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    AW: emotionale erpressung

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Das ist eine Frage der Sichtweise und der Bewertung. Jemand der an mir Interesse hat, der erpresst mich nicht, der meint es auch nicht gut, sondern er findet zusammen mit mir heraus was für uns beide gut ist. Auch wenn der Verlust von, ggfls. auch vermeintlicher, Liebe schmerzen mag, so ist in meinen Augen ein Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende.
    Gute Theorie.

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Was das Beispiel mit der Mutter angeht, die seit 20 Jahren anruft weil sie stirbt. Pech gehabt. Jemand der mit so einer Aussage verantwortungslos umgeht, muss damit leben, dass ich eben nicht komme wenn es ernst ist.
    Auch gute Theorie, wer allerdings so aufgewachsen ist erkennt das erst später. Sei froh, wenn es bei Dir nicht so war.

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Welcher Weg der richtige ist, ist einfach eine sehr individuelle Entscheidung. Für mich ist aber eins klar: Ich lasse mich von nichts und niemandem schikanieren. Wer das versucht ist bei mir raus, egal wer es ist. Das Leben ist mir zu kurz um mich mit Drangsalieren abzugeben.
    Das ist die gesunde Einstellung, die Normalität sein sollte. Wer aber außerhalb dieser Normalität die eigene Normalität anders erfahren hat, kann nicht von heute auf morgen umspringen. Das ist ein ziemlich übler Prozess, denn wer kann so einfach Schuldgefühle leugnen, die einen das Leben lang begleitet haben???
    Sprüche wie: Dann ändere es halt - sind auf die Schnelle nicht unbedingt die hilfreichsten..

    Gruß Bienie
    Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
    22.06.06 "Bienie" , 04.04.11 "King" , 24.05.17 "Raica" 29.09.21 "Pirry"

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    AW: emotionale erpressung

    hallo,

    ich steige inzwischen immer tiefer in dieses thema ein auf der suche nach einer antwort auf die frage, wie meine mutter es schaffen konnte, mich über jahre, nein jahrzehnte hinweg so in ihrem griff zu halten, bis heute, wo ich zwar längst nicht mehr tu, was sie von mir verlangt, sie es jedoch immer noch schafft, dass ich mich unwohl fühle, meine gedanken sich zeitweise nur um sie drehen und ich immer wieder beginne, an mir, meiner wahrheit und meinem wert zu zweifeln.

    ich hatte von klein auf eine besonders enge bindung an meine mutter. inwieweit diese natürlicher art war oder von ihr besonders forciert wurde, kann ich nicht einschätzen. tatsache ist jedoch, dass meine mutter von meiner geburt an einen übermächtigen einfluss auf mich und mein wohlergehen hatte, der mir aus heutiger sicht schon etwas ungesund erscheint, den sie aber gut in ihrem sinne zu nutzen wusste. so konnte ich es schon als kleinkind nicht ertragen, wenn meine mutter den raum verließ und begann zu brüllen. als ich 5 jahre alt war, musste sie für ein paar tage beruflich ins ausland, ich war eigentlich bestens versorgt durch meinen vater und meine liebe großmutter. dennoch zwang ich meine mutter durch eine plötzlich auftretende krankheit zur sofortigen rückkehr. die krankheit verschwand so plötzlich, wie sie gekommen war, sobald ich meine mutter wieder in meiner nähe hatte.

    meine mutter hatte immer in griff, wie ich mich fühlte. war sie böse oder stafte sie mich, wie auch immer, tat ich alles, damit sie mich wieder lieb hatte. sie strafte mit liebesentzug, ausschluss/arest, zutiefst niederschmetternden und abwertenden urteilen an meiner person, zahlreichen ständigen vergleichen mit besseren kindern, prügel oder androhung von schlägen und - beinahe das schlimmste - denunzierung vor anderen menschen, die mir viel bedeuteten.

