Achso. Na dann.
Im Studium lernt man die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens und keine Dogmen.Das sind also die "Lehrenden", von denen Sie vormals noch hochüberzeugt schrieben -in Ihrer "zuspitzenden Polemik"-: Es gibt Leute, die absolvieren ein jahrelanges Hochschulstudium um den Kram zu kapieren. Eigentlich unglaublich, oder?
Sie können nicht einmal dasselbe Ding verteidigen und bei anderer Gelegenheit von Absurdität der Voraussetzung einer zuverlässigen Richtigkeit schreiben, um Lehren zu dürfen. Nicht, wenn Sie möglicherweise "enttarnte" Irrlehren verteidigen und auch nicht, wenn Sie "Homescoolern" Befähigung absprechen.
Insbesondere gilt in den Naturwissenschaften: Man kann mit bestimmten Modellannahmen arbeiten, solange nicht empirische Evidenz (Daten!) dagegen spricht. Das ist die Grundlage jeglicher[!!!] Forschungsarbeit. Eine Arbeitshypothese ist nur dann brauchbar, wenn sie so formuliert ist, dass man sie widerlegen [!!!] kann.
Wissenschaftliches Arbeiten ist ein Prozess des beständiges Hinterfragens von Theorien und Annahmen. Überlegung, formulieren von Annahmen und Theorien, Kritik[!!!] der bestehenden Theorien, neue Überlegung, erneutes Hinterfragen. Formulierung von immer schärferen, präziseren Theorien.
Das ist ein spannender, kreativer und destruktiver Prozess.
Wissenschaft lebt von Kritik. Wissenschaft ist Kritik.
Wissenschaft liefert keine "zuverlässige Richtigkeit", sondern ständiges Hinterfragen des Sichergeglaubten. Von "enttarnten Irrlehren" können Sie nur reden, weil sie diese Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens nicht verstanden haben. Wissenschaft ist keine Religion, ist nicht im Besitz absoluter Wahrheiten, die Universität ist keine Kriche.
Versuchen wir es auf der bildsprachlichen Ebene: Wenn ich eine ständige kritische Distanz einhalte zu Dingen, die ich nie aus der Nähe gesehen habe - wer kann mir dann garantieren, dass meine Kritik überhaupt berechtigt ist?"Kritische Distanz" ist das, was ich mit meinen Mitteln versuche. "Kritische Distanz" ist das, was Sie mir "vorwerfen": "Kritische Distanz" ist wohl auch, was diese Asylanten im Kern bewegt; gleichgültig, ob das Streben danach religiöser oder anderer Ursache entspringt. Ein Eingebundensein -also fehlende, kritiklose Distanz- bringt Gewöhnung, vielleicht Korrumpierung, Anpassung und Erpreßbarkeit mit sich. Schlimmstenfalls resultieren daraus paradoxe, schädliche Verhaltensweisen.
Nach meinem Empfinden setzt fundierte Kritik immer gründliche Auseinandersetzung mit dem Gegenstand voraus. Als überzeugter Atheist sollte man somit nach Möglichkeit bibelfest sein, als Literaturkritiker belesen, als Kapitalismuskritiker im Idealfall - Wirtschaft studieren.
Sonst kann man nie sicher sein, dass die "kritische Distanz" nicht in Wirklichkeit aus Angst vor dem Unbekannten resultiert.
Ist vielleicht besser so.Indoktrinierendes, gleichschaltendes Bildungssystem. Mit den von mir tatsächlich kritisch beäugten "Lehren und Lehrenden" als Makler. Das ist der Kernpunkt. Den Satz lasse ich absichtlich blank und unausgeführt für sich stehen.
Zum Abschluss: Welche teuflische gleichschaltende Indoktrination vermuten Sie eigentlich hinter der Auseinandersetzung mit der Relativitätstheorie?
Antworten
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31.01.2010, 22:25Inaktiver User
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
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01.02.2010, 07:52Inaktiver User
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01.02.2010, 21:09Inaktiver User
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Guten Abend!
