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    Kreditderivate

    Verbietet Kreditderivate! ...aus FTD

    hier der Volltext:

    Zitat Zitat von Wolfgang Münchau, FTD,
    09.12.2009
    Es ist kriminell, sich gegen Zahlungsausfälle von Anleihen versichern zu können, die man gar nicht besitzt

    Vor nicht allzu langer Zeit war ich in einer großen Bank, und der junge, dynamische Manager erzählte mir voller Stolz, wie man die Europäische Zentralbank jetzt dazu bekommen hätte zu akzeptieren, dass man bei Kreditderivaten nur mit leichter Hand eingreifen sollte. Alle radikalen Ideen waren mittlerweile vom Tisch. Kein Börsenzwang, auch nicht die Auflagen, wonach nur derjenige sich durch Derivate absichern darf, der die zugrunde liegenden Wertpapiere besitzt.

    Ein Kreditderivat oder Credit Default Swap (CDS), ist eine Art Versicherung für den Zahlungsausfall einer Anleihe. Nur gibt es zu einer normalen Versicherung einen eklatanten Unterschied: Sie dürfen sich auch versichern, wenn Sie die Wertpapiere gar nicht besitzen. Das ist ungefähr so, als würde man eine Brandschutzversicherung auf das Haus des Nachbarn abschließen. Es fällt nicht schwer, sich da die Möglichkeiten von Missbrauch vorzustellen. Nicht anders ist es mit den CDS. Diese Papiere eignen sich vorzüglich für die Spekulation auf den Zahlungsausfall eines Unternehmens oder eines Staates. Und wenn es noch gelingt, falsche Gerüchte in die Welt zu setzen, kann man den Versicherungsfall möglicherweise sogar selbst herbeiführen. Alles ganz legal.

    Asoziales Produkt


    Es ist einer der großen Skandale unserer Antikrisenpolitik, dass wir an dieser Stelle vor den Banklobbyisten einknicken. Diese Produkte sind zutiefst asozial, nicht weniger asozial als eine hypothetische Brandschutzversicherung auf des Nachbarn Grundstück. Nur ist das bei den CDS zumindest für die breite Öffentlichkeit nicht so klar. Diese Produkte sind technisch kompliziert. Sie sind nur deswegen nicht kriminell, weil es keine konkreten Strafgesetze gibt, die das Handeln mit diesen Produkten untersagen. Aber sie verstoßen genauso gegen das Strafrechtsverständnis moderner Gesellschaften wie Bernie Madoffs Schneeballsystem.

    Die CDS spielten in der jüngsten Finanzkrise eine wichtige Rolle. Denn die Banken haben mit diesen Produkten einen Großteil ihres Kreditrisikos abgesichert – oder, wie sich herausstellt, eben nicht abgesichert. Vor der Krise war fast das gesamte Kreditausfallrisiko der Welt in einem einzigen Unternehmen gebündelt – einer Tochtergesellschaft des Versicherungskonzerns AIG. Ohne die CDS hätte es womöglich zwar auch eine Krise gegeben, aber wahrscheinlich wäre den Banken etwas früher die Luft ausgegangen. Eine Blase wäre trotzdem entstanden, eine Superblase eher nicht.

    Wenn Sie eine Brandschutz- oder eine Lebensversicherung abschließen, dann können Sie sich darauf verlassen, dass die Versicherung die Mittel hat, im Versicherungsfall den Schaden zu bezahlen. Versicherungen sind daher in allen Ländern der Welt streng reguliert. Bei den viel gefährlicheren Kreditderivaten, die ebenfalls Versicherungsleistungen liefern, gibt es nur Selbstregulierung.

    Einer der größten Experten des Kreditderivatgeschäfts ist Satyajit Das, der in seinem mittlerweile auch in Deutschland erschienenen Buch „Traders, Guns and Money“* diese Produkte mit modernen Massenvernichtungswaffen verglich. Es ist kein Buch über die Krise. Die ursprüngliche englische Version wurde vor der Krise geschrieben, aber gerade das macht seinen Charme aus. Es ist die Geschichte eines Bankinsiders, der über die Abzocke mit diesen Derivaten schreibt, und dies in einer sehr lesbaren Weise. Ich habe während meiner eigenen Recherchen über den Kreditmarkt mehr von Das gelernt als aus den besten Lehrbüchern. Der Autor selbst fordert nicht die Abschaffung dieser Produkte. Doch nach der Lektüre seines Buches, kombiniert mit dem Wissen um den Verlauf der Finanzkrise, hat man nicht mehr den geringsten Zweifel, warum diese Produkte so schädlich sind.