    anerkannte ich all meine schuld und mein versagen, war sie wieder der liebste, warmherzigste, fürsorglichste mensch auf erden, dem man alles, auch die intimsten angelegenheiten, anvertrauen konnte und der stets bereit war, einen zu verstehen, zu helfen und zu stützen. Gerade dieses intime wissen, das sie in vertrauten situationen erworben hatte und ihre mithilfe an der beseitigung schwieriger situationen setzte sie im nachhinein immer wieder gekonnt ein, sobald sie es brauchte, um meinen widerstand klein zu halten. Immer wieder, bis heute, erinnert sie mich mit einer unverfrorenheit an meine fehler und schwachpunkte in meinem leben, egal, wie lange sie zurückliegen und ungeachtet der leichen in ihrem eigenen keller.

    ihre klugheit und warmherzigkeit wusste sie aber auch außerhalb der familie aufs überzeugendste einzusetzen, so dass sie uns gegenüber immer mit unterstützenden beispielen aufwarten konnte, die ihr recht gaben, wenn sie behauptete, ein liebevoller und weitsichtiger mensch zu sein. xy hatte ihr ja recht gegeben, also war sie im recht. xy hatte auch gesagt, wie ungehorsam und unmöglich du bist... diese strategie, im konflikt noch weitere (imaginäre) personen zu ihrer unterstützung auf den plan zu holen, damit man sich selbst kleiner, schwächer und mehr im unrecht fühlt, verfolgt sie bis heute.

    nie ließ sie einen zweifel daran, dass sie im recht war und es nur eine wahrheit gibt: ihre. bis heute habe ich nicht vergessen, wie sie sich vor mir aufbaute und mit aller festigkeit behauptete:

    "eins musst du dir ein für alle mal merken: die mutti hat immer recht!"

    welches kind, für das die mutter so eine überaus wichtige bezugsperson ist, kann da noch auch nur einen klitzekleinen zweifel hegen?
    welches kind, das mit dem permanenten druck aufgewachsen ist, was andere wohl von ihm denken, weil es so unmöglich ist, lernt denn, sich eine eigene wahrheit zu erschaffen und dazu zu stehen?

    so kam es, dass ich bis vor einigen jahren nie ein wirkliches gefühl dafür entwickeln konnte, was für mich richtig ist, was meine wahrheit ist. immer wieder, obwohl mein gefühl zunächst etwas anderes sagte, begann ich eher an mir und meiner richtigkeit zu zweifeln. noch heute schafft sie es mit einer so raffinierten wie gnadenlosen mischung aus un- und halbwahrheiten, abgrundtiefen beleidigungen, hervorrufen unangenehmer erinnerungen und fehltritte und vermeintlichen bestätigungen durch wichtige andere personen, mich zum grübeln und zweifeln zu zwingen:

    war/bin ich nicht doch egoistisch/ rücksichtslos / herzlos /gefühlos? sollte ich mehr verständnis für sie haben, mich anders verhalten, mich mehr kümmern? hat sie nicht doch ein klein wenig recht?

    geholfen hat mir immer wieder, mich eine zeit lang total von ihr zurückzuziehen und wieder - ohne ihren einfluss - zu mir selbst zu finden. aber die endlösung, die mir frieden gebracht hätte, war das bisher nie. Diese bin ich jetzt gewillt zu finden.

    DENN ICH BEKOMME KEINE LUFT MEHR, UND ICH HABE DIE NASE VOLL!!!

    im wahrsten sinne des wortes (beginnendes asthma, schnupfen....).

    Meine ersten schritte:

    Ihren letzten langen brief, in dem sie mal wieder – wegen eines versäumten anrufes meinerseits und meiner kritik an ihrem fordernden verhalten – meine ganze person und mein leben mit den übelsten beschimpfungen, beleidigungen und verdrehungen bedenkt, habe ich nicht beantwortet. Statt dessen habe ich ihr in 2 kurzen sätzen erklärt, dass ich ihre meinung bereits kenne, ich aber anders darüber denke, weil es alles meine angelegenheit ist und ich mit ihr nicht diskutieren werde.

