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  1. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    ich will jetzt keine Grundsatzdiskussion vom Stapel lassen, aber was sind dann die Konsequenzen für Borderliner?
    Gruß
    Annette

    Hallo Annette,


    ich persönlich sehe meine Beziehung zu der oben beschriebenen Borderlinerin nicht als "verlorene Zeit". Welche Erfahrungen Trambahn gemacht hat, kann ich nicht beurteilen; ich spreche ganz bewusst nur von mir.

    Konsequenzen für Borderliner? Das ist wohl die Kernfrage, für die es kein Patentrezept gibt. Ich schrieb ausschließlich aus meiner Perspektive, ganz bewusst, weil ich die Beziehungen anderer Menschen zueinander ja nicht kenne.

    Ich merke, dass es mich persönlich aussaugt, wenn mein Gegenüber meint, ich sei immer stark und meine Belastbarkeit sei unbegrenzt. Mag sein, dass ich in vielen Situationen psychisch stärker und belastbarer bin als manch anderer. Wenn es so ist, dann weiß ich nicht, warum das so ist. "Stärker" und "belastbarer" heißt aber eben nicht, dass es gar keine Grenzen gibt.

    Ich plädiere schon dafür, mit offenen Karten zu spielen, unabhängig davon, ob mein Gegenüber nun von Borderline betroffen ist oder nicht. Meine Situation kann man vielleicht ein wenig mit Leistungssport vergleichen: Man kann viel Freude am Tennis haben (oder Schwimmen oder Skifahren...), wenn man diesen Sport nur als Freizeitausgleich betreibt. Will man aber ganz an die Spitze, muss man diesem Sport vieles unterordnen und ganz kontinuierlich und diszipliniert dranbleiben. Ähnlich ist es bei meinem Job / meiner Weiterbildung auch.

    Es gibt viele Leute, die so etwas bei einer Freundschaft nicht akzeptieren können. Damit kann ich leben, ich erwarte nicht, dass die ganze Welt nach meiner Pfeife tanzt. Einige meiner Freunde sind in ähnlichen Situationen; da ist das gegenseitige Verständnis naturgemäß größer als bei Menschen, die in einer völlig anderen Situation leben. Auch dies hat nichts mit Borderline zu tun; ich halte es sogar für ein sehr menschliches Phänomen, dass man mit den Menschen am leichtesten Übereinstimmung findet, die einem relativ ähnlich sind oder die in einer ähnlichen Situation leben.

    Das heißt im Gegenzug nicht, dass man sich nicht mit Menschen in anderen Situationen abgeben sollte. (Tue ich auch nicht - ich suche z.B. ganz bewusst den Kontakt zu Leuten, die in ganz anderen Berufsfeldern tätig sind.) Ich spiele aber schon zu Beginn einer Beziehung lieber mit offenen Karten und sage auch, wann meine Kraft erschöpft ist. Ich gebe mein Leben nicht auf und erwarte das von keinem Anderen. Wenn die Schnittmenge - um es mal mathematisch zu nennen - so klein ist, dass eine Beziehung nur klappt, wenn sich mindestens einer total verbiegt, tut das meiner Ansicht nach beiden nicht gut. Deshalb das "Spielen mit offenen Karten", damit das Gegenüber halbwegs weiß, worauf es sich einlässt, und sich nicht Illusionen macht, die dann später umso bitterer ent-täuscht werden. All dies meine ich allgemein, es bezieht sich nicht speziell auf Menschen mit Borderline.

    Mir ist schon klar, dass Borderliner sich ihre Krankheit nicht ausgesucht haben. Ich denke, es liegt an der Krankheit, dass sie nicht spüren, wann andere verletzt sind. Wenn ich die andere bin, macht mich das aber auf Dauer fertig; vor allem, weil die schlimmsten Verletzungen durch den Borderliner (in meinem Fall) immer dann kamen, wenn ich selbst - angekündigt! - am verletztlichsten war. Gut, vielleicht hätte ich gar nicht erst sagen sollen, dass gerade eine Phase herrscht, in der ich müde und angespannt bin. Ich fürchte, das hätte die Situation nicht wesentlich gebessert.

    Borderliner, bleibt lieber alleine?
    Mein Satz wäre das nicht.
    Ich war aber schon immer ein Mensch, der sich nicht gerne auffressen lässt. Auf Liebesbeziehungen übertragen ist es der Unterschied zwischen "Ich liebe dich, weil ich dich brauche" und "Ich brauche dich, weil ich dich liebe". In einer Beziehung der ersten Art kann ich nicht leben. Solche symbiotisch-erstickenden Beziehungen suchen nicht nur Borderliner, aber mich treiben sie in die Flucht.
    Nähe, Verständnis, Ernstes, Lustiges, Füreinander da sein - alles gerne, auch zu Unzeiten.
    Unrealistisch in den Himmel gehoben werden, dann wieder grenzenlos abgewertet und beschimpft werden, ein Mensch, der nur eigene Verletzungen spürt, aber für Verletzlichkeiten anderer blind und taub ist, keine Graustufen kennt - sorry, ich halte das nicht aus. Und wenn ich hundertmal weiß, dass es krankheitsbedingt ist.

    Deshalb schrieb ich (über mich persönlich!), dass ich beim nächsten Mal rennen würde, was das Zeug hält.

    Es gibt auch Menschen, für die "himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt" zur wahren Liebe gehört (auch wieder unabhängig von Borderline). Ich will das nicht abwerten; ich bin da einfach ganz anders gestrickt. