Frank, ich kann mich noch sehr gut an die Vorlesung bei unserem Steuerrechtsprofessor erinnern. Der Mann sagte, dass er das System nicht für gerecht hält. Und zwar, weil seine wohlhabenden Kunden immer zu ihm kommen, um Steuern zu sparen; die Leute weiter unten können von diversesten Regelungen aber gar nicht profitieren. Er denkt sich die abstrusesten Sachen aus, als Steuerberater kannste mit normalen Jahresabschlüssen doch kein Geld mehr machen, nein, das kriegst du für STEUERGESTALTUNGSMASSNAHMEN.Zitat von frank60
Findest Du es gerecht, dass ein Geringverdiener, also ein Verkäufer, Florist, Kellner, Gärtner, Koch, Altenpfleger... seine Werbungskosten komplett selbst tragen muss? Einfach, weil er dank der Lohnhöhe gar keine Steuern zahlen kann??
Und jetzt mal was ganz anderes: Was ist eigentlich so schlimm daran, Steuern zu zahlen?
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08.07.2009, 09:08
AW: Starke Schultern mehr belasten ?
Leben und leben lassen.
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nachdenkseiten.de
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08.07.2009, 13:26
AW: Starke Schultern mehr belasten ?
Das ist recht einfach zu erklären, wer viel verdient muss entsprechend viel Steuern zahlen und nutzt alle legitimen Möglichkeiten, wer wenig verdient muss wenig bis überhaupt keine Steuern zahlen, was nutzt demjenigen Wissen über Steuersparmöglichkeiten, wenn er sie eh nicht ausschöpfen kann.
Nix verdienen, nix Steuern zahlen aber dann noch etwa heraus bekommen wollen geht nicht, auch wenn es die Deutschen regelmäßig versuchen.
Ja ich finde es gerecht, dass derjenige der mehr verdient und demzufolge mehr zu Gemeinwohl beiträgt auch mehr von dem Aufwand seiner Lebensführung von der Steuerlast absetzen kann. Das nennt man „angemessen“.
Irgendwie muss ja die Mehrleistung des „Besserverdienenden“ honoriert werden, die alleinigen Honorierung durch Steuerprogression ist da wohl eher kontraproduktiv.
Was schlimm daran ist? Ich verdien Geld und dahinter steht eine Leistung und jetzt muss ich über 40% davon abgeben, das ist schlimm.
Vielleicht fragst du ja deshalb, weil du dem Klischee nachhängst, dass ab einem bestimmen Einkommen keine Leistung mehr dahintersteht sondern das Geld demjenigen „irgendwie“ zufällt.
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08.07.2009, 13:38
AW: Starke Schultern mehr belasten ?
Aus aktuellem Anlass: Die Einkommensteuerverteilung von der Bundeszentrale für politische Bildung:
Die Sahnestücke der Studie: "...Nach Simulationsrechnungen führte das reichste Zehntel der Einkommensteuerpflichtigen (10. Dezil) im Durchschnitt 23,8 Prozent des Bruttoeinkommens an Einkommensteuer ab. Im Jahr 2007 hatten damit die obersten 10 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen einen Anteil von 51,8 Prozent am gesamten Einkommensteueraufkommen. Bei den untersten 50 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen (1. bis einschließlich 5. Dezil) lag der entsprechende Anteil bei lediglich 6,5 Prozent.
Laut einer aktuellen Studie des DIW Berlin zahlten die 450 Deutschen mit dem höchsten Einkommen im Jahr 2002 durchschnittlich 34,3 Prozent Einkommensteuer. Bei den obersten ein Prozent waren es 32,4 Prozent. Beide Werte liegen deutlich unter dem reinen Steuertarif. Ursache hierfür ist die große Lücke zwischen Bruttoeinkommen und zu versteuerndem Einkommen, die durch Steuerbefreiungen, Freibeträge, Abzugsbeträge oder andere Steuervergünstigungen entsteht.
Trotz
der Gestaltungs- und Steuervermeidungsmöglichkeiten tragen die Einkommensbezieher mit den höchsten Einkommen einen Großteil der Steuerlast:
Nach Angaben des BMF gab es 2003 mehr als 804.000 Einkommensteuerpflichtige, die mit dem Einkommensteuer-Höchstsatz besteuert wurden. ... Der progressiv ausgestaltete Einkommensteuertarif dämpft also die Ungleichheit der Bruttoeinkommen. Allerdings sank laut DIW die effektive Steuerbelastung der Spitzenverdiener in den Jahren 1992 bis 2002 um 10 Prozentpunkte; für den Durchschnittsbürger blieb sie dagegen unverändert.
