Eine Frau, die ich sehr gern habe und mit der mich eine tiefe Freundschaft verbindet (sowiet das eben möglich ist), ist Borderlinerin.
Immer wieder überschreitet sie Grenzen, meine, die eines "normalen" sozialen Umgangs und ihre eigenen.
Gerade vor kurzem hat sie wieder Dinge getan (eklatanter Vertrauensbruch, mich hängen lassen, obwohl sie weiß, dass ich ihre Hilfe brauche, Unzuverlässigkeit, die massive Nachteile für mich mit sich bringt), die mich darüber nachdenken lassen, die Freundschaft zu beenden, um mich zu schützen.
Andererseits hänge ich an diesem Menschen sehr, weil sie gerade aufgrund von Borderline sehr lebendig, kreativ, intensiv und "bunt" ist und die gemeinsame Zeit mit ihr zu den intensivsten Momenten meines Lebens gehört.
Leider reflektiert sie sich selbst so gut wie gar nicht, was Gespräche schwierig macht, da sie meist sehr trotzig reagiert.
Gibt es hier Freunde, Bekannte oder Partner von Borderlinern, die Interesse an einem Erfahrungsaustausch über den Umgang miteinander haben?
Antworten
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05.02.2008, 18:05Inaktiver User
Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
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05.02.2008, 18:24
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Ich spiele Dir mal meine Gedanken dazu zu, obwohl ich mit Borderlinern überhaupt keine Erfahrung habe:
Du hängst an ihr.
Ich stelle mir das gerade bildlich vor:
Sie (in Schräglage) steht schief, und du hängst irgendwo an ihr dran.
Ergebnis: Beide in Schieflage.
Kann das gut gehen?
Antwort: Ja, wenn man auf Schräglagen steht und auf eine solide Basis (gerade stehen) verzichten möchte.
Ansonsten: Nein.
Wenn man sich nicht auf Augenhöhe begegnet, ist Freundschaft gar nicht möglich. Aneinander hängen bedeutet, daß keiner von beiden frei ist. Keiner kann gerade stehen, ohne den anderen. Schrecklich!
Du möchtest sie nicht missen, weil sie einen Teil Deines Lebens bereichert.
Kann dieser Teil nicht durch andere Aktivitäten aufgefangen werden? Es gibt viele Möglichkeiten, Farbe ins Leben zu bringen, vielleicht nicht von heute auf morgen, aber Menschen begegnen einem doch andauernd...
Ansonsten mache Dir klar:
Solange ihr euch braucht, ist das ganze nicht ausgewogen, nicht reif, nicht "gesund". Weitere Probleme vorprogrammiert. Du der "Therapeut", sie der "Kranke".
Du könntest sie weiter stützen, aber nur, indem Du ständig gewisse Portionen an Schmerz und Leid auf Dich nimmst.
Hältst Du das für Deine Pflicht?
Wenn ja - warum?
(Meiner Meinung nach ist das nicht Deine Pflicht. Sondern: auf Dich aufzupassen und auf die, für die Du Verantwortung trägst, und Menschen wie der Freundin Möglichkeiten der adäquaten Hilfe aufzuzeigen).
Ich weiß nicht, ob Du Kinder hast, aber wenn ja: Du ziehst alle mit hinein, wenn es Dir schlecht geht, Deine Pläne kippen, wegen der Freundin. Alle haben darunter zu leiden. Wofür? Der Frau ist nicht geholfen, wenn Sie Euch sitzen läßt. Ihr Inneres kann so nicht geheilt werden.
Denk mal darüber nach, daß das "Helfersyndrom" den Sinn hat, über eigene Probleme/Defizite/Schmerzen nicht nachdenken zu müssen.
Habe mich gerade viel mit dieser Thematik beschäftigt...nicht einfach. Aber nützlich!
LG KarlaThe original Karla
est. 2006











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05.02.2008, 19:05
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
ich hatte kurz einmal mit einem borderliner zu tun. ich musste mich von ihm trennen - denn eine beziehung zu ihm war einfach nicht möglich. schon diese trennung war sehr schwer, er ließ einfach nicht los und verfolgte mich noch jahrelang. er hat niemanden mehr, nicht einmal familie. seine schwester, eine sehr erfolgreiche frau, mit der ich auch beruflich zu tun hatte, weigerte sich, kontakt zu ihrem bruder zu haben... er aber sprach dauernd von ihr, bewunderte sie.
