Zitat von Inaktiver User
Na gut, ohne das weitere gelesen zu haben: Ich bin so eine.
MIt Ende 16 Jahren bekam ich plötzlich Panikattacken und zwar heftige!
(Aus heutiger Sicht garnicht so plötzlich, in Anbetracht meiner Kindheit und Jugend, fast schon zu spät...)
Da meine Eltern sich nicht darum kümmerten, habe ich mich 4 Wochen später, in eine Kinder und Jugendpsychiatrie angemeldet und wurde aufgenommen!
Das war Ende November ´90...
Ich war dann mit Unterbrechung ein Jahr in der einen Klinik und danach in einer Kinder- und Jugendtherapeutischen Einrichtung, fast 2 Jahre.
Danach verließ "mein" Therapeut diese Einrichtung und nahm mich in seine eigene Praxis mit.
Ich war insgesamt 5 Jahre in therapeutischer Behandlung.
Richtig gut ging es mir, als ich nach dieser langen Zeit die Therapie abbrach und "mein eigenes Leben" lebte. (Am Ende war ich Übertherapiert(!) )
Erst danach bin ich wirklich gesund geworden. Aber langsam, das ist nichts was von heute auf Morgen passierte.
Ich habe mir Ziele gesetzt und hab diese auch erreicht.
Zuerst meine Schulabschlüsse,
danach die Lehre
und dann Arbeiten gehen.
War nicht so einfach, da ich alles immer wieder abbrach und immer wieder "krank machte". Ich konnte lange keinen anhaltenden Stress aushalten. Bekam zwar keine Panik mehr, aber dafür eine starke Antriebslosigkeit...
Aber das habe ich überwunden, ich bin einfach dran geblieben und habe niemals aufgegeben, immer weiter gemacht.
Und nun: Bin ich geheilt. Ich hab nix mehr, keine Panik, keine Antriebslosigkeit, nix!
Mir geht es gut und ich bin stolz drauf!![]()
Antworten
Ergebnis 31 bis 40 von 42
-
22.06.2008, 09:31Inaktiver User
AW: Einmal "Psycho" immer "Psycho"???
-
22.06.2008, 11:39Inaktiver User
AW: Einmal "Psycho" immer "Psycho"???
Ich war 2x wegen Depressionen in Behandlung. Einmal mit Anfang 20, mit einer rein ambulanten Therapie und dann mit Anfang 30 mit dem ganzen Programm ambulante Therapie, Medikation, stationärer Therapie.
Ich weiss nicht, ob ich geheilt bin. Was heisst das denn auch? Wenn man bei einer physischen Krankheit als geheilt gilt, heisst das ja auch nicht, dass man diese Krankheit nie wieder bekommt. Ich fühle mich als geheilt in dem Sinne, dass ich wieder Lebensfreude empfinde, mein Leben wieder leben kann, nicht mehr im Bett liege und Gegenstrategien für mein selbstverletzendes Verhalten gefunden habe und das auch seit einem knappen Jahr auch nicht mehr getan habe. Die Medikation habe ich als Krücke empfunden, die mich erst in die Lage versetzt hat, überhaupt mein Problem anzugehen und daran zu arbeiten. Ich finde das auch nicht schlimm - bei einem Beinbruch lehnt man die Krücke ja auch nicht ab, sie unterstützt einen beim Heilungsprozess und irgendwann sollte man eben ohne Krücke laufen können.
Ich habe eine Schwachstelle, ich muss auf mich achten. Das wird sich auch nicht ändern, denn diese Schwachstelle resultiert aus meiner Kindheit, die ich nicht ablegen kann. Das ist aber bei physischen Dingen auch nicht anders - ich hatte beispielsweise eine Eileiterschwangerschaft, die Gefahr, wieder eine zu haben bei einer erneuten Schwangerschaft ist da. Ich hatte einen Kaiserschnitt, da muss man darauf achten, wenn ich wieder schwanger werden sollte und eine normale Geburt anstrebe. Warum soll eine psychische Schwachstelle schlimmer sein als eine physische? Ich muss doch nicht alles ausmerzen, was bei mir anders ist als bei anderen Menschen.
