Ich habe die Befürchtung, dass ich eine Art Co-Abhängigkeit von meinem (depressiven) Freund entwickelt habe.
Er hat nie etwas auf die Reihe bekommen, und ich war nur noch damit beschäftigt, Lösungen für seine Probleme zu finden, Entscheidungen für ihn zu treffen, die er selbst nicht zu treffen imstande war.
Ich bin dazu übergegangen, sein Leben zu leben. Meine Gedanken kreisen ständig um ihn. Ich kann gar nicht mehr anders, als über ihn nachzudenken. Alles was er tut nimmt mich unheimlich mit. Ich habe gemerkt, wie meine Stimmung in den letzten Monaten sehr stark von ihm abhängig geworden ist.
Ich weiß, dass das nicht gut ist. Ich weiß nicht, wie ich da wieder rauskommen soll. Es ist wie eine Sucht.![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 39
Thema: Co-Abhängigkeit?
-
03.04.2008, 17:00
Co-Abhängigkeit?
Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, doch man muss es vorwärts leben.
-
03.04.2008, 17:36
AW: Co-Abhängigkeit?
Hallo Juno,
ich war selbst Co-Abhängig (durch Substanzabhängigkeiten von diversen Familienmitgliedern) und hatte keine Ahnung, warum ich immer das Gefühlt hatte, es stimmt was nicht.
Irgendwann bin ich über das Buch 'Wege aus der Co-Abhängigkeit' von Pia Mellody gestolpert und in einem fort von der Couch gefallen; es war, als wäre das Buch für mich geschrieben worden. Ich kann es als Startpunkt nur empfehlen.
Startpunkt deswegen, weil ein Buch bei einem wirklichen psychologischen Problem natürlich nicht die Therapie ersetzen kann. Mir hat aber damals schon sehr geholfen zu wissen,
- es gibt einen Namen für das, was ich fühle
- es gibt andere, denen es so geht
- es gibt Leute, die es überwunden haben, also kann ich das bestimmt auch
Dir alles Liebe und viel Erfolg!
Salsera
-
03.04.2008, 21:46Inaktiver User
AW: Co-Abhängigkeit?
Hallo Ihr beiden,
mir ging es auch mal eine ganze Zeit lang so.
Mein Freund war sehr krank und ich richtete mein Leben total nach ihm aus. Ende vom Lied war, dass er sich von mir auch noch trennte. Mein Leben war auf einmal total leer, es gab niemanden, um den ich mich kümmern musste. Da wusste ich, dass auch ich co-abhängig bin.
Mir hat das Buch von Melody Beattie sehr geholfen "Die Sucht gebraucht zu werden". Ich kann es sehr empfehlen.
Lieben Gruß,
Estelle
-
03.04.2008, 21:58
AW: Co-Abhängigkeit?
Danke, ihr beiden.
Ich werde mal hucken, ob ich die Bücher irgendwo besorgen kann.
Ich mache mir so große Sorgen um meinen Freund... Und wisst ihr, was das schlimmste ist? Ich habe Angst, dass ich den Bezug zur Realität verliere. Ich mache mir so extrem viele Gedanken, dass ich inzwischen einfach völlig durcheinander bin. Ich frage mich andauernd, ob ich übertreibe, mich nur in etwas hineinsteige, alles zu eng sehe,... ich kann gar nicht mehr entscheiden, ob bzw. meine Sorgen begründet sind und wann nicht.
Man kann das Leben nur rückwärts verstehen, doch man muss es vorwärts leben.
-
03.04.2008, 23:08Inaktiver User
AW: Co-Abhängigkeit?
Liebe Juno,
ich kann Dich so gut verstehen. Mein Freund war auch depressiv bzw. hat nichts auf die Reihe bekommen.
Die Trennung war irgendwo das beste, was mir passieren konnte. Wir waren ein halbes Jahr getrennt... in dem halben Jahr habe ich erstmal lernen müssen, auf mich zu achten und auf meine Bedürfnisse.