    Auf ihre androhung, dass sie mich nie wieder sehen will, wenn ich sie nicht um verzeihung bitte und sich unser kontakt nach ihren bedingungen richtet, habe ich geantwortet, dass ich den kontakt gern fortsetzen möchte, mir ein liebevolles und respektvolles verhältnis wünsche, es aber ihre entscheidung sei, wenn sie den kontakt abbrechen möchte. Ich möchte es nicht, werde aber ihre entscheidung respektieren. Ich habe also den ball, den sie mir zuschieben wollte, um mir danach mal wieder die schuld an unserem schlechten verhältnis und ihren unglück geben zu können, an sie zurückgegeben.

    darauf kam keine antwort mehr. Klar, das ist sie nicht gewöhnt. Nun warte ich ab, mit etwas bammel und den ungewissen fragen, wie sie nun wohl wieder reagieren und ob es mir wieder weh tun wird.

    aber ich bin mir sicher: das ist der richtige weg!
    Geändert von marla63 (15.03.2008 um 14:36 Uhr)
    Bewahre mich vor der Angst,
    ich könnte das Leben versäumen.
    Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
    sondern was ich brauche.
    Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.


    Antoine de Saint-Exupéry

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    AW: emotionale erpressung

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Welcher Weg der richtige ist, ist einfach eine sehr individuelle Entscheidung. Für mich ist aber eins klar: Ich lasse mich von nichts und niemandem schikanieren. Wer das versucht ist bei mir raus, egal wer es ist. Das Leben ist mir zu kurz um mich mit Drangsalieren abzugeben.
    das ist eine starke entscheidung, alessandro.

    was mich jetzt sehr interessieren würde und sicher sehr hilfreich wäre für uns, die noch nicht so weit sind, wären deine erfahrungen mit diesem thema.

    wie bist du so geworden, wie du bist? welches war dein weg (oder hast du diese stärke von haus aus bereits mitbekommen)?
    hast du / hattest du konkrete erlebnisse , wo dich jemand versucht hat zu erpressen oder zu manipulieren, und wie hast du konkret darauf reagiert?

    wie sieht dieses "ich lasse mich nicht schikanieren" in deinem alltag konkret aus?
    Bewahre mich vor der Angst,
    ich könnte das Leben versäumen.
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    sondern was ich brauche.
    Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.


    Antoine de Saint-Exupéry

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    AW: emotionale erpressung

    liebe redrose,

    vielen herzlichen dank auch für deinen bericht.
    er ging mir auch sehr nahe, und mir war, als habe ich an einigen situationen teil genommen, so gut kenne ich das.

    Zitat Zitat von Redrose
    Weit gefehlt, sie hat mich derart provoziert, dass ich völlig ausgerastet bin, ich habe ihr ungeschminkt meine Meinung ins Gesicht geschrien.
    das habe ich auch einmal getan, allerdings in einer email, zu beginn unserer 2,5 jährigen trennungsphase. ich schrieb zum ersten mal alles, wirklich alles, was ich dachte, fühlte und wo sie mich verletzt hatte. es waren 8 seiten pc-ausdruck (ich habe ihn mit zu meiner therapeutin genommen).

    darauf hin kamen von 22 seiten computerausdruck zurück. die bitterbösesten übelsten beschimpfungen. da ist sie meine ganze kindheit, meine ehe, meine kindererziehung, meine weiteren partner, all die fehltritte - oder die sie dafür hielt - durchgegangen. ich habe nur stichprobenweise gelesen, aber es reichte.

