Hallo Malina,
es spricht nichts dagegen Erfolge anderer zu beobachten und zu analysieren, um selbst auch erfolgreich zu werden, wenn man das gleiche Ziel verfolgt. Ich möchte aber nicht in Wettbewerb mit anderen treten, das bringt mir persönlich nichts. Dann wäre ja das Hauptziel "besser" zu sein als der andere... finde ich fragwürdig.
Und ich möchte mein Ziel frei wählen. Das ist dann eine Vereinbarung, die ich mit mir selbst ausmache. Nur mir gegenüber muss ich Rechenschaft ablegen, wenn ichs nicht schaffe die Vereinbarung einzuhalten. Um auf dein Beispiel mit dem 100-Meter-Lauf zurückzukommen: wenn ich nach 50 Metern schlapp mache, obwohl ich mir 100 vorgenommen habe, kann ich mich einfach nicht als Gewinner fühlen. Ja, ich kanns nach außen hin so darstellen, vielleicht überzeuge ich sogar alle. Aber was bringt mir das? Ich weiß es doch besser!
Du hast natürlich Recht, dass es diesen gesellschaftlichen Konsens, was nen Gewinner und nen Verlierer ausmacht, tatsächlich gibt. Das hindert uns jedoch nicht, mal darüber nachzudenken, ob das so sein muss und ob wir uns in unserem eigenen Interesse danach richten sollten.
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15.02.2008, 11:29Inaktiver User
AW: Gewinner und Verlierer im Leben.
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15.02.2008, 11:51
AW: Gewinner und Verlierer im Leben.
Aber was wäre dann die Alternative? Gar nicht antreten zum 100-Meter-Lauf? Mir eine Gruppe schwächerer Läufer suchen, bei denen ich mithalten kann? Gleich nur die 50 Meter laufen? Aber dabei misst man sich dann eben mit anderen 50-Meter-Läufern. D.h. man kommt vermutlich ins Ziel, aber vielleicht als Letzter.
Zitat von Inaktiver User
Ich halte es für sehr schwierig, in einer Gesellschaft zu leben und sich gar nicht mit anderen zu messen. Irgendeine Vergleichsgruppe gibt es ja eigentlich immer - und sei es die Gruppe der individualistischen Vergleichsverweigerer? Und für jede Gruppe gibt es auch implizite Maßstäbe, wann ein Gruppenmitglied erfolgreich ist und wann nicht. Und je höher angesehen die Gruppe ist, der ich angehöre, desto höher wird auch mein Erfolg bewertet. Um das Beispiel von oben noch mal aufzugreifen: Bei einer Weltmeisterschaft im 100-Meter-Lauf zu gewinnen, hat einen höheren Stellenwert als bei einer Kreismeisterschaft. Und sogar der Letzte der Weltmeisterschaft hat noch ein viel besseres Ansehen als der Kreismeister. Trotzdem gibt es Wettbewerbe auf allen Ebenen.
Wenn es nicht vielen Menschen ein Bedürfnis wäre, sich zu messen und zu vergleichen, dann bräuchten wir solche Veranstaltungen ja nicht.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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15.02.2008, 12:24
AW: Gewinner und Verlierer im Leben.
@ Malina
Diese Wortschöpfung gefällt mir ausserordentlich gut, so gut wie ihre Bedeutung!
Zitat von Malina70
Ich finde, in unserer kapitalistischen Gesellschaft wird bereits genug überflüssiges Konkurrieren angeheizt. Aus allem und jedem wird ein Wettbewerb gemacht, wer am besten ist.
Da kann ich auf ein Vergleichen, was meinen persönlichen Lebenserfolg angeht, ganz gut verzichten. Klar, andere Individualisten erreichen für sich andere Dinge – aber ist das deshalb besser, bin ich deshalb schlechter? Darüber nachzudenken, ist doch müßig. Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!
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15.02.2008, 12:29Inaktiver User
AW: Gewinner und Verlierer im Leben.
Um bei der Metapher zu bleiben: Antreten zum Lauf muss man unbedingt! Vorher sollte man die eigenen sportlichen Fähigkeiten analysieren, um sie richtig einschätzen zu können und zu wissen welches Ziel man mit guter persönlicher Leistung erreichen kann. Dann kann man ja die Messlatte nach und nach höher legen.
Zitat von Malina70
Das kann dann wirklich heißen, dass ich heute erst mal nur 50 Meter laufe. Morgen schaffe ich dann vielleicht die 100 Meter. Und nächste Woche bin ich evtl. sogar schneller als der andere, aber das unabhängig davon, ob ich mein Training nach ihm ausrichte. Ich möchte doch nachhaltigen Erfolg erzielen. Wenn ich mein Laufpensum nach dem Trainingszustand eines anderen, der im Moment noch besser ist, ausrichte, dann riskiere ich eine Sportverletzung und werde im Training zurückgeworfen. Wenn ich das öfter so mache, werde ich nie besser.
Was ist daran schlimm als letzter ins Ziel zu kommen? Wichtig ist doch, das persönliche Lebensziel überhaupt zu erreichen. Wenn ich z. B. Mutter werden möchte, dann macht es doch nichts, wenn meine Freundin 2 Jahre vorher ihr Kind bekommt.
Da hast du Recht und ich halte das auch für sehr schwierig. Und hohes Ansehen in einer Gruppe zu genießen bereitet verführerisch angenehme Gefühle. Trotzdem ist es mein Ziel, meine wahren Bedürfnisse kennenzulernen und danach zu leben. Das mir das oft genug im Einzelnen so nicht gelingt und ich mich doch immer wieder nach fremden Maßstäben richte, ist klar. Aber ich habe ja ein ganzes Leben zum üben.
