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    AW: Besser mit Tiefschlägen umgehen

    @Halbnomadin,

    Du sprichst mir aus der Seele.
    Während meiner Therapie sind wir im letzten Halbjahr sozusagen auf die Inneren Schichten gestoßen und das war ziemlich hart und anstrengend.
    Ja und ich fühle mich freigelegt..schutzlos und ausgeliefert.
    Das Problem ist bzw. das Gute ist, dass ich zwar schlechte Phasen ( starke PMS) habe, aber nicht dauerhaft am Boden bin.
    D.h. ich bin meist während der Stunde bei meiner Therapeutin
    eher euphorisch, dass ich dann meine dunklen Tage kaum beschreiben kann.
    Ich habe versucht, diese Phasen zu akzeptieren, sie für mich und mein Leben anzunehmen, daher möchte ich auch keine AD`s nehmen. ( ich hab da irgendwie Angst vor)

    Nun kämpfen meine traditionellen Verhaltensmuster sich immer wieder durch und lassen meinen Verstand, der sagt, dass ist nun schon über 30 Jahre falsch gelaufen, im Stich.
    Will sagen, mein Kopf weiß zwar schon ganz vieles, aber ich bekomme meinen Motor nicht recht in Fahrt.

    Jetzt rede ich wirr, glaub ich,
    Verstehst Du trotzdem, was ich meine ?
    Viele Grüße
    Polilla

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    AW: Besser mit Tiefschlägen umgehen

    Ja, ich verstehe Dich.

    Du bist so weit in der Therapie, dass Dir klar ist, was zu ändern wäre, und bist dabei, es zu tun - aber noch nicht fertig damit. Und neue, stützende Gewohnheiten hast Du auch noch nicht.

    Das kommt, keine Sorge! Du bist jetzt am härtesten Punkt jeder Therapie, aber im ganz normalen Therapieverlauf auf genau dem richtigen Weg. Wenn Du Schwierigkeiten hast, im geschützten Gesprächsraum die Alltagsgefühle zu beschreiben, dann setze Dich bitte am Ende eines richtig üblen PMS-Tages hin und schreibe drei oder vier Sätze auf darüber, wie Du den Tag empfunden hast (Rotz- und Tränenflecken inklusive). Diesen Zettel nimm mit zur nächsten Sitzung. So kannst Du die ganze Schwankungsbreite der Therapeutin vorlegen.

    Antidepressiva sind inzwischen nichts mehr, wovor man Angst haben müsste. Stell Dir vor, Du hättest Dir das Bein gebrochen - damit kannst Du nicht laufen. Dann kommt ein Gips drum und Du kriegst Krücken. Das Bein ist immernoch gebrochen, aber Du kannst etwas hinkend den Alltag wieder bewältigen, während Dein Bein heilt. Moderne Antidepressiva sind ein Gehgips für die Seele, mehr nicht, und Du merkst, wenn Du sie nicht mehr brauchst. Wenn der Alltag für Dich nicht mehr zu bewältigen ist, dann musst Du auch über ADs nachdenken - wahrscheinlich nur für diese harte Zeit in der Therapie.

    Eine Ferndiagnose übers Netz ist immer schwierig. Bitte sprich über diese Fragen in der Therapie und auch mit Deinen Lieben zuhause - für sie ist es schwierig, wenn Du beim kleinste "Buh!" in Tränen ausbrichst, und es hilft Angehörigen enorm, zu wissen, dass das jetzt die Talsohle im normalen Therapieverlauf ist und es wieder aufwärts geht. Bergauf ist schwierig, aber man kommt dabei aus dem Tal heraus!

    Lieben Gruß - Halbnomadin
    Uns hat ein Goldstück gefunden.

  3. Inaktiver User

    AW: Besser mit Tiefschlägen umgehen

    Mein Freundeskreis ist sehr verstreut, vieles ist in den Jahren auseinander gegangen.
    Ich habe immer viel und gern gearbeitet...auch um den Verlust meiner Eltern zu "verdrängen"....
    Habe die Ärmel aufgekrempelt und mich einfach durchgekämpft.
    Habe in der Zeit lernen müssen, wer Freund ist und wer nicht.
    Ich bin oft für Freunde in die Bresche gesprungen, hatte ein ausgeprägtes Helfersyndrom, trotzdem sind da nicht viele übrig
    geblieben.
    Das tat auch sehr weh.....weiß nicht, was ich verkehrt gemacht habe.
    Hallo Pollila,

    dieser Absatz liest sich, als ob du in der Vergangenheit viel für andere, aber wenig für dich getan hast.
    Vielleicht magst du dir 1-2 Hobbies überlegen, die dir wichtig sind, Freude und Entspannung bringen und über die du Leute kennenlernen kannst, z.B. VHS oder ein Verein.

