Der Erfolg der FPÖ und der "Martin" Partei in Österreich unterstreicht es ganz deutlich: Es gibt ein gewaltiges Wählerpotential am "wertkonservativen" Ende des politischen Spektrums, und das auch in Deutschland.
Ich denke aber, dass Wolfgang60 recht hat, dass die alten Kategorien nicht wirklich passen: Ich sehe jedenfalls auch viele enttäuschte SPD-Wähler eher CSU als (z.B.) Grün wählen, wenn es ihren Grunderwartungen eher entspricht, die man vielleicht eher mit den so verpönten "Kopfnoten" der Schule bezeichnen kann (Ordnung, Fleiß, usw) als mit irgendwelchen "ideologischen" Kategorien. Vielleicht auch ein Grund dafür, dass nur wenige den rechten und linken Rattenfängern auf den Leim gehen.
Auf jeden Fall hat sich der Gegensatz "Proletarier gegen kapitalistische Ausbeuter" bei aller Unzufriedenheit und Empörung wegen mancher Exzesse weitgehend erledigt. Die Kritik an "denen da oben" fokussiert sich eher an den wenigen Kriminellen oder Versagern als an irgendeiner "Klasse".
Mir wäre es jedenfalls lieber, wenn eine neue Version von FJS innerhalb des bestehenden Spektrums (z.B. in der Union) dessen Politik "rechts von mir ist nur noch die Wand" zum Erfolg führt - also diese Gruppen in ein demokratisches Spektrum integriert - als dass ein neuer Haider (oder schlimmer) diese Kräfte separat bündelt. Womöglich gegen die Demokratie.
Antworten
Ergebnis 21 bis 30 von 73
Thema: Quo Vadis, SPD
-
09.06.2009, 21:42Inaktiver User
AW: Quo Vadis, SPD
-
09.06.2009, 21:46
-
09.06.2009, 21:51Inaktiver User
AW: Quo Vadis, SPD
Ich würde mir wünschen, dass jemand im demokratischen Teil des Spektrums auf Kassandra hört und Lösungen findet!
-
09.06.2009, 22:58Inaktiver User
AW: Quo Vadis, SPD
Wobei die Piratenpartei nun keine Juxpartei ist. Sie Ableger der schwedischen "Piratpartiet", die sich im Umfeld des Pirate-Bay-Prozesses gebildet hat und in Schweden immerhin 7% bekommen hat.
Das Problem ist eher, dass sie thematisch etwas einseitig sind, wie auch z.B. die Tierschutzpartei oder die Feministische Partei.
-
09.06.2009, 23:47
AW: Quo Vadis, SPD
Keine Kassandra-Rufe, sondern die Schlussfolgerung aus der Beobachtung, dass wir eines der wenigen, demokratischen Länder sind ohne rechtskonservstive Partei im Angebot.
Da wir uns soziologisch-kulturell nicht wesentlich von anderen Ländern, die solche Parteien aufweisen, unterscheiden, bleibt mir nur zu folgern, dass das Potential auch bei uns vorhanden ist, aber keinen Abnehmer (bisher!) für seine Stimmen findet.
Das Potential ist da und wartet in den Kulissen auf seinen Auftritt.
Das empfinde ich als beunruhigender denn ein Sichtbarwerden dieses Potentials auf offener Bühne.
Weil ich das Gefühl habe, diese Demokratie bewegt sich auf schlüpfrigem Untergrund, aber nicht abschätzbar ist, wie rutschig-abschüssig der Untergrund tatsächlich ist.
Denn dass Umfragen die Wahrheit sagen, gerade was rechte Überzeugungen und ihre Verbreitung anlangt, glaube ich längst nicht mehr.
Viel zu viele antworten so, wie sie es für opportun halten, zeitgeistkonform.
Und dass das Äußern rechter Meinungen nicht opportun ist, wird den Menschen in diesem Lande deutlichst vermittelt.
Damit sind die aber nicht aus der Welt.
Sie verziehen sich nur in die dunklen, schlecht ausgeleuchteten Ecken der Gesellschaft und warten ab, wie Muränen, die unvermutet hervorschießen und zuschnappen.Geändert von arouet58 (09.06.2009 um 23:58 Uhr)
Cum grano salis
-
28.09.2009, 12:08
AW: Quo Vadis, SPD
Ich habe nocheinmal den alten Strang hervorgekramt. Die Überschrift passt immer noch.
