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    Stirnrunzeln Ich habe keine Grenzen

    Hallo an alle

    nachdem ich eine zeitlang mitgelesen habe, melde ich mich auch hier in der Hoffnung, ähnliche Erfahrungen zu finden (und vielleicht sogar den ein oder anderen Tip). Ich weiß allerdings noch nicht so recht, wie ich es schreiben soll. Mal sehen

    Ich habe ein Problem (ach was ?). In meinem Kopf spielen sich oft die unmöglichsten Szenen ab mit Freunden, Verwandten oder meinem Verlobten. Szenen, die im wirklichen Leben nicht vorkommen und auch sehr wahrscheinlich nie vorkommen werden. Ich kann es jedoch nicht lassen, mir diese Szenen vorzustellen (meistens sind es Situationen, in denen ich von jemandem verraten, betrogen oder sonstwie respektlos behandelt werde). Das führt dann oft dazu, daß ich völlig gestresst, gereizt und erschöpft bin, wenn die betreffende Person dann auftaucht. Natürlich weiß ich, daß das alles nichts mit der Realität zu tun hat und bemühe mich dann, mir nichts anmerken zu lassen. Es genügt dann allerdings manchmal das geringste und die Wut, die ich mir selbst geschaffen habe, kommt raus (natürlich der Situation völlig unangebracht)

    Die Auslöser sind völlig dusselig (zum Beispiel fuhr gestern ein Auto unter meinem Fenster vorbei, aus dem eine Musik tönte, in der der Sänger seine Freundin um Verzeihung bittet, nachdem er sie betrogen hatte. Daraufhin spielte sich natürlich sofort in meinem Kopf die Situation ab, daß mein Verlobter mir diesen "Gesang" lieferte und ich fast verrückt wurde, bei dem Gedanken, er hätte mich betrogen. Wie gesagt, das waren 5 Sekunden vorbeifahrende Musik). Manchmal braucht es auch keinen Auslöser. Diese Situationen können auch Frauen betreffen (Mutter, Freundin etc.).

    Ganz schlimm ist es allerdings, wenn ich Zeitungsberichte über Kindesmißbrauch oder Vergewaltigung vors Gesicht bekomme. Dann brauche ich alle Energie der Welt, um nicht in blinden Haß zu geraten und das Gefühl zu bekommen, meine (männliche) Umgebung, wenn sie nicht schon selbst Vergewaltiger sind, heißen die Gewalt zumindest gut.

    Ich kann gar nicht sagen, wieviel Kraft mich das kostet. Es ist auch so verdammt unfair gegenüber den Menschen, die mir doch eigentlich so nahe stehen und ganz wunderbare Personen sind.

    Ich kann mich einfach nicht abgrenzen und die Sachen dort lassen, wo sie herkommen.
    Ich weiß auch, daß der Vorschlag einer Therapie wahrscheinlich zu den ersten Antworten gehört (was ja auch Sinn hätte).

    Leider kann ich mir hier keine Therapie leisten, da ich nicht in Deutschland lebe und keine KV habe.

    Kann irgendjemand das nachvollziehen?
    Ich würde mich sehr über Antworten freuen.

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    AW: Ich habe keine Grenzen

    Oh, ach ja, noch was. Ich habe nicht sehr regelmäßigen Internetzugang, aber ich werde ganz sicher antworten

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    AW: Ich habe keine Grenzen

    Könnte es mit früheren (negativen) Erlebnissen in deiner Kindheit/ Jugend zu tun haben?
    Ab wann sind denn diese Gedanken aufgetreten? War zu dieser Zeit etwas Besonderes? Irgendeine Veränderung?

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    AW: Ich habe keine Grenzen

    Liebes Nagetier!

    Meine ersten Eindrücke: Du bist ein sehr phantasievoller Mensch! Und außerdem sind Tagträume etwas, was völlig normal ist. Also, gräm Dich deswegen nicht zu sehr.

    Ich glaube, diese Szenen haben eine wichtige seelische Funktion. Als ich die Überschrift zu Deinem Thread las, erwartete ich was ganz anderes. Aber vielleicht ist genau hier der Zusammenhang: Du setzt in Deinem Alltag keine Grenzen. Daher stauen sich Gefühle wie Aggressionen an, die einen Weg suchen. Diese Tagträume halte ich für eine äußerst sozial verträgliche Methode, um mit diesen Gefühlen umzugehen.


