischen Wirtschaftskonkurrenten zu eigen zu machen, denen nichts lieber wäre als ein Zusammenbruch des Euro und eine Rückkehr zu kleinen Währungen, die nicht nur das Potenzial einträglicher Devisengeschäfte mit sich brächten, sondern die man der Reihe nach abfrühstücken könnte.
Europa und der Euro ist ein Projekt, das es wert ist geschützt und verteidigt zu werden. Auch der Sozialstaat, der von den Amis in unglaublicher Dümmlichkeit und Arroganz für überflüssig und veraltet gehalten wird, ist es wert verteidigt zu werden.
Und bevor wir uns zu weiterer Politikerbeschimpfung versteigen, sollten wir daran denken, dass Wahlen mindestens seit Kohl immer auch durch schuldenfinanzierte Geschenke oder Steuersenkungsversprechen gewonnen wurden. Jüngstes Beispiel: FDP mit ihrem grenzdebilen Wahlprogramm.
Da kann man sich wirklich zur Abwechslung mal an die eigene Nase fassen.
Das gilt übrigens auch für die FAZ, die das FDP-Wahlprogramm vor einem halben Jahr noch wohlwollend begleitet hat.
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19.05.2010, 17:21Inaktiver User
AW: Transaktionssteuer – Trojansisches Pferd für allgemeine Steuererhöhungen?!?
Geändert von Inaktiver User (19.05.2010 um 22:45 Uhr)
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19.05.2010, 17:36
AW: Transaktionssteuer – Trojansisches Pferd für allgemeine Steuererhöhungen?!?
@ Blautanne 2, den Beitrag von Dir möchte ich gerne mitunterzeichnen. Ich hätt es bloß nicht so schön formulieren können.
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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19.05.2010, 17:42
AW: Transaktionssteuer – Trojansisches Pferd für allgemeine Steuererhöhungen?!?
Wirklich? Oder ist dies eine Ausrede (Blautanne, ich meine jetzt nicht dich), nur um nicht über die Fehler und Versäumnisse in der Verangenheit nachzudenken.
Vielleicht wäre ein Betrachten der Vergangenheit sinnvoll, so dass man in Zukunft nicht wieder auf die Nase fällt.
Meine Vergangenheitsbetrachtung war nur eine Antwort auf dein Argument mit den Regierungsexperten. Ich wollte nur aufzeigen, was für Mist die von dir gelobten Regierungsexperten manchmal entgegen der Ratschläge vieler neutraler Wisssenschaftler produzieren. Und das kann nur im Rückblick auf die Vergangenheit geschehen.
Das hört sich an wie: "Augen zu und durch". Keine großartigen Analysen, einfach Ärmel hochkrempeln und irgendetwas tun. Und ja kein Zweifel, wir müssen Aktionismus demonstrieren, egal wie hoch die Kosten sind. Das sind wir unseren Wählern der Vergangenheit und erst Recht den Wählern der Zukunft schuldig.
Dies ist ein rhetorischer Taschenspielertrick, den Euro und Europa als eine Einheit aufzuzeigen. Immer wieder betonen, dass Europa auch Euro bedeutet. Europa
ist etwas anderes als der Euro.
ja, das denke ich auchGeändert von Wolfgang60 (19.05.2010 um 17:54 Uhr)
Ich bin, also denke ich
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19.05.2010, 18:03
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19.05.2010, 18:05Inaktiver User
AW: Transaktionssteuer – Trojansisches Pferd für allgemeine Steuererhöhungen?!?
Dann seid ihr eben hier in der BriCom zu falschen Schlüssen gekommen.

Ja es gibt mehere und alle spielen nach dem gleichen Prinzip, nachdem Bretton Woods und Kalter Krieg Geschichte war. Das ändert nichts am Problem der Zinseszinsen ob das Geld nur von einer oder mehreren Banken geschöpft wird.
Genau in den von Dir beschriebenen Fall, hätten einige Markteilnehmer aber weiterhin Schulden und es gäbe dann eben kein Geld mehr für Tilgung und Zinsverpflichtung. Genau die Höhe dieser Schulden entspricht der über Jahren aufgelaufenen Zinseszinslast global gesehen, wenn ich bei Deinem Beispiel bleibe.
Das spielt doch letztendlich gar keine Rolle, denn die Menge der zu zahlenden Zinsen werden global gesehen weiterhin steigen, völlig unabhängig davon ob sich mal ein Land entschuldet/spart. Die Zinseszinsformel kennt eben nur diese eine Richtung - es sei denn, man führt Minuszinsen flächendeckend und dauerhaft ein.
Dieses Geld spielt gar keine Rolle, denn es wird auch wieder abgezogen und es ergibt sich eine Nullsumme. Fakt ist, dass Zentralbankgeld, welches für Zinsen verliehen wird, das System oder Marktteilnehmer in den Bankrott führen wird. Außerdem: Die Geschäftsbanken bieten ihre Kredite niemals an, ohne Zinsen zu nehmen und auch das wird im Laufe der Zeit zum Systemkollapps oder Bankrott einzelner Markteilnehmer führen müssen, denn die Zinseszinsen werden eben irgendwann zu hoch im Vergleich mit den geschaffenen Werten etc. pp.
Das schrieb ich ja bereits: z.B. mit Gold.
Das kommt darauf an. Wenn die 750 Mrd wirklich wie versprochen wieder eingesammelt werden, dann bedeutet das Deflation, denn die Zinsen für die 750 Mrd (keine Ahnung was der Zinsatz ist - ich nehme einfach mal 0,5% an) werden ja fällig - immerhin 3,75 Mrd pro Jahr. Die müssen dann natürlich eingespart werden... Letztendlich "zahlt" auch das der Steuermichel.
Das ist ja auch genau die Frage nun: Sparen oder weiter Verschulden... Da ich an den systemischen Fehler im Geldsystem glaube, wäre es global gesehen, besser zu verschulden. Der Schuldenschnitt oder Bankrott kommt so oder so, früher (weiter verschulden) oder später (nun sparen), aber er kommt definitiv. War schon immer so und wird immer so sein. Dann lieber weiterhin in Saus und Braus leben.
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19.05.2010, 18:25
AW: Transaktionssteuer – Trojansisches Pferd für allgemeine Steuererhöhungen?!?
Zitat von Ahab
Na, wo ist dann das Problem? Die Geldmenge die zur Zinszahlung fehlt könnte in Gold, Fremdwährung, Wertpapieren etc. bezahlt werden, schreibst Du ja selbst. So what?
Deine Annahme scheint auf einem statischen System zu beruhen. Es geht aber um Liquidität, und die wird auf mehr Wegen gesteuert als über den Zinssatz. Insofern besteht das Problem sowieso nicht.
Desweiteren fehlt natürlich das wichtigsten um diese "Theorie" schlüssig erscheinen zu lassen: Der Nachweis eines Zusammenhangs, wieso sich Staaten aufgrund von Zinseszins
immer weiter verschulden müssen. Müssten sie nämlich nicht.
Das Geld das ursprünglich im bsplsw. DM Kreislauf war, wurde auch nicht gegen Zinsen ausgegeben, sondern nach der Währungsreform zugeteilt.Geändert von Ahab (19.05.2010 um 18:30 Uhr)
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19.05.2010, 19:43Inaktiver User
AW: Transaktionssteuer – Trojansisches Pferd für allgemeine Steuererhöhungen?!?
Da hast Du recht (Nur ganz kurz - später oder morgen mehr zu dem Rest Deines Postings):
>>Die 40 DM Startgeld, welche von der "Bank Deutscher Länder" (heute: "Deutsche Bundesbank") an jeden Bürger ausgezahlt wurden, bezeichnet man auch als "Kopfgeld". Im August desselben Jahres gab es noch einmal 20 DM Kopfgeld. Unternehmen erhielten
außerdem einen Betrag von 60 DM je Arbeitnehmer. Mit diesem schulden- und zinsfreien Kopfgeld kam die im Zweiten Weltkrieg ruinierte deutsche Wirtschaft erstaunlich schnell wieder in Gang. Aber weitere Kopfgelder wurden leider nicht mehr ausgezahlt. Stattdessen lieh die Bank Deutscher Länder bzw. die Deutsche Bundesbank jetzt alle nachfolgenden Geldschöpfungen gegen "Leitzinsen" an die privaten Geschäftsbanken aus. Über die "Geldpolitik" der Bundesbank ("Diskont-, Mindestreserve-, Offenmarkt-Politik" etc.) soll in diesem Zusammenhang nicht gesprochen werden, um das Wesentliche, nämlich das Schuld- und Zinsgeldwesen des Bankensystems, nicht aus den Augen zu verlieren. Entscheidend ist, dass die Geschäftsbanken das ihnen von der Bundesbank geliehene Geld nur
gegen Zinssätze, die weit über dem Leitzins der Bundesbank liegen, als "Kredit" weiterverleihen. Absurderweise verlangen sie also bei der Rückzahlung ("Tilgung") der Kredite mehr Geld zurück als sie überhaupt ausgeliehen haben! Es müssen also neue Gelder
geliehen werden, um die Zinsen für die alten bezahlen zu können. So kommt der Zinseszinsmechanismus in Gang (Gebauer 1998, S.6).
Der Zinseszinsmechanismus führt aber zu einer sich exponentiell beschleunigenden Verschuldung der Gesamtheit von Produzenten, Konsumenten und Staat ("Staatsverschuldung") beim Bankensystem (Bundesbank plus Geschäftsbanken). Das heutige Geldwesen erzeugt also eine kollektive Verschuldung (Lietaer 1999, S. 134-136).<<
http://www.geowiss.uni-hamburg.de/i-...kopfgeldes.pdf
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19.05.2010, 21:06
AW: Transaktionssteuer – Trojansisches Pferd für allgemeine Steuererhöhungen?!?
