Zu diesem Thema fand ich einen Fragenkatalog ganz interessant, den ich mal gelesen habe. Er diente dazu, sich bewusst zu werden, wie sehr man sich seiner selbst bewusst ist - und wie gut man denkt, sich selbst überhaupt einschätzen zu können.
Ein paar davon waren:
- Überlege dir fünf Namen von den Menschen, die dir am nächsten stehen. Du bist Pilot eines Flugzeuges. An Bord sind die fünf genannten Personen. Nach dem Start gibt es ein technisches Problem. Es gibt zwei Varianten: a) Du wählst die Form einer Notlandung, bei der du und die fünf Personen mit 100%iger Sicherheit überleben und die anderen Passagiere mit 100%iger Sicherheit sterben werden. b) Du wählst die Form einer Notlandung, bei der für alle Passagiere eine 50%ige Überlebenschance besteht. Für welche entscheidest du dich? (Erst nachdenken und sich einfühlen, bevor spontan Variante b) gewählt wird).
- Nach drei Jahren erfährst du, dass dein Baby nach der Geburt im Krankenhaus vertauscht wurde. Du hast die Chance, mit den Eltern deines leiblichen Kindes Kontakt aufzunehmen und die Kinder wieder "zurückzutauschen". Tust du es?
- Du bist auf einer Firmenfeier in einem Unternehmen, bei dem du gerade neu angefangen hast. Als du den Raum betrittst merkst du, dass du als einzige völlig falsch angezogen bist und alle anderen einen anderen Dresscode gewählt haben. Welche Variante ist dir unangenehmer: a) overdressed zu sein oder b) underdressed zu sein?
... so geht das ewig fort, sind an die 100 Fragen. Dazu angehalten wird, sich bei den Überlegungen Zeit zu lassen und sich in sie hineinzuversetzen, wenn möglich mit geschlossenen Augen. Keine Spontan-Antworten, lieber mind. 10 Minuten Zeit nehmen pro Frage.
Tja, und dabei merkt man häufig, dass man bei einigen Dingen doch schon überlegen muss, wie man selbst eigentlich wäre, hypothetisch gesehen. Im realen Leben ist das wohl nochmal anders... aber war schon interessant...
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Ergebnis 21 bis 30 von 40
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11.06.2008, 23:10
AW: Definition von "Selbstbewusst sein"
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11.06.2008, 23:16
AW: Definition von "Selbstbewusst sein"
Hallo Violine, ich vermute, du meinst meinen letzten Absatz über Mann und Familie.
Egoistisch wäre es, wenn ich einen Mann NUR WEGEN seiner Finanzen nehmen würde. Das könnte ich gar nicht. Ich bin ja keine Professionelle. Ich will Liebe geben und empfangen. Aber ich will auch Kinder und mit denen zu Hause bleiben. Ich will mein Baby großwerden sehen. (Meine Mutter bereut heute noch, dass sie so wenig Zeit mit mir hatte). Und das geht nun mal nicht ohne Finanzen. Ich brauche aber auch keinen Luxus.
Zur Ignoranz: Ehrlich gesagt, bei mir gehts schon mal "zum einen Ohr rein, zum anderen raus". Zumindest wenn mein Gegenüber aus meiner Sicht Blödsinn faselt. Ich durchdenke nicht jede Meinung. Es gibt aber auch Menschen, über die denke ich viel nach.
So das war jetzt wahrscheinlich OT. Wollte aber violine antworten.
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12.06.2008, 16:41Inaktiver User
AW: Definition von "Selbstbewusst sein"
nina,
ich meinte nicht dich persönlich; aber dein Beitrag hat mich veranlasst, auf die feinen Unterschiede zu achten.
Ich weiß nicht, wie ich Selbstbewußtsein definieren soll ohne ins Wanken zu geraten. Schwierig! Ein Quentchen Egoismus und/oder Ignoranz wird dabei sein. Bei reflektierten Menschen hätte ich da kein Problem.
Frag mal einen pubertierenden Halbstarken, ob er sich als selbstbewußt einschätzt.
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12.06.2008, 16:52
AW: Definition von "Selbstbewusst sein"
@ Halbnomadin
Sehr gut auf den Punkt gebracht!
Zitat von Halbnomadin
Ich möchte noch ergänzen: Mein Selbstwertgefühl ist auch unabhängig davon, ob andere mich lieben oder mögen. Ich gestehe ihnen nicht zu, meinen Wert zu bestimmen, nur weil sie mich nicht mögen oder ablehnen, weil ich so bin, wie ich bin und mich im großen Ganzen okay finde. Man kann Kritik von anderen annehmen, man kann selbstkritisch sein, aber man stellt deshalb nicht seinen eigenen Wert als Mensch in Frage, weil man irgendjemandem nicht paßt - auch wenn einem noch soviel an dessen Zustimmung bzw. Zuneigung liegen mag.