-
22.06.2008, 12:26Inaktiver User
AW: Einmal "Psycho" immer "Psycho"???
Zunächst einmal müsste man klären, was "geheilt" eigentlich heißt.
Von meiner Depression (vor 11 Jahren nach der Geburt meines Kindes) sind keine akuten Symptome mehr übrig. Aber die "Narbe" in meiner Seele, die habe ich noch. Und ich möchte sie eigentlich auch gar nicht missen.
Erinnert sie mich daran, dass auch die Seele erkranken kann. Dies macht mich empathischer anderen gegenüber - und mir selbst. Ich bin aber auch empfindsamer geworden. Sehe vieles mit anderen Augen. Prioritäten ändern sich.Das Wort "Demut" fällt mir ein. Und ich habe gemerkt, dass viele mit einer psychischen Erkrankung eines Freundes oder Angehörigen nicht umgehen können.
Wenn ich durch meine schöne Heimat jogge und die Natur sehe, kann ich mich daran erfreuen - etwas, dass mir in der Depression nicht gelungen ist. Und ich weiß viele Dinge zu schätzen, die ich vorher als selbstverständlich erachtete.
Wenn man eine ernsthafte Erkrankung überstanden hat, ist man wohl nicht mehr derselbe wie vorher.
Unter diesen Aspekten würde ich die Ausgangsfrage bejahen (ohne dies wörtlich zu nehmen)
-
23.06.2008, 11:25Inaktiver User
AW: Einmal "Psycho" immer "Psycho"???
Hallo zusammen und Danke für die vielen Antworten!
Ich denke, das Thema ist nun zu genüge behandelt worden (aber wem noch was einfällt, immer her damit!!! :-) )
Wollte nur nochmal kurz was zu meiner Überschrift schreiben, weil sich hier zwei oder drei Teilnehmer kritisch geäußert haben...
Ich wollte damit niemanden kränken, meinte die Bezeichnung "Psycho" auch überhaupt nicht despektierlich oder abwertend! Ich habe dieses Wort gewählt, weil ich es knapp und prägnant finde und es die Angelegenheit im Kern trifft.
Da ich mich selber auch als "Psycho" bezeichnen würde, im humorvoll, selbstkritischen Sinn, hoffe ich, dass sich dadurch niemand mehr abgewertet fühlt!
Viele Grüße
L.
-
23.06.2008, 15:27
AW: Einmal "Psycho" immer "Psycho"???
Man muß sich ja nicht gleich ein Schild "Psycho" umhängen lassen. Ich denke, manche Menschen sind psychisch verletzbarer als andere, sie geraten schneller aus der Bahn. Darauf müssen sie schon ein bisschen Rücksicht nehmen und diese Rücksicht vielleicht auch von ihrer Umgebung einfordern, indem sie auf ihre Grenzen hinweisen.
Und auch wenn man nicht im klinischen Sinne geheilt ist - was bei manchen psychischen Krankheiten auch gar nicht möglich ist, weil sie als unheilbar gelten, wie z.B. Schizophrenie - heißt das nicht, dass man deshalb zu einem beschissenen Leben verdammt ist. Man muss dann lernen, mit der Krankheit so umzugehen, dass sie einen nicht zuviel Einbuße an Lebensqualität kostet. Wie das zu bewerkstelligen ist, muß letztlich jeder Betroffene für sich rausfinden, aber Selbsthilfegruppen können bei der Krankheitsbewältigung helfen. Bei psychisch Kranken ist es oft eine enorme Hilfe, wenn die Medikamente richtig eingestellt sind, so dass Krankheitssymptome in Schach gehalten werden, ohne dass unliebsame Nebenwirkungen überhand nehmen.
