Blautanne, wie du selbst schon öfter gesagt hast, wählen viele Menschen "unpolitisch". Und ich glaube, die wenigsten analysieren die Wahlprogramme der einzelnen Parteien. Es gibt einzelne Punkte, die einem wichtig sind, aber viele wählen doch eher Personen, oder die Bilder, die sie sich selbst von der Partei machen. Jetzt hier in Hessen haben viele die FDP gewählt, weil sie eine "bürgerliche" Regierung einer "linken" vorziehen. Und die FDP ist nunmal die einzige Partei - neben der CDU, bei der man sicher sein konnte, dass es keine linke Regierung gibt. Das hat weniger mit dem Programm der FDP an sich zu tun, es war mehr eine "Lagerwahl". Und diese Wahl hat auch gezeigt, dass die Hessen eben doch nicht wirklich "links" wollten, sondern vor allem nicht mehr Koch. Nun sehen viele aber wohl in Koch das kleinere Übel.
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Thema: Landtagswahl in Hessen 2009
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19.01.2009, 10:29
AW: Landtagswahl in Hessen 2009
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19.01.2009, 10:36Inaktiver User
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19.01.2009, 10:50
AW: Landtagswahl in Hessen 2009
Blautanne, es gibt mehrere Ideen oder Lösungsmöglichkeiten, die aus verschiedenen Ideologien herrühren.
Zuerst mal zu dem "neoliberalen Rezept".
Die dahintersteckende Idee: Wir verlangen niedrigere Steuern für Reiche und Unternehmer. Folge: Es wird mehr investiert, es gehen weniger ins Ausland, unsere Wirtschaft wird konkurrenzfähiger etc.... Diese Idee darf man nicht mit keynesianistischen Ideen verwechseln, da der entscheidende Faktor nicht die Geldmenge ist, die bei Steigerung zu höheren Ausgaben führen kann, sondern die "Entfesselung" des freien Unternehmertums.
Im Gegensatz hierzu stehen Keynesianistische Theorien, die von der Geldmenge ausgehen. D.H. Wir verteilen mehr Geld an die Bürger, dann wird mehr konsumiert. Durch diese Nachfragesteigerung wird die Wirtschaft angekurbelt.
Dies versucht im Moment die große Koalition. Man lässt hunderte von Milliarden Geld drucken, und gibt das Banken und man verteilt es unter bestimmten Bevölkerungsschichten.
Merkel sagte (ungefähre Wiedergabe), beim Konjunkturpaket haben die 3 beteiligten Parteien nicht nach Lehrbüchern gehandelt. Dazu muss ich sagen, dass es genauso unprofessionell auf viele Bürger wirkt. Da durfte jede Partei (CSU, SPD,CDU) etwas beisteuern und dann kam dieses unbrauchbare Paket zustande. Es ist ein Stuss und nicht aus einem Guss.
Und das ist auch der Punkt, warum die FDP gewinnt, die CDU in Hessen nicht mehr zulegen konnte, und die SPD so extrem verloren hat. Das will Müntefering nicht wahrhaben, jetzt hat er schon wieder die gesamte Schuld am Hessen-Debakel Ypsilanti zugeschoben. TSG sagte ebenfalls, dass ausschließlich Ypsilanti schuld sei. Man kann es sich auch einfach machen. Hätte die SPD mehr als 30 Prozent erhalten, wäre TSG verantwortlich, bei knapp 24 Prozent muss eben Y verantwortlich sein.
Und nun zur Bundestagswahl:
Sowohl Müntefering als auch Steinmeier machen jetzt wieder den Ypsilon-Fehler: Beide haben kategorisch ausgeschlossen, nach der Bundestagswahl 2009 auf Bundesebene mit den Linken zusammenarbeiten zu wollen. Müntefering sagte sogar, dass er sich niemals mehr mit Lafontaine an einen Tisch setzen wird. Jetzt weiß jeder, der das hört und auch noch denken kann, dass es zu keiner Regierung links der Mitte kommen kann.
Somit mobilisiert man bestimmt keine Wähler. Münte kündigt durch diese Festlegung eindeutig an, dass es entweder zu einer CDU-FDP-Koalition kommen kann oder zu einer CDU_SPD-Koalition. Andere Koalitionen sind durch seine Festlegung für mich (und für viele andere) nicht denkbar. Vielleicht schafft es die SPD noch bis Sommer, Münte und Steinmeier abzusetzen, sonst haben wir das gleiche Theater mit der Bundes-SPD wie in Hessen. Ich lese schon in Gedanken: Müntefering begeht Wahllüge. Und so etwas wollen viele Wähler bestimmt nicht mehr.
