Um den Thread über das Minarettverbot nicht zu sehr abschweifen zu lassen, ist vielleicht doch eine eigene Diskussion angebracht. Das Thema sei das hierzulandige Verbot? von "Homescooling".
Meine Frage zur Möglichkeiten der Schulen oder eventueller Unmöglichkeiten lautete:
"Was macht Sie beide so sicher, daß Kinder aus der Schule erfahren, "wie die Welt beschaffen ist"? Schule lehrt "technische Größen" wie Mathe, Geo, Schrift (Tendenz stark wechselhaft), Chemie, Erdkunde. Das kann man nun wirklich jedem Buch entnehmen und selbst vermitteln - vermutlich detailreicher und interessanter, als Schule. Was Kinder in der Schule -und darauf gebe ich Ihnen Brief und Siegel- nicht lernen werden, ist das tiefere Verständnis "der Welt", der Zusammenhänge und Wirkungen. Weil es entweder nicht zum Mainstream paßt, zum kritischen Denken anregt, gar von den Lehrenden selbst nicht verstanden wird oder ganz simpel keine Zeit ist. Am Sprichwort "non vitae, sed scolae.." ist viel dran.
Übrigens: Was als Fernstudium, Auslandsstudium etc geht und die daraus resultierende Qualifikation akzeptiert wird - wieso sollte/ kann/ darf das nicht für jede andere Schulform gelten?"
Ich darf zu zwei Beiträgen Stellung nehmen und so anknüpfen:
Genauso verhält es sich -und das ist das Hauptanliegen!-, wenn man eben als Erwachsener seine Erfahrung, daraus Bestenfalls ein Panoptikum verschiedener miteinander verknüpfbarer Einsichten vermitteln kann. Homescooling muß nicht bedeuten, daß Lehrer und Schüler zu zweit dumpf in einer Kammer vor sich hin lernen. Das Konzept muß keineswegs geistiger Inzest sein, sondern das genaue Gegenteil davon.Zitat von Inaktiver User
Ihre gefühlte didaktische Unfähigkeit -die ich nicht unterstelle- hält Sie, Exzellenz, niemanden von uns nicht davon ab, z.b. in Threads Ihre Meinung und Ihr Wissen kund zu tun. Üblicherweise halten Sie sich in Erziehung und Lehren jedweden Dinges Ihrem Kind ja auch nicht zurück und sprechen sich selbst eine Befähigung ab. Zudem bin ich der Meinung, daß Sie -zumindest einem Kind gegenüber- als Erwachsener mit Ihrem Wissensvorsprung und Erfahrungsschatz keineswegs zu kapitulieren brauchen. Übrigens bejahe ich Homescooling nur für Eltern und Kinder, die sich dazu befähigt fühlen - jedoch nicht als generelles Schulsystem.Ich kann übrigens nichts vermitteln, da meine didaktischen Fähigkeiten gegen Null gehen. Wäre mein Kind auf mich als Lehrerin angewiesen, wäre es verloren.
Was, wenn die Lehrer "es nicht bringen", persönliche Aversionen hegen oder eine existierende Quote zu erfüllen ist?Was, wenn die Kinder sich trotz Begabung mit einem Hauptschulabschluss zufriedengeben müssen, weil ihre Eltern es nicht bringen?
Deshalb schrieb ich explizit: Ziel ist eine Qualifikation anhand definierter Grundlagen, die zu erfüllen sind. Das umfaßt den Lernstoff - wie beim Fernstudium auch.Was, wenn einfach wesentliche Fakten (Biologie, Geografie) nicht unterrichtet werden?
Meinen Sie Studium, um eine Befähigung des Lehrenden (hier: späterer Einsatz als Physiklehrer) zu erlangen, oder als Studierender, um Wissen zu erlangen, das man "zu Hause" nicht erlangen kann?Zitat von Inaktiver User
Nehmen Sie E=m*c zum Quadrat - "gelehrt" wird das von jedem Lehrer. Versteht jeder die Formel? Nehmen Sie Ökonomen, Wirtschaftswissenschaften oder die Lehren zum "Geld" (durchweg höchst maßgebliche "Lehren") - wenn alles so richtig und durchverstanden wäre, was selbst in renommiertesten Unis "gelehrt" wird: Wie beurteilen Sie das Fehlen jedweder einleuchtenden Kritik/ Beschreibung, warum die jetzige Zeit irgendwie "seltsam" ist. Oder nicht einmal erkannt wird, daß "etwas seltsam ist". *"gar von den Lehrenden selbst nicht verstanden wird" -> Dieser Gefahr kann man durch Heim-Unterricht natürlich am wirkungvollsten begegnen.