bei dir könnte es vielleicht etwas anders laufen: du hast recht, auch ein mensch mit einer behinderung bleibt ein mensch, und oft ein durchaus sehr liebenswürdiger.
aber du hast grenzen, die musst du deiner freundin klar machen. vielleicht immer und immer wieder. und du darfst von ihr nichts erwarten oder verlangen, was sie nicht schaffen kann.
dann könnt ihr vielleicht noch viele schöne stunden zusammen verbringen.
im zusammenhang mit meiner eigenen erfahrung habe ich mich ein wenig im internet umgeschaut. es gibt einige seiten, wo man etwas mehr über diese krankheit erfahren kann (sie kommt wohl in vielen verschiedenen varianten vor). außerdem gibt es hilfe für verwandte und freunde - auch selbsthilfegruppen.************************
Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere recht haben könnte. Jürgen Habermas
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05.02.2008, 21:47Inaktiver User
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Karla,
danke für Dein Posting, aber Du spekulierst sehr wild in der Gegend herum. Ich kann mich da nicht wiederfinden. Es geht nicht um ein Helfersyndrom, es geht auch nicht um Pflicht oder darum, irgendwen mit reinzuziehen, und austauschbar ist ein Mensch auch nicht oder kann mit anderen "Aktivitäten" kompensiert werden.
Ich weiß, Du hast es gut gemeint, aber bei mir kommt Dein Posting so an, dass Du aus den wenigen Fäden, die ich im Eingangsposting eingestreut habe, versuchst, einen ganzen Teppich zu küpfen. Dabei hast Du aber sehr viel dazugeknüpft, was mit meiner Situation nichts zu tun hat.
Alinaluna,
Du hast Recht mit dem, was Du schreibst. Nur weißt Du vielleicht auch durch die Beziehung zu diesem Mann, dass es bei Borderlinern so gut wie nicht möglich ist, einen Mittelweg zu finden. Ziehe ich mich zurück, um mich von ihrem Verhalten nicht verletzen zu lassen, so fasst sie das als vollständige und unwiderrufliche Ablehnung ihrer ganzen Person auf und versteht nicht, dass ich doch nur ein bisschen Distanz brauche. Umgekehrt nimmt sie sich die Freiheit zu kommen und zu gehen, wann sie will.
Ich habe diesen Thread übrigens weniger aufgemacht um dieses konkrete Problem um meine Freundin zu diskutieren, sondern um zu hören, wie es anderen ergeht, die mit Borderlinern befreundet sind. Ich weiß, dass es Selbsthilfegruppen gibt, ich habe auch Bücher zum Thema gelesen. Mich interessiert der Alltag mit Borderlinern. Wie geht Ihr mit den extremen Reaktionen, den extremen Stimmungen und den emotionalen Übergriffen um?
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06.02.2008, 02:24
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Hei,
ich hab selbst Beziehungserfahrung mit einem Borderliner, eine Freundin von mir ebenfalls.
Ich weiss, Du hast nicht danach gefragt - aber ich kann Dir nur den Rat geben: nimm die Beine in die Hand und RENN. Egal wie gross die Liebe oder die Bindung ist. Du GEHST KAPUTT dabei und ES GIBT KEINEN normalen Alltag und ES WIRD IMMER SCHLIMMER.
Ich habe ALLES versucht. Und ich hab die Reissleine gezogen, bevor ich MIT unterging. Das gehört wirklich zu meinen schlimmsten Beziehungserfahrungen. Wie schreibt Heinz Peter Röhrl (schau mal hier - sehr gute Bücher:
[...]
"Das einzig beständige in Liebesbeziehungen mit einem Borderliner ist die Unbeständigkeit".
Sorry, es GEHT nicht auf Dauer mit einem Borderliner umzugehen. Irgendwann macht es Dich komplett kaputt.
Liebe Grüsse, MondsteinfrauGeändert von coco13 (10.02.2008 um 20:33 Uhr) Grund: Direktverlinkung zu Amazon herausgenommen - Buchtitel bitte extra eingeben. Danke !
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06.02.2008, 07:15
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
ja, liebe meditarrenee, ich hoffe auch, dass es hier noch beispiele für das zusammenleben mit borderlinern gibt. ich habe nämlich oft an mir gezweifelt, ob der harte schnitt in der beziehung richtig war und ob ich mich nicht hätte mehr "kümmern" müssen in der form, dass ich wenigstens kontakt gehalten hätte.
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Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere recht haben könnte. Jürgen Habermas
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06.02.2008, 07:37Inaktiver User
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Hallo Mediterranee,
mein Vater war Borderliner.
