Verloren im Nachrichtendschungel
Der Siegeszug des Internets und die explosionsartige Verbreitung von Online-Nachrichten stellt eine demokratische Revolution dar und schenkt den Menschen neue Freiheiten. Doch birgt das Internet gerade wegen seiner vielen Möglichkeiten auch Gefahren. Denn auf Tausenden von Webseiten und Blogs werden zahllose mehr oder weniger gut recherchierte Informationen, Gerede und Gerüchte verbreitet. In diesem allgemeinen Informationsdurcheinander erlangt die Meinung eines Ideologen oder Aktivisten nicht selten den gleichen Stellenwert wie die eines Experten, eines anerkannten Wissenschaftlers oder Forschers.
Ob zu Gesundheitsfragen, zu Terror und Seuchen, ob Verschwörungstheorien oder antisemitische Äußerungen - die schlimmsten Anschuldigungen, die abwegigsten Vorstellungen lassen sich mit Hilfe des Internets in Sekundenschnelle verbreiten und werden in "Stille-Post"-Manier immer weiter verzerrt.
Von allen Gerüchten, die im Internet kursieren, wird weltweit mit dem 11. September 2001 die größte Manipulation getrieben. In Deutschland sind es vor allem Gesundheitsfragen, die sich zur Verbreitung von Panik und zur Befeuerung von Verschwörungstheorien eignen. Zum Beispiel der Vorwurf, der Impfstoff gegen die Schweinegrippe sei entwickelt worden, um die Menschheit auszurotten. Oder die Verschwörungstheorie, nach der sich einige große Pharmaunternehmen mit den führenden Lebensmittelkonzernen zusammengetan hätten, um die Kontrolle über die Ernährung auf diesem Planeten an sich zu reißen.
Vor allem Radikale jeglicher Couleur machen sich die Auswüchse des Internets zunutze. Und einzelne unterstützen dies zusätzlich. Vor allem Diktaturen haben verstanden, welchen Nutzen sie aus dem Internet ziehen können. Die Dokumentation verdeutlicht, was für die demokratischen Systeme auf dem Spiel steht und wie tiefgreifend sich die Informationslandschaft derzeit verändert.
TV-Sendung auf ARTE
Dienstag, 9. Februar 2010 um 20.15 Uhr
Wiederholungen:
12.02.2010 um 10:30
22.02.2010 um 03:00
26.02.2010 um 02:10
Themenabend auf ARTE, mit Video-Auszügen und Detailinfos
*hier* 7 Tage lang direkt im Internet zu sehen
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Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 59
Thema: Journalismus und Internet
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09.02.2010, 22:06Inaktiver User
Journalismus und Internet
Geändert von Inaktiver User (09.02.2010 um 22:25 Uhr)
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09.02.2010, 22:18Inaktiver User
AW: Journalismus und Internet
Journalismus auf Abwegen
Die Gier nach Sensationen und eine Fixierung auf Prominente oder Pseudoprominente nehmen in den Medien immer mehr zu. Dadurch, dass es für jedermann möglich ist, per Internet ungebremst und ohne Prüfung des Wahrheitsgehalts seine Meinung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und sie gar als Nachricht zu tarnen, werden die Arbeitsbedingungen für seriöse Journalisten immer schwieriger. Wer sind die Meinungsmacher heute?
Gerüchte, Sensationshascherei, die Fixierung auf Prominente und Pseudoprominente, aufsehenerregende Mediencoups und Wegwerfnachrichten - haben die Medien heute vielleicht weder die Möglichkeit noch den Willen, sich der Diktatur der Emotionen, der Tagesaktualität und der Meinungsumfragen zu entziehen? Eine Medienlandschaft, in der die Grenze zwischen professionellem Journalismus und bloßer Meinungsäußerung von Mitbürgern und Aktivisten zusehends verschwimmt und Unterschiede zwischen Nachrichtensprechern, Moderatoren, Comedians, Krawallmachern und seriösen Journalisten kaum mehr wahrzunehmen sind, gibt Anlass zur Beunruhigung. Diese Entwicklungen werden in Europa und in den Vereinigten Staaten immer heftiger diskutiert. Der Themenabend setzt sich mit zentralen Fragestellungen dieser Problematik in zwei Dokumentationen und einer Diskussionssendung auseinander.