Womit klar ist, was ich mit "wissenschaftlichen "Mainstream" meinte: Was gelehrt wird, muß nicht zwingend stimmen. Gelehrt wurde auch, die Erde sei eine Scheibe oder der Jude sei Volksschädling. Geglaubt wurde es, wie Sie selbst schrieben. "Lehre" ist nur Abbild eines Wissensstandes (meist Ausschnitt eines evtl. hochspezialisierten Fachgebietes) und u.a. stark von der persönlichen Einstellung des Lehrenden abhängig. Ein tieferes, weitgehendes Verständnis und Zusammenhangserkenntnis geht damit nicht zwingend einher.
Auch dieser Satz ist exemplarisch für die grundlegende Diskussion und das Verständnis bzw. Unverständnis einer Gesamtbeschaffenheit: Sie nehmen einen Teil meiner Meinung, die wiederum nur einen Teil der Lehrenden betrifft aus dem Kontext und bezichtigen mich, Chemielehrer und Pädagogen für "tumb" zu halten.Was der Chemielehrer nicht verstanden hat, entnehmen die sorgenden Eltern jedem Buch- und vermitteln es spannender und detailreicher als der tumbe Pädagoge.
* hier darf ich auf einen Beitrag fifis verweisen (ich hoffe, es funktioniert), der einwandfrei dazu paßt:
Fifi erklärt die Welt :)
Der Beitrag erfaßt und umreißt -obwohl von einem Laien unwissenschaftlich geschrieben- meiner Meinung nach sehr richtig und nachvollziehbar einen Sachstand "zur Welt", deren Paradoxien und gängigen Mechanismen. Es ist "Nicht-Mainstream", wird wohl kaum in einer "Schule" gelehrt werden oder in Lehrmaterialien enthalten sein - eine Richtigkeit vorausgesetzt, wäre genau das aber wichtig.
Sie legen "Erziehung", "Wissen" und ein Bestenfalls daraus resultierendes "Gesamtbild" "in die Hand Weniger, vertrauen fast blind einer Richtigkeit und delegieren Ihre ureigene Verantwortung. Was mich zur Eingangsfrage bringt: Wie können Sie unter diesen Voraussetzungen annehmen, daß Sie oder Ihr Kind nicht zum Teil oder weitreichend falsch informiert werden und dadurch Ihr "Gesamtverständnis" blockiert bzw. fehlgeleitet werden kann? Oder: Was läßt Sie glauben, "Erziehung" und "Lehre" auf andere Weise hergeleitet und praktiziert wäre nachteilig?
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 35
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30.01.2010, 11:09Inaktiver User
Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
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30.01.2010, 13:46
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Was ist eigentlich Homescooling? Kommt das von Cool oder von School?
Englisch sollten Sie jedenfalls nicht Ihren Kindern beibringen.
dixgård
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30.01.2010, 15:19Inaktiver User
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Wenn hier unterstellt wird, dass Lehrer nicht verstehen, was sie unterrichten, mag das gelegentlich zutreffen.
Aber wie kommt jemand auf die Idee zu vermuten, dass Eltern alles verstehen, was sie im Heimunterricht unterrichten?
Besonders wenn es sich um Themen handelt die nichts mit Glauben sondern mit Fakten zu tun haben?
Heimunterricht kann vielleicht in den ersten Klassen der Grundschule einigermaßen funktionieren, aber dann werden Eltern langsam überfordert. Ich kann mit beim besten Willen nicht vorstellen, dass irgendwelche Eltern fähig wären, ihren Kindern die Fakten aller relevanten Fächer von der Muttersprache, Fremdsprachen, Mathematik, Geschichte, Gesellschaftswissenschaften und Naturwissenschaften kompetent beizubringen.
Und in keinem Fall kann Heimunterricht die Sozialisierung ersetzen.
Heimunterricht ist eine Verletzung der Rechte der Kinder auf eine fundierte Zukunft!
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30.01.2010, 15:25Inaktiver User
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Das Bekenntnis der didaktischen Unfähigkeit stammte von Segres und nicht von mir. Ich antworte trotzdem darauf:
Didaktisch bin ich ebenfalls eine Niete. Ich habe Lehrerfahrung (nicht an einer Schule), deshalb kann ich meine Fähigkeiten in diesem Bereich sicher realistisch einschätzen.
Ich habe es unterstrichen: Die gefühlte Befähigung der Eltern ist ein denkbar schlechtes Kriterium für den Heimunterricht. Da kann eine beliebig große Diskrepanz zwischen dem Glauben an die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten und der Realität liegen.
Ich habe keine eigenen Kinder, erlebe aber das Aufwachsen von Kindern in der Verwandtschaft aus der Nähe und mit Begeisterung.
Der Zeitpunkt, wo man sich mit dem Lehren jedweden Dinges zurückhalten muss, kommt tatsächlich sehr schnell. Schon ein Kind im Vorschulalter stellt Fragen, die man als Erwachsener (seien es Eltern, Lehrer oder Erzieher) keineswegs auf die Schnelle beantworten kann.
Es ist gar kein Fehler, das dem Kind (und sich selbst) einzugestehen.
Was für eine Quote?Was, wenn die Lehrer "es nicht bringen", persönliche Aversionen hegen oder eine existierende Quote zu erfüllen ist?
Es gibt immer auch Lehrer, die fachlich oder menschlich für ihren Beruf nicht wirklich geeignet sind. Das kann man nicht bestreiten. Allerdings hat ein Kind oder Jugendlicher im Laufe seiner Schullaufbahn mit den verschiedensten Lehrern zu tun. In den seltensten Fällen werden alle inkompetent sein oder persönliche Aversionen gegen ein und denselben Schüler hegen.
Übrigens ist auch das ein unverzichtbarer Lernprozess: Konflikte aushalten, mit schwierigen Menschen umgehen, sich an anderen (Lehrern oder Mitschülern) reiben.
Und andererseits: Kontakte knüpfen, andere Einstellungen und Lebensstile kennenlernen, Vorbilder finden - und das, was im Elternhaus vermittelt wird, kritisch hinterfragen oder aus einem anderen Blickwinkel sehen.
Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt zumindes dramatisch, wenn man sich über mehrere Semester mit der Relativitätstheorie befasst hat.Nehmen Sie E=m*c zum Quadrat - "gelehrt" wird das von jedem Lehrer. Versteht jeder die Formel?
Hand aufs Herz: Verstehen Sie die Formel?
Da ich bei aller Bescheidenheit sagen kann, in diesen Bereich einen gewissen Einblick zu haben:Nehmen Sie Ökonomen, Wirtschaftswissenschaften oder die Lehren zum "Geld" (durchweg höchst maßgebliche "Lehren") - wenn alles so richtig und durchverstanden wäre, was selbst in renommiertesten Unis "gelehrt" wird: Wie beurteilen Sie das Fehlen jedweder einleuchtenden Kritik/ Beschreibung, warum die jetzige Zeit irgendwie "seltsam" ist. Oder nicht einmal erkannt wird, daß "etwas seltsam ist.
In den Wirtschaftswissenschaften ist es nicht anders als in der Klimatologie oder in der Biologie: Man hat es mit komplexen, keineswegs vollständig verstandenen Vorgängen zu tun, und jedes Modell, das mathematisch sinvoll handhabbar ist, ist notwendigerweise eine grobe Vereinfachung, die die Wirklichkeit keineswegs vollständig abbildet.
Das ist jedem Klimatologen, jedem Neurowissenschaftler und jedem Ökonometer selbstverständlich klar.
Die Vorstellung, dass man an den rennomiertesten Universtäten davon ausgeht, all diese Dinge wären vollständig durchverstanden, ist absolut absurd.