Er war der beste Mensch solange alles nach seinem Willen ging und ihm keiner kontra gegeben hat.
Meine Kindheit wurde von einem wundervollen Vater begleitet,
Die Probleme die durch die Krankheit meines Vaters in der Familie
und in unserem Umfeld auftraten, wurden geschickt vor mir verborgen.
Mit zunehmendem Alter und einem langsam erwachenden eigenen Willen und der Fähigkeit meine Mitmenschen einschätzen zu können machten das Zusammenleben mit ihm schwer, manches Mal unerträglich.
Alles musste nach seinem Kopf gehen,
jeder musste sich ihm anpassen,
keiner durfte eine andere Meinung als die seine vertreten
und wehe wenn doch ...
Wir - meine Mutter und ich - wurden mit Selbstmorddrohungen
in Schach gehalten.
"Borderline" war zu dieser Zeit ein uns völlig unbekanntes Wort.
Mein Vater war einfach nur als rechthaberischer, egoistischer
Mensch, dem man sich um des lieben Frieden Willens anpasste, bekannt.
Wer gestern sein Freund war -
ist heute sein Erzfeind.
Er war völlig unberechenbar.
Was er gestern erlaubte,
hat er heute verboten.
Was er gestern liebte (angeblich),
hat er heute aus tiefster Seele hehasst.
Gestern lobte er mich bei seinen Bekannten
( ich nenne sie nicht Freunde, denn die hat er im Laufe der Jahre alle verloren)
heute zerrieß er mich in der Luft.
Meine Mutter wurde im Laufe der Jahre psychisch krank,
so krank, dass sie ihn am Ende ihres Leben nicht mehr erkennen wollte. Sie erkannte die Menschen die gut zu ihr waren,
IHN nicht - sie nannte ihn nur noch *den Vater meiner Tochter*.
Ihre schönsten Ehejahre war die letzten beiden, die sie
endlich angstfrei, in einem Pflegeheim verbringen durfte.
Angstfrei, vor seinen seelischen und körperlichen Misshandlungen.
Solange meine Mutter um ihn war, hat er mich noch
nicht ganz so heftig angegangen.
Als meine Mutter im Krankenhaus und später im Pflegeheim
war, war ich dran.
Er hat sich zur Lebenaufgabe gemacht, mich in jeder Hinsicht
fertig zu machen.
Fast hat er es geschafft. Nachdem ich jahrelang die Warnung
seines Arztes - mich von ihm zu distanzieren, um nicht vor die Hunde zu gehen - ignoriert habe,
habe ich es vor ca. 7 Jahren und einem unendlich schlechten Gewissen geschafft, den Kontakt zu ihn abzubrechen.
Es war allerhöchste Zeit und ich habe Jahre gebraucht um mich
zu erholen.
Ich bin - wie meine Mutter es in jungen Jahren auch war - ein fröhlicher und lebensbejahender Mensch und war auf dem besten Wege mich selbst aufzugeben und den gleichen Weg wie meine Mutter zu gehen - zu resignieren und kaputt zu gehen.
Meine Kinder, meine Freunde - denen ich unendlich dankbar bin
und ein Plätzchen in Bayern an dem ich mich geborgen und zuhause fühlte, haben mir letztendlich die Kraft gegeben, nicht klein beizugeben und einen Schlussstrich zu ziehen.
Ich trauere heute, nach fast 7 Jahren um den Vater meiner Kindheit. Das Leben mit ihm in unseren letzten gemeinsamen Jahren hat mich verändert, hat mich ruhiger werden lassen, demütiger gemacht. Ich geniesse Momente des Friedens, der Ruhe und ehrliche Freundschaften sehr viel intensiver als zuvor.
Vieles nehme ich nicht mehr als selbstverständlich hin, sondern bin dankbar und glücklich darüber.
Ich habe gelernt, dass es manchmal wichtig ist sich von Menschen zu trennen- auch wenn man sie lieb hat - wenn sie einem nicht gut tun.
Letztendlich ich ich für mein Glück verantwortlich, nicht für das Glück der Anderen.
LG
Muffi
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06.02.2008, 08:10
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Hallo,
auch ich habe eine tiefe, ganz besondere Freundschaft zu solch einem Menschen. Ich habe Jahr gebraucht um zu verstehen was da passiert, warum ich so oft völlig vor den Kopf gestoßen wurde.