Viele liebe Leute aus der Bricom schrieben mir hier damals "Tu etwas für dich, tu dir etwas Gutes". Aber ich wusste gar nicht, was das heißt.
Du schaffst das auch! Ganz bestimmt.
Lerne, Dich abzugrenzen und ihn ein wenig "in Liebe loszulassen" und statt dessen, etwas für Dich zu tun (z.B. eins von den beiden Büchern oben lesen).
Mir hat das Buch SEHR geholfen... es hat mich wachgerüttelt. Auch wenn es mir manchmal nicht gefiel, was ich da las... denn ich wollte meinem Freund helfen... habe mir ständig Sorgen gemacht... das war nicht einfach mit dem Loslassen.
Wir sind jetzt seit 3 Monaten wieder zusammen. Seine Probleme lasse ich ihn nun allein lösen. Wenn er mich um Hilfe bittet, dann helfe ich ihm... aber nur das Nötigste.
Wir sehen uns auch weniger als früher. Weil ich eben auch Zeit für mcih brauche, um Kraft zu schöpfen, um einfach für mich zu sein.
Ihm hilft es auch, weil jetzt nicht ständig jemand um ihn herumtanzt und ihn "antreibt". Er muß eben selbstständig
werden und selber seinen Weg finden. Das kann ich ihm nicht abnehmen.
Alles Gute und viel Kraft für Dich!Geändert von Inaktiver User (03.04.2008 um 23:13 Uhr)
-
10.04.2008, 15:09
AW: Co-Abhängigkeit?
liebe juno!!!
fuehl dich erstmal
mir ging es das letzte halbe jahr ebenso... ich habe mich echt fast selbst verloren, hab eher versucht SEINE probleme zu loesen also die meinigen, hab staendig nur fuer die beziehung gekaempft.
meine erfahrung war, dass es irgendwann nicht mehr ging. von seiner seite aus kam kaum was, keine naehe, kein annehmen meiner unterstuetzung (mut machen, ihn sachen abnehmen, ihm ideen geben etc.), hoechstens noch der vorwurf, dass er keine unterstuetzung will und sowas noch nie annehmen konnte.
es tat monate einfach weh zu sehen, wie er sich haengen laesst und ich mich mit runterziehen liess.
das fazit war vor ein paar tage die trennung.
wenn du schon so weit bist, wie ich denke, dann schau bitte bitte auf dich selbst und zieh evtl die notbremse. annaehern kann man sich immer wieder, wenn nicht zuuuu viel vorgefallen ist. aber schau, dass du aus dem kreis rauskommst. ich war darin auch viel zu lang gefangen und aerger mich inzwischen so sehr ueber mich selbst!
pass auf dich auf und viel glueck!
kormaki
-
10.04.2008, 19:19
AW: Co-Abhängigkeit?
Das, was ihr schreibt, hat mich ganz schön erschreckt, weil ich mich in vielem wiederfinde.
Seit 4 Wochen bin ich getrennt von ihm, er hat sich kurz vor dem Ende unserer Beziehung wieder eine Frau gesucht, die seine Probleme löst, und ist jetzt in einer neuen Beziehung. Er sagte: "Wer sagt denn, dass ich verliebt bin? Aber was soll ich denn machen???" Ganz ehrlich... jetzt, wo ich diese Worte schreibe, fühle ich zum ersten Mal Verachtung für ihn. Und ich bin so, so froh, dass es endlich vorbei ist.
Ich habe 12 Jahre lang versucht, uns beide aus der Scheiße zu ziehen. Und wenn ich es überlege, ist es sogar erstaunlich, dass ich das überlebt habe, emotional. Bin halt doch ne starke Frau.
Er ist untergegangen, bzw. er kratzt noch immer irgendwo zwischen "untergehen" und "irgendwie leben". Die Erkenntnis, dass er für sich selber was tun muss, ist nicht angekommen bei ihm.