Die Modellierung von Marktgeschehnissen (Aktienpreisprozesse, Schwankungen im DAX, Finanzkrise) ist Gegenstand der aktuellsten, lebndigsten (und spannendsten) Forschung.
Wer würde sich so brennend für diese Themen interessieren, wenn er glaubte, sie wären längst abgehakt?
Nebenbei bemerkt: Dass die Hochschullehrer, die sich mit Wirtschaftswissenschaften und verwandten Gebieten beschäftigen, sämtlich blinde Marktgläubige und kritiklose Kapitalismus-Verehrer wären - das ist ein Bild, dass mit der Realität an deutschen Universitäten nicht viel zu tun hat.
Sie haben ein sehr einfaches und ziemlich schiefes Bild von der hiesigen Hochschullandschaft und bauen so einen Popanz auf, gegen den Sie argumentieren.
Nö. Ein bißchen polemische Zuspitzung ist durchaus erlaubt.Auch dieser Satz ist exemplarisch für die grundlegende Diskussion und das Verständnis bzw. Unverständnis einer Gesamtbeschaffenheit: Sie nehmen einen Teil meiner Meinung, die wiederum nur einen Teil der Lehrenden betrifft aus dem Kontext und bezichtigen mich, Chemielehrer und Pädagogen für "tumb" zu halten.
Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber aus Ihrem Beitrag kann ich (s.o.) entnehmen, dass Sie selber in mancherlei Hinsicht sehr einseitige Vorstellungen haben und dann recht schnell bei der Hand sind mit einer Fundamentalkritik, die an den Tatsachen vorbeigeht.Sie legen "Erziehung", "Wissen" und ein Bestenfalls daraus resultierendes "Gesamtbild" "in die Hand Weniger, vertrauen fast blind einer Richtigkeit und delegieren Ihre ureigene Verantwortung. Was mich zur Eingangsfrage bringt: Wie können Sie unter diesen Voraussetzungen annehmen, daß Sie oder Ihr Kind nicht zum Teil oder weitreichend falsch informiert werden und dadurch Ihr "Gesamtverständnis" blockiert bzw. fehlgeleitet werden kann?
Ihre eigenen Kinder sollten schon die Möglichkeit haben, auch Ihr Gesamtbild mit einer gewissen kritischen Distanz zu hinterfragen.
Beim Heimunterricht hätte ich da meine argen Bedenken.
Grobi, ich biete Ihnen hiemit das Du an.
Das ist zwar sehr mainstreamig, entspricht aber den Gepflogenheiten im Forum.
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30.01.2010, 16:57
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Richtig, so sehe ich das auch. Man kann die Mängel unseres Schulsystems zu Recht kritisieren, aber die allgemeine Schulpflicht ist ein Segen für (fast) alle Kinder.
Wir haben seit Jahren erhebliche Probleme mit fundamentalistischen baptischen Familien, die ihre religiöse Sicht so eng auffassen, dass sie auf keinen Fall ihre Kinder einer allgemeinbildenden Schule anvertrauen möchten.
Dabei gibt es (z.B. bei mir zu Hause nur eine Straße weiter) hier in Deutschland religiös ausgerichtete Schulen. Da sie aber wie alle Privatschulen zu 95% bezuschusst werden, haben sie die allgemeinen Lehrpläne einzuhalten. Sie müssen also auch die Evolutionstheorie und Sexualkundeunterricht geben.
Ich kenne ein paar Familien, die ihre Kinder in der evangelischen Grund- und Hauptschule hier am Ort angemeldet haben. Diese Kinder lernen einmal, dass Gott die Welt, die Tiere und die Menschen erschaffen hat (biblische Sichtweise) und sie lernen, wie sich Jahrmillionen Leben auf der Erde entwickelt hat - und sie lieben alle Dinos (werden die in der Bibel erwähnt?)! Keines der Kinder hat deshalb schizoide Störungen, beide Geschichten existieren für sie nebeneinander und miteinander.
Wenn nunmehr ein amerikanischer Richter dieser einen Familie Asyl gewährt und unsere Schulpflicht verwerflich findet, so sollte uns das wenig jucken. Ich bin sowieso erstaunt, welche Rechtsfälle vor amerikanischen Gerichten laufen, offensichtlich ohne Prüfung, ob das Gericht tatsächlich zuständig ist.