    ich musste erkennen, dass es mir zwar momentan luft machte, aber nicht wirklich weiter führt, den eltern die eigenen verletztungen, die ja ihre wurzeln in der kindheit haben, vorzuhalten. der grund ist einfach: sie können es nicht annehmen, das ist einfach zu viel für sie. aus ihrer sicht haben sie ja immer ihr bestes gegeben und es immer gut gemeint. wie kann da so viel falsch gelaufen sein? sie müssten einen bedeutenden teil ihres lebens, ihres schaffens, ihres lebenswerkes in frage stellen und dort ihr versagen zugeben, wo sie so viel energie hineingesteckt, wo sie einen großen teil ihres lebenssinns, ihrer persönlichkeit, ihres daseins insgesamt sehen.

    das einzige war: meine mutter entschuldigte sich viel später einmal dafür, dass sie mich je geschlagen hatte. das könne sie heute nicht mehr begreifen, da sie jede form von gewalt ablehnt. das fand ich gut. dass es jedoch weitaus mehr formen von gewalt gibt als die, für die sie um verzeihung gebeten hat, und dass sie diese darüber hinaus angewendet haben könnte, hat sie kategorisch abgelehnt und will sie bis heute nicht wissen.

    ich habe das begriffen und werde nie wieder einen ähnlichen versuch starten. eher ging ich der frage nach, warum sie so geworden ist. das hat mich ihr bedeutend näher gebracht und hat mir beim versöhnen ausschlaggebend geholfen.

    Wichtig ist meiner Meinung nach:
    Abstand halten
    den Versuch aufgeben, den emotionalen Erpresser verstehen zu wollen
    seine Grenzen stets wachsam verteidigen
    und das wichtigste Wort ist ein klares Nein.
    ja, so sind auch meine erkenntnisse jetzt. ich werde sie mit noch zitternden knien üben, üben und üben.
    Bewahre mich vor der Angst,
    ich könnte das Leben versäumen.
    Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
    sondern was ich brauche.
    Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.


    Antoine de Saint-Exupéry

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    AW: emotionale erpressung

    Zitat Zitat von Redrose
    Solche Mütter (oder andere Erpresser) hätten längst psychologische Hilfe gebraucht, nicht Kinder,
    da fällt mir ein, dass ich sie während meiner therapie bat, die therapie gemeinsam zu machen, um mit professioneller wieder einen weg zueinander zu finden.

    das hat sie empört abgelehnt: SIE brauche doch keine therapie, sie sei so glücklich wie noch nie in ihrem leben. ganz davon abgesehen sei ihr die therapetin viel zu jung (sie war in meinem alter).

    Bewahre mich vor der Angst,
    ich könnte das Leben versäumen.
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    sondern was ich brauche.
    Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.


    Antoine de Saint-Exupéry

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    AW: emotionale erpressung

    Zitat Zitat von marla63
    hallo,
    welches kind, für das die mutter so eine überaus wichtige bezugsperson ist, kann da noch auch nur einen klitzekleinen zweifel hegen?
    welches kind, das mit dem permanenten druck aufgewachsen ist, was andere wohl von ihm denken, weil es so unmöglich ist, lernt denn, sich eine eigene wahrheit zu erschaffen und dazu zu stehen?

    so kam es, dass ich bis vor einigen jahren nie ein wirkliches gefühl dafür entwickeln konnte, was für mich richtig ist, was meine wahrheit ist. immer wieder, obwohl mein gefühl zunächst etwas anderes sagte, begann ich eher an mir und meiner richtigkeit zu zweifeln. noch heute schafft sie es mit einer so raffinierten wie gnadenlosen mischung aus un- und halbwahrheiten, abgrundtiefen beleidigungen, hervorrufen unangenehmer erinnerungen und fehltritte und vermeintlichen bestätigungen durch wichtige andere personen, mich zum grübeln und zweifeln zu zwingen:
    war/bin ich nicht doch egoistisch/ rücksichtslos / herzlos /gefühlos? sollte ich mehr verständnis für sie haben, mich anders verhalten, mich mehr kümmern? hat sie nicht doch ein klein wenig recht?
    Und selbst wenn Du weißt, was wirklich gut für Dich ist, dann fühlst Du Dich gerade deswegen egoistisch und gefühllos, nicht wahr?