Klar tut es manchmal weh. Zu wissen, dass es ihm schlecht geht. Aber es hilft mir das, was meine Therapeutin letzte Woche zu mir sagte, bezüglich seines Alkoholproblems:
Menschen kann man nicht ändern. Probleme von anderen kann man nicht ändern. Man kann helfen. Aber nur, wenn jemand es annimmt.
Mein Gott, wie oft hat es mich verzweifeln lassen. Dass es ihm so schlecht ging, weil er nicht in der Lage war, die Dinge anders zu machen. Dass er immer wieder auf die gleichen Dinge hereingefallen ist.
Herzlichen Dank für dieses Thema. Ich wünsche uns allen viel, viel Kraft!!!Mache niemals einen Menschen zu deinem Mittelpunkt,
für den du lediglich eine Option bist.
Hat die Blume einen Knick,
war der Schmetterling zu dick.
-
12.04.2008, 10:36
AW: Co-Abhängigkeit?
ich lese auch gerade das buch "die sucht gebraucht zu werden". ich habe hier schon mal gepostet wegen meiner freundin, die meiner ansicht nach borderlinerin sein könnte, allerdings habe ich etwas wichtiges übersehen wollen: sie ist leider alkoholikerin. ich war das früher auch, jetzt aber nicht mehr. wir haben uns früher aneinander geklammert, ich hatte die rolle der helferin und sie die derjenigen die nimmt.
trotzdem, obwohl ich keinen alkohol mehr brauche, ich komme aus dem alten kreislauf nicht raus. sie versucht immer noch, alle menschen in ihrer umgebung dazu zu bringen, alles für sie zu tun. ich weiss es nicht. auf jeden fall denke ich dass mein bevorstehender auszug aus der gemeinsamen wohnung sie stresst, sie weiß sie muss sich dann einen job suchen, aber sie ist der fixen ansicht, dass es keinen job gibt für sie, nicht mal einen telefon-job oder so was. sie sackt komplett ab. und ich habe ein schlechtes gewissen, weil ich ausziehe und sie die miete dann allein zahlen muss. ich habe in einer "freundschaft" nie so viele vorwürfe bekommen und so viel verantwortung zugeschoben bekommen wie von ihr. das schlimme, ich habe mitgemacht, wir haben uns aufgeschaukelt, wahrscheinlich war sie auch co-abhängig. das spiel nimmt kein ende. ich habe angst, dass sie versucht mich zu erpressen, sie redet schon wieder so depressiv daher, aber mir gehts selber schlecht. ich kann ihr beim besten willen nicht helfen, fühle mich aber verpflichtet dafür. sie gibt sich und andren das gefühl, dass sie lebensunfähig ist, einerseits. andererseits ist sie das aber nicht, wenn sie muss, kann sie alles schaffen wie jeder andere auch, das habe ich schon oft genug erlebt.
ich möcht so gern mein eigenes leben leben, aber ich glaube ich bin verrückt, denn mein erster gedanke des morgens gilt ihr und ob sie wohl heute wiederr ihre launen an mir ablässt.
ich fürchte mich vor jeder sms von ihr, und sie hat null verständnis, dass menschen nicht nach ihrer pfeife tanzen wollen. ich halte das kaum mehr aus,und weiss nicht wie ich umgehen soll damit. mein freund meint auch schon, ich sei co-abhängig von ihr. ich empfinde es auch so. ich war so geschockt, mich in dem buch wiederzufinden.
es ist furchtbar, so besessen zu sein, sich für jemand andren verantwortlich zu fühlen, und im grunde bin ich dann ja genauso krank wie sie.
ich will aus dem kreislauf raus!!
lg
u
-
13.04.2008, 14:41
AW: Co-Abhängigkeit?
Liebe Unbelievable!
Das hört sich schlimm an, und teilweise kann ich gut nachvollziehen, wie es dir geht. Ich habe mich auch 12 Jahre lang für meinen Partner mit Alk-Problemen verantwortlich gefühlt. Bin dabei fast selbst kaputt gegangen.