Heute (ein Tag nach der Wahl) habe ich gelesen (und gestern gehört), dass unser SPD-Führungsduo weitermachen will. Ich weiß nicht, ob Müntefering irgendwo bei einem Londoner Buchmacher gewettet hat, wie lange es dauern wird, bis er die SPD unter 10 Prozent gewirtschaftet hat.
Was muss die SPD machen?
Steinmeier weg, er passt besser irgendwo als Zuarbeiter ins Staatsministerium, aber doch nicht als Kanzlerkandidat! Und auch für die SPD-Spitze ist er ungeeignet. Diesen Eindruck hat er auch immer und überall vermittelt.
Müntefering weg: Viele meinen, er fühle sich wie ein Parteisoldat. Ich denke, er fühlt sich eher wie ein Gröfaz (größter Feldherr aller Zeiten). Parteisoldaten sind viel zu viele "Genossinen und Genossen", die gewohnt sind, vor diesem politischen Tattergreis zu kuschen. Leute in der SPD! Warum schweigt iht so viel zu diesem Unsinn, der bei euch da oben verzapft wird? Wenn ihr was sagen wollt in dieser verkrusteten Partei, dann macht das auch, besser heute als morgen.
Schickt diese Blindgänger in die Wüste und beginnt von neuem.
Aber was sagt man in der SPD dazu, wenn Münte weitermachen will? Man kuscht wieder. Vielleicht war die Klatsche gestern noch nicht schlimm genug. Vielleicht muss es doch noch viel mehr weh tun.
Die SPD hat versucht, ein kleines Fleckchen Landschaft in der politischen Mitte zu besetzen. Das haben sie gut geschafft. Irgendwo bei der CDU konnte man als Blinddarmfortsatz die ehemalige Volkspartei SPD erkennen. Aber nicht mehr.
SPD-Mitglieder, verzeiht meinen bitteren Beitrag. Ich war nie begeisterter Anhänger von Beck. Aber immerhin versuchte er eine Diskussion in seiner Partei über die Linken und eine mögliche Zusammenarbeit mit den Linken zuzulassen, auch um in einem größeren politischen Spektrum Wähler zu halten und zu gewinnen. Der Parteigeneral Müntefering wollte keine Diskussion, und ist seitdem dabei, die SPD gegen die Wand zu fahren.
Viel Spaß dazu wünscht ein ehemaliger SPD-WählerIch bin, also denke ich
-
28.09.2009, 12:25Inaktiver User
AW: Quo Vadis, SPD
Ich hab zwar gestern noch SPD gewählt (allerdings schon nur noch die Zweitstimme), aber sollte sich an der Führungsspitze nicht augenblicklich was ändern (Abtritt Münte) und in den nächsten 12 -24 Monaten nicht erkennbar eine wirklich neue (jüngere) Mannschaft an der Spitze gebildet werden, dann war es das auch bei mir mit der SPD.
-
28.09.2009, 17:27Inaktiver User
AW: Quo Vadis, SPD
Ich würde mir ebenfalls wünschen, dass die SPD wieder eine Grundlage findet, die ihr das Prädikat "Volkspartei" erhält.
Es dürfte manchen hier nicht überraschen, dass ich mir wünsche, dass die SPD wieder eine glaubwürdige Partei der Mitte wird, die von traditionell sozialistischen Positionen bis zu wertkonservativen alle Aspekte im Spektrum der sozialen Marktwirtschaft repräsentieren kann. Das würde auch mir die Möglichkeit geben, mal wieder SPD zu wählen, die für mich nie politische Heimat aber gelegentlich eine geschätzte Alternative war.
Ich fürchte allerdings, dass sich die SPD im Wettstreit mit der Linken auf das linke Ende des Spektrums konzentriert, mit der wahrscheinlichen Folge, dass sie sich gemeinsam mit der Linken in ein 30-% Ghetto zurückzieht, wie es unter Schumacher und Ollenhauer (vor dem Godesberger Programm) der Fall war.
Wahlen werden nicht links oder rechts sondern in der Mitte gewonnen!
-
28.09.2009, 18:00
AW: Quo Vadis, SPD
djgm,du gehörst wahrscheinlich zu den Wahlgewinnern. Ich ordne dich mal mitte-rechts ein, verzeih mir, wenn ich daneben liege. Im letzten halben Jahr hast du immer wieder betont, wie wichtig es sei, dass die SPD eine Politik der Mitte betreibt. Das hat sie nun auch getan, man hat sogar immer wieder demonstrativ gezeigt, dass linke Themen und auch die Linken kein Thema für die Bundes-SPD seien. Und was hat man mit deinem Ratschlag erreicht? Du kannst dich freuen, sagenhafte 23 Prozentpunkte.