KANN dazu führen und hat BISHER dazu geführt!
Wenn das Bruttosozialprodukt und der Gegenwert der, der Verschuldung gegenüberstehenden Werte ebenfalls ansteigt - dann ist eine parallel ablaufende Verschuldung kein Problem.
Schulden sind übrigens nicht nur für den Häuslebauer teilweise unabdingbar, will er denn noch in jungen Jahren im eigenen Haus wohnen. Selbiges gilt auch für den Industriebetrieb der für den erhaltenen Auftrag die Rohstoffe und Halbfertigprodukte vorfinanzieren muss. Jeweils stehen den Schulden Gegenwerte gegenüber!
Ist ein Privathaushalt überschuldet, so werden die Sicherheiten verwertet und die Bankschulden damit abgegolten. Ist ein Industriebetrieb überschuldet MUSS er Insolvenz anmelden - Eine dauerhafte ÜBERSCHULDUNG ist somit ausgeschlossen.
Es hat schon gute Gründe, warum eine Bundesbank Geld an Privatbanken herausgibt, ua. trägt die Privatbank auch das kompette Ausfallrisiko. Zudem sind die Ausleihungen streng an das Eigenkapital der Bank gekoppelt, es kann also niemand morgen eine Bank gründen und übermorgen ein paar Millionen zu 1 % Zins anfordern!
Allerdings hat "den Trick des billigen Geldes" auch die Politik erkannt. Was lag näher als im Bundesland xy "einfach" eine Landesbank zu gründen, dieser unbegrenzt Eigenkapital und oder Landesbürgschaften mitzugeben UND nun für 1 % billiges Geld von der Bundesbank zu leihen - und dieses für 5 % auf dem Kreditmarkt zu plazieren. Aus Höflichkeiten haben diese Landesbanken dann ca. 10 % ihres Kreditgeschäftes an kleine Mittelständler, zur Gebäudesanierung und zur Wohnungsbaubeihilft verwendet UND den Rest am Kapitalmarkt in Konkurrenz zu Privatbanken angelegt. DOCH WAS IST DAS WESEN JEDER STAATSWIRTSCHAFT? Sie ufert aus, entwickelt komplizierte Verwaltungsstrukturen, vergleicht sich mit der privaten Konkurrenz und will besser sein. Man schaue sich nur mal die Prunkbauten der Landesbanken an. UND DAS ERGEBNIS - wie in jeder Staatswirtschaft erleiden Staatsbetriebe, sobald sie in fairem Wettbewerb zu Privatbetriebe stehen, Schiffbruch.
Den Landesbanken wurde von der EZB die Kompletthaftung des Bundes entzogen, damit stiegen ihre Kapitalmarktzinsen und sanken die Renditen. Nun hätte man sich halt damit bescheiden können - nur das kann ein Staatsbetrieb eben nicht - und so "investierte" man in Immobilienfonds in den USA, in Griechische Staatsanleihen, gründete (zwecks Steuerersparnis) Tochtergesellschaften in Dublin, London, Singapur, New York etc. UND war DER Verlierer sämtlicher Krisen der letzten Jahre und schreibt Verluste über Verluste - trotz des billigen Geldes im "Einkauf". UND die Deutsche Bank war weder erheblich in Subprimes noch in Griechenland investiert und schreibt satte Gewinne - HÖCHSTSTRAFE!
Interessant zBsp. auch die Entwicklung des "Staatsbetriebes" Öffentlich-Rechtliches Fernsehen. Ursprünglich erschaffen zur Nachrichtenversorgung der Bevölkerung. UND NUN wie viele Radio- und Fernsehsender staatlichen Ursprungs gibt es UND hat nicht jede eigene Anstalt ihre eigene Wetter-, Nachrichten- und Unterhaltungsredaktion? Wie viele Wetter gibt es denn das ZDF, ARD, SWR, HR, WDR etc. alle eigene Redaktionen benötigen? Wie viele "Staatsbeamte" arbeiten denn mittlerweile für unsere Gebühren an der Nachrichtenversorgung - immer mehr und immer mehr - und dann gründet man KIKA, ZDF neo und bei unserem SWR Radiosender kann man Eintrittskarten kaufen, sie veranstalten Konzerte, gründen Clubs mit Mitgliederzeitschrift und so weiter und so weiter ...
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19.05.2010, 21:37
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19.05.2010, 21:58Inaktiver User
AW: Transaktionssteuer – Trojansisches Pferd für allgemeine Steuererhöhungen?!?
Genau - das Zinseszinsproblem.
Ewiges Wachstum ist in der Realwirtschaft eben nicht möglich (begrenzte Resourcen). Papiergeld-Zahlen können aber ins Unendliche wachsen (exponentiell).
Schaut dochmal wie stark sich Real- und Finanzwirtschaft seit den 70er (Ende Bretton Woods) auseinanderentwickelt haben. Jetzt haben wir statt Oil-Peak eben
Debt-Peak
(kann ich mir die Wort-Kreation schützen lassen
)
bekommen.




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