Wir haben immer weniger zu verteilen. In ganz Europa.
Gestern hat man in Spanien ein Sparpaket beschlossen, das gerade bei jungen Familien ansetzt. Es wurde z.B. die Prämie für die Geburt eines Kindes, die bisher bei 2.500 Euro lag, ersatzlos gestrichen. Viele Menschen sind verzweifelt, da es für Langzeitarbeitslose fast keine Unterstützung mehr gibt. Diese Menschen haben nicht mal mehr Geld für die Miete.
Die Menschen hier schimpfen auf die Griechen, weil sie das Gefühl haben, dass der spanische Staat für Griechenland Milliarden übrig hat, und dafür die ärmeren in der Bevölkerung bis zur absoluten Untergrenze schröpft. Nebenbei schimpft man auch über die Deutschen, die mit ihrer Exportpolitik Europa zerstören würden.
In Deutschland ist es ja ähnlich. Viele Städte sind pleite, die Menschen, die unter die Armutsgrenze fallen, werden zahlreicher.
In Diskussionen fällt mir auf, dass in unserer Gesellschaft der Solidaritätsgedanke nichts mehr zählt.
Da beschimpfen sich junge und alte gegenseitig, da gibt es Konflikte zwischen festangestellten, gut situierten Arbeitern und andererseits Zeitarbeitern. Hinzu kommt die Kluft zwischen Arbeitern und Beamten zwischen Arm und Reich und und und.
In Deutschland werden wir in den nächsten Jahren dramatische Einbußen haben. Uns werden die Mittel fehlen, die nötig sind, über einen finanziellen Ausgleich Ruhe und Frieden zwischen den einzelnen gesellschaftlichen Gruppen zu schaffen.
Ich fürchte, dass sich unsere Gesellschaft extrem ändern wird, von Verhaltensänderungen einzelner Individuen bis zu einer Renaissance extremer Parteien. Auch die Solidarität zwischen den Ländern scheint sich manchmal in Hass umzuwandeln.
Sehe ich zu schwarz?
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14.05.2010, 13:44
Bald Verteilungskämpfe in Deutschland und Europa
Ich bin, also denke ich
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14.05.2010, 13:58
AW: Bald Verteilungskämpfe in Deutschland und Europa
Die Fakten:
Im Jahr 2007 lag das Arbeitnehmerentgelt in der Summe bei
1 181,0 Mrd. Euro und damit um gut 39 % höher als im Jahr
1991 (847,0 Mrd. Euro). Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen
haben sich in diesem Zeitraum mit + 86 % auf
643,2 Mrd. Euro im Jahr 2007 (1991: 345,6 Mrd. Euro) deutlich
stärker erhöht.
Bis zum Jahr 2003 haben sich Arbeitnehmerentgelt
und Unternehmens- und Vermögenseinkommen
weitgehend im Gleichklang entwickelt, in den letzten vier
Jahren ist die Schere dann deutlich zugunsten der Unternehmens-
und Vermögenseinkommen auseinandergegangen.
Dies spiegelt sich auch im Absinken
der Lohnquote, dem relativen Anteil des Arbeitnehmerentgeltes
am Volkseinkommen, von 70,8 % im Jahr 2003 auf
jetzt 64,7 % wider.
http://www.destatis.de/jetspeed/port...perty=file.pdf
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14.05.2010, 14:02
AW: Bald Verteilungskämpfe in Deutschland und Europa
Die nächste Krise der Finanzmärkte wird auch das bisher noch ruhige Deutschland erschüttern. Da bin ich mir sicher. Noch besteht aber ein kleines Zeitfenster für die Politiker um gegenzusteuern.
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14.05.2010, 14:44
AW: Bald Verteilungskämpfe in Deutschland und Europa
Irgendwann und irgendwo muss sich ja der T-Euro mal bemerkbar machen, wenn die Preise sich teilweise verdoppeln, die Löhne aber maximal gleichbleiben, wenn nicht sogar sinken.
Bis dato war in den offiziellen Medien noch immer kein Wort dazu zu lesen, warum die Menschen in Griechenland so aufgebracht sind und demonstrieren:
Wegen dem drohenden Bargeldverbot, welches früher oder später in ganz Europa eingeführt werden soll.
Die Legitimierung für ganz Europa ist gerade dabei, geschaffen zu werden.
Dazu muss nahezu jedes Euro-Land nahe an den Bankrott geführt werden, damit dann als "drastische Sparmaßnahme" nur noch ein Bargeldverbot hilft.
Ich weiß nicht mehr, wer es hier mal ansprach...
Sieht fast so aus, als setze man tatsächlich auf Ausdünnung der Bevölkerung. Das kam seinerzeit im Zuge der Sarrazin-Diskussion zur Sprache.