Und manche psychischen Defekte kann man auch durch Psychotherapie beheben, ohne dass irgendwelche Medikamente nötig sind. Das sind in der Regel solche, wo es an der eigenen Einstellung zu den Dingen und nicht am Hirnstoffwechsel krankt.Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
-
23.06.2008, 16:04Inaktiver User
AW: Einmal "Psycho" immer "Psycho"???
Was ist denn gesund?
Was krank?
Wer entscheidet darüber?
Wer legt das fest?
Diagnosen sind nichts weiter als Etiketten. Sie ordnen zu, sie umreissen, sie machen es dem, der sie trägt, leicht, sich einer Gruppe zugehörig zu fühlen, und dem, der damit (therapeutisch) arbeitet einfacher, Behandlung und Therapie zu konzipieren, weil er auf Standards zurück greifen kann.
Das kann von Vorteil sein, es kann aber auch grosse Nachteile bergen. Z.B. dann, wenn so ein Etikett haften bleibt, und man sich dauerhaft mit etwas identifiziert, das vielleicht gar nicht mehr passt, oder von anderen auf dieses Etikett reduziert wird.
Schubladen, Kategorien, Etiketten haben immer den Generalisierungs-Nachteil. Sie bilden Abstufungen, Individualität nicht ab.
Zudem gibt es gerade im Bereich der Psyche viele Fehldiagnosen. Das liegt auch daran, dass wir immer noch vergleichsweise wenig über das menschliche Gehirn wissen, und blöderweise in Hinblick auf Körper und Psyche gern gedachte Trennlinien ziehen, die aber gar nicht existieren. Der Mensch ist eine Einheit aus Körper und Psyche, Trennungen sind rein theoretische Konstrukte. Es gibt keine rein körperliche Erkrankung, die Psyche ist immer mit von der Partie, umgekehrt wird ein Schuh draus.
Ich wehre mich vehement dagegen, Menschen mit psychischen Problemen zu pathologisieren. Ich will sie nicht als defekt betrachten, oder unter dem Aspekt ihrer Defizite einordnen. Ich möchte das anschauen, was schmerzt, und mich gemeinsam mit diesen Menschen über das freuen, was DA ist, und sie am Leben erhalten hat. Von da ausgehend, und mit diesen Ressourcen arbeitend Schritt für Schritt weiter gehen, und alle Ebenen menschlichen Seins einbeziehen.
Für vieles, das Menschen widerfährt, haben sie gar keine Worte, häufig nicht einmal bewusste Erinnerungen Sie drücken es über den Körper aus, denn DER erinnert sich auf seine Art immer, und wir stellen Diagnosen, die in unser derzeitiges Weltbild passen. Dieses Weltbild findet alles, was mit "Psyche" zu tun hat, immer noch anrüchig, suspekt, geheimnisvoll, und ein bisschen unheimlich, und versucht deshalb, es auszuklammern. Das kann schlimm sein für diejenigen, die laut Diagnose eine psychische Erkrankung haben, und nun hilflos vor diesem Anrüchigen, Nichtgreifbaren stehen, und sich für den Rest ihres Lebens stigmatisiert fühlen.
Das ist aber auch schlimm für diejenigen, bei denen niemand an die Psyche denkt, weil ja der Körper spricht. Viele Erkrankungen, die im Depressions- oder Angstkontext ihre Wurzeln haben, werden beispielsweise nie ausheilen. Ihre Ursache wird nicht erkannt. Es wird der Körper behandelt, die Psyche bleibt aussen vor.
Eine weitere Stilblüte der künstlichen Trennung von Körper und Psyche. Ein weiteres Argument dafür, auf Etiketten nicht allzu viel zu geben.
Der Mensch ist veränderlich, und er verfügt über viele, viele Ressourcen. DAS ist es, was zählt, nicht welcher Begriff in einer Krankenakte steht.