Ich kann mir vorstellen, dass es Gegenden auf dieser Welt gibt, wo die Erfüllung einer Schulpflicht außerordentlich schwierig ist, z.B. in den Outbacks von Australien. Vor Jahren haben ich sehr beeindruckt in einer Kindersendung verfolgt, dass der tägliche Unterricht per Kurzwelle erfolgte. Vielleicht heute einfach online.
Aber auch bei uns gibt es Schwierigkeiten, wenn die Eltern einen Beruf haben, der einen festen Wohnsitz nicht ermöglicht: z.B. Binnenschiffer und Schausteller. Aber selbst für diese Kinder gibt es einen Schulpflicht und sie wird erfüllt.
Ergänzung: selbst auf den winzigen Halligen in der Nordsee werden die 2 oder 3 schulpflichtigen Kinder unterichtet. Da muss sich halt der Lehrer bei Wind und Wetter auf den Weg zu den Halligen machen.
Und ich denke, dass Eltern, die ein besonders begabtes Kind haben und meinen, dass der gewöhnliche Schulunterricht weder ihren Ansprüchen genügt noch ihr Kind fördert, haben immerhin die Möglichkeit, weitere Förderungen privat anzuleiern: z.B. das Erlernen eines Musikinstrumentes, zusätzlicher Vereinsport oder das zusätzliche Erlernen einer weiteren Fremdsprache. Und was hindert einen Wissenschaftler daran sein Kind in die Geheimnisse seines Fachs einzuweihen?Geändert von Opelius (30.01.2010 um 17:19 Uhr)
Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel
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31.01.2010, 09:21
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Ich schließe mich Exzellenz und Opelius (und sogar dgjm, wer hätte es gedacht *g*) vollumfänglich an.
Kein Mensch ist in der Lage, den Lehrplan auch nur der achten Klasse in allen Punkten zu erfüllen, selbst in der Grundschule wird es an manchen Stellen schon kritisch. Und wenn ich eins gelernt habe, dann ist es, dass man als Lehrender immer mindestens das Doppelte vom Schüler wissen muss, mal ganz abgesehen von didaktischen Fähigkeiten. Darüber hinaus ist es alles andere als ein Vergnügen, das eigene Kind zu unterrichten, schon, weil einem einfach der objektive Blick fehlt.
Aber selbst wenn alle Voraussetzungen gegeben wären, ist es für Kinder ein Verlust, nicht gemeinsam mit anderen Kindern (und zwar nicht nur den Geschwistern!) lernen zu dürfen. Die Erfahrung, dass man eigene Fähigkeiten und Talente hat, die der Banknachbar so nicht hat, ist nicht zu ersetzen, das soziale Miteinander, das Lernen vom Anderen, das tägliche Zusammenkommen, die Auseinandersetzung mit Kindern aus anderen sozialen Schichten, all das fehlt dem Kind, das nur von den eigenen Eltern unterrichtet wird.
Es mag sein, dass z.B. in der Grundschule die Bandbreite zwischen dem begabtesten und dem "dümmsten" Kind riesig ist, aber auch das halte ich für ehr positiv als negativ. Und auch die Erfahrung mit einem Lehrer, der mein Kind nicht optimal unterrichtet, muss ich (in gewissen Grenzen) hinnehmen. All das wird einem Kind auch im weiteren Leben immer wieder begegnen und wo sollte es das lernen, wenn nicht in der Schule?
Wir haben so viele unterschiedliche Schulformen und -angebote, dass es jedem möglich sein sollte, das Beste für sein Kind zu finden.
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31.01.2010, 20:26Inaktiver User
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Ich zitiere jetzt nur Sie, da alle anderen Usermeinungen im Prinzip ähnlich sind.
Sie haben durchaus recht, wenn Sie die "technischen Voraussetzungen" Zeit, Wissen und didaktische Fähigkeit in den Focus rücken. Das kann bei weitem nicht jeder leisten - wer es jedoch kann, sollte daran nicht gehindert werden.