Es soll ja Leute geben, die es ganz unverhohlen wagen, zu behaupten, das unkontrollierte Wachsen der angeblichen Überbevölkerung könne so nicht mehr weitergehen.
Was mit anderen Worten hieße, dass kontrolliert werden müsse, wer sich wo fortpflanzen darf, und welches Leben nicht wert ist, dass es sich fortpflanzt.
Das hieße dann wieder mal Selektion unwerten Lebens.
Jemand schwingt sich dann auf, dies zu definieren.
Da werden dann auch schon mal menschenverachtende Zwangsmaßnahmen wie in China hochgelobt, und nimmt einfach stillschweigend achselzuckend hin, dass dies zur Folge hat, dass weibliche Föten abgetrieben werden, oder, weil man sich eine Abtreibung nicht leisten kann, weibliche Neugeborene getötet werden.
Nur die besten, leistungsfähigsten, produktivsten, vorteilhaftesten Menschen dürfen leben.
Und sowas nennt sich "zivilisiert"!
Animalisch nenne ich das!
Teuflisch!
Zwingen kann man die Menschen heutzutage schlecht, sich nicht fort zu pflanzen. Die Bevölkerung zwangsweise reduzieren geht auch nicht mehr. Dazu haben sich die Nazis wohl zu "blöd" angestellt.
Also hetzt man die Bevölkerung aufeinander, indem man sozial höchst unverträgliche Sparmaßnahmen und Gesetze erlässt.
Damit diese als gerechtfertigt da stehen, lässt man - wie in Griechenland - die Zügel so lange ZU locker, bis man Grund hat, mit der Peitsche drein zu schlagen.
Falls die Bevölkerung nicht so gehässig reagiert wie gewünscht, mischt man sich halt unters Volk und hilft ein wenig nach. Einerseits bei der Korruption - andererseits unter denen, die gegen die Korruption, für dessen Folgen man das Volk dann im wahrsten Sinne bluten lässt, auf die Barrikaden gehen.
Leute, ich sag Euch blos:
Macht da nicht mit!
Last Euch nicht aufstacheln zu einem Bürgerkrieg.
DAS ist es was DIE wollen.
Das beste was Ihr gegen DIE unternehmen könnt:
Bleibt friedlich!!!
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14.05.2010, 15:08
AW: Bald Verteilungskämpfe in Deutschland und Europa
Ich sage das nicht nur zum Spaß:
Lieber brate ich mir im Wald am Lagerfeuer ein Eichhörnchen und ernähre damit meine Familie, wenns sein muss, als dass ich mir ein "besseres Leben" buchstäblich erkämpfen muss.
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14.05.2010, 15:36
AW: Bald Verteilungskämpfe in Deutschland und Europa
Ich glaube, dass ganze hat mit dem Euro nur wenig zu tun. Die Finanzwirtschaft würde auch ohne Euro alles in Grund und Boden spekulieren. Und die Schulden würde sich auch ohne Euro in allen Staatshaushalten auftürmen.
Die Industrieländer werden zwangsläufig durch die Aufholjagd der Schwellenländer ihren Wohlstand zu einem gewissen Grad verlieren. Da führt für mich kein Weg dran vorbei.
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14.05.2010, 16:03
AW: Bald Verteilungskämpfe in Deutschland und Europa
Der T-Euro hat bewirkt und bewirkt immer noch, dass er die Vergrößerung der Kluft zwischen Arm und Reich enorm beschleunigt.
Dadurch vergrößert sich auch die Macht der Reichen.
Immer wieder ist zu hören, wie die Wirtschaft der Kanzlerin diktiert, sie solle ihre Hausaufgaben machen. Und sie pariert brav und fleißig.
Obwohl (eher weil) dadurch die Reichen (Privatpersonen - nicht die Wirtschaft) immer reicher werden, geht es den Ländern, Staaten, der Bevölkerung immer schlechter.
Und das ist so gewollt.
Immer wieder ist zu hören - man kann es schon gar nicht mehr hören - dass die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer, aber niemand tut etwas dagegen.
Wo sitzen denn die Reichen mit aufgerissenem Schlund und saugen ganze Staaten aus und werden immer noch reicher:
In den Banken.
Solange daran nichts geändert wird und die Steuergelder nicht in Staatlichen Banken angelegt werden (private Banken müsste man dabei gar nicht mal verstaatlichen, es würde reichen, sie links liegen zu lassen), und das Volk den Zinsen hinterher hächelt, welche es zu bezahlen hat, für Geld, das ihnen von dem Geld geborgt wird, welches sie zuvor den privaten Banken zwangsweise geborgt haben, wird das immer schlimmer.
Also nochmal für die Zunge:
Wie leihen denen Geld. Wir Kriegen dafür minimal Zinsen. Diese wenigen Zinsen, die wir von denen bekommen, zahlen wir auch noch selber.