Grüssle
Seawasp
-
23.06.2008, 16:09Inaktiver User
AW: Einmal "Psycho" immer "Psycho"???
Dazu gibt es einen Erfahrungsbericht, daß es doch in diesem einzelnen Fall ging.was bei manchen psychischen Krankheiten auch gar nicht möglich ist, weil sie als unheilbar gelten, wie z.B. Schizophrenie - heißt das nicht
In "Morgen bin ich ein Löwe".. also unmöglich ist es nicht.
Vielleicht macht es anderen Hoffnung.
-
24.06.2008, 14:10
AW: Einmal "Psycho" immer "Psycho"???
@ Nadine
Das ist eine Frage der Diagnose. Vielleicht wurden solche Leute ja als schizophren diagnostiziert, ohne dass sie es waren.
Es gibt im schizophrenen Formenkreis eine Ausprägung, wo man einmal in seinem Leben einen schizophrenen Schub hat, der aber nicht wieder kommt. Da man aber nie sagen kann, ob jemand dazu gehört, kann man auch nicht sagen, er ist geheilt. Erst die Zeit zeigt, ob jemand eine einmalige schizophrene Episode in seinem Leben hat, oder mehrfach unter schizophrenen Schüben leidet. Aber auch für solche Menschen lässt sich das Leben mit entsprechenden Medikamenten gut lebbar machen, wenn die Medikamente gut eingestellt sind, und der Patient mitmacht. Manche Schübe kommen daher, dass der Patient die Medikamente ohne Rücksprache mit dem Arzt absetzt, denn dann geben sie ihm gegen die Krankheit natürlich keinen Schutz mehr.
Ich kenne einige Schizophrene, auch über einen guten Freund von mir, den ich bereits vor seinem ersten Schub vor über 15 Jahren kannte. Er kann, seitdem er gut eingestellt ist, ganz gut leben und musste seit über 10 Jahren nicht mehr in stationäre Behandlung. Er ist zwar erwerbsunfähig, aber dennoch sehr aktiv, vor allem in der lokalen Politik. Ein Bekannter von ihm nimmt seine Medikamente nicht regelmäßig, weil er der Meinung ist, sie würden seine Kreativität beeinträchtigen. Er ist Schauspieler und lebt von HartzIV, mein Freund ist Wissenschaftler. Aber dieser Bekannte bezahlt seine unbeeinträchtige Kreativität eben damit, dass er hin und wieder Schübe kriegt: Er verliert Geld - was er sich nicht leisten kann - und führt in Gesellschaft zusammenhanglose Selbstgespräche. Ganz schlecht ist es natürlich, wenn ihn ein Schub gerade dann erwischt, wenn er ein Engagement hat.Geändert von Latona (24.06.2008 um 14:20 Uhr)
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
-
24.06.2008, 14:44Inaktiver User
AW: Einmal "Psycho" immer "Psycho"???
Als "Betroffene" finde ich das Wort "Psycho" garnicht so schlimm.
Für mich ist es ein Oberbegriff für diese "Menschengruppe" die von seelischen Schwierigkeiten/Erkrankungen betroffen sind. Aber in keiner Weise abfällig gemeint, eher "liebevoll".
Ich bin übrigens dankbar, das ich seelisch krank wurde. Meine Krankheit hat mich vor meinem Leben gerettet, das ich gezwungen war, als Kind/Jugendliche zu leben!
Ich möchte nicht überlegen, was passiert wäre, wenn ich nicht krank geworden wäre.....!!
-
24.06.2008, 14:59Inaktiver User
AW: Einmal "Psycho" immer "Psycho"???
Kennst du das Buch ?@ Nadine
Das ist eine Frage der Diagnose. Vielleicht wurden solche Leute ja als schizophren diagnostiziert, ohne dass sie es waren.
Die Autorin war es.. sie beschreibt es sehr genau wie es ihr ging.


Zitieren
