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19.01.2010, 18:14Inaktiver User
AW: Barack Obama: eine neue Ära amerikanischer Politik
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20.01.2010, 06:29
AW: Barack Obama: eine neue Ära amerikanischer Politik
Demokraten verlieren Senatswahl in Massachusetts, dem wohl demokratischsten aller US-Bundesstaaten.
Dort gibt es 3 mal mehr Demokraten als Republikaner und trotzdem verliert die Justizministerin des Bundesstaates Massachusetts Ted Kennedys Senatssitz an einen kaum bekannten republikanischen Gegenkandidaten mit 52 zu 47 % der Stimmen !
Das ist so, als verlöre die CSU Bayern an die SPD.
Für Obama eine Katastrophe, ein Menetekel.
Es könnte durchaus bereits das Ende der kaum begonnen Ära Obamas sein.
Erstaunlich.
Ich habe ja nicht viel von ihm erwartet, aber doch einiges erhofft - immerhin war sein Vorgänger kein "Geringerer" als ausgerechnet George W. Bush.
Dass der Absturz so heftig und rasch kommt, das überrascht mich denn doch.
Offenbar ist die konservative Grundströmung stärker, viel stärker als gedacht.
In wenigen Jahren wird sie erfahrungsgemäß auch in Europa ankommen, auch in Deutschland.
Falls sie nicht bereits da ist, zumindest in Europa außerhalb Deutschlands.
Die britischen Wahlen werden das nächste Signal setzen.
Die Ära der politisch Korrekten scheint zu Ende zu gehen.Geändert von arouet58 (20.01.2010 um 06:54 Uhr)
Cum grano salis
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20.01.2010, 08:04
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20.01.2010, 10:35Inaktiver User
AW: Barack Obama: eine neue Ära amerikanischer Politik
Der Ausgang der Senatsnachwahl überrascht mich nicht; mich überrascht aber die Atmosphäre in den USA und die Wankelmütigkeit der US-Bürger.
Vergleichen wir mit Deutschland: dort hat die Möwenpick-Partei gezeigt, dass das, was Westerwelle 10 Jahre lang für sich als Kernkompetenz in Anspruch genommen hat (Haushaltskonsolidierung! vereinfachtes Steuerrecht! Subventionsabbau! Wirtschaftskompetenz!) Makulatur ist.
Außerdem streiten die Koalitionäre, die angeblich so viel besser zusammenpassen als CDU und SPD, seit Monaten wie die Waschweiber. Und das nicht ohne Grund.
Kein Wunder also, wenn die Mehrheiten im Land kippen.
Ebenso ist es kein Wunder, dass in Großbritannien die Mehrheiten kippen - ist Premierminister Brown als ehemaliger Finanzminister der langjährigen Vorgängerregierung doch unmittelbar mitverantwortlich am Finanz- und Wirtschaftsdesaster in Großbritannien. Außerdem geht Brown mit seiner Regierungsmannschaft doch von einem Skandal in den nächsten.
Es kann nicht verwundern, dass der No-name Camaron mit seiner unbelasteten Frische fast schon die nächsten Wahlen in der Tasche hat.
Anders in den USA. Dort ist der Präsident nicht nur durch keinerlei Skandale belastet, sondern tut eigentlich genau das, was er vor den Wahlen angekündigt hat:
für eine Gesundheitsreform kämpfen, die allen Amerikanern Zugang zu einer Krankenversicherung ermöglicht, die Wirtschaft mit Konjunkturprogrammen stärken, Maßnahmen gegen die Auswüchse des Bankenapparates ausarbeiten, die außenpolitischen Beziehungen zu Verbündeten, kritischen Ländern und der UNO verbessern, Maßnahmen für eine ökologische Kehrtwende treffen und (gleich als erste Regierungsentscheidung) die Folterpraktiken beenden.