Themenabend auf ARTE
Dienstag 9. Februar 2010
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10.02.2010, 11:53
AW: Journalismus und Internet
Möchtest du dieses Thema diskutieren?
Zitat von Inaktiver User
Dann frage ich, wie unterscheiden sich Ideologen oder Aktivisten von den Menschen, die einfach nur ihren gesunden Menschenverstand nutzen?
Zu welcher Gattung zählst du dich?
Und wie stehst du dazu, wenn Behauptungen aufgestellt werden, die sehr wenig mit den Realitäten zu tun haben?
Ich denke da zum Beispiel an deine Behauptung, Rentner zahlten bei uns keine Krankenversicherung. Ich habe dich dreimal dazu um eine Stellungnahme gebeten. Ohne Erfolg!
Auf welcher Seite stehst du? Oft ist mir das nicht so richtig einsichtig.
Ich frage das, weil du dir in vielen Themenbereichen sicher sehr viel Mühe gibst, weil du eine engagierte Person zu sein scheinst, und weil ich der Meinung bin, dass es keinem Menschen schadet, auch einmal zuzugeben, dass man sich im Eifer des Gefechtes vergaloppiert hat.. Ich mag dich nicht weil du bist wer du bist, sondern dafür wer ich bin,
wenn ich mit dir zusammen bin.
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10.02.2010, 12:22Inaktiver User
AW: Journalismus und Internet
Herzlich gerne. Allerdings vorzugsweise auf der Basis des ARTE-Themenabends.
Um einer fundierten Diskussion nicht vorzugreifen, möchte ich hier nur soviel sagen:Auf welcher Seite stehst du? Oft ist mir das nicht so richtig einsichtig.
Ich stehe im Zweifelsfall in der größtmöglichen Distanz zu der Art der Nutzung des Internets, wie Jack_London es in diesem Forum beispielhaft und anschaulich vorgestellt hat. (Ich will dabei ausdrücklich keine userbezogene Diskussion führen. Er ist lediglich ein Beispiel, bei dem jeder weiß, was ich meine, wobei es immer mehr Menschen gibt, die dem Internet in ähnlicher Weise begegnen wie er.)
Ich finde es haarsträubend dem sogenannten Qualitätsjournalismus gegenüber extrem misstrauisch zu sein und im Gegenzug jeden noch so windigen Blog, jedes noch so fragwürdige YouTube-Video und jede noch so verquere ideologische Aussage mit der Gläubigkeit eines Kindergartenkindes in sich aufzunehmen.
Dies nur als kurze Erklärung, wieso ich dieses wichtige Thema dieses bemerkenswerten Themenabends hier überhaupt hineingestellt habe, und zwar vorerst unkommentiert. Hättest du mich nicht in dieser direkten Weise persönlich darauf angesprochen, so dass ein Schweigen merkwürdig gewirkt hätte, dann hätte ich es dabei gern belassen, bis der eine oder andere die Zeit gefunden hat die Aufzeichnung der Sendung anzuschauen.
Es steht jedem frei diese 45 Minuten Zeit zu investieren oder nicht, aber wenn man sie nicht erübrigen will, hat eine Diskussion nur wenig Sinn.
.Geändert von Inaktiver User (10.02.2010 um 12:48 Uhr)
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10.02.2010, 14:12
AW: Journalismus und Internet
ich beobachte z.B. etwa 6 Seiten bei Wikipedia - aus reinem Interesse. Und ich bin sehr erstaunt, wie schnell bestimmte negative Informationen von irgendwem sofort wieder geradegerückt werden. Manchmal halten sich die Neueinträge keine einzige Stunde.
Mein Mißtrauen gegenüber Blogs wächst stetig, weil das Internet jedermann ermöglicht, seinen höchts persönlichen Frust als systemimmante Fehlentwicklung zu interpretieren. Manchmal kommt es mir vor, wie auf einem Marktschreierwettbewerb. So gerne ich in der Bricom lese und schreibe, aber so ganz ist auch dieses Forum davon nicht verschont.
Zu meinem großen Glück habe ich zwar nicht andere oder bessere Informationen, aber ich verliere die Lust weiter zu lesen oder gar weiter zu diskutieren. Dann lösche ich die entsprechenden Abonements - und mir geht es gut.