Zitat von Malina70
Darum mache ich bei solchen Wettbewerben nicht mit. Obwohl ich auch jogge, hatte ich noch nie ansatzweise das Bedürfnis nen Stadtlauf mitzumachen. Und ich habe auch keine Lust auf Wettbewerbe in anderen Lebensbereichen. Halte mich aber trotzdem nicht für einen Verlierer!
Zitat von Malina70
Ja, der Wettbewerbsgedanke ist weit verbreitet!
Zitat von Malina70
Grüßle
Brise
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15.02.2008, 13:17
AW: Gewinner und Verlierer im Leben.
Hallo Brise,
Zitat von Inaktiver User
deshalb schrieb ich ja weiter oben, dass man sich schon die richtige Vergleichsgruppe suchen muss. Wenn ich als amtierender Weltmeister bei einer Kreismeisterschaft mitlaufe, dann ist es doch eher peinlich, über den Sieg zu jubeln.
Und natürlich kann man sich auch über persönliche Verbesserungen freuen, auch wenn das Gesamtergebnis immer noch nicht zum Sieg reicht.
Ich bin auch Läuferin, ohne ein Wettkampftyp zu sein. Aber ich gestehe auch ehrlich ein, dass ich es durchaus mal probiert habe und feststellen musste, dass es mir einfach an den Voraussetzungen fehlt. Ich müsste wohl sehr viel mehr und härter tranieren als andere, um halbwegs durchschnittliche Platzierungen zu erzielen. Und das hat mir die Lust genommen. Könnte ich bei Volksläufen problemlos gewinnen oder gut mithalten, würde ich das wohl auch weiterhin machen. Mir war der Aufwand aber zu hoch. Deshalb betrachte ich mich aber auch nicht als erfolgreiche Läuferin, sondern als Wellness-Läuferin. Ist für mich auch okay, ich muss ja nicht in jedem Lebensbereich eine Gewinnerin sein. Aber ich betrachte mich dann eben in diesem Bereich auch nicht als Gewinnerin (in anderen dafür schon...). Das ist für mich der große Unterschied. In dem Moment, wo ich mich mit meiner unterdurchschnittlichen Laufleistung auch als Gewinnerin sehe, entwerte ich ja auch die Leistung der richtig guten Hobbyläufer.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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15.02.2008, 13:17
AW: Gewinner und Verlierer im Leben.
Sicher gibt es eine gewisse gesellschaftliche "Norm" für "Gewinner" und "loser"; Die Frage ist nur, ob man selbst sich danach richtet oder ob eventuell nicht man selbst der eigene "Richter" ist
und dies unabhängig davon, was "andere" sagen.
Wie schon erwähnt wurde: Alles eine Frage der eigenen Prioritäten und Lebenseinstellung.
I can dodge bullets, baby! (Phil Hellmuth)
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18.02.2008, 09:37Inaktiver User
AW: Gewinner und Verlierer im Leben.
Hallo Malina,
ich glaube, dich verstanden zu haben, und habe auch das Gefühl, dass du meine Aussage verstehst. Wir haben zwei ganz verschiedene Blickwinkel auf diese Sache, wobei keiner der beiden besser oder schlechter ist als der andere.
Nur noch mal ein paar meiner Gedanken zu deinen, um dir meine Denkweise zu erklären (ohne dich überzeugen zu wollen!):
Wenn ich dieser Weltmeister wäre, dann würde ich auch nicht über den Sieg bei der Kreismeisterschaft jubeln. Aber nicht weil es mir dem Publikum gegenüber peinlich wäre, sondern weil ich dort kein Ziel mehr fixieren könnte. Ein Ziel zum persönlichen Erfolg kann ja nur am Ende einer Weiterentwicklungsphase liegen und die Kreismeisterschaft stellt ja keine Weiterentwicklung mehr dar.
Zitat von Malina70
Die Metapher des Sportwettkampfes hat halt den Haken, dass es nur einen Weltmeistertitel gibt, um den gekämpft werden kann. Wenn wir auf dieser Basis weitersprechen, kommen wir natürlich
nicht daran vorbei, sich an anderen messen zu müssen.
Ich kämpfe halt einfach nicht um die Wette sondern "nur" tagtäglich darum meine persönliche Entwicklung vorwärts zu bringen unabhängig von anderen. Ich bin der Überzeugung, dass es genug Erfolg und Glück in der Welt für alle gibt, da ist kein Mangel da, wir müssen uns nicht um den gleichen Topf balgen.
Ich denke, dass wirkliche Freude (also keine neurotische), die das Leben nachhaltig bereichert, ausschließlich über persönliche Verbesserungen zu erreichen ist. Freude an Vergleichen mit anderen Personen festzumachen ist zwar gängige Praxis, aber meiner Meinung nach ne Illusion.
Zitat von Malina70
Du wirst natürlich keinen Volkslauf mehr gewinnen nach dieser Entscheidung, klar. Da verzichtest du auf den Titel "Gewinner". Ich würde mich da trotzdem an deiner Stelle als Gewinnerin betrachten. Du hast vorallem an Einsicht in deine Fähigkeiten und Wünsche gewonnen und läufst jetzt zufrieden als Wellness-Läuferin durch den Wald. Einen größeren Gewinn gibt es nicht!
Zitat von Malina70
Ich glaube nicht, dass man durch seine persönliche Einstellung andere entwerten kann. Ich glaube sogar, dass man durch gar nichts (weder Einstellungen, noch Urteile, noch Taten) andere entwerten kann.
Zitat von Malina70
Gruß
Brise


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