hallo Sigi77,
meld mich nochmal zu Nagetiers POsting.
Das was Du schriebst, Sigi, ist ja schon zielmilich fortgeschritten. Theoretisch war ich auch schon so weit. Deshalb fällts mir auch ein bisschen schwer hier so eloquent über dieses Problem zu schreiben.
Täter-Opfer-Beziehung: stimmt was Du sagst. erst das Opfer gibt dem Täter die Möglichkeit zum Täter zu werden. Aber das ist auch schwierig. Ich selbst war nämlich schon so weit, dass ich mich innerlich beim Täter entschuldigt habe, also den Bock zum Gärtner gemacht habe. Das kann's ja wohl auch nicht sein.
Ich glaube man muss/ sollte erst mal sich selbst in seiner Opferrolle annehmen können. Sich das innerlich und für sich selbst anschauen. Ich habe noch sehr genaue Erinnerungen an das, was sie mit mir gemacht haben. Wie gesagt, meine Mutter hat auch mitgemacht bzw. zugelassen. Und das verzeihe ich nicht - und zwar im Augenblick ganz bewußt nicht. Meine Mutter hat dafür gesorgt, dass mein Leben die Hölle ist und darüber soll sie mal in Ruhe nachdenken. Vll kann sie's dann ja in der nächsten Runde besser machen!
Ich könnte sehr viel darüber schreiben, aber ich habe immer etwas Angst andere mit meinen Erfahrungen zu erschlagen. und außerdem: man könnte sich ja die Frage stellen: Wenn Du das alles weißt, warum kannst Du's dann nicht ändern?
Ja, weil es wichtig ist es einfach aufzugeben und wie man so schön sagt loszulassen. Aber das geht erst, wenn es wirklich durch ist.
Spriritualität ist nicht an Religion gebunden, jedenfalls nicht an die ritualisierte Religiosität, wie sie uns überall verkauft wird.
Nagetier, vielleicht ist Jiddu Krishnamurti zu lesen eine Idee. Er sagt, es ist wichtig, das wir alle unsere Wertungen und Erfahrungen aufgeben und einfach (!) in der Achtsamkeit leben. Das, was er sagt, ist absolut erinfach, nicht dogmatisch, ideologisch. Er hat es sogar selbst abgelehnt seine Aussagen aufzuschreiben. Das haben andere an seiner Stelle getan. Ich hätte es sehr schade gefunden, wenn es nicht weitergegeben worden wäre.
Ich bin selbst Buddhistin. Weil ich immer noch meine, ich müsste etwas tun. Der Buddhismus ist für mich auch keine Religion sondern eine Lebensphilosophie. Damit könntest du es auch mal probieren. Aber es gibt heutzutage ja überall Heilsversprechen und deshalb ist es oft ver(w)irrend, wenn man versucht sich zu informieren.
Meditieren kannst Du ja einfach so für dich, wenn du einen ruhigen Ort hast oder ihn dir schaffen kannst.
Ach so : wieso stellst du dich dusselig an. Es geht im Leben doch nicht um professionelle Bewältigung von Erfahrungen, sondern um inneres Glück. Dauernd werden einem irgendwelche Therapiekonzepte angeboten und wenn man seine Sorgen schildert heisst es zum Schluss immer: such dir mal professionelle Hilfe.
Spiritualität ist für mich etwas wie Urvertrauen und dieses grenzenlose Gefühl ein Teil des Universums und der WElt zu sein. Gleichzeitig winzig klein und doch das Wichtigste, ein lebendes Wesen mit einer Seele und einem fühenden Herzen.
LG volpina808
Antworten
Ergebnis 11 bis 18 von 18
Thema: Ich habe keine Grenzen
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26.05.2008, 22:20
AW: Ich habe keine Grenzen
Can you tell a green field from a cold steel rain,
do you think you can tell?
("Wish you were here",Pink Floyd)
- "Das Ende des Schmerzes ist Liebe" (Jiddu Krishnamurti) -
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26.05.2008, 22:24Inaktiver User
AW: Ich habe keine Grenzen
Lies doch mal bitte Paul Watzlawick, speziell die Anleitung zum Unglücklichsein. Da findest du die Geschichte vom Hammer, die wird dir bekannt vorkommen.
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26.05.2008, 22:47
AW: Ich habe keine Grenzen
@Mulford:
die kenne ich und ich erlebe sie täglich. D. h. ich kann mich Gott sei Dank noch so zusammenreissen, dass der Schluss anders ausfällt, aber manchmal ist es schon hart an der Grenze.
Ich hab das Buch übrigens nicht zu Ende gelesen. Schreibt der liebe Paul auch, wie man solchen Unsinn aus dem Hirn bekommt?