    Dabei ist es wichtig diese 2 Hobbies fest in den Wochenablauf zu intergrieren und ihnen Priorität zu geben. Dh. fester Bestandteil im beruflichen Kalender, feste Kinderbetreuung (dein Mann?) falls noch nötig, etc.

    Das Ergebnis ist, daß du Bereiche findest, die dir Energie und Lebensfreude geben und Leute kennenlernst, die gleiche Interessen haben.

    Liebe Grüße
    Yeli

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    AW: Besser mit Tiefschlägen umgehen

    Bitte sprich über diese Fragen in der Therapie und auch mit Deinen Lieben zuhause - für sie ist es schwierig, wenn Du beim kleinste "Buh!" in Tränen ausbrichst, und es hilft Angehörigen enorm, zu wissen, dass das jetzt die Talsohle im normalen Therapieverlauf ist und es wieder aufwärts geht. Bergauf ist schwierig, aber man kommt dabei aus dem Tal heraus!
    Liebe Halbnomadin,

    da steckt schon der erste Stein im Schuh.
    Ich habe die Therapie als Paartherapie angefangen -ohne meinen Mann-
    Die Eheberaterin und ich versuchen so gut es geht, den Anteil meines Mannes an unserer Ehekrise aus der Ferne zu analysieren.

    Mein Mann ist sprachlos. Nicht im alltäglichen- wir können uns wunderbar über seinen Job, unsere Kinder, die Familie & Freunde, Nachbarn oder die Dinge, die die Welt bewegt unterhalten, aber alles, was sich auf der persönlich-emotionalen Ebene abspielt, ist meinem Mann spürbar zuviel.

    Wir haben uns nach einer großen Krise wieder zusammengerauft, aber manchmal habe ich Angst, das die alten Fehler uns wieder einholen.

    @ Yeli,
    ja mir tut die Zusammengehörigkeit einer Gruppe sehr gut, zumal ich auch nicht mehr außerhäusig arbeite.
    Ich besuche tatsächlich regelmäßig div. Kurse, um z.B. PC-Kenntnisse aufzufrischen, nur manchmal übertreibe ich auch.
    Melde mich zu diversen Kursen an, halte dann aber nicht alles durch.....wie beim Sport z.B.

    Trotzdem Danke für den Gedankenanstoss- viell. finde ich auch etwas, was auch meinem Mann Spaß machen könnte.

    Herzliche Grüße
    polilla

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    AW: Besser mit Tiefschlägen umgehen

    liebe polilla,

    ich weiß im moment noch gar nicht, was ich dir raten könnte. aber was mir sofort aufgefallen ist und worauf ich dich gern hinweisen möchte, ist, wie streng du mit dir selbst bist und mit welchen extrem abwertenden attributen du dich bedenkst, wie die "dämliche heulsuse" oder "lächerlich", das finde ich schon heftig.

    du schreibst, in den letzten 15 (!!) jahren hattest du heftige brocken zu bewältigen. in den letzten 3 jahren ehekrise, die du nun allein aufarbeitest. seit anfang des jahres jeden monat etwas anders:

    Sprich:Anfang des Jahres heftigen Versicherungsschaden, im März Krankenhausaufenthalt eines meiner Kinder, im April Autounfall ( wobei ein Anwalt eingeschaltet werden mußte), im Mai heftige Familienauseinandersetzung, im Juni Streß mit dem Finanzamt, da eine knackige Rückzahlung ansteht ...
    Das sind jetzt nur so lapidare Beispiele
    dazu die unzufriedenheit im job, kaum zeit für dich und kontakte - da frage ich dich, liebe polilla, was verlangst du von dir, dass du jetzt auch noch gern zuversichtlich, stark und strahlend durchs leben gehen willst?

    da würde doch jeder mensch umkippen!

    ja, wenn ich dir etwas raten möchte, dann erst einmal aufhören, dich zum strahlen und lächeln zu zwingen. gönne dir das durchhängen und schlapp machen. du darfst jetzt auch mal schwach sein und jammern und klagen. ist ja nicht für immer. aber einfach sich selbst mal eingestehen, dass man schweres schlimmes erlebt hat und dass es einem sch... geht, finde ich sehr wichtig. du verlangst sehr viel von dir, aber irgendwann ist man eben mal am ende und kann nicht mehr. das darfst du akzeptieren.

    ich denke zuerst solltest du dir mal wieder selbst ein guter freund sein, dich lieb haben, dich mal selbst in den arm nehmen. und du darfst auch weinen, wenn dir danach ist. du bist keine heulsuse, sondern du hast schweres erlebt, leistest großes und starkes und hast meist wenig beistand und unterstützung. es ist völlig normal, dass dich die kleinsten dinge umwerfen, wenn alle ressourcen aufgebraucht sind. sich selbst dabei noch zu beschimpfen und unter druck zu setzen, kostet zusätzlich kraft und zieht noch mehr in die tiefe.