Sie leihen uns dieses Geld, welches wir zuvor ihnen zwangsweise geliehen haben.
Dafür, dass sie uns unser Geld leihen, zahlen wir dann nochmal Zinsen.
Dadurch wird das Volk, die Länder, die Staaten ausgeblutet.
Einige wenige werden immer reicher und haben bald die ganze Weltgemeinschaft in ihrer Hand.
Mit einem Handstreich könnte man denen den Hahn abdrehen:
Jedes Land zahlt seine Steuereinnahmen
in eine eigene staatliche Bank.
Dazu müsste man die bestehenden privaten Banken gar nicht mal verstaatlichen/enteignen.
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14.05.2010, 23:45
AW: Bald Verteilungskämpfe in Deutschland und Europa
Wie verhindert man am wirksamsten einen Verteilungskampf?
Dazu hat meine Mutter mir und meinen fünf Geschwistern
eine der wichtigsten Tugenden beigebracht, die man im Leben braucht:
Man muss auch teilen können.
Dazu lehrte sie uns folgenden Spruch:
Lass dem Anderen Deine Hilfe angedeihen.
Aber hüte Dich, ein gutmütiges Schaf zu sein.
Also alles mit Maß und Ziel.
Ich darf mir nicht alles aneignen, was ich haben kann.
Ich muss auch anderen was übrig lassen.
Und, wenn ich mehr habe als ich brauche und ein anderer zu wenig oder gar nichts, dann ist es selbstverständlich, dass ich was abgebe.
Was man mit anderen teilt, darum muss niemand kämpfen.
Man soll sich aber auch nicht ausnutzen lassen, wenn man sieht, dass dadurch andere nur immer noch reicher werden.
Dann ist man das gutmütige Schaf.
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15.05.2010, 10:10Inaktiver User
AW: Bald Verteilungskämpfe in Deutschland und Europa
Hm - ist denn alles geschrumpft? Werfen wir nicht teilweise Neuproduktion auf den Müll bzw. verkürzen künstlich die Lebenszyklen von Produkten?
Zitat von Wolfgang60
Ich hoffe sehr auf eine Verhaltensänderung, allerdings im positiven Sinn.Ich fürchte, dass sich unsere Gesellschaft extrem ändern wird, von Verhaltensänderungen einzelner Individuen.
Nichts gegen Sie, aber Ihr Beitrag liest sich, als ob ihn in weiten Teilen ein neoliberaler Dogmatiker verfaßt hätte. Und der sind Sie nicht.Sehe ich zu schwarz?
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15.05.2010, 10:48Inaktiver User
AW: Bald Verteilungskämpfe in Deutschland und Europa
Am Anfang der Industrialisierung gab es das gleiche Problem. Reiche Menschen bauten Fabriken und haben die Not der Armen ausgenutzt, um sie für einen Hungerlohn unter miesesten Bedingungen für sich arbeiten zu lassen, um so das Maximum an Gewinn für sich herausholen zu können. Nach und nach traten Gesetzgeber regulierend ein und schufen "Spielregeln", um menschenwürdige Bedingungen für alle zu schaffen. Heutzutage agieren große Firmen, Konzerne, Finanzspekulanten global. Es ist niemand da, der Einhalt gebieten könnte. Wenn in einem Staat nicht mehr die große Kohle zu machen ist, so ziehen sie weiter in den nächsten oder übernächsten. Zurück bleiben Horden von Arbeitslosen oder Menschen, die für einen Hungerlohn arbeiten.
Dass man in einem Staat nicht mehr verteilen kann als da ist, ist doch wohl klar. Wer soll das denn alles bezahlen? Und wir sind doch letztendlich selbst mit Schuld. Immer von allem das Billigste kaufen. Wo wird denn das Billigste produziert? Etwa bei uns? Nein, wir kaufen das Zeug, das in Lohnniedigländern produziert wurde und vernichten so die Arbeitsplätze im eigenen Land. Das ist meist qualitativ schlecht, wurde in umweltzerstörerischer Weise produziert, hält nicht lange und wenn es kaputt ist, werfen wir es weg und erhöhen so die Müllberge und kaufen neues billiges Zeugs.
Die einzige wirksame Methode dem ganzen Irrsinn wirksam entgegen zu steuern, wäre eine Art Weltregierung, die neue Spielregeln festlegen könnte. Aber so etwas bleibt wohl Utopie. Schon werden Rufe laut, die Europäische Union wieder abzuschaffen. Der Trend geht wohl wieder hin zu Kleinlädertum. Aber so kann kein probates Mittel gefunden werden, um intelligent unsere vorhanden Ressourcen einzusetzen. Es muss wohl noch eine Weile weiter den Bach runter gehen, ehe wir Menschen zur Besinnung kommen.


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