    Dieser starke Einfluss - ist wie eine Tätowierung auf der Seele. Sie los zubekommen - sehr schwer. Vor allem dann, wenn immer wieder nachgebessert wird.
    Tanzen ist wie träumen - nur mit den Füßen
    22.06.06 "Bienie" , 04.04.11 "King" , 24.05.17 "Raica" 29.09.21 "Pirry"

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    AW: emotionale erpressung

    Liebe Marla,

    Erziehung basiert darauf, dass Wohlverhalten belohnt und Fehlverhalten bestraft wird. Die Deutungshoheit darüber, was gut und was schlecht ist, haben die Eltern.
    Die große Kunst, Kinder zu erziehen, besteht darin, dem Kind klarzumachen, dass das Kind zwar richtig, aber sein gerade gezeigtes Verhalten falsch ist. Der größte Fehler bei der Erziehung ist, bei einem Fehlverhalten das ganze Kind in Frage zu stellen.
    Wenn ein Kind z.B. keine Hausaufgaben machen möchte (der Klassiker), kann die Mutter einfach sagen, “Ich weiß, dass Du darauf keine Lust hast. Du musst sie aber machen, und nachher kannst Du dann zu Deinen Freunden”. Sie kann natürlich auch sagen “Wenn ich schon Dein Gesicht sehe! Musst Du mir immer so einen Kummer machen! Schau mal, die nette Anja von gegenüber macht ihre Hausaufgaben immer mit Freude und hat in Mathe eine Eins!”.
    Im ersten Fall hat die Mutter einfach Verständnis, dass Hausaufgaben einfach blöd, aber dennoch notwendig sind und gemacht werden müssen. Im zweiten Fall jedoch teilt sie im Grunde mit, dass das Kind schlecht ist, denn: Es sollte fröhlich sein, ist es aber nicht. Auf Hausaufgaben hat es nur deshalb keine Lust, um seine Mutter zu ärgern. Blöd ist es außerdem, wenn es nicht von selbst begreift, was gut ist. Und mit der Anja von gegenüber hätte Mama eine wahre Freude, aber mit dieses Kind hier ist ja ein wahrer Schicksalsschlag!
    Auf solche Vorwürfe gibt es nichts, was das Kind vernünftigerweise erwidern könnte. Wenn es also schweigt, ist es bockig, wenn es murrt und sagt, es sei nicht blöd, ist es ungezogen und frech, wenn es sagt, die Anja habe eigentlich auch nie Lust auf Hausaufgaben, lenkt es ab und lügt womöglich noch.

    Mit so einem Erziehungsstil kann man erfolgreich verhindern, dass sich ein Kind zu einem souveränen Erwachsenen entwickelt. Das Kind wird auch als Erwachsener bei jedem schiefen Blick glauben, dass mit ihm selbst irgendwas nicht in Ordnung ist, dass es einen absonderlichen charakterlichen Defekt habe und womöglich in Therapie gehört. Ein selbstbewußter, eigenständiger Erwachsener wird denken: “Ich bin in Ordnung, aber da habe ich einen Fehler gemacht.” Dieses erwachsene Kind wird denken: “Ich habe einen Fehler gemacht, weil ich ein schlechter Mensch bin“.

    Marla, mit meinem langatmigen Posting will ich Dir nur sagen: Mit Dir ist alles in Ordnung, Du bist okay, so, wie Du bist. Aber Du mühst Dich vollkommen vergebens damit ab, Deiner Mutter diese Sätze und das dazugehörige Verhalten zu entlocken. Sei aber nicht böse auf Deine Mutter - das bringt erstens Dir nichts, zweitens ist sie nur ein Fall von “Gut gemeint und schlecht gemacht.” Eine Therapie wird bei ihr wohl auch nicht viel bringen, denn wozu soll sie sich mit dem Thema denn beschäftigen? Ihr geht es doch gut mit der Situation.