Ich spinne den Faden noch weiter: Ein intaktes Selbstwertgefühl geht einher mit hoher Selbstachtung: Man weiß, wann und wie man anderen Grenzen setzen muß, man läßt sich nicht von Menschen, die einen nur runterziehen wollen, verunsichern, man läßt sich nicht auf Arrangements ein, die einem die schlechtere Position zuweisen, wenn man die Wahl hat, usw.. Man behandelt sich selbst gut und sorgt dafür, dass andere einen ebenfalls mit dem nötigen Respekt behandeln. Man weiß, was man sich wert ist - und das beschränkt sich nicht lediglich auf den Kauf von angepriesenen Konsumgütern.Geändert von Latona (12.06.2008 um 16:57 Uhr)
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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12.06.2008, 22:05
AW: Definition von "Selbstbewusst sein"
Solange sich das auf einige andere bezieht, die dich nicht lieben oder mögen, ist das sicher richtig. Was aber wäre, wenn dich niemand liebt oder mag? Du keine Freunde hättest? Lange Jahre kein Partner in Sicht ist? Keiner da wäre, der sich für dich interessiert? Bist du sicher, dass du dann ein unverändert grosses Selbstwertgefühl hättest?
Zitat von Latona
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12.06.2008, 22:10Inaktiver User
AW: Definition von "Selbstbewusst sein"
Zitat von Divino
Das wäre dann ein Thema für's Psychologie-Forum.
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12.06.2008, 23:27
AW: Definition von "Selbstbewusst sein"
@ violine
Findest du, die Frage passt hier nicht rein? Bezog sich doch direkt auf eine Antwort/Ergänzung zur Definition.
Ich jedenfalls glaube nicht, dass jemand sein Selbstwertgefühl zu 0% aus dem Feedback anderer zieht. Ein wenig spielt da immer mit rein. Menschen sind keine Einzelgänger, so autonom sie sich auch gern selbst sehen. Klar sollte der Grossteil von innen heraus kommen und nicht von Anderen abhängig sein. Aber hätte man nur negatives Feedback bzw. keines, von niemandem - dann sitzt man doch nicht einsam und isoliert in seinem Kämmerlein und freut sich, wieviel Wert man ist??? Wer ist davon ehrlich überzeugt?
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13.06.2008, 09:36
AW: Definition von "Selbstbewusst sein"
@ Divino
Dann heißt es: "Houston, wir haben ein Problem." Ganz im Ernst. Ich kenne diese Situation sehr gut, denn es gab eine lange Zeit in meinem Leben, da hat mich niemand geliebt: Meine Eltern haben nur meine kleine Schwester geliebt, meine Verwandtschaft hat mich ignoriert, in der Schule war ich Außenseiterin, in Jugendgruppen wurde ich gehänselt, die Jungs wollten nichts von mir wissen. Das hat mein Selbstwertgefühl so beschädigt, dass ich weit über meine 30 daran noch zu knabbern hatte. In solchen Situationen hat man es extrem schwer, ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln, weil man die dafür nötige Rückmeldung aus der Umwelt nicht bekommt. Man muss praktisch alles aus sich selbst holen, und das ist sehr schwer. Das können nur sehr sehr starke Persönlichkeiten leisten. Hier kann den meisten anderen eigentlich nur eine Psychotherapie helfen, die nötige Selbstliebe zu entwickeln. Das dauert ein bisschen, lohnt sich aber auf alle Fälle.
Zitat von Divino
Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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13.06.2008, 10:23
AW: Definition von "Selbstbewusst sein"
Zitat von Divino
Und die Erkennung des eigenen Wertes und etwas Selbstbewußtsein, hindert einen daran sich zu 100% von einem Feedback abhängig zu machen.
Menschen, die sich selbst auch schätzen etc. sitzen nicht zu haus im stillen Kämmerlein und freuen sich.Erfolg besteht darin, dass man genau die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind. (Henry Ford)
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Das Wesen wahrer Liebe lässt sich immer wieder mit der Kindheit vergleichen. Beide haben die Unüberlegtheit, die Unvorsichtigkeit, die Ausgelassenheit, das Lachen und das Weinen gemeinsam.
(Honore de Balzac)
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Grüße O_I
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13.06.2008, 11:59Inaktiver User
AW: Definition von "Selbstbewusst sein"
Das denke ich auch. Aber eben bzgl. des Selbstwertgefühls nicht bzgl. des Selbstwertes. Der ist unabhängig von äußeren Reizen vorhanden. Immer! Auch wenn ein Mensch den Zugang zu seinem Wert verloren hat, so ist er doch da. Es ist eine Frage meines Standpunkts, ob ich ihn erkennen kann oder nicht.
Zitat von Divino
Gruß
Brise


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