    Massashi

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    AW: Ich habe keine Grenzen

    Hallo Boratiki und Massashi,

    erstmal dankeschön für die Antworten.

    @Boratiki: ich denke schon, dass es etwas damit zu tun hat, d. h. ich bin sicher. Ich bin missbraucht und vergewaltigt worden und habe von kleinst auf die (Ehe-)Probleme meiner Mutter mitgetragen und so vieles mir zu eigen gemacht, was gar nichts meins war. Mein Problem liegt, glaube ich, weniger darin, dass ich nicht weiss, woher das kommt, sonder, dass mir das einfach nicht weiterhilft
    Ich habe mich schon zu Tode analysiert, aber ich habe nicht die geringste Ahnung, wie ich da raus komme.

    @Massashi: ich habe viel Tagträume, ja Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden. Das Problem entsteht, wenn diese Vorstellung ausser Kontrolle geraten und ich emotional so reagiere, als wären die Situationen tatsächlich so geschehen. Ich bin also permanent gestresst, nervös und angespannt aufgrund von Situationen, die nur in meinem Kopf stattfinden. Das ist zum einen für mich unheimlich anstrengend, zum anderen für meine Mitmenschen, weil die dauernd mit Reaktionen rechnen müssen, die vollkommen unlogisch sind, weil sie sich ja auf etwas beziehen, was gar nicht (bzw. nur in meinem Kopf) stattgefunden hat.

    Ich weiss nicht, ob ich mich irgendwie klar ausgedrücken konnte.

    Liebe Grüsse,
    nagetier

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    AW: Ich habe keine Grenzen

    Hallo liebe nagetier,

    ich habe heute morgen schon ein Posting geschrieben, aber es ist beim Abschicken verloren gegangen.

    Massashi hat recht: du bist ein sehr phantasievoller Mensch und das ist eine schöne Eugenschaft mit der Du viel Poisitves in dein Leben bringen kannst.
    Mir geht es fast genauso wie Dir:

    Ich habe sehr unter meiner Mutter gelitten. Sie hat sich in meiner frühen Kindheit nicht um mich gekümmert, später hat sie nur getrunken und als ich in der Pubertät war, hat sie es zugelassen, dass ihr "Lebenspartner" mich missbraucht hat. Ich habe seit ich fünfzehn bin immer wieder Selbstmordgedanken. Die beste Strategie waren glaube ich bisher eben diese Tagträume.
    Ich habe auch Depressionen und Probleme mit Sucht - eben das ganze Programm. gottseidank bin ich nur "Raucherin"

    Du schreibst ja hier im Forum, weil Du hilfe und Unterstützung suchst und einen Weg suchst dein Problem zu lösen. Aus eigener ERfahrung würde ich dir empfehlen eine Selbsthilfegruppen zu suchen, wenn eine Therapie nicht in Frage kommt. Dort triffst du (reale) Menschen, die ähnliche Probleme haben wie Du. Ich finde das hilfreich, weil man nicht mehr so allein ist, weil man einen konkreten Weg gezeigt bekommt, wie man sich aus den Verwicklungen herausbewegen kann. Es ist wichtig aus der Isolation herauszufinden.
    Vielleicht gibt es bei dir in der Nähe eine EA-Gruppe. Das gibt es eigentlich ganz Europa.

    Du kannst vll auch versuchen einen kreativen Weg zu finden. Wie wäre es wenn du deine Phantasien aufschreibst, so als wärst nicht Du die Person, die davon betrffen ist, sondern eine andere Frau. Oder versuch überhaupt mal mit Worten ausdrücken, was Du fühlst. Oder liess Bücher von Frauen, die ähnliches erlebt haben.
    Ich habe das auch gemacht und ich war erst mal entsetzt wie unendlich viele Frauen missbraucht worden sind.
    Versuch aber nicht deine Probleme mit dem Kopf zu lösen und zu viel zu grübeln.

    Ich wünsche dir viel Glück und wenn du magst kannst du mir gerne eine PN schicken.

    Ganz ganz liebe Grüsse volpina808
    Can you tell a green field from a cold steel rain,
    do you think you can tell?

