schnarchstop:
Was ich bei der Kindergeldfrage überhaupt nicht verstehe ist, dass Geld ausgeschüttet wird, wenn Eltern genug verdienen, um die Familie zu ernähren (auch alleinerziehende Elternteile).
Was soll das ?
Zunächst sind Eltern für ihre Kinder verantwortlich und nicht der Staat und erst, wenn das nicht klappt solllte Kindergeld vom Staat genommen und zugeteilt werden.
Dann bliebe für diese bedürftigen Kinder auch viel mehr Geld übrig.
Letzte Woche kam ein Bericht (Frau-TV) in dem die Moderatorin erzählte, dass sowohl sie als auch ihr Mann gut verdienen. Mit der neuen Kindergeldberechnung würden sie noch dazu 20 Euro pro Kind vom Staat dazubekommen. Dieses Geld hätten sie gar nicht nötig.
Fakt sei hingegen, dass Hartz-IV-Empfänger wieder mal gar nicht profitieren.
Das war die Einleitung zu einem Bericht über eine alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerin mit 2 kleinen Kindern. Diese bekam O (NUll !) Euro mehr für ihre Kinder und sie hätte das Geld (20 Euro) dringend benötigt.
So sieht es m.E. meistens aus, wenn der Staat versucht, über Steuern was zu regeln.
Die Steuergesetze sind so unübersichtlich geworden, dass sogar Steuerberater nach eigenem Bekunden nicht mehr durchblicken.
Und wenn Politiker dann versuchen, auf diesem Wege was zu steuern (im wahrsten Sinne des Wortes) geht das meistens in die Hose.
Es wäre besser, sie würden das Geld nehmen und Kinderbetreuungsstätten ausstatten. Dann würde das Geld nicht in unerwünschte Kanäle versickern.
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13.02.2010, 15:14
AW: Hartz-IV-Klage: Wie viel Geld braucht ein Kind zum Leben?
Geändert von schnarchstop (13.02.2010 um 15:58 Uhr)
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13.02.2010, 15:31
AW: Hartz-IV-Klage: Wie viel Geld braucht ein Kind zum Leben?
Warum muss ich mich erklären, es geht um meine Erfahrung mit dem Thema. WIe gesagt, Du musst mir nicht glauben, mach einfach mal den Selbstversuch und setzt Dich mal ein paar Stunden hin.
Aber damit Du nicht dumm stirbst und weil ja gerne mal behauptet wird, man/ich wüsste nicht, wovon ich rede: ich habe in meinem bisherigen Leben bereits zweimal einige Monate von ALG 1 gelebt und habe bereits dreimal komplett von vorne begonnen. In so einem Leben gehts halt mal hoch und mal runter, die Kunst ist, dass es mittelfristig eben stetig nach open geht und man sich halbwegs absichert, falls es wieder runter geht.
Aber um es gleich vorweg zu nehmen, tu Dir selbst einen Gefallen und versuche nicht, anhand dieses kurzen Ausschnittes meines Lebenslaufes mein Leben und meine Erfahrungen zu beurteilen. Da fehlt noch diverses, was, würde ich es Dir nennen, Dir auch wieder nicht schlüssig wäre. Ist aber dennoch so.
So, back to topic.Deutschland schafft sich ab.. - Zeit für Veränderung!
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13.02.2010, 17:09
AW: Hartz-IV-Klage: Wie viel Geld braucht ein Kind zum Leben?
Gegen einen Ausbau von Kitas etc. hätte ich auch überhaupt nichts einzuwenden gehabt, schnarchstop. Mir persönlich würde das auch mehr bringen als erhöhtes Kindergeld.Das hat aber nichts mit der steuerlichen Betrachtungsweise des Kindergeldes zu tun.
Time is an ocean but it ends at the shore - Bob Dylan
Und wenn der Wind mal von vorne kommt - leicht nach vorne beugen und einfach weitergehen - S.B.
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13.02.2010, 17:17
AW: Hartz-IV-Klage: Wie viel Geld braucht ein Kind zum Leben?
Leider verstehe ich das nicht, weil mein steuerliches Wissen bloss aus Informationssendungen und Zeitungsberichten herrührt.
Aber im Endergebnis ist die Beeinflussung der Geldflüsse durch steuerliche Maßnahmen zum Nachteil der Hartz-IV-Kinder - oder sehe ich das falsch ?
Kannst du mir das erklären ?
Mich ärgert dieser Zustand, deshalb insistiere ich hier ein wenig.
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13.02.2010, 17:44
AW: Hartz-IV-Klage: Wie viel Geld braucht ein Kind zum Leben?
Oh, Mann, ständig mach ich hier steuerliche Exkurse
.
Es gibt das steuerrechtliche Existenzminmum eines jeden Bürgers in Deutschland.