Die SPD muss das Spektrum von links bis zur Mitte abdecken, wie die CDU das Spektrum von Rechts bis zur Mitte abdeckt, inzwischen sogar etwas über die Mitte in ehemalige SPD-Domänen hinein.
Wenn die SPD weiter nur eine Partei der Mitte sein will, den linken SPD-Flügel kaltstellt, ist es für mich doch klar, dass eine andere Partei linke Themen aufgreift, und dieses politische Vakuum füllt. Zudem laufen CDU-Anhänger nicht reihenweise zur SPD über, weil diese nun eine Politik der Mitte betreibt.
Also: Je mehr die SPD darauf beharrt, eine Partei der Mitte zu sein, verliert sie links Anhänger und Wähler. Mir kann es egal sein, ich habe inzwischen keine Berührungsängste mehr mit den Linken. Aber es gibt viele Leute, gerade innerhalb der SPD, die sich lieber eine starke SPD wünschen, die in der Mitte, als auch links zu Hause ist, als eine Mitte-SPD, die die linke Politik einer anderen Partei überlässt.
Aber gib deine Tipps weiter der SPD, die scheinen ja darauf zu hören.
Gruß
WolfgangIch bin, also denke ich
-
28.09.2009, 19:01Inaktiver User
AW: Quo Vadis, SPD
Weil es der SPD zurecht kaum einer geglaubt hat. Die Mehrwertsteuerlüge 2005 ist nicht vergessen, die aktuelle Rumeierei in den Ländern mit den LINKEN und bei der Frage "wem glauben sie die Wahlversprechen nicht" hat die SPD sogar noch vor der LINKE den 1. Platz erobert. Die SPD hatte ein enormes Glaubwürdigkeitsproblem und daher sind auch viele nicht wählen gegangen. Das kann die SPD sogar noch als Pluspunkt verbuchen, dass die SPD Wähler, die mit einer starken SPD einen Linksblock im Bund befürchtet haben, nicht CDU oder FDP gewählt haben sondern daheim geblieben sind.
Ich sehe es genau so wie djgm01..eine Volkspartei ist offen für viele Strömungen, anders kann sie auch garnicht auf 35% + X kommen, wenn sie sich auf bestimmte handabgezählte Wählergruppen beschränkt.
Ich glaube dass viele Mitte-Wähler daheim geblieben sind. Die muss die SPD zurückholen, sonst war es das. Und das wird man nicht mit einem strammen Links-Kurs können. Klar..die SPD wird links was machen müssen, aber keinesfalls dürfen sie mit der LINKE in Konkurrenz treten. Links der Mitte ist kein Platz für 2 linke Parteien.
Ich glaube sogar dass Lafontaine gestern erstmal 2 Gläser Sekt auf ex gekippt hat, denn sein persönlicher Rachefeldzug gegen die SPD wurde sehr unrühmlich gekrönt. Nicht nur dass die SPD fast tot ist, nein...4 Jahre neoliberal hat sein Feldzug auch noch ermöglicht. Na danke. Deswegen sind ja einige Member hier die täglich mit neuen Postings aus den LINKE Wahlprogrammen genervt haben, komischerweise ganz still geworden seit gestern.
Ich kann die SPD nur warnen sich straff nach links zu orientieren. Das Wählerpotenzial reicht nicht aus, um nochmal regieren zu können. CDU, FDP und auch die Grünen (die gen bürgerlich ziehen werden, da bin ich sicher) sind dann keine Partner mehr und die LINKE hat ihren Zenit erreicht. Ohne Gysi und Lafontaine geht es da ohnehin auch bergab und schnell ist die LINKE wieder bei 5 oder 6 % und dann? Dann ist die SPD stramm links, greift damit 30% ab und der bürgerliche Block hat weit über 50.
Das Land besteht nicht nur aus Verlierern und nur mit denen ist kein Staat zu machen. Wer regieren will, muss auch die Gewinner berücksichtigen und das nicht nur bei einer Millionärssteuer.
Münte scheint ja nun doch abzutreten, das war auch klar.


Zitieren