    ich würde dir auch raten, schaff dir irgendwie zeit für dich. und wenn es nur einmal in der woche ist. für ein festes hobby oder einfach zum trödeln, bummeln, träumen, genießen. kauf dir mal was schönes, setz dich in ein cafe oder mit einem buch in die sonne. nimm dir zeit für dich, zum kraft auftanken, wieder zu dir selbst kommen, tu dir was gutes. überleg dir, was es sein könnte. sprich mit deinem mann, wie ihr das hinbekommen könntet, wie er dich unterstützen kann.

    wie konntest ihr eure ehekrise überwinden, wenn er an der therapie nicht teilgenommen hat?

    liebe polilla, ich kann dich gut verstehen. ich wünsche dir von herzen bessere zeiten, die ganz bestimmt bald kommen werden! nimm dich in gedanken immer wieder in den arm und sage dir, dass du mutig und stark bist. du hast unglaubliches geleistet, und der lohn wird kommen, denn das ist immer so im leben.
    Bewahre mich vor der Angst,
    ich könnte das Leben versäumen.
    Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
    sondern was ich brauche.
    Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.


    Antoine de Saint-Exupéry

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    AW: Besser mit Tiefschlägen umgehen

    Liebe Polilla,

    was Marla schrieb, unterschreibe ich!
    Als Zeit für Dich gilt auch ein ganzer Abend in der Badewanne oder ein Vormittag auf dem Sofa.

    Sprachlos ist mein Mann auch manchmal, und ganz besonders in Krisenzeiten. Bei ihm fällt dann auch der Smalltalk weg, er spricht nur noch über alltäglich organisatorisches wie Einkäufe... wir haben gelernt, damit umzugehen.

    Das bedingt aber, dass Du mit der Therapeutin nur Deine Beziehung zu Deinem Mann klären kannst, nicht seine zu Dir. Er ist da, das ist seine zentrale Aussage. Er ist freiwillig da, weil er bei Dir sein will.

    Dann formuliere ich mal um:
    erzähle Deinen Lieben, wo Du grade stehst, damit sie es besser einschätzen können! Sie wollen Dir ja nicht weh tun und haben dann mit Deinen Reaktionen umzugehen. Gib ihnen Klarheit und die Hoffnung, dass es in ein, zwei Monaten besser wird.

    Lieben Gruß - Halbnomadin
    Geändert von Halbnomadin (07.07.2008 um 11:02 Uhr)
    Uns hat ein Goldstück gefunden.

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    AW: Besser mit Tiefschlägen umgehen

    ja, wenn ich dir etwas raten möchte, dann erst einmal aufhören, dich zum strahlen und lächeln zu zwingen. gönne dir das durchhängen und schlapp machen. du darfst jetzt auch mal schwach sein und jammern und klagen. ist ja nicht für immer. aber einfach sich selbst mal eingestehen, dass man schweres schlimmes erlebt hat und dass es einem sch... geht, finde ich sehr wichtig. du verlangst sehr viel von dir, aber irgendwann ist man eben mal am ende und kann nicht mehr. das darfst du akzeptieren.
    Ja, liebe marla, das (s.o.) muss ich wirklich lernen, das ist auch schnell ein Teil meiner Therapie geworden, ich trage jahrzehntelange Muster in mir..
    Ich fühle mich nur gut, vollkommen, wenn ich funktionere, viel und Gutes leiste.
    Wenn ich nicht funktioniere, dann hat das für mich eben "unangenehme" Folgen, wie Verlust von Freundschaften, Unfrieden in der Familie oder ich mache eben schlapp.
    Das bin ich von mir nicht gewohnt....bzw. habe ich schon lange nicht mehr erlebt.
    Ich hatte immer das Gefühl, ich kann mir "schlapp machen" nicht erlauben..

    Danke für den Denkanstoß... und die ehrliche Rückmeldung!
    polilla

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    AW: Besser mit Tiefschlägen umgehen

    Zitat Zitat von polilla
    Ich fühle mich nur gut, vollkommen, wenn ich funktionere, viel und Gutes leiste.(...)
    Ich hatte immer das Gefühl, ich kann mir "schlapp machen" nicht erlauben.
    Polilla,
    dafür gibt es eine Brücke:
    Zu dem, was Du leisten musst, zählt auch, Deine Arbeitsfähigkeit zu erhalten. Du kaufst auch das ein, was Du selber essen willst, und Du bringst Dich jeden Abend zu Bett und deckst Dich zu.
    Zu dieser Leistung für Dich selbst kannst Du auch Erholungspausen zählen. Erholt schaffst Du viel mehr, als wenn Du immer in den Seilen hängst!

    Lieben Gruß - Halbnomadin
    Uns hat ein Goldstück gefunden.

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