Existenzminimum ? Wikipedia
Aufgrund verfassungsrechtlicher Vorgaben ist dieses steuerliche Existenzminimum von der Einkommensteuer freizustellen. Sprich: hast du ein Einkommen, das dem steuerlichen Existenzminimum entspricht, darf der Staat dieses nicht besteuern. Eine Besteuerung darf erst ab dem ersten Euro erfolgen, der über diesem Existenzminmum liegt. Damit dies gewährleistet ist, gewährt der Staat Freibeträge für dieses Existenzminimum.
Jetzt ist es so, dass je höher das Einkommen von Eltern ist und je mehr Einkommensteuer sie bezahlen, desto mehr profitieren sie von dem Kinderfreibetrag. Das liegt an der Progression im Steuersystem. Um zu vermeiden, dass Eltern mit einem hohen Einkommen deutlich mehr bekommen als mit einem niedrigen Einkommen, deren Steuerersparnis deutlich niedriger ist, weil sie einfach nicht soviele Steuern zahlen, ist das Kindergeld eingeführt worden. Bei der Einkommensteuerveranlagung prüft das Finanzamt entsprechend, ob die Auszahlung des Kindergeldes günstiger ist oder die Steuerersparnis durch den Freibetrag.
Kindergeld ? Wikipedia
Für die Menschen mit niedrigen Einkommen, die kein ALG II beziehen, deren Steuerersparnis aber niedriger wäre als die Summe des jährlich ausgezahlten Betrags an Kindergeld ist die überschießende Summe als eigentlich tatsächlich eine Sozialleistung.
Bei ALG-II-Empfängern verhält es sich nun folgendermaßen: die Bundesregierung hat eine Summe X definiert, die das sozio-kulturelle Existenzminimum darstellt.
Existenzminimum ? Wikipedia
An diesem Existenzminimum orientiert sich das ALG II. Das steuerrechtliche Existenzminimum darf nicht niedriger sein als das sozio-kulturelle Existenzminimum.
Das ALG II sichert dieses Existenzminimum. ALG II unterliegt logischerweise keiner Besteuerung, d.h. es muss auch nicht mehr steuerfrei gestellt werden. Genau das aber ist der Hintergrund des Kindergeldes. Zur Veranschaulichung mit rein fiktiven Zahlen: der Staat definiert den ALG II Bedarf und damit das sozio-kulturelle Existenzminmum für eine vierköpfige Familie bei 1.500 Euro und ist damit verpflichtet, dieser Familie dieses Existenzminimum zu sichern. Das tut er, indem er ALG II bezahlt. Das Kindergeld wird deshalb auf das ALG II angerechnet, weil der Staat hier aufgrund der fehlenden Steuerbelastung das steuerliche Existenzminimum nicht mehr freistellen muss, was aber der eigentliche Hintergrund für das Kindergeld ist.
Die Kindergelderhöhung hat sich vor allen Dingen daraus ergeben, dass die schwarz-gelbe Koalition den Kinderfreibetrag erhöht hat. Da von diesem aber hauptsächlich Gutverdienende davon profitieren, wird in aller Regel das Kindergeld mit erhöht, damit auch mittlere und niedrige Einkommen etwas von dieser Erhöhung haben.
Das ist Symbolpolitik, Schnarchstop. Man erhöht das Kindergeld und den Kinderfreibetrag und kann sich dann gegenseitig auf die Schulter klopfen, man hätte ja was für Kinder getan. Dass man damit nicht die Ärmsten begünstigt, nämlich die Kinder, die im ALG-II-Bezug sind, wissen die ganz genau. Dafür muss man keine Gesetze verändern, was auch schwierig wäre, denn für eine Veränderung der steuerrechtlichen Bewertung vom Kindergeld müsste man wahrscheinlich ans Grundgesetz heran. Wenn es gewollt gewesen wäre, hätte man den Regelbedarf des ALG II für Kinder einfach entsprechend um diese 20 Euro anheben können. Oder man hätte eben das Geld in den Ausbau von Kinderbetreuung oder Schulen stecken können. Das war aber politisch nicht gewollt, denn schließlich sollten die "Leistungsträger" entlastet werden und das sind nun einmal in den Augen der jetzigen Regierung eben nicht die ALG II Empfänger.Geändert von marilyn-74 (13.02.2010 um 17:54 Uhr)
Time is an ocean but it ends at the shore - Bob Dylan
Und wenn der Wind mal von vorne kommt - leicht nach vorne beugen und einfach weitergehen - S.B.
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13.02.2010, 17:48
AW: Hartz-IV-Klage: Wie viel Geld braucht ein Kind zum Leben?
oh danke Marylin, vielen Dank für diesen tollen Exkurs.
Im Ernst: ich werd' das ausdrucken.
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13.02.2010, 19:13Inaktiver User
AW: Hartz-IV-Klage: Wie viel Geld braucht ein Kind zum Leben?
Die Erfahrungen, die du gemacht hast, sind inzwischen längst überholt.
Damit du nicht dumm stirbst:
Die Bedingungen für Arbeitslose haben sich seit dem 1. Januar 2009 drastisch geändert (verschärft).