Obwohl das genau das war, wofür er gewählt worden ist und obwohl in den USA traditionell nach Wahlen - egal wie sie ausgehen - eine gewisse Zeit politischer Friede (oder Waffenstillstand) herrscht, schlug ihm bereits unmittelbar nach den Wahlen und durchgängig bis heute erbitterter Widerstand, ja sogar eine Hasspropaganda entgegen, wie sie in den USA ohne Beispiel ist:
Vergleiche mit Hitler und Stalin, die First Lady mittels PC-Morphing als Affe dargestellt - um nur die allerbodenlosesten dieser bodenlosen Kampagnen zu erwähnen.
Das ist in der Tat überraschend. Aber genau deshalb bin ich über den Ausgang dieser Senatsnachwahl nicht im Mindesten überrascht.
Wo siehst du die politisch Korrekten?Die Ära der politisch Korrekten scheint zu Ende zu gehen.
Bei George W. Bush, der bis vor einem Jahr im Amt war, mit zwei Legislaturperioden?
In der langlebigen britischen Labour-Regierung, deren früherer Premier Tony Blair moralischen Bankrott angemeldet hatte?
In Italien, wo seit Jahren ein lächerlicher Gockel regiert, bis auf die Knochen korrupt und politisch weit nach rechts tendierend, obendrein mit unangemessenem Einfluss auf die Medien - und der gleichwohl der erfolgreichste, d.h. der langlebigste Regierungschef Italiens seit dem Zweiten Weltkrieg ist?
Die letzte Ära der politisch Korrekten ist schon ziemlich lange vorbei. Ich sehe lediglich Barack Obama, eine Ausnahmeerscheinung in absolut jeder Hinsicht - gewählt, als und weil die Qual der Bush-Regierung vorübergehend doch zu groß geworden war.
Man wird politisch vielleicht genau dorthin zurückkehren, wo man hergekommen ist - mit Obama als Intermezzo.
Aber weder in Europa noch in USA sehe ich in der nahen Vergangenheit und in der nahen Zukunft einen wirklichen politischen Paradigmenwechsel, egal in welche Richtung.
Obama wollte ihn erreichen - und zwar hin (nicht weg, wie du implizierst) zum "politisch Korrekten" - aber angesichts des überwältigenden Hasses der einen und der unreflektierten Enttäuschung der anderen ist das leider illusorisch.
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.Geändert von Inaktiver User (21.01.2010 um 11:01 Uhr)
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20.01.2010, 13:17Inaktiver User
AW: Barack Obama: eine neue Ära amerikanischer Politik
Ich versteh auch nicht so recht, was da los ist. Okay, er wandelt nicht wie erhofft über das Wasser, aber immerhin gibt er sich Mühe. Ist diese "Nation" denn wirklich so außer Rand und Band, so derartig showversessen und oberflächlich?
Ich darf mal generell was zu all den Polit- und Gesellschaftsthemen hier äußern: Der Schriftsteller Joachim Fernau (leider verstorben) hat in mehreren Büchern mit einer unglaublichen Präzision und verblüffenden Mustererkennung all diese Phänomene mehrfach beschrieben. "Halleluja!" -> USA/ Finanzkrise, "Rosen für Apoll" und "Cäsar läßt grüßen" -> Machtwahn, Dekadenz und Verfall von Politik und Gesellschaft der Imperien. Bei diesem Obamabashing kommt mir in den Sinn, wie "Volk" mit Themistokles umsprang. Wer gerne liest, sollte sich mal diesen Autor gönnen - und damit ist eigentlich alles gesagt.
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21.01.2010, 11:12Inaktiver User
AW: Barack Obama: eine neue Ära amerikanischer Politik
Darüber habe auch ich ernsthaft nachgedacht.
Ich denke, es hat mit Eigenheiten des US-Wahlsystems und vor allem mit dem US-amerikanischen Volkscharakter zu tun:
Das Wahlsystem erlaubt nur die Wahl zwischen zwei Parteien - Republikaner oder Demokraten. Es gibt keine dritte und vierte Partei, es gibt auch seit Bestehen der Vereinigten Staaten keine Koalitionen. - Es gibt mit anderen Worten in diesem System nur Hopp oder Top, nur Schwarz oder Weiß, nur Null oder Eins.