Zitat von Inaktiver User
Die Quote, daß Grundschulen Schüler nach einem Schlüssel Schüler an weiterführende Schulen aufteilen müssen.Was für eine Quote?
Das sind nur Beispiele für Möglichkeiten. Inkompetenz (fachlich und sozial) gibt es; was eine Aversion, zumal an Schlüsselstellen bedeuten kann -charakterlich prägend und langfristig wirksam für die weitere Schulkarriere- ist auch unbestritten.In den seltensten Fällen werden alle inkompetent sein oder persönliche Aversionen gegen ein und denselben Schüler hegen.
Das sind jedoch alles Nebenaspekte "technischer" Natur und in erster Linie geht es mir nicht darum.
Nochmal: Eine andere Lehrform bedeutet keineswegs Fernhalten von Konflikten oder anderen Menschen! Die Familie, welche sich aus religiösen Gründen abschottet ist eine Art Sonderfall. Dennoch leuchtet mir durchaus ein, was sie bewegt - und ich teile deren Bedenken. Dazu später *Übrigens ist auch das ein unverzichtbarer Lernprozess: Konflikte aushalten, mit schwierigen Menschen umgehen, sich an anderen (Lehrern oder Mitschülern) reiben.
Natürlich nicht. Sie ist auch nicht relevant; weder könnte, noch wollte ich sie lehren.Hand aufs Herz: Verstehen Sie die Formel?
Das sind also die "Lehrenden", von denen Sie vormals noch hochüberzeugt schrieben -in Ihrer "zuspitzenden Polemik"-: Es gibt Leute, die absolvieren ein jahrelanges Hochschulstudium um den Kram zu kapieren. Eigentlich unglaublich, oder?Die Vorstellung, dass man an den rennomiertesten Universtäten davon ausgeht, all diese Dinge wären vollständig durchverstanden, ist absolut absurd.
Sie können nicht einmal dasselbe Ding verteidigen und bei anderer Gelegenheit von Absurdität der Voraussetzung einer zuverlässigen Richtigkeit schreiben, um Lehren zu dürfen. Nicht, wenn Sie möglicherweise "enttarnte" Irrlehren verteidigen und auch nicht, wenn Sie "Homescoolern" Befähigung absprechen.
Mein Bild ist ein Außenstehendes. Ich erlebe und beobachte die Auswirkungen und ziehe daraus meine Schlüsse. Ich lese und höre, was Lehrende lehren und Hochschulabgänger anschließend "glauben" - die Erkenntnisse hierzu, speziell was "Geld" betrifft, sind nicht Vertrauen erweckend. Konträre Meinungen, durchaus nachvollziehbare Meinungen völlig anderer Art zum "Geld(wesen)" oder "Marktwirtschaft" stammen meist aus Nischenmedien oder von subversiven Denkern. "Gelehrt werden" dürfte das an Hochschulen weniger, sonst würden abweichende Meinungen zum Althergebrachten wesentlich häufiger anzutreffen sein. Deshalb wies ich auf fifis Beitrag hin, worin er an einer Stelle sehr schön vom Lösen einer "persönlichen Eintrittskarte" schrieb. Als Laie wohlgemerkt.Nebenbei bemerkt: Dass die Hochschullehrer, die sich mit Wirtschaftswissenschaften und verwandten Gebieten beschäftigen, sämtlich blinde Marktgläubige und kritiklose Kapitalismus-Verehrer wären - das ist ein Bild, dass mit der Realität an deutschen Universitäten nicht viel zu tun hat. Sie haben ein sehr einfaches und ziemlich schiefes Bild von der hiesigen Hochschullandschaft und bauen so einen Popanz auf, gegen den Sie argumentieren.
Das, was Sie "aufgebauten Popanz" nennen - vielleicht verrenne ich mich da, das kann durchaus sein. Vielleicht aber ist "der Popanz" das, was regelrecht zelebriert wird und der berührt offenbar in sehr fundamentaler, negativer Weise Wirtschaft, Politik und nachfolgend Gesellschaft.