    Es ist ein Skandal, dass wir hier nichts unternehmen, trotz einer sintflutartigen Krise, die Millionen von Menschen den Arbeitsplatz gekostet hat und die die Staatsschulden der Industrieländer in die Höhe trieb. Wir knicken ein, weil wir den Lobbyisten glauben, wenn sie die Gefahren einer Regulierung vor Augen führen, oder weil wir Angst haben, dass andere Finanzzentren auf unsere Kosten davon profitieren. Und wir widersprechen nicht, wenn Banker das unplausible Argument in den Mund nehmen, dass die modernen Instrumente reales Wachstum generieren. Es gibt nicht den geringsten Beweis dafür. Wir wissen lediglich, dass diese Finanzinstrumente Instabilität und Blasen produzieren und bestenfalls kurzfristiges Wachstum. Um langfristiges Wachstum zu generieren, müssten sie die Produktivität erhöhen. Wie soll das gehen?

    Lobbyisten kriminalisieren

    Wir sollten den Mut haben, diese Produkte, ihre Händler, Konstrukteure und Lobbyisten zu kriminalisieren. Wir sollten Kreditderivate strafrechtlich auf die gleiche Stufe stellen mit Betrug, Steuerhinterziehung, Einbruch oder Bestechung. Wenn Bundesligaspiele durch Bestechungsgelder beeinflusst werden, dann ermittelt die Staatsanwaltschaft. Wir würden nicht auf die Idee kommen zu fordern, dass man den Bestechungsmarkt besser regulieren sollte. Ein Kreditderivat, das lediglich dem Ziel dient, Island und Griechenland in den Staatsbankrott zu treiben, ist aus gesellschaftlicher Sicht sogar noch weitaus gefährlicher als die Bestechung eines Torwarts.

    Als ich den jungen Derivateexperten in der großen Bank fragte, worin der Sinn von Kreditderivaten bestünde, wenn man die zugrunde liegenden Wertpapiere nicht besitzt, gab er mir folgende Antwort: Sie würden es den Banken erleichtern, ihr Kreditrisiko effizienter abzusichern. Das ist ungefähr so, als würde man Bestechung damit rechtfertigen, dass Bestecher und der Bestochene beide von der Tat profitieren. Wenn es um Bestechung geht, dann greift unser natürliches Rechtsverständnis sofort. Bei Kreditderivaten tut es das nicht.

    Es ist Zeit, dass wir dieser kriminellen Machenschaft bald ein Ende setzen.

    * Satyajit Das, Traders, Guns and Money, Finanzbuch Verlag

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    AW: Kreditderivate

    1030.000 Mrd Dollar Markt

    1030.000 Mrd Dollar

    1030.000.000 Million Dollars

    1030.000.000.000.000 Dollars

    kann das mal irgendwer versuchen sich vorstellbar zu machen.
    Mit welchem Geld wird dieses Marktspiel gespielt ?
    Nein, es ist kein harmloses Spiel, etwa mit Monopolygeld auf einem unerheblichen Nebenschauplatz, wie wir ja nun wissen gelernt haben
    Auch wenn praktisch nur eine Dutzend Player es spielen.
    Geändert von hombre (12.12.2009 um 22:43 Uhr) Grund: 605 Billionen zu 425 Billionen addiert

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    AW: Kreditderivate

    Leider kann ich den letzten Link nicht öffnen.
    zu Münchau: das Gleiche schrieb ich ja schon in Kurzform vor einem Monat oder so. Wieso das Entsetzen erst jetzt?

    wo kommt das Geld her: z.B. Verbriefungen. Im Grunde schwirrten doch die US (und andere, Sparkassen in D haben das auch versucht) -Hypothekenkredite eben in Form von Derivaten auf den internationalen Finanzmarkt, deren Summe ist eben quasi genau die Summe die an Hypotheken vergeben wurde, - wird nun eben auch beim Derivateumsatz mitgezählt - und wären eigentlich praktisch Immobilienpfandbesichert gewesen, wenn es kein Platzen der Immoblase gegeben hätte. Und natürlich einfach Wetten. Mexico hat Optionen gekauft um 1/3 seines Ols bei 56 USD verkaufen zu können im 9/2010 glaube ich. Damit schützt sich Mexico vor Preisverfall des Öls.