Schon vor Jahren habe ich aufgehört Fernsehnachrichten zu gucken. Der Hofjournalismus ging mir auf den Keks.
Ich höre gerne Radionachrichten und -berichte oder lese unsere Regionalzeitung. Wenn mich die Meldung nicht interessiert, lese ich was anderes oder höre im Radio nicht hin. Beim Fernsehen ist das nur möglich, wenn man weiterzappt, aus dem Zimmer geht oder abschaltet.Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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10.02.2010, 14:21
AW: Journalismus und Internet
Was ist denn "Qualitätsjournalismus" ?
Gibt es sowas überhaupt ?
Fakten und Vorkommnisse werden übers Internet sehr schnell verbreitet.
Die Aufgabe von Journalisten wäre es, Zusammenhänge sowohl überregionaler Art, geschichtlicher Art und juristischer Art herzustellen.
Das geschieht aber nicht.
Ein ähnliches Beispiel: unserer Tageszeitung wurde vor einigen Monaten ein neues Layout verpasst. Leserbriefe ohne Ende dazu. Einige schrieben: wir hatten erhofft, dass Sie (die Redaktion) bei dieser Gelegenheit eine Seite für Informationen zur Arbeit der EU bereithalten.
Genau ! Aber die Schnarchnasen von der Redaktion denken natürlich nicht soweit. Haben das inzwischen auch nicht realisiert.
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10.02.2010, 14:25
AW: Journalismus und Internet
Es gibt zumindest aber fundierte Ausbildungen für Journalisten. Dazu gehört u.a. nicht ungeprüft eine einzige Information als Nachricht zu verbreiten.Was ist denn "Qualitätsjournalismus" ?Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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10.02.2010, 14:28
AW: Journalismus und Internet
Nun, ehrlich gesagt Opelius, was Qualität ist bestimme ich selbst.
Und zwar messe ich das an meiner eigenen Intelligenz und an meinen Informations-Vorstellungen.
Kennst du eine Tageszeitung, die regelmässig über EU-Interna berichtet und die dortigen Überlegungen in Zusammenhang mit den regionalen Situationen in Verbindung setzt ?
Mich würde das sehr interessieren.
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10.02.2010, 16:05Inaktiver User
AW: Journalismus und Internet
Das [Fettgedruckte] finde ich schon dreist- man kann sich von der Art eines Users, wie er gewisse Inhalte/Seiten etc. verlinkt, ja distanzieren, aber damit werden doch manche Inhalte nicht weniger wichtig?
Immerhin zweifelte der betreffende User fuer uns, mich, vertraute "Wahrheiten" der "Klimaexperten" an, und gab sich Deinem- und anderer- Hohngelaechter preis, aber nicht dem anderer Journalisten- die vielleicht etwas geschickter zu serioesen Wissenschaftlern und deren Ergebnissen verlinken und mit weniger plakativen Ueberschriften zu ganz aehnlichen Schluessen kommen.
Sich an seiner- natuerlich nur stellvertretend aufgefuehrten- Hartnaeckigkeit zu reiben, verstehe ich, Deine eigene Hartnaeckigkeit in Betracht ziehend, gerade nicht.
Ja, das Internet verbreitet Geruechte in Windeseile und Menschen plappern gern alles Gehoerte nach- aber auch Fakten werden dort schnell verbreitet. Und echte Wissenschaft* muss die Konkurrenz des Geruechtes oder die der Halbthese aushalten und echte Neugier verschlingt womoeglich beides.
*um nochmal von meiner aktuellen Lieblingsseite zu zitieren:
“Die wissenschaftliche Methode besteht darin, kühne Hypothesen aufzustellen - und sie der schärfsten Kritik auszusetzen, um herauszufinden, wo wir uns geirrt haben”. (Karl Popper, Ausgangspunkte, 3. Aufl. 1995, S. 118).Geändert von Inaktiver User (10.02.2010 um 16:09 Uhr)
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10.02.2010, 16:09Inaktiver User
AW: Journalismus und Internet
Eine Frage: hat irgendwer von euch meine Links zum ARTE-Themenabend angesehen?


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