Von jedem Arbeitslosen wird nunmehr verlangt, sich auch auf Minijobs zu bewerben. Was in sogenannten "Eingliederungsvereinbarungen" zwischen dem Arbeitslosen und seinem "Berufsberater" "verhandelt" wird.
Wer die EV nicht unterschreiben will, wird sanktioniert.
Wem kein Geld abgezogen werden kann, der wird bei der Rentenversicherung abgemeldet, denn das ist das einzige Mittel, auch einen Arbeitslosen ohne Leistungsbezug zu sanktionieren.
Das bedeutet:
Wer nicht dazu bereit ist, einen Minijob anzunehmen (sich nicht auch auf Minijobs bewirbt*), wird bei der Rentenversicherung abgemeldet.
Denn als arbeitslos gilt der, der dazu bereit ist, mindestens 15 Stunden (= Minijob) in der Woche zu arbeiten.
Das würde auch dir bei Arbeitslosigkeit heute so ergehen.
*Deshalb boomt dieser Markt so - nicht weil Arbeitslose Minijobs ja so toll finden.
Das ist heute so los auf den Arbeitsämtern.
So viel von mir noch abschließend zu diesem Thema.Geändert von Inaktiver User (13.02.2010 um 19:30 Uhr)
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13.02.2010, 19:49
AW: Hartz-IV-Klage: Wie viel Geld braucht ein Kind zum Leben?
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Oh geh ford..
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13.02.2010, 19:51Inaktiver User
AW: Hartz-IV-Klage: Wie viel Geld braucht ein Kind zum Leben?
Tja, da hattest du halt das Glück, dass deine Tochter die Schule besuchte, als noch nicht diese Bildungshysterie ausgebrochen ist.
Eine befreundete Grundschullehrerin sagte mir damals, dass diese Hysterie erst seit ein paar Jahren begonnen hat, vorher war das nicht so.
Mich hat es schon gekratzt. Denn 80% der Kinder in der Klasse meines Sohnes konnten schon von Beginn der 1.Klasse an lesen (nur als Beispiel).
Das setzt einen dann schon irgendwie in Zugzwang, weißt du.
Denn die Kinder werden schon am Anfang vom Lehrer in Leistungsstufen eingeteilt.
Als mein Sohn mich so mit 5 Jahren fragte, ob ich ihm lesen beibringe, sagte ich, dass ich das nicht möchte, weil er sich dann nur in der Schule langweilt und dann den Unterricht stört.
Was hast du gegen Ganztagsschulen? Was ist dagegen einzuwenden, wenn Kinder bis Nachmittags mit ihren Altersgenossen zusammen sein können?
Ja, klar, unbestritten.
Übertriebenes Kümmern kann sich auch negativ auswirken.
Ich wollte jedenfalls nie ein Kind, das meint, nur Einser (im absoluten Schlechtfall Zweier) haben zu müssen. Da gibt es Kinder, die bei einem Dreier in Tränen ausbrechen.
Außerdem werden da auch irgendwie anderen Kindern Chancen genommen, die evtl.mehr drauf hätten als ein gepowertes Kind.
Deswegen bin ich eben für Ganztagsschulen, aus Gründen der Chancengleichheit, womit wir wieder beim Thema wären.Geändert von Inaktiver User (13.02.2010 um 19:57 Uhr)
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13.02.2010, 19:52Inaktiver User
AW: Hartz-IV-Klage: Wie viel Geld braucht ein Kind zum Leben?
Da stellt sich die Frage was ist übertrieben?
Ich denke, dass das ganz individuell gesehen werden muß. Macht ein Kind keine Probleme kann man es machen lassen und das ist gut so. Auch sollte es dann die Hausaufgaben allein bewältigen können.
Hat ein Kind Probleme braucht es Unterstützung. Ich hätte mir eine solche gewünscht, aber die gab es nur in Form von sehr teurer privater Förderung( 200 Euro im Monat). Eines meiner Kinder hat Legasthenie. Die Diagnose beim schulpsychologischen Dienst war kostenlos, eine Förderung gab es nicht. So blieb mir nichts anderes übrig als selbst um mein Kind zu kreisen.
Das war teilweise nervenaufreibend für beide. Heute bin ich stolz das wir es geschafft haben, den das Kind macht in diesem Jahr Abitur. Hätte ich mich nicht gekümmert, hätte mein Kind es nicht geschafft. Es war mir da auch egal was andere über mich und mein Gluckengehabe dachten.
Das hat jetzt zwar nichts mit Hartz IV zu tun, zeigt aber das es in der Förderung unserer Kinder auch noch andere Baustellen gibt, an denen dringend etwas getan werden müßte. Die Anerkennung der Legasthenie ist z. B. in Deutschland schon von Bundesland zu Bundesland verschieden. Wohnt man in Hessen hat man bessere Karten, denn die Legasthenie wird bei der Notengebung berücksichtigt, hier in NRW nicht.
ideih



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