WolfgangGeändert von Wolfgang60 (19.01.2009 um 19:35 Uhr)
Ich bin, also denke ich
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19.01.2009, 18:45Inaktiver User
AW: Landtagswahl in Hessen 2009
Warum eigentlich keine Zusammenarbeit mit den Linken???
In anderen Parteien waren bis Ende der Siebziger viele ehemalige
Nazis. Und wehe es hat jemand gewagt, daran zu rühren.
Diese Doppelmoral ist zum kotzen.
Anfang der 80er wurden Lehrer nicht verbeamtet die Mitglied der
Grünen waren. Es ist ein Hohn was in diesem Lande geschieht.
Ich bin der Meinung, es muß ein ganz deutlicher Ruck nach links
kommen, für mich ist diese Ungerechtigkeit unerträglich!
Ich bin nicht betroffen. Habe aber in der Vergangenheit hart kämpfen
müssen, da läuft man nur vor Wände, wenn man nicht ins Schema
F paßt.
charlotte5
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19.01.2009, 19:20Inaktiver User
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19.01.2009, 20:47Inaktiver User
AW: Landtagswahl in Hessen 2009
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19.01.2009, 23:12
AW: Landtagswahl in Hessen 2009
In den neuen Bundesländern wählt jeder vierte oder fünfte die Linken. Die Leute in West und Ost ticken eben unterschiedlich. Auch wenn viele Betonwessis das nicht wahrhaben wollen, wir müssen alle ins Boot mit reinnehmen. Auch politisch. Und viele im Osten fühlen sich eben gut bei den Linken aufgehoben. Ich sehe da überhaupt kein Problem.
Meine Idealvorstellung wäre, dass irgendwann die Linken in der SPD aufgehen. das kann aber noch viele viele Jahre dauern.
Was die verantwortlichen SPD Politiker nicht sehen wollen, und was mich rasend macht: Merkel und Westerwelle schmieden eine Allianz gegen die SPD. Und Müntefering und Steinmeier haben sozusagen alles verzockt, indem sie die Zusammenarbeit mit den Linken kategorisch abgelehnt haben. Das passt mir überhaupt nicht, wie konnten die beiden so einfach die nächste Wahl den Rechten schenken.
Aber was solls, es gibt wichtigeres im Leben.
WolfgangIch bin, also denke ich
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19.01.2009, 23:35Inaktiver User
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20.01.2009, 00:01
AW: Landtagswahl in Hessen 2009
Die SPD lehnt die Zusammenarbeit mit den Linken aus Angst vor einem Imageverlust ab. Wäre die Stimmung im Land anders - oder würden die ewigen Verteufelungen der CDUlastigen nicht soviel Gewicht haben - dann könnte die SPD relativ entspannt mit den Linken zusammen arbeiten unter der Bedingung der Anerkennung der aussenpolitischen Beschlüsse und des Grundgesetzes.
Die alte SPD leidet immer noch an dem Lafontaine Debakel und lässt zu, dass es zu einem Trauma wird. Da müsste eigentlich Steinmeier als der Jüngere kategorisch sagen: das ist lange vorbei, der Mann hat eine neue Partei gefunden. Wir können mit jeder demokratischen Partei reden.
Diese Dramatik in der Gestalt des Teufels Lafontaine tut dem Image der SPD nicht gut. Viel souveräner wäre eine entspannte Haltung.
Bei der Debatte merkt man einfach, dass Münte ein alter Sack ist. Er trägt 50 Jahre SPD Geklüngel mit sich rum. Es wäre besser gewesen, sie hätten neue Leute rangelassen, denen der damalige Streit mit Lafontaine sonstwo vorbei geht.
Der einzige Politiker in der SPD, der maximal entspannt ist, ist Wowereit. Er arbeitet mit den Linken rein pragmatisch zusammen und sagt: solange eine gute Arbeit bei rum kommt, ist es gut.
Diese Linkenblockade wurde in einer Plasberg Sendung (oder ähnlich) ad absurdum geführt, wo in einer Umfrage die Bürger befragt werden, was sie als gut und wichtig erachten. Mindestlohn, Kündigungsschutz, Hedgefondverbot, etc. all das fordert die Linke. Gewählt wird die CDU und die FDP.
Geändert von Lukulla (20.01.2009 um 00:04 Uhr)
Körperlich Distanz
Sozial zusammen
You'd have to be here
I'm seeing a garden, a place I keep longing to show to you
It's northerly facing and close to an open fjord
The wind that was moving the rhubarb moved through my childhood, too
Calling so slowly from summer's before
Kari Bremnes
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20.01.2009, 00:03
AW: Landtagswahl in Hessen 2009
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dabei, zugleich einen Abbau der Verschuldung und Steuersenkungen zu fordern. Offenbar ist man in bei der FDP der Ansicht, das neoliberale Rezept löse das Problem, das es selbst verursacht hat.
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