Das bestreite ich grundlegend überhaut nicht. Und doch sind wir hier wieder am Ausgangspunkt: Wie gesichert ist dieses Wissen? Selbst Exzellenz räumt ein, daß wichtige Dinge "ein lebendiger Prozeß sind" und "Gegenstand spannender Forschung". Wie wird eine abgegebene Klaßarbeit bewertet werden, wenn verblüffend andere Antworten gegeben werden, als es gemeinhin erwartet wird? (Hatte ich selber mal erlebt. Nach einer Arbeit zum Zweitaktmotor bekamen alle ihre Werke zurück. Ich nicht. Erst dachte ich, sie wäre völlig mißraten, aber Tage später kam sie doch. Nach Beratung mit Kollegen mußte sie aufgrund "der Außergewöhnlichkeit" als brilliant (= exzellent mit *) bewertet werden. Schmeckte dem Lehrer überhaupt nicht. Das war eine schöne Begebenheit.)
Zitat von Inaktiver User
Oder Wie wirkt es sich in der personellen Besetzung der "Lehrenden" aus -und somit in der Form und Inhalt des weitergegebenen Wissens- wenn Querdenker nicht die erwarteten Antworten geben? Produziert man so nicht erst recht Indoktrinierung und Festigung eventuell falscher Dogmen? Exzellenz möchte dazu nicht Stellung nehmen, wie mir scheint.
Denken Sie an frühere Eliten. Erzkanzler Willigis unterrichtete Otto III. Denken Sie an Aristoteles, der Alexander unterrichtete. Denken Sie an heutige Eliten, die sich die besten (Privat)lehrer nehmen oder Internate beanspruchen. Das sind ebenfalls kleine bis kleinste Zellen - nicht aus Not geboren. Es muß einen Grund haben, daß es sowas gab und gibt.Homeschooling ist eine Notlösung, die in Deutschland glücklicherweise nicht notwendig ist.
Nun lenken Sie bitte nicht ab. Sie schrieben absichtlich davon, daß Studium "den!! Kram!! kapieren!!" ermöglichen soll; Ihr Physiker. Abgeschlossenes Studium als Befähigung und "Bescheid wissen". Nicht den Weg wie Sie jetzt ausweichend schreiben benannten Sie als Ziel, sondern die Qualifikation, um lehren zu können und zu dürfen.
Zitat von Inaktiver User
Ich arbeite also hier wissenschaftlich mit Ihnen. Warum also Ihr "weil sie diese Grundsätze des wissenschaftlichen Arbeitens nicht verstanden haben." - ist das der übliche Wissenschaftlerdünkel?Wissenschaftliches Arbeiten ist ein Prozess des beständiges Hinterfragens von Theorien und Annahmen. Wissenschaft lebt von Kritik. Wissenschaft ist Kritik. Wissenschaft liefert keine "zuverlässige Richtigkeit", sondern ständiges Hinterfragen des Sichergeglaubten.
Auch bildsprachlich: Obwohl noch niemand ein Quark aus der Nähe gesehen hat, kann er doch aus Wechselwirkungen Schlüsse ziehen. Beteigeuze - da war auch noch niemand. Im Erdkern - außer Jules Verne war dort niemand. Und doch ist es "erlaubt", sich aus der Distanz eine kritische Meinung zu bilden. Übrigens bin ich etwas beleidigt, weil Sie mir die Fähigkeit absprechen, Schlüsse aus Beobachtungen zu ziehen. Sie tun das doch auch: Sprudelt Wasser im Kochtopf, ist es wohl relativ!! heiß. Sie werden wohl nicht aus Gründen wissenschaftlichen Arbeitens kritisch hineinfassen wollen. Dafür braucht man keinen Physiker zu Rate ziehen - nicht mal ein Thermometer.Versuchen wir es auf der bildsprachlichen Ebene: Wenn ich eine ständige kritische Distanz einhalte zu Dingen, die ich nie aus der Nähe gesehen habe - wer kann mir dann garantieren, dass meine Kritik überhaupt berechtigt ist?
Selbe Antwort wie schon mal an Sie und segres: Haben Sie all die Themen, zu denen Sie eine kritisch-distanzierte Meinung haben und die regelmäßig kund tun studiert oder zumindest großes Wissen? Ja, haben Sie?Als überzeugter Atheist sollte man somit nach Möglichkeit bibelfest sein, als Literaturkritiker belesen, als Kapitalismuskritiker im Idealfall - Wirtschaft studieren.
Och bitte, lassen Sie doch diese Spielchen je nach Auslegungszwang. Der Wissenschaftler sei "neugierig" und jeder andere "Verdachtsängstlich".Sonst kann man nie sicher sein, dass die "kritische Distanz" nicht in Wirklichkeit aus Angst vor dem Unbekannten resultiert.