Ich kann dir nur eins raten: Hol dir Hilfe. Es ist für manche Menschen fast unmöglich, loszugehen und sich Hilfe zu holen, wenn man das Gefühl hat, man schafft es nicht alleine. Ich habe mich 15 Jahre danach gesehnt, eine Therapie zu machen. Und nur, weil meine Mutter sich über diesen Wunsch mal halb totgelacht hat, habe ich es nicht getan. Seit fast einem halben Jahr mache ich eine Therapie, und es ist soooo schön, wenn man das Gefühl hat, dass es einem gut geht.
Wenn deine Freundin keine Hilfe annimmt, im Sinn von: Sie tut etwas für sich, kannst du nichts machen. Sonst gehst du selbst drauf.
Ich wünsche dir viel Kraft.
Mache niemals einen Menschen zu deinem Mittelpunkt,
für den du lediglich eine Option bist.
Hat die Blume einen Knick,
war der Schmetterling zu dick.
-
15.04.2008, 09:21
AW: Co-Abhängigkeit?
liebe feuerzeichen!
danke dir für deinen rat. So blöd das klingt, es tut gut, dass ich nicht allein damit bin. ich habe das problem, dass ich selber jahrelang abhängig war, wir waren also zu zweit in derselben wohnung, und haben uns gegenseitig runtergezogen, aufgebaut, runtergezogen....ich hatte allerdings diese "retter-rolle" übernommen, weil ich es auch meinem verkorksten Elternhaus so gewohnt war - meine freundin verhält sich wie meine mutter früher, und ich war immer noch ich, das mädchen, das alles tut damit mama lacht (sie war immer depressiv, selbstmordgefährdet, launisch - meine freundin ist ihr ebenbild...schon interessant wie sich solche schleifen wiederholen).
ich bin alledings vor drei jahren an meinen partner geraten, der den alkohol nicht mehr tolerierte, und ich schaffs auch ganz gut ohne - ich kann gar nichts mehr trinken, weil mir immer schlecht wird.
Sie- meine freundin - macht aber weiter wie bisher, sie hat mich auch nie unterstützt in meinen vorhaben, aufzuhören. ihr war das wohl ganz recht, so wie es war. ichhab alles für sie gemacht, alles. ich kam, wenn sie rief, ich ging wenn sie wollte, ich ging für sie einkaufen, wenn sie nicht mehr raus konnte, ich kaufte ihr blumen zum aufheitern, ich fing ihre depressionen auf und hatte selber welche...aber das schlimmste war, dass ich nicht loskam, vor lauter schlechtem gewissen ihr gegenüber - sie war doch sooo arm. unsere beziehung ist momentan so, dass sie zwar auch gecheckt hat, dass ihr unser verhältnis nicht guttut, es gab immer wieder ablösungsprozesse, aber ganz sind wir noch nicht los. diese prozesse tragen viel stolz und wut mit sich.
mein freund verhält sich wiederum genau wie ich - er tut alles für mich, wenn es mir schlecht geht-auch er ist co-abhängig von mir, obwohl ich nicht mehr trinke, denke ich. das wohl typische ist, dass egal was er tut, es mir nicht besser geht.
heute haben wir geredet, mein freund und ich,und ich werde mir wohl eine therapie suchen. allerdings bin ich unsicher, welche form von therapie es sein soll - ich hatte bereits 2 therapien, leider war der erste Platz zeitlich begrenzt und der zweite Platz - tja, das war irgendiwe eine sehr seltsame therapeutin - sie sagte so sachen wie, ich sei "schräg", und meist kam ich von ihr zerstörter raus, als ich es davor war. ich habe diese Therapie dann abgebrochen, weil ich denke, eine therapie sollte in erster linie gut tun, und nicht weiteres leid anrichten.
ich habe an verhaltenstherapie gedacht, aber vielleicht hat jemand einen anderen tip?
danke und lg
u.


Zitieren