@Volpina808: ich kann gut verstehen, was Du schreibst. Ich denke, siggi77 hat das mit der Opferrolle so gemeint (naja, zumindest verstehe ich das so): es geht nicht darum, das Verhalten der Täter zu rechtfertigen (in der logischen Folge würde das nämlich bedeuten, zu sagen: nur weil ein Kind sich nicht wehren kann, also potenziell Opfer ist, habe ich das Recht, es zu misshandeln
), sondern es geht darum, zu verstehen, wo ich mich in die Opferrolle begebe. Dann kann ich nämlich auch überlegen, was ich tun kann, damit ich aus dieser Rolle rauskomme.
Ach, ich bin ja immer so schlau in der Theorie
Leider klappt es in der Praxis nicht. Vielen Dank aber für den Tip mit Jiddu Krishnamurti. Gibt es da ein bestimmtes Buch, das Du empfehlen kannst?
Liebe Grüsse,
nagetier
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26.05.2008, 22:50
AW: Ich habe keine Grenzen
Ach ja, Volpina808: ich bin komplett anti-religiös erzogen worden. Einerseits gut, dass ich nicht unter irgendeiner Doktrin zu leiden hatte. Andererseits habe ich manchmal eine grosse Sehnsucht danach, einfach "glauben" zu können, wie es religiöse Menschen wohl können. Ich kann mir vorstellen, wenn man von klein auf in einem Umfeld aufwächst, in dem Glauben eine grosse Rolle spielt, wächst vielleicht auch ein stärkeres Vertrauen in die Welt.
Keine Ahnung, ich weiss nur, dass ich immer alles hinterfrage und damit kaputtanalysiere. Darum dusselig.
nagetier
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27.05.2008, 19:35Inaktiver User
AW: Ich habe keine Grenzen
liebes nagetier
ich denke, nach menschlichem ermessen hattest du ja das nicht unter kontrolle, es war keine bewusste entscheidung. du kannst dir also nicht nicht verzeihen...Ich habe mir nie verziehen, Opfer zu sein.
wenn du daran denkst, dass du es dir nicht "verzeihen" kannst: welche gefühle kommen hoch? verdrängst du es? wirst du wütend, versuchst du die situation zu kontrollieren? ziehst du dich zurück? etc pp
ich habe diese dinge auch erfahren, und auf die scheinbar unheilbare verletzung bzw den schmerz würde ich auch oft gerne verzichten. ich denke, dass das geschenk aber gerade darin liegt, so sehr der verstand sich auch wehrt gegen diesen gedanken. das heißt nicht, das schmerz sein muss und täter wohltäter sind. aber es heißt, dass man alles in sinn verwandeln kann.Ich weiss auch, dass auch schlimme Erfahrungen einen bereichern. Auf das "Geschenk" des Misbrauchs und der Vergewaltigung hätte ich trotzdem gerne verzichtet.
das wirklich zu leben ist natürlich eine herausforderung und eher schrittweise (babysteps
) zu erreichen.
zum thema wie: volpina hat dir schon wunderbare literatur empfohlen. ich würde einfach in den buchladen gehen, in die spirituelle abteilung und deinem bauch folgen, schmökern, dir richtig zeit nehmen und gucken, was dich anspricht.
ich empfehle autoren wie osho, neale d. walsch, louise hay, eckhart tolle, sanaya roman, serge khail king, aber wenn dir andere symphatischer sind, nimm andere.
ich will da jetzt garnicht weiter theoretisch über die spirituelle sicht der schmerzvollen opfererfahrungen reden,weil wir ja noch gar nicht wissen, ob du, nagetier, dich mit diesem ansatz wohlfühlst.
wie volpina schon sagte: institutionalisierte religionen und spiritualität sind keine deckungsgleichen begriffe. religion ist wohl eher ein regelwerk, während spiritualität dich selbst zur autorität erhebt und sagt, dass dir von außen keiner sagen kann,was fürdich stimmig und richtig ist (und du umgekehrt dem anderen auch nicht.
)
was ich dir auch ans herz legen könnte, ist eine -gut geführte - familienaufstellung. deine geschichte ist sicher eng mit deiner familie verknüpft, google dich doch mal schlau, wenn du willst.
herzliche grüße
sigi
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27.05.2008, 20:24
AW: Ich habe keine Grenzen
Wütend, glaube ich. Ich fühle, ich habe mich selbst verraten. Und zwar oft und noch viele Jahre danach. Vor allem habe ich Angst, dass ich wieder in die Situation komme, in der ich mich verrate und mich nicht so verteidige, wie ich es sollte. Daher wahrscheinlich mein grosses Misstrauen allen anderen gegenüber. Ich vertraue mich ja nicht mal selbst
Zitat von Inaktiver User
Wie lerne ich, mir zu vertrauen?
ich habe diese dinge auch erfahren, und auf die scheinbar unheilbare verletzung bzw den schmerz würde ich auch oft gerne verzichten.
