Ihr Lieben,
heute Abend muss ich mich wirklich nochmal ausheulen. Habe heute endgültig zum letzten Mal die Tür zugemacht. Die letzten beiden Wochen waren trotz Leben in leerer Wohnung noch sooo schön und nun hock ich bei meinen Eltern (nächste Woche gehts weiter in die Wohnung vom Schatz, wo ich dann wohne) und meine Gefühle fahren Achterbahn.
Am liebsten würde ich alles wieder ins Auto packen und zurück fahren in meine Wohnung, in "mein" Leben, in dem hauptsächlich ich für mich selbst verantwortlich war. Es ändert sich jetzt so vieles, mein Studium ist vorbei, ich ziehe mit meinem Freund zusammen und meine Familie hat mir als Uni-Abschluss-Geschenk ein stattliches Sümmchen als Startkapital für ein Auto geschenkt. Ich kann mich nur leider gar nicht freuen, weder auf die Aussicht auf viel Freizeit in den nächsten Wochen noch auf das erste eigene Auto, das ich dann demnächst haben werde.
Momentan fühle ich mich nur noch total überfordert, heule hier rum und freue mich gerade noch nicht mal auf das Zusammenleben mit meinem Freund.
Ich sollte jetzt eigentlich total stolz und glücklich sein, stattdessen heule ich hier rum.
Was ist bloß los mit mir? Kennt jemand von Euch diese Gefühle? Was würdet Ihr an meiner Stelle machen? Ich will grad einfach nur zurück.
Brauche dringend mal moralische Unterstützung von Euch![]()
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Antworten
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Thema: Zelte abbrechen...
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17.08.2008, 23:31Inaktiver User
AW: Zelte abbrechen...
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18.08.2008, 02:08Inaktiver User
AW: Zelte abbrechen...
Hallo Mulimania,
also Du ziehst in die Wohnung, die Dein Freund schon bewohnt?
Auch wenn Du Dein Zimmer bekommst - es fehlt in meinen Augen ein bißchen die "Euphorie des leeren Anfangs", des Neustarts.
Was Du machen könntest (wenn Du so ähnlich tickst wie ich): Dein zukünftiges Zimmer nigelnagel-leer räumen zu lassen - und von Grund auf dort zu beginnen. Incl. Wandfarbe.
Die -naja, fast- schönste Nacht meines Lebens war die in einem noch leeren Haus, auf einer Matraze mit einer 5-Minutenterrine als Abendessen, als ich schon "vor-eingezogen" war, einen Tag bevor der Möbelwagen kam.
Einen leeren Moment zum Innehalten, bevor es weitergeht, wünsch' ich Dir.
T.
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19.08.2008, 16:09Inaktiver User
AW: Zelte abbrechen...
Liebe Mulimania,
lass'dich erst mal drücken
Und lass' dir von einer alten Umzugshäsin sagen: Es geht vorbei! Und es ist ganz normal, dass du jetzt deinem alten Leben und der Wohnung hinterhertrauerst. Man hat darin ja auch soooooviel erlebt. Schönes und weniger Schönes.- Jedenfalls etwas, was dich geprägt hat und jetzt nimmst du von diesem Leben Abschied.
So wie ich verstanden habe, bist du ja auch noch nicht in deiner neuen Wohnung angekommen, sondern du bist gerade bei deinen Eltern für die nächsten Tage untergeschlüpft. Du bist momentan also weder Fisch noch Fleisch
Das ist auch nicht so einfach, weil man sich noch nicht völlig auf das Neue konzentrieren kann und ein wenig in der Warteschleife hängt. Aber sobald du die Tür zur neuen Wohnung aufmachen wirst, legt sich das, glaube mir!
Hier noch ein Gedicht von Hermann Hesse, das ich sehr gerne mag. Vielleicht kennst du's ja auch schon:
"Stufen"
"Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu Ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden.
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!"
In diesem Sinne: Bon courage!
larasan
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19.08.2008, 22:13Inaktiver User
AW: Zelte abbrechen...
Liebe Mulimania,
Zitat von Inaktiver User
iauch wenn Du inzwischen schon ausgezogen bist, musste ich Deinen ersten Beitrag hier mal zitieren, weil ich mich in fast exakt derselben Situation befinde. Mein Freund und ich führen seit ein paar Jahren eine WE-Beziehung. Ich schreibe gerade meine Magisterarbeit fertig, muss in zwei Wochen abgeben. Mitte/Ende Oktober werde ich zu meinem Freund ziehen, allerdings in seine Wohnung, und ein Zimmer für mich habe ich dort auch nicht, aber das muss erstmal so sein, weil ich noch Prüfungen machen muss uns währenddessen nicht Wohnungen anschauen kann etc. Wenn ich nächstes Jahr im Februar fertig bin, wollen wir uns aber evtl. zusammen eine neue Wohnung suchen.
Gefühlsmäßig geht es mir aber ganz anders als Dir: Ich freu mich unheimlich auf alles! Natürlich ist mir ein bisschen mulmig - ich wohne schon seit Jahren in dieser Wohnung, und auch gerne. Aber ähnlich wie bei Dir habe ich mich in der Stadt nie wirklich heimisch gefühlt. Die neue Stadt hingegen liebe ich heiß und innig!
Aber auch wenn ich mich freue, kann ich Deine Gefühlslage nachvollziehen - und bin gar nicht mal so sicher, ob mich das nicht auch ereilen wird, wenn es dann soweit ist...
Hast Du denn irgendwie Angst davor, einsam zu sein in der neuen Stadt? Auch wenn Du in Deiner Studienstadt nicht allzu viele Kontakte hattest - kann ja trotzdem sein...
Ich habe in meiner neuen Stadt schon eine Freundin gefunden, eine Nachbarin von meinem Freund. Wir haben uns schon sehr darauf gefreut, bald "richtige" Nachbarinnen zu sein - und jetzt ist sie vor Kurzem ganz plötzlich weit weggezogen, weil sie und ihr Mann sich getrennt haben. Da musste ich auch erstmal schlucken, und ich merke, dass mich das schon irgendwie mitnimmt...
Kennst Du denn schon ein paar Leute in der neuen Stadt?
(Kannst mir auch gerne ne PN schicken, wo Du hinziehst - am Ende landen wir in derselben Stadt?!
)
Ich schick Dir eine Umarmung, und denk dran: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...
Liebe Grüße
Tigerette
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19.08.2008, 23:26Inaktiver User
AW: Zelte abbrechen...
Liebe Larasan,
hab herzlichen Dank für Deine wunderbaren Zeilen! Aus dem Hesse-Gedicht kenne ich nur die eine berühmte Zeile, der Rest war mir unbekannt. Aber ich werde es nun in der nächsten Zeit sicherlich immer und immer wieder lesen! Und verinnerlichen.
Übermorgen "komme ich endlich an" und habe zum ersten Mal alle Sachen an einem Fleck. Wenn ich dann erstmal wieder die frische Luft rieche (ziehe von der Großstadt aufs Land) und die Ruhe genieße, dann geht es mir sicherlich besser.
ich falle halt gerade allgemein in ein Loch, plötzlich ist die Uni vorbei, die Bewerbungen laufen schleppend und ohne Ergebnis, ich musste "mein" ganz eigenes Leben zurücklassen und zudem ist gerade noch ein Freund gestorben, zu dem ich zwar ne zeitlang keinen Kontakt hatte, mit dem ich aber mal ein recht enges Verhältnis hatte. Das nagt noch zusätzlich an mir.
Ich glaube, ich brauche einfach etwas Zeit und vor allem im neuen Zuhause dann auch eigene Freunde, eigene Hobbies und hoffentlich bald auch einen Job, damit ich nicht länger hauptsächlich das Leben meines Freundes mitlebe.
@tigerette (Dein Avatar ist megasüß!): glaub mir, ich habe mich gut 1,5 Jahre lang auf den jetzigen Moment gefreut. Endlich mit meinem Freund zusammen, endlich weg aus der Großstadt, endlich in ein schönes Haus statt einer kleinen Studentenbude, endlich Natur und viel Ruhe, endlich keine Abschiede mehr jeden Sonntag, endlich nicht mehr aus der Tasche leben. Ich habe sogar die Wochen gezählt. Aber am Ende, so in den letzten 2-3 Wochen, hat mich so dermaßen die Wehmut gepackt... Ich war in Berlin auch nie wirklich Zuhause, aber nun, da ich meine Zelte endgültig abgebrochen habe, fehlt mir die Stadt auf einmal unglaublich. Wahrscheinlich werde ich nächste Woche sogar schon wieder zurückfahren, auch wenn ich es mir momentan eigentlich nicht leisten kann. Aber zu allem Überfluss hat mein Freund ausgerechnet jetzt wochentags geschäftlich dort zu tun. Eigentlich sträube ich mich dagegen, schon wieder hinzufahren, aber auf der anderen Seite sehne ich mich so sehr danach, noch einmal dort zu sein.
Es tut so gut von Euch zu lesen! Ehrlich! So weiß ich wenigstens, dass ich mit meinen Gedanken und meiner Gefühlsachterbahn nicht alleine bin.
Danke!!!


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