Das hat mit Heimunterricht nichts zu tun. Ich wollte Ihnen begreiflich machen, daß es schwierig bis unmöglich ist, jemanden von etwas abweichendem zu überzeugen -nicht überreden!-, wenn er in einem (Glaubens)muster drin steckt.
Zitat von Inaktiver User
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02.02.2010, 05:11Inaktiver User
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Sagen wir es so: Je geringer das eigene Vorwissen in gewissen Bereichen, desto kritischer sollte man gegen die eigene Meinung sein und desto mehr Bereitschaft sollte man mitbringen, die eigenen Ansichten zu revidieren. (Dem wird natürlich niemand immer gerecht. Bis zu einem gewissen Grad hat jeder seine eingefahrenen Denkmuster. Das ist menschlich.)
Allerdings werden einem beim Austausch mit anderen Erwachsenen in einem öffentlichen Forum ohnehin relativ schnell die eigenen Grenzen aufgezeigt.
Das wäre beim Heimunterricht ganz grundlegend anders. Da könnte man seinen Entwicklungsvorsprung ziemlich schamlos ausnutzen, um dem Kind das eigene Halbwissen und die eigenen Denkmuster aufzupfropfen. Eine solche Konstellation ist sicher beengend, wird leicht sektiererisch und nimmt dem Kind wichtige Entwicklungsmöglichkeiten.
Wie funktioniert eigentlich das Internet, das wir alle inzwischen so selbstverständlich nutzen? Ich hätte das immer für ein Produkt des wissenschaftlichen Fortschritts und der technischen Entwicklung gehalten. Warum kann das Wetter von morgen inzwischen ziemlich zuverlässig vorhergesagt werden? Und die nächste Mondfinsternis? Steckt dahinter nicht eine ganze Menge Mathematik und Naturwissenschaft? Ein Kernbestand von Erkenntnissen, die wir für hinreichend gesichert halten und mit denen wir arbeiten können?
Natürlich kann ich davon ausgehen, dass die Naturgesetze, wie wir sie zu kennen glauben, vielleicht doch nicht gelten. Dann ist es durchaus möglich, dass uns morgen der Himmel auf den Kopf fällt.
Da hilft nur noch beten.
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03.02.2010, 13:37
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Mal ein ganz anderer Aspekt - ist Schule nicht auch ein kleines bißchen Kontrolle, ob es einem Kind zuhause gut geht, ob es Essen bekommt, ob es gar misshandelt wird etc?
Natürlich bleiben viele Fälle auch den Lehrern unbekannt, aber die Chance, dass jemanden etwas auffällt und Maßnahmen im Sinne des Kindes getroffen werden, ist doch viel größer, wenn es eine Schulpflicht gibt. Schon aus diesem Grund lehne ich Homescooling ab.Bevor man anfängt zu reden, könnte man sich überlegen:
Ist es wichtig?
Ist es wahr?
Und ist es besser, als die Stille?

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03.02.2010, 15:14Inaktiver User
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Völlig klar, das kann ein Problem sein. Deshalb schrieb ich davon, z.b. die Relativitätstheorie nicht lehren zu wollen. Ich verstehe sie nicht und habe dazu nicht einmal Halbwissen vorzuweisen.
Zitat von Inaktiver User
Einen Wissensvorsprung der Lehrenden gibt es aber auf jeder Schule, sonst wäre es ja keine. Dieselben grundlegenden Probleme, die Sie beschreiben gibt es doch in den Schulen auch. Was als "profanes, ärgerliches Problem" von vielen Eltern wahrgenommen wird (tw hirnloses Pauken ohne Fachübergreifende Verknüpfungen, Zeitdruck wegen der Stoffmenge, ein "das ist eben so"-Verhalten der Lehrkräfte, vielleicht auch die personelle Auswahl der Lehrenden etc) kann man durchaus so begreifen, wie Ihre Kritik formuliert ist. Und es soll ja auch Studierfähige/ qualifizierte Schulabgänger geben, die auch nicht über mehr als Halbwissen verfügen.
Mir schwebt tatsächlich im Idealfall ein "Fach"/ eine "Lehrmethodik" vor, welche(s) fast schon philosophischer Natur ist. In dem frei über z.b. besonders bedrückende oder aktuelle Themen diskutiert und gefragt wird; wo nicht Spezialwissen zu Fach X gelehrt wird, sondern ein "Generalverständnis" zu Dingen. Bestenfalls wird sich dieses "Lehr- und Denk- bzw. Verständnismuster" von Zusammenhängen als lernimplizite Methode in jedem Unterricht widerfinden; gleich welches Fach es ist. Das konnte ich in meiner Schullaufbahn nie feststellen und bei meinen Kindern ist das leider auch nicht anders.