Das tut mir leid, sigi77
Wie meinst Du das, worin liegt das Geschenk?ich denke dass das geschenk aber gerade darin liegt, so sehr der verstand sich auch wehrt gegen diesen gedanken. das heißt nicht, das schmerz sein muss und täter wohltäter sind. aber es heißt, dass man alles in sinn verwandeln kann.
das wirklich zu leben ist natürlich eine herausforderung und eher schrittweise (babysteps
) zu erreichen.
Das weiss ich auch noch nichtich empfehle autoren wie osho, neale d. walsch, louise hay, eckhart tolle, sanaya roman, serge khail king, aber wenn dir andere symphatischer sind, nimm andere.
ich will da jetzt garnicht weiter theoretisch über die spirituelle sicht der schmerzvollen opfererfahrungen reden,weil wir ja noch gar nicht wissen, ob du, nagetier, dich mit diesem ansatz wohlfühlst.
, aber ich freue mich sehr über die Vorschläge. Ich werde mal stöbern.
wie volpina schon sagte: institutionalisierte religionen und spiritualität sind keine deckungsgleichen begriffe. religion ist wohl eher ein regelwerk, während spiritualität dich selbst zur autorität erhebt und sagt, dass dir von außen keiner sagen kann,was fürdich stimmig und richtig ist (und du umgekehrt dem anderen auch nicht.
)
Dir auch ganz liebe Grüsseherzliche grüße
sigi
nagetier
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27.05.2008, 20:52Inaktiver User
AW: Ich habe keine Grenzen
in den fähigkeiten, gefühlen, stärken, dem mitgefühl, der weisheit, inneren ruhe etc, die man bei der überwindung des schmerzes und der verarbeitung des erlebnisses entwickelt.Wie meinst Du das, worin liegt das Geschenk?
man sagt ja auch, dass die oft größten lehrer jene, sind, denen die schlimmsten ding widerfahren sind:
im zuerst erfolgenden, völligen annehmen
und
im anschießenden, vollkommenen loslassen
der erfahrung entwickelten sie sich zu den meistern, die sie sind.
so, wie der sportler seinen muskel am widerstand trainiert, entwickeln menschen weisheit, liebe und mitgefühl am scheinbaren gegenteil.
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27.05.2008, 21:02
AW: Ich habe keine Grenzen
Übersteigerte Ängste und ständige Horror-Szenarien im Kopf...kann mir vorstellen, wieviel Kraft das kostet. Teilweise ging es mir auch mal so. Oft war ich in bestimmten Streß-Situationen (Konto leer, Chef doof, Freund seltsam...) besonders anfällig.
Wovor konkret ich Angst hatte/habe, und wieso mein Selbstbewußtsein so angeknackst war, konnte ich erst im Rahmen von therapeutischen Gesprächen herausfinden. Ratgeberbücher habe ich im Dutzend ;-) gelesen, auch verstanden, aber ich kam nie dahinter, was woher kam.
Wie auch? Wenn ein Buch eine Therapie ersetzen könnte, dann bräuchte man ja keine Therapeuten. Der verhilft einem zu Sichtweisen, auf die man alleine kaum kommen kann.
Gibt es denn eine Art von Lebensberatung dort, wo Du bist? Eventuell von der Stadt, oder von einer Kirche? Das wäre dann ja kostenlos - jedenfalls ist das in Deutschland meistens so.
Du sagst, Du kannst Dir Therapie nicht leisten.
Bedenke aber bitte, wieviel Lebensqualität Dir flöten geht, bei dem augenblicklichen Zustand. Wieviel ist es Dir wert, ein schönes Leben zu führen? Ich habe auch einen ganzen Teil Therapiestunden bei einem bestimmten Menschen selbst bezahlen müssen, auch das Geld hatte ich "eigentlich" nicht. Aber mein Wohlbefinden, das war mir dann doch wert, lieber auf anderes zu verzichten. Das hat sich mehr gelohnt, als alles andere!
Vielleicht kannst Du Gleichgesinnte kennen lernen in Deiner Umgebung? Wo bist Du denn, in welchem Land? Hast Du Bekannte dort?
Liebe Grüße
ich hoffe, Du findest einen Weg!
KarlaThe original Karla
est. 2006













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