...ist das nicht schrecklich?? Da stricken im Finanzministerium so viele Leute um die Steuerschlupflöcher herum, und TROTZdem tragen die paar Hanseln mit den höchsten Einkommen noch einen Großteil der Steuerlast! Aber wenigstens für den Durchscnittsbürger blieb alles beim Status quo
Leben und leben lassen.
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08.07.2009, 13:43Inaktiver User
AW: Starke Schultern mehr belasten ?
Ich hab' da mal eine Frage:
"Nach Simulationsrechnungen führte das reichste Zehntel der Einkommensteuerpflichtigen (10. Dezil) im Durchschnitt 23,8 Prozent des Bruttoeinkommens an Einkommensteuer ab." Einkommensteueranteile - Einkommen und Vermögen
Sind die 40% , die du abgeben musst , die Steuern oder ist da noch was anderes drin enthalten?
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08.07.2009, 13:45
AW: Starke Schultern mehr belasten ?
Laut meiner zitierten Studie dürften es max. 34,3 % sein. Such Dir mal einen besseren Steuergestalter, hmm?
Zitat von frank60

In der Tat. Es gibt einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Verdienen und Bekommen. Aber der ist so klein und fein, dass Du ihn nicht sehen kannst. Oder besser: nicht sehen willst.Vielleicht fragst du ja deshalb, weil du dem Klischee nachhängst, dass ab einem bestimmen Einkommen keine Leistung mehr dahintersteht sondern das Geld demjenigen „irgendwie“ zufällt.Leben und leben lassen.
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08.07.2009, 13:53
AW: Starke Schultern mehr belasten ?
Du weißt doch am besten, ab welcher Summe 42% + Soli beginnen.
Sicher p.a. sieht es „optisch“ etwas „günstiger“ aus.
Fangfrage?
Wir sind hier aber nicht bei Anne Will. Ich bin ehrlich, wenn ich das Einkommen mitzähle, welche „nur“ 25% + Soli kostet wird’s noch etwas günstiger.
Geändert von frank60 (08.07.2009 um 13:56 Uhr)
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08.07.2009, 14:00
AW: Starke Schultern mehr belasten ?
Ich denke, dass ich eine guten Steuerberater habe und selbst habe ich das auch mal studiert aber es ist nun mal so, die Schlupflöcher für die „dicken“ Dinger sind alle zu. Kleinkrams geht immer.
Den Unterschied zwischen bekommen und verdienen erkennen eh immer nu diejenigen, die sich benachteiligt fühlen.
Ein Großteil meiner Angestellten denkt bestimmt auch, dass ich mein Geld nur „bekomme“. War schon immer so und wird sich auch nicht ändern, es ist immer zu wenig.
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08.07.2009, 14:08Inaktiver User
AW: Starke Schultern mehr belasten ?
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08.07.2009, 14:13
AW: Starke Schultern mehr belasten ?
Echt? Das ist aber schade
Zitat von frank60
Wo hast Du Steuerberater studiert? M.E. ist das eine Weiterbildung, kein Studiengang. Neben mir liegt die Anmeldung für den Lehrgang Haas zum Oktober 2010. Und dabei könnte man das auch studieren, statt soviel Kohle zu investieren, hmmm...
Wenn der Großteil Deiner Angestellten mitbekommt, wieviel Zeit Du tagsüber im Brigitteforum verplemperst, kann ich ihre Denke nachvollziehen. Oder wirst Du fürs Schreiben von Beiträgen bezahlt?Den Unterschied zwischen bekommen und verdienen erkennen eh immer nu diejenigen, die sich benachteiligt fühlen.
Ein Großteil meiner Angestellten denkt bestimmt auch, dass ich mein Geld nur „bekomme“.
Nee, Frank, Du hast ja recht. Spar Deine Kohle, Du wirst sie in späteren Zeiten brauchen.Leben und leben lassen.
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08.07.2009, 14:25
AW: Starke Schultern mehr belasten ?


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