    Eine Kreditausfallversicherung für Griechenland kostete vor ein paar Monaten vielleicht 1000 um Kreditausfall von 100 000 zu versichern - vor ein paar Tagen sind es 2500 gewesen. Um den Gewinn zu realisieren muss es gar nicht zum Zahlungsausfall kommen, sondern das Derivat mit dem Kursgewinn an einen anderen Zpocker verkauft werden. Und so zocken Zocker gegen Zocker und die Peise der Derivate entwickeln sich dann auch plötzlich nach einem eigenen Markt, der mit den Ursprungswerten gar nichts mehr zu tun haben muss, deren Markt aber beispielsweise bei Aktienoptionen extrem verzerren kann. Bei Aktien trifft das die Gesellschaft erst wenig, Problem aus diesem bizarren Auswuchs kommt ja erst wenn Zocker Systemrelevant sind, sonst verzockte sich halt mal der eine, und mal der andere. Bei Rohstoffen gilt das natürlich auch, das die Derivate den Originalmarkt verzehrren, und hier trifft es alle direkt.
    Geändert von Ahab (11.12.2009 um 11:47 Uhr)

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    AW: Kreditderivate

    Um die Summe beurteilen zu können ist es ziemlich wichtig die Definition zu verstehen.
    Zitat Zitat von hombre Beitrag anzeigen
    Mit welchem Geld wird dieses Marktspiel gespielt ?
    wieviel Geld fliesst denn tatsächlich wenn ein Zahlungsversprechen für einen Handel in der zukunft abgeschlossen wird? Mit welchem Wert fliesst das Derivat in obige Summe ein?

    wieviele von diesem Zahlungsversprechen verfallen? Wieviele werden fällig, wieviele sind mit einem echten Wert unterlegt, wieviele pervertierungen des Systems.

    und um was handelt es sich bei der obigen Zahl überhaupt? Umsatz? Werte die mit diesen Zahlungsversprechen gehandelt werden, aber ohne sie ebenso? Oder um was?

  5. gesperrt

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    AW: Kreditderivate

    Diese Kreditderivate sind legalisierte Kriminalität. Das ist noch schlimmer als Falschgeld drucken.
    Politiker die dieses zulassen gehören in den Knast bei Wasser und Brot!
    Das ist meine Meinung dazu!
    gruss, Jack London

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    AW: Kreditderivate

    Zitat Zitat von Ahab Beitrag anzeigen
    Leider kann ich den letzten Link nicht öffnen.
    das mag gut sein, wenn du kein FTD Abo aktiv hast. Sorry. Hier für alle der Text:
    USA machen Dampf bei der Derivateaufsicht
    reuters
    08.12.2009

    Topdemokraten erzielen Einigung · Markt stabilisiert sich

    Hochrangige Vertreter der US-Demokraten haben sich auf Details zur Regulierung des außerbörslichen Derivatehandels geeinigt. Wie aus der Vorlage für einen Gesetzentwurf hervorgeht, sollen Derivate künftig zentral über eine Clearingstelle verrechnet und soweit möglich an Börsen oder auf anderen Plattformen gehandelt werden. Darauf hätten sich die Vorsitzenden von zwei Finanzausschüssen des US-Repräsentantenhauses verständigt. Die Einigung ist ein Kompromiss des Bankenausschussvorsitzenden, Barney Frank, und des Chefs des Landwirtschaftsausschusses, Collin Peterson.

    Der unregulierte Derivatemarkt wird weithin für die Verschärfung der Finanzkrise verantwortlich gemacht. Seit Monaten arbeitet die Regierung von US-Präsident Barack Obama daher an einer Finanzreform. Es wird erwartet, dass das Repräsentantenhaus am Freitag über den Gesetzentwurf abstimmt. Bei einer Einigung ist anschließend der Senat am Zug.

    Wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) herausgefunden hat, stabilisiert sich das Geschäft an den Derivatebörsen inzwischen: Basierend auf dem Nominalwert der Kontrakte sei der Gesamtumsatz mit 425 000 Mrd. $ unverändert gewesen, schreibt die „Notenbank der Notenbanken“ in ihrem Quartalsbericht. Damit habe sich der Umsatz nun bei 60 Prozent des Vorkrisenniveaus eingependelt. Im außerbörslichen Handel wurden in der ersten Jahreshälfte nach BIZ-Daten derivative Finanzinstrumente im Wert von 605 000 Mrd. $ umgesetzt, zehn Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2008.

    Besonders beliebt waren Derivate, denen Währungen zugrunde liegen. Hier machte sich nach Einschätzung der BIZ die Zunahme von mit US-Dollar und anderen Tiefzinswährungen finanzierten Carry-Trade-Spekulationsgeschäften bemerkbar. Der Umsatz mit Währungsoptionen kletterte im dritten Quartal auf 7200 Mrd. $, 1300 Mrd. $ mehr als im zweiten Quartal. Besonders gefragt waren demnach Optionsgeschäfte auf den australischen und den neuseeländischen Dollar. Zinsderivate fielen dagegen in der Gunst der Investoren zurück. Dahinter steht das auf absehbare Zeit niedrige Zinsniveau in den meisten Ländern. reuters

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    AW: Kreditderivate

    Danke!
    Also handelt es sich bei den 1000 Bio. um Umsatz - und das gerechnet am Nennwert.

    Bei vielen Derivaten fliesst glaube ich bei Kontraktabschluss praktisch kein Geld, Nennwert bei Kontrakten ist der Wert des zugrundeliegenden Handels, wenn ich das richtig verstehe (?).

    Das relativiert diese Megazahl schon ziemlich finde ich!

    Der Punkt ist, finde ich, nicht das Derivat an sich, sondern das damit auch gehandelt / spekuliert werden kann, wenn der Grundwert gar nicht gehandelt werden soll. Ebenso ohne Prüfung ob der Zahlungsverpflichtung überhaupt nachgekommen werden kann - deshalb ist AIG die grösste Megapleiten dieser Finanzkrise - das sollte nicht nochmal passieren dürfen, ist ohne Megaperfekte Finanzaufsicht und Verbote (nur) der Pervertierungen des Derivatehandels wohl kaum möglich. Das wird niemals unter Kontrolle zu bekommen sein.

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    AW: Kreditderivate

    Zitat Zitat von Ahab Beitrag anzeigen
    Danke!
    Also handelt es sich bei den 1000 Bio. um Umsatz - und das gerechnet am Nennwert.
    ..
    Das relativiert diese Megazahl schon ziemlich finde ich!
    Ja, klar. Etwas bleibt nach ziemlicher Relativierung aber immernoch übrig.
    Nehmen wir die genannten 1/100 als Verhältnis Preis zu Nennwert mal als typisch an, dann hätten wir echten Umsatz in Höhe von "nur" noch 10 Bio= 10.000 Mrd.
    Übers ganze Jahr 20.000 Mrd, schon auch noch ganz erkleckliche Sümmchen.

  9. gesperrt

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    AW: Kreditderivate

    Als kleine Auflockerung.
    Zu diesem Makrokosmos mal ein paar Bilder aus dem Mikrokosmos.
    *klick*

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    AW: Kreditderivate

    Zitat Zitat von hombre Beitrag anzeigen
    Ja, klar. Etwas bleibt nach ziemlicher Relativierung aber immernoch übrig.
    Nehmen wir die genannten 1/100 als Verhältnis Preis zu Nennwert mal als typisch an, dann hätten wir echten Umsatz in Höhe von "nur" noch 10 Bio= 10.000 Mrd.
    Übers ganze Jahr 20.000 Mrd, schon auch noch ganz erkleckliche Sümmchen.
    Das mit den 1/100 muss ich überlesen haben, wo kommt das her?

    Ist doch bei den verschiedenen Derivaten ganz unterschiedlich. Bei Aktienoptionen kann das 1/10000 und noch deutlich weniger sein.

    Andererseits gibt es natürlich Derivate, die zugleich den Wert praktisch voll beinhalten wie Indexfonds oder Pfandbriefe beispielsweise.

    Was sagt die Summe also nun aus?

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