* Und das ist der eigentliche Anknüpfpunkt:
"Kritische Distanz" ist das, was ich mit meinen Mitteln versuche. "Kritische Distanz" ist das, was Sie mir "vorwerfen":Ihre eigenen Kinder sollten schon die Möglichkeit haben, auch Ihr Gesamtbild mit einer gewissen kritischen Distanz zu hinterfragen."Kritische Distanz" ist wohl auch, was diese Asylanten im Kern bewegt; gleichgültig, ob das Streben danach religiöser oder anderer Ursache entspringt. Ein Eingebundensein -also fehlende, kritiklose Distanz- bringt Gewöhnung, vielleicht Korrumpierung, Anpassung und Erpreßbarkeit mit sich. Schlimmstenfalls resultieren daraus paradoxe, schädliche Verhaltensweisen.das ist ein Bild, dass mit der Realität an deutschen Universitäten nicht viel zu tun hat. Sie haben ein sehr einfaches und ziemlich schiefes Bild von der hiesigen Hochschullandschaft
Ich gehe davon aus, daß Schulen und Hochschulen "die Eliten" und "die Leistungsträger" hervorbringen. Beide Worte sind nicht ironisch gemeint. Die drei jetzigen "großen Krisensysteme" -allesamt nicht vom Himmel gefallen und offensichtlich zur zunehmenden Instabilität tendierend- Finanzwelt/ Geldwesen, freie/ globale Marktwirtschaft und in Folge (welt)gesellschaftliche Probleme konnten m.M.nach aufgrund einer Tatsache stark eskalieren:
Indoktrinierendes, gleichschaltendes Bildungssystem. Mit den von mir tatsächlich kritisch beäugten "Lehren und Lehrenden" als Makler. Das ist der Kernpunkt. Den Satz lasse ich absichtlich blank und unausgeführt für sich stehen.
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31.01.2010, 20:35Inaktiver User
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Ich wiederhole mich:
Es gibt niemanden, der seine Kinder in allen Fächern kompetent unterrichten kann.
Niemand ist in der Lage, von Mathematik über Naturwissenschaften und Fremdsprachen bis hin zur Muttersprache alle Bereiche kompetent abzudecken. Und nein, Religion ist KEIN Ersatz für Fachwissen!
Beim Heimunterricht verpassen die Kinder den zweiten wichtigen Aspekt des Schulunterrichts - die Sozialisierung.
Heimunterricht ist verantwortungslos.
Übrigens: Niemand hindert Eltern daran, ihren Kindern zusätzlich zum Schulunterricht (und ggf. auch in Konkurrenz dazu) nach der Unterrichtszeit die eigenen ideologischen/religiösen Grundsätze nahe zu bringen.
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31.01.2010, 20:48Inaktiver User
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Himmel! Fast alle einer Meinung!
Das deutsche Schulsystem hat durchaus seine Mängel. Engagierte Eltern können aber die Mängel von Lehererseite durchaus weitestgehend kompensieren.
Indoktrinierend? Eher nicht. In der Schule wird üblicherweise nur gesichertes Wissen weitergegeben.
In USA und Kanada entstand das Homeschooling in erster Linie aufgrund der zu großen Entfernungen von den Schulen. Dies spielt in Deutschland keine Rolle.
Außerdem sind die Zugangsvoraussetzungen in USA anders. Jeder darf lernen, wie er will. Er muss halt irgendwann, irgendwie die Zulassungsprüfung zur Uni (SAT u.ä.) ablegen. Wie er das Wissen erworben hat, ist egal. In den Jahren zwischendrin findet keine ausreichende Kontrolle statt. So kann es sein, dass man bis 16 zu Hause oder an einer drittklassigen Schule lernt und dann feststellt, dass man nichts weiß. Wertvolle Jahre verloren.
Ebenso schwankt das Uni-Niveau. Es gibt Unis, mit deren Abschluss man nirgendwo einen qualifizierten Arbeitsplatz bekommt. Bitter, 25 zu werden und mit leeren Händen dazustehen.
Davon abgesehen, können sich erschreckende Lücken in der Sozialkompetenz auftun. Man muss auch mal Mobbing und Gegenwind aushalten können.
Homeschooling ist eine Notlösung, die in Deutschland glücklicherweise nicht notwendig ist.
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31.01.2010, 20:49Inaktiver User


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