Hallo zusammen,
ich weiß nicht, ob ich hier in diesem Strang richtig bin, aber alle anderen fand ich noch unpassender.
Eigentlich schreibe ich nur, um mir ein wenig etwas von der Seele zu schreiben.
Seit 2003 reißt die persönliche und familiäre Pechsträhne nicht mehr ab. Es fing relativ harmlos mit einem komplizierten Beinbruch bei mir an. Habe seitdem ständig Schmerzen im Bein und es ist von Jahr zu Jahr weniger belastbar. Das ist aber wie gesagt noch recht harmlos.
Ein Jahr später (2004) erkrankte mein Mann an Speiseröhrenkrebs und wir haben 3 Jahre gezittert, ob ein Rezidiv festgestellt wird. Er kann seit der OP nicht mehr richtig essen, hat stark abgenommen und ist nicht mehr belastbar. Immer wieder gibt es Phasen, in denen er bettlägerig ist und sein Magen verrückt spielt.
Jetzt vor einem Monat hat die Firma meines Mannes beschlossen, einen bestimmten Aufgabenbereich auszulagern. Von der Kündigung sind nun 40 Leute betroffen und sehr wahrscheinlich auch mein Mann. Die Ungewißheit, was nun werden wird, hat ihn wieder ganz krank gemacht. Ihm schlägt es sehr auf den Magen, was wiederum bedeutet, dass er nichts essen kann und noch weiter abbaut. Ich lebe eigentlich in ständiger Sorge um die Gesundheit meines Mannes. Er wird auch in jedem Urlaub krank, so dass ich immer Sorge habe, ob er die Heimreise schafft (nur zur Info: Die Urlaube werden auf seinen Wunsch hin unternommen, ich könnte gut drauf verzichten).
Am Montag habe ich jetzt erfahren, dass mein Vater an Darmkrebs erkrankt ist und er nächste Woche operiert werden soll.
Durch die Krebserkrankung meines Mannes, weiß ich leider, was jetzt auf meinen Vater bzw. auch auf meine Mutter zukommt. Ich darf gar nicht dran denken. Hoffentlich kann mein Vater diesen Eingriff und die Chemo einigermaßen verkraften.
Hinzu kommt noch, dass ich auf der Arbeit seit einem Jahr massiv überlastet bin, weil eine Stelle unbesetzt ist und ich gar nicht weiß, wie die sich mehrenden Rückstände zu schaffen sind.
Ich darf mir gar nicht ausmalen, was jetzt wäre, wenn ich z.B. wegen Krankheit ausfalle. Mein Mann braucht mich. Meine Eltern brauchen mich, da auf sie jetzt eine schwere Zeit zukommt. Auf der Arbeit würde alles an einer Kollegin hängen bleiben, die unmöglich die Arbeit von dreien schaffen kann. Wieviel Belastung verkrafte ich wohl? Im Moment geht es mir zwar noch gut, aber ich bekomme schon leichte Panik, wenn ich mir meine Situation bewußt mache. Ich sage mir immer wieder: Ich darf nicht krank werden. Ich darf nicht krank werden!!!!
Vor einer Woche sind mein Mann und ich aus dem Urlaub zurück. Es war leider keine Erholung, da mein Mann leider auch diesmal wieder am vorletzten Tag krank wurde und es ihm von Beginn des Urlaubs an schon nicht gut ging. Dies bedeutet natürlich wieder, dass ich mir von Beginn an Sorgen gemacht habe, ob es ihm immer schlechter gehen wird. So war es dann wie immer auch und er ist krank nach Hause gekommen. Für ihn bedeutet jeglicher Streß sofort eine Magenverstimmung. Egal ob positiver (Urlaub) oder negativer (Arbeitslosigkeit) Stress.
Ich bin mittlerweile nur noch niedergeschlagen, weil ich es wahrscheinlich nicht mehr lange aushalte, nur noch Sorgen und schlechte Nachrichten zu verarbeiten.
Kann mich jemand verstehen????