    ("Wish you were here",Pink Floyd)


    - "Das Ende des Schmerzes ist Liebe" (Jiddu Krishnamurti) -

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    AW: Ich habe keine Grenzen

    Ich weiss nicht, aber da gibt es bestimmt Zusammenhaenge zu Deiner Vergangenheit. Wenn Du Dir keine Therapie leisten kannst, vielleicht helfen Dir Selbsthilfegruppen oder Ratgeberbuecher. Ich druecke Dir die Daumen, dass Du das in den Griff bekommst.

    Geändert von DieSiebte (26.05.2008 um 17:54 Uhr)

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    AW: Ich habe keine Grenzen

    Vielen Dank, Ihr Lieben

    Volpina, das ist eine gute Idee mit dem Aufschreiben, als wäre es eine andere Person. Ich werde es mal versuchen.

    Ich lebe in einem Entwicklungsland und glaube, dass es sehr schwer ist, hier ein Selbsthilfegruppe oder Therapie zu finden, was nicht heissen soll, dass ich es nicht versuchen werde. Ich wünschte nur, ich müsste mich einfach nie mehr mit meiner Vergangenheit auseinandersetzen
    Faulheit, ich weiss...
    Ich hab ja auch nichts gegen meine Phantasie , ich würde sie nur so gerne positiv nutzen, anstatt mir und anderen damit das Leben schwer zu machen.

    nagetier.

  9. Inaktiver User

    AW: Ich habe keine Grenzen

    liebes nagetier,

    du hast sicher ein starkes opferbewusstsein und identifizierst dich sehr mit der opferrolle. jedesmal wenn du ein täter-opfer-ereignis miterlebst, "springst du an". gelernt hast du das in deiner kindheit,als du von deiner mom übernommen hast - aber das hast du eh schon geschrieben.

    ich denke, das schlüsselpuzzleteil ist die opferrolle. die gilt es loszulassen. so als müsstest du deine identität und das opfersein entflechten bzw dich entscheiden, das opfersein (und damit die machtlosigkeit, die anklage, den schmerz und die schuldzuweisung) gehen zu lassen und stattdessen innerlich kraftvoll und eigenverantwortlich werden.

    auch ich kenne die opferrolle sehr gut und weiß, wie schwer es ist, sie gehen zulassen. mit hilft und half, micht mit den hintergründen zu beschäftigen, hauptsächlich:

    a) damit, dass täter und opfer ein team sind und eine klare rollenverteilung haben, die energien also die selben sind nur auf den entegegengesetzten enden der skala. die beiden teilen das gleiche thema, nach dem motto: wo kein täter, da kein opfer. wo kein opfer, da kein täter.

    b) mit dem nutzen hinter dem erlebnis. will sagen: auch wenn es schmerzvoll und schrecklich ist, es ist immer ein geschenk verborgen in jedem erlebnis, man erhält immer die gelegenheit, zu wachsen.

    beide oben genannten punkte kann man psychologisch und spirituell angehen, um mal 2 schlagwörter zu nennen. (bei mir: zuerst ersteres, jetzt letzteres.)

    es hilft mit, ich wachse täglich, obwohl der weg weit ist. vielleicht ist für dich ja die eine oder andere inspiration dabei, bücher zu den themen gibt es wohl genug.

    alles liebe

  10. User Info Menu

    AW: Ich habe keine Grenzen

    Hallo sigi77

    was Du sagst, bewegt mich sehr. Ich verabscheue es so sehr, wenn jemand in der Opferrolle herumlungert und dabei sehe ich, dass ich genau das auch mache. Ich weiss, ich stelle mich nach aussen so nicht dar, gelte als sehr starke Persönlichkeit, aber nach Deinem Post erscheint es mir, dass ich die gleiche Opferrolle eben über andere auslebe

    Dabei will ich nicht Opfer sein. Willichnich willichnich willichnich.
    Ich habe mir nie verziehen, Opfer zu sein.

    Ich weiss auch, dass auch schlimme Erfahrungen einen bereichern. Auf das "Geschenk" des Misbrauchs und der Vergewaltigung hätte ich trotzdem gerne verzichtet.

    nagetier

    Wie gehst Du das spirituell an? Das würde mich sehr interessieren. Ich gehöre keiner Religion an, was nicht heissen soll, dass ich keine Sehnsucht nach Spiritualität habe. Stell mich dabei nur recht dusselig an.

    Liebe Grüsse und danke für die Antwort.

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