Gravierender als das Wahlsystem, das ein Schwarz-Weiß-Denken begünstigt, ist aber m.E. der Volkscharakter. Viele, viele Jahre Erfahrung mit Amerikanern, auf allen Ebenen - beruflich, privat, sowie die Beobachtung amerikanischer Politik über lange Zeit - haben bei mir den Eindruck hinterlassen, dass die US-Amerikaner im Schnitt (Ausnahmen bestätigen die Regel) zu Weitblick, Differenzierung und einem Denken in Zusammenhängen nicht fähig sind.
Im hier diskutierten Fall wäre es m.E. naheliegend folgendermaßen zu denken:
Ich will, dass Obama in die Puschen kommt und seine Wahlversprechen einhält. Dazu braucht er Abstimmungsmehrheiten.
Egal, wie gut oder schlecht die demokratische Senatskandidatin Martha Coakley ihren Wahlkampf gestaltet, egal wie blass oder brilliant sie erscheint - wenn nicht wirklich schwerwiegende Gründe entgegenstehen, wähle ich sie, weil ich nicht möchte, dass der von mir gewählte Präsident seine Mehrheiten im Senat verliert und damit Handlungsfähigkeit einbüßt.
Für einen Denkzettel kann ich mir nichts kaufen. Die Wahl eines Republikaners als neuer Senator von Massachusetts macht die Situation für die von mir gewählte Regierung in Washington noch schwieriger und die Erreichung der von mir gewünschten und ungeduldig geforderten Projekte des Weißen Hauses noch unwahrscheinlicher.
Solches Denken erwarte ich naturgemäß von niemandem, der Obama nicht gewählt hat. Aber ich würde meinen, es müsste für einen überzeugten Demokraten und Obama-Wähler (und davon muss es in Massachusetts sehr viele geben) eine Selbstverständlichkeit sein in Zusammenhängen und Prioritäten zu denken und schon aus diesem Grund der Kandidatin der Demokraten seine Stimme zu geben.
Aber schon solche simplen Zusammenhänge sind viel zu kompliziert für das durchschnittliche US-amerikanische Wählerhirn.
Ist leider so.Geändert von Inaktiver User (22.01.2010 um 12:25 Uhr) Grund: kleiner Sachfehler korrigiert (Name des Bundesstaates)
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21.01.2010, 14:49Inaktiver User
AW: Barack Obama: eine neue Ära amerikanischer Politik
Warum Barack Obama mit 59% Stimmanteil im Senat seine Gesetzesvorhaben nicht durchbringt:
"Filibuster im US-Senat: Lange Rede ohne Sinn"
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21.01.2010, 16:41
AW: Barack Obama: eine neue Ära amerikanischer Politik
Massachusetts
Wahlpleite gefährdet Obamas Gesundheitsreform
Herbe Niederlage für Barack Obama: Ein Jahr nach seinem Amtsantritt haben die Demokraten den einstigen Senatssitz von Edward Kennedy in Massachusetts und damit die strategische Mehrheit im Senat verloren. Jetzt wankt das Großprojekt des Präsidenten - seine Gesundheitsreform.
Massachusetts: Wahlpleite gefährdet Obamas Gesundheitsreform - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
meine Prognose: der schlechteste US Präsident seit Gründung der USA wird keine 4 Jahre im Amt bleiben.
yes we can, Jack London
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21.01.2010, 16:46Inaktiver User
AW: Barack Obama: eine neue Ära amerikanischer Politik
Die Prognose wird in die Hose gehen.
Ich bezweifle zwar auch eine Wiederwahl, aber einen vorzeitigen Abgang wird es nicht geben.
Präsidiale Rücktritte sind in den USA nun wirklich nicht häufig.
Ich sehe ehrlich gesagt auch keinen Grund wieso.
Und den Titel schlechtester US-Präsident teilen sich bereits Jackson, Grant, Carter und Bush jr.
Wobei Bush jr. jeden anderen um Längen schlägt.
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21.01.2010, 17:21




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