Habe ich Zweifel an den Naturgesetzen oder der Richtigkeit des Lehrfaches Chemie angemeldet? Nein. Es geht nicht darum, jede gewonnene Erkenntnis pauschal zu hinterfragen. Es geht darum, eine Erkenntnis mit einer völlig anderen Erkenntnis zu verknüpfen. Z.b. Mathematisches Wissen und Gesetze der Logik anzuwenden, um ein System wie "Geld" oder "Zins" überhaupt einmal zu betrachten. Kann ja sein, daß theoretisch eine Wissenschaft X der Meinung ist, "Wirtschaftswachstum ist möglich und nötig, damit Problem Y ausgeräumt wird" - aber eine Wissenschaft wie Biologie, Physik und Mathematik wird zu einer ganz anderen Meinung kommen.Natürlich kann ich davon ausgehen, dass die Naturgesetze, wie wir sie zu kennen glauben, vielleicht doch nicht gelten. Dann ist es durchaus möglich, dass uns morgen der Himmel auf den Kopf fällt.
Da hilft nur noch beten.
Dann gibt es da Gewalt, Mißbrauch, Erpressung, psychische Folter an Schulen, von Lehrkräften und Schülern ausgeübt. Grundlegend aber haben Sie schon recht.Mal ein ganz anderer Aspekt - ist Schule nicht auch ein kleines bißchen Kontrolle, ob es einem Kind zuhause gut geht, ob es Essen bekommt, ob es gar misshandelt wird etc?
Natürlich bleiben viele Fälle auch den Lehrern unbekannt, aber die Chance, dass jemanden etwas auffällt und Maßnahmen im Sinne des Kindes getroffen werden, ist doch viel größer, wenn es eine Schulpflicht gibt. Schon aus diesem Grund lehne ich Homescooling ab.
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03.02.2010, 16:17Inaktiver User
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Ich finde diese Argumentation zunehmend verwirrend.
Genau das passiert doch in den Wirtschaftswissenschaften: Theorien von wirtschaftlichen Zusammenhängen werden entwickelt, indem man bestimmte Begriffe im Rahmen von mathematischen Modellen zu fassen versucht und betrachtet. Davon habe ich unter anderem in Beitrag 4 geschrieben und in der folgenden Diskussion (Beitrag 7, 11, 13) ziemlich ungnädige Reaktionen geerntet.
Was denn nun?
Diesen Punkt finde ich auch extrem wichtig. Bei Fällen von schwerer Vernachlässigung sind es wohl häufig die Lehrer, die als erste Alarm schlagen. Für manche Kinder wäre es fatal, wenn diese Außenkontrolle wegfallen würde.
Zitat von marylin
Was hinzukommt ist die Gefahr von "emotionaler Misshandlung". Wenn die Schulpflicht wegfallen würde, hätten Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder sehr weitgehend von der Außenwelt abzuschotten, sei es aus extremen religiösen Überzeugungen, aus Machtbesessenheit oder aus Überängstlichkeit.
Die Schule bietet doch einen gewissen Schutz vor solchen Konstellationen.
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05.02.2010, 09:34
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Vergessen wir nicht, daß die Schule zusätzlich für viele Kinder mit Migrantenhintergrund kostenlose Sprachschule ist.
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"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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05.02.2010, 09:40
AW: Homescooling - denkbar oder Ketzerei?
Naturwissenschaften und Technik haben die Eigenschaft, ohne harte Fakten nicht zu funktionieren. Mathematik muß man pauken, um sie zu verstehen, ein philosophisches Geschwafel über Mathematik ist völlig sinnlos. Analog Physik, Chemie, Biologie, Informatik.
Und dieses auf Pauken basierende Fachwissen ermöglicht es, einen Großteil unseres Bruttosozialproduktes zu erwirtschaften.
Wir leben im industriell-wissenschaftlichen Zeitalter. Philosophisches "auf der Wiese liegen und den Himmel betrachten und dabei über die Welt nachsinnen" reicht nicht. So wie Home-Schooling nicht ausreicht, das notwendige Faktenwissen und die Lernmethodiken zu vermitteln, die wir benötigen, um unser Gesellschafts-System am Laufen zu halten.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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05.02.2010, 13:54Inaktiver User



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