Ich bin oft am zweifeln, am kämpfen und überlege ob ich diese Freundschaft nicht besser beenden soll, denn eigentlich ist sie keine Freundin.
Für mich stellt sich das Problem so da: Ich gebe 100% oft sogar noch mehr, aber ihr wird das nie reichen, sie merkt es nicht einmal, und sie selbst, schwer zu sagen gibt vielleicht 40% in Situationen in denen ich vergebens auf Verständnis hoffte. Denn Verständnis im herkömmliche Sinne kenne ich in dieser Freundschaft ihrerseits gar nicht, und doch wiegt sie sich unentwegt im Recht.
Freundschaft braucht aber Aktzeptanz und Verständnis.
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06.02.2008, 09:43Inaktiver User
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Muffi,
vielen Dank für Deine offenen Worte.
Mir erging es so mit meiner Mutter.
Seit etwa zehn Jahren halte ich daher den Kontakt zu ihr auf das nötigste Maß beschränkt. Ich habe mir selbst versprochen, mich nie wieder von ihr respektlos behandeln und verletzen zu lassen. Damit geht es mir sehr gut.
Zum Glück sind mir die Mechanismen, nach denen Borderliner "funktionieren", heute bewusst, so dass meine Freundin mit ihren emotionalen Erpressungen bei mir nicht so durchkommt, wie es meine Mutter schaffte, als ich ein Kind war. Als Kind ist man wirklich ausgeliefert.
Muffi, denkst Du, Dein Vater hatte sich tatsächlich bewusst vorgenommen, Dich fertig zu machen, wie Du schreibst? Ist es nicht eher so, dass er um sich schlug, weil er es einfach nicht besser wusste?
krete,
die Frage ist, ob Du wirklich die Entscheidung treffen musst, die Freundschaft vollständig zu beenden und den Kontakt abzubrechen. Ich halte das gar nicht unbedingt für nötig. Aber Grenzen setzen, das ist wichtig.
Ich weiß nicht, wie es Deiner Freundin geht, aber bei meiner Freundin ist es so, dass sie immer glaubt, sie gebe alles und bekäme nie etwas zurück. Und tatsächlich tut sie unglaublich viel für ihre Umwelt. Meistens ungefragt. Und wenn man dann vorsichtig sagt, dass man ihre Hilfe gar nicht möchte, fühlt sie sich sofort zurückgestoßen und ist tief gekränkt. Und wenn man sie um Hilfe bittet, hat sie plötzlich wichtigere Dinge zu tun und nimmt gar nicht wahr, dass sie ihrerseits gerade jemanden verletzt und zurückstößt.
Ich habe schon oft versucht darüber mit ihr zu reden. Meist ist in dem Moment, in dem wir reden, ein Einsehen da. Aber bei nächster Gelegenheit ist alles wieder vergessen.
Die Dinge bleiben bei ihr einfach nicht hängen. Es fehlt jede Kontinuität.
Ich bin ein Mensch, dem es sehr wichtig ist, sich auf Freunde verlassen zu können. Bei ihr mache ich da enorme Abstriche. Ich rechne einfach nicht mit ihr. Dann bin ich umso positiver überrascht, wenn es doch klappt.
Ich weiß, dass ich sie damit ein wenig "entmündige", aber ich weiß keinen anderen Weg damit umzugehen, ohne selbst dauernd enttäuscht zu werden.
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06.02.2008, 09:53Inaktiver User
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Zitat von Inaktiver User
Es hat wenig Sinn, wenn Du nicht ständig die Kontrolle über Deine und ihre Aktionen halten willst. Wenn Du das schaffst und immer alles im Blick hast, Grenzen ziehst, vorausschauend mit ihr umgehst und Dich nicht verletzten läßt, könntest Du einen Kontakt halten, der dazu geeignet ist, eine Art Austausch zu haben.
Wenn Du aber kein Kontrollfreak bist und auch verletzbar durch Aktionen oder Vorwürfe, die immer wieder kommen werden, mach dass Du weg kommst und halt Dich fern.
Ich habe eine solche Freundschaft über Jahre mit solchen Kontrollaktionen versucht auf Distanz aufrecht zu erhalten, nachdem die Nähe nur zu Verletzungen führte und habe mich dann auf Anraten einer befreundeten Ärztin ganz aus der Sache raus gezogen.
Was bleibt auch, wenn man Kontrolle ausübt, den anderen auf Distanz hält? Jedenfalls keine Freundschaft und Besserung ist meist auch nicht zu erwarten.
Alles Gute und pass auf Dich auf
vita


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