LG
Astrid
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17.07.2008, 12:00Inaktiver User
Wieviel Belastung verkraftet man?
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17.07.2008, 16:41Inaktiver User
AW: Wieviel Belastung verkraftet man?
LIebe Astrid.Ich verstehe dich sehr .Gibt es jemanden bei dem du dich aussprechen kannst.Das mit deinem Vater ist nun auch noch dazu gekommen.Hast du noch Geschwister die deine Eltern unterstützen könnten?Haben deine Eltern Freunde die was auffangen können?Hast du Freundinnen mit dennen du was unternehmen kannst um mal abzuschalten.Vergiss nicht die guten Dinge im Leben.Ich würde das nicht schreiben wenn ich es nicht kennen würde.Ich denke an dich und wünsche dir viel Kraft und mal eine Auszeit,wenn auch nur für Stunden.Ashley
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18.07.2008, 08:15Inaktiver User
AW: Wieviel Belastung verkraftet man?
Liebe ashley,
vielen Dank für Deine liebe Antwort.
Ja, ich habe liebe Freundinnen und auch einige Kollegen/innen sind zu meinen Freunden/innen geworden. Dort kann ich mich sehr gut aussprechen und die verstehen mich auch sehr gut.
Es tat nur auch mal gut, sich alles von der Seele zu schreiben, da ich gestern irgendwie besonders niedergeschlagen war. Ich mache gerade Urlaubsvertretung und alles ist noch stressiger als sowieso schon und da fragt man sich, ob der ganze dienstliche Kram überhaupt sooo wichtig ist.
Na ja, ich werde es schon alles irgendwie schaffen. Irgendwo kommt ja immer mal wieder ein Lichtlein her.
Vielen Dank für Dein Verständnis.
Astrid
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18.07.2008, 08:26Inaktiver User
AW: Wieviel Belastung verkraftet man?
@Astrid
...machmal kommt ein Zeitpunkt, an dem jemand glaubt, alle sieben Weltplagen treffen auf einmal ein. So wie du schreibst, scheint es, dass du alles wie eine große Lawine empfindest, die auf dich zurollt.
Es gibt immer Steine auf unserem Weg. Versuche sie einzeln anzuschauen und nach und nach zu bewältigen. Manchmal scheinen die Aufgaben, die uns das Leben stellt, nicht fair. Versuche das zu tun, was dir möglich ist und bau dir Ruhepausen ein, in denen du wieder auftankst. Ein kleiner Spaziergang kann viel bringen, um einen Moment lang aus dem Problemcirkel herauszutreten...
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20.07.2008, 13:36
AW: Wieviel Belastung verkraftet man?
Astrid,
ich weiß nicht, ob es Menschen gibt, die es nie trifft.
Ich weiß nur, dass der Mensch viel aushält.
Ich habe dazu mal einen blöden Spruch gehört, von einem Menschen, der - wie Du - ebenfalls nicht aus den Sorgen herauskam. Er meinte: Wen Gott liebt, den straft er. Ich weiß nicht, ob es ihm geholfen hat.
Liebe Grüsse
fimmel
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21.07.2008, 08:10Inaktiver User
AW: Wieviel Belastung verkraftet man?
Hallo fimmel4711,
den Spruch kannte ich noch nicht. Für mich ist aber schwer nachvollziehbar, warum Gott ausgerechnet die straft, die er liebt.
Heute wird mein Vater stationär im Krankenhaus aufgenommen und es finden die Voruntersuchungen für die OP statt. Ich hoffe mal, dass nach der OP gesagt werden kann, dass der Tumor noch nicht weit fortgeschritten war und mein Vater gute Chancen hat.
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21.07.2008, 08:41
AW: Wieviel Belastung verkraftet man?
Guten Morgen, Astrid!
Ja, das klingt wirklich hart, was Du durchmachst
Was ich in solchen Situationen mache, ist, soweit ich kann, Tag für Tag dadurch zu gehen und nicht darüber nachzudenken, was möglicherweise noch passieren kann. Also nicht Dir ausmalen, was passieren würde, wenn Du krank wirst. Auch nicht
sage mir immer wieder: Ich darf nicht krank werden. Ich darf nicht krank werden!!!!
Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Schaffst Du es denn trotz all dieser Belastung, Dir Zeit für Dich zu nehmen?
Massashi
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21.07.2008, 10:43Inaktiver User
AW: Wieviel Belastung verkraftet man?
LIebe Astrid,
Zitat von Inaktiver User
das halte ihc für genau die falsche Fokussierung.
"Ich möchte gesund bleiben, dass ich meine Arbeit gut erledigen kann und meine Familie unterstützen" - so ist es eine positive Formulierung, die dir Kraft gibt, anstatt immer wieder die Angst vor dem Negativen auszudrücken.
Den Satz "wen Gott liebt, den straft er" habe ich auch zur Genüge gehört - IMHO großer Schwachsinn. Solltest du etwas mit Gläubigkeit anfangen können, so empfinde ich es so, dass keiner mehr "Aufgaben"/Schwierigkeiten bekommt, als er ertragne kann - manche große, manche kleine. All das ist dazu da, uns wachsen zu lassen.
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21.07.2008, 11:41Inaktiver User
AW: Wieviel Belastung verkraftet man?
Hallo Astrid!
Mich hat deine derzeitige Situation sehr berührt, deswegen möchte ich dir antworten...
Ich glaube, dass es für dich sehr wichtig wäre, in dieser anstrengenden Zeit auf jeden Fall regelmäßig etwas sehr schönes für dich selbst zu tun, aus dem du ganz viel Kraft schöpfen kannst. Was das ist, musst du allerdings selber herausfinden.
((Das kann ein regelmäßiges Treffen mit einer guten Freundin sein, bei der du dich ausheulen kannst... oder eine "künstlerische" Betätigung (Malen, Schreiben usw.) ... Sport oder oder oder...))
Du wirst nämlich sehr viel Kraft und Energie brauchen, die nächste Zeit durchzustehen. Und daher brauchst du eine Kraftquelle, sozusagen, wo du deine Batterien wieder aufladen kannst.
Ein Mensch kann unglaublich viel aushalten/erreichen. Das hört sich vielleicht blöd an, aber es gibt bestimmt Menschen, denen es noch schlechter ging als dir und die trotzdem nicht daran kaputt gegangen sind. Ich denke, ein Ausgleich, ein Ventil, eine Energiequelle (oder besser noch alles/mehrere davon) sind eine gute Möglichkeit, die Tiefen des Lebens gut zu überstehen!
Ich wünsche Dir viel Kraft, aber auch die Fähigkeit, immer mal wieder loszulassen und es Dir trotz allem gut gehen zu lassen!
Liebe Grüße
Dhalia
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21.07.2008, 12:18
AW: Wieviel Belastung verkraftet man?
Das wünsche ich Dir und Deinem Vater auf jeden Fall.
Zitat von Inaktiver User
Und das mit der Strafe.
Ich weiß auch nicht, warum Gott ausgerechnet die strafen soll, die er liebt.
Vielleicht ist das nur ein billiger Trost.
Erstaunlich finde ich allerdings, was ein Mensch so alles ertragen kann.
Wie er mit seinen Aufgaben wächst.
Ein Mensch, der Schlimmes hinter sich hat, würde niemals in Panik geraten, wenn er zum Zahnarzt muss. Wogegen ein Mensch, der noch nichts mitmachen musste, bei einem Zahnarztbesuch tausend Tode stirbt.
Vielleicht sind ja auch Menschen, die auf eine harte Belastungsprobe gestellt werden, am Ende die Glücklicheren. Sie haut nichts so schnell um.
Ich weiß es auch nicht.
Vielleicht ist alles auch nur ein übler Scherz, den sich irgendjemand ausgedacht hat.
Vielleicht sind wir ja auch nur ein kleines Rädchen im Getriebe, und es interessiert niemanden, ob es uns gut geht oder nicht.


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