    Aber Dir geht es nicht gut. Und es ist wichtig, dass Du zu Dir selbst findest. Wenn Du weißt, wer Du bist, kann Dich Deine Mutter herzlos und egoistisch schimpfen, wie sie will - dann wird Dir das nichts mehr ausmachen, weil Du tief im Inneren weißt, dass sie unrecht hat und das nur ein blöder Zug in ihrem Spiel ist. Und dann kannst Du auf ihre Anrufe und Aktionen reagieren wie ein freier Mensch.

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    AW: emotionale erpressung

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Jetzt will ich denjenigen, die meinen, man müsste sich ja nicht erpressen lassen, mal folgendes Beispiel vor Augen führen:

    angenommen, eure Mutter, allein und über 80, lebt in einer Wohnung ziemlich weit weg von euch und ruft euch an: "Wenn du mich noch lebend sehen willst, musst du heute noch kommen!"

    - könntet ihr da eiskalt sagen: ich komme morgen oder am Sonntag?
    Ja, meine Antwort war dazu: wenn Du mich nochmal sehen willst, dann wartest Du mit dem Sterben. Ich komm am Wochenende.

    Allerdings war's meine Oma, nicht die Mutter. Sie war sehr launisch, rechthaberisch und kommandierte jeden gerne rum... nur bei mir biss sie auf Granit! Was mir Achtung ihrerseits eingebracht hat.

    Gruss
    Woodstock
    Normale Menschen machen mir Angst!!!

    **Ich bin nicht dick - das ist erotische Nutzfläche!**

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    AW: emotionale erpressung

    Zitat Zitat von Woodstock62
    Ja, meine Antwort war dazu: wenn Du mich nochmal sehen willst, dann wartest Du mit dem Sterben. Ich komm am Wochenende.

    Allerdings war's meine Oma, nicht die Mutter. Sie war sehr launisch, rechthaberisch und kommandierte jeden gerne rum... nur bei mir biss sie auf Granit! Was mir Achtung ihrerseits eingebracht hat.
    liebe woodstock,

    das klingt klar und stark.

    ich muss dennoch sagen, dass es mir mit deinem locker dahingeworfenen kommentar ein wenig geht wie mit alessandro:
    ich ärgere mich!

    das hat weniger mit euch als mit mir selbst zu tun. ihr sagt mit einer selbstverständlichkeit, was richtigerweise ist zu tun ist und wie erfolgreich ihr damit seid, und ich komme mir vor wie ein weichei, das es einfach nicht schafft, seine eigene stärke und integrität zu erkennen und zu leben.

    doch dann bin ich froh, dass ich mich hier geoutet und andere ähnliche geschichten erfahren habe. und ich bin froh, dass ich gerade dieses buch über emotionale erpressung lese. mir wird ja gerade erst wirklich bewusst, was bisher gelaufen ist und warum, und dass meine gefühle und mein bisheriges handeln unter berücksichtigung der umstände völlig natürlich und normal sind. auch das von nena oder joanna.

    von dir dagegen habe ich aus den wenigen sätzen gar nichts erfahren. ich weiß nicht, ob du je dasselbe abhängigkeitsverhältnis zu deiner oma hattest wie ich - natürlicherweise - zu meiner mutter, und ich weiß nicht, ob sie das je so missbraucht hat wie meine mutter. vielleicht denken und reden andere dir wichtige menschen (aus der verwandtschaft) genauso wie du über deine oma, was ja schon mal eine enorme unterstützung bedeuten würde. vielleicht wurdest du von haus aus sehr viel mehr ermutigt, zu dir zu stehen und deinen weg zu gehen, als ich, vielleicht wurden nie derartige pflicht- und schuldgefühle in dir gezüchtet, wie in mir, und das von klein auf.

    und vielleicht hast du nie erlebt, dass ein mensch, der selbstmord ankündigt, durchaus dazu entschlossen und in der lage sein kann. meine mutter hat mehr als einmal eine überdosis ihrer medikamente (schlafmittel, psychopharmaka) genommen, gemeinsam mit alkohol. mehr als einmal durchlebte ich panische ängste, die ich nie vergessen werde. es war ein alptraum: ständig sprach sie von selbstmord, und dann wartest du am sonntag morgen, dass sie endlich aus ihrem schlafzimmer kommt. es ist inzwischen mittag, und sie ist immer noch nicht aufgestanden. ich schleiche um ihr zimmer heraum, und trau mich nicht hinein, ich könnte sie ja tot vorfinden. ich war 18, aus einer kompletten behüteten familie plötzlich in dieses chaos hineingestürzt worden, und hatte keinen anderen menschen mehr als sie!
    einmal habe ich in meiner panik die mutter einer freundin angerufen, weil meine mutter mal wieder nicht wach werden wollte (ihr herz schlug aber noch). diese kam sofort und hat meine mutter brutal ins gesicht geschlagen, damit sie etwas von sich gibt.
    ein anderes mal hat meine mutter den teppich neben ihrem bett vollgekotzt, weil ihr magen - gottseidank - so viel tabletten und alkohol nicht vertragen wollte.

    meine mutter und ihr mann haben beide auch tatsächlich schon herzanfälle unmittelbar nach streits mit mir bekommen und mussten den notarzt rufen. das ist kein spaß!!! natürlich bekommt man da einen riesen schreck, fühlt sich mitschuldig und grübelt, ob man das problem nicht auch anders hätte lösen können! und ob man nicht doch zu hartherzig war, und ob man die beiden nicht doch auch verstehen kann! und da man nie je eine andere lösung kennengelernt hat, nicht mal ahnt, dass es auch anders geht, fällt man erst mal wieder in die alten muster.

    ich weiß, wozu meine mutter fähig ist. sie sperrt familienmitglieder einfach so aus der wohnung aus. für sie gibt es nur schwar-weiß, alles oder nichts. sie geht über leichen. aber den schritt zu gehen, sich von so einem menschen, der einem so viel bedeutete, völlig unabhängig zu machen, ist unendlich schwer. da gibt es eine lebenslange enge bindung zu lösen. da gibt es so viele fest verdrahtete schaltungen im gehirn, die zu lösen sind. da gibt es eine hoffnung, eine tiefe sehnsucht aufzugeben. da gibt es unglaubliche ängste zu überwinden - z.b. auch die angst, ob die schuldgefühle nicht doch wieder kommen werden, oder ob es einem weh tun wird, fremdes mutter-tochter-glück zu sehen.

    nur so viel zur erklärung, warum so kurz hingeworfene kommentare, die einem das gefühl vermitteln, man lebe etwas hinter dem mond, und der andere ist viel besser und stärker (seht wie klasse ich bin!), für mich gerade nicht so hilfreich sind. deshalb bat ich in meinem eingangsposting ja auch um eure geschichten. ich würde gern nicht nur sehen, wie es richtig ist, sondern auch, wie man da hin kommt, welche erkenntnisse andere gewonnen und welche prozesse sie durchlaufen (haben).

    ich würde mich freuen, da noch mehr von dir und natürlich von anderen zu erfahren.
    Bewahre mich vor der Angst,
    ich könnte das Leben versäumen.
    Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
    sondern was ich brauche.
    Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.


    Antoine de Saint-Exupéry

  10. Inaktiver User

    AW: emotionale erpressung

    Zitat Zitat von marla63
    ich muss dennoch sagen, dass es mir mit deinem locker dahingeworfenen kommentar ein wenig geht wie mit alessandro:
    ich ärgere mich!
    Mein Kommentar ist ganz sicher nicht locker dahingeworfen, sondern eine Erkenntnis der letzten 25 Jahre. Nur habe ich jetzt nicht die Geschichten aufgeschrieben die dazu geführt haben, dass ich diese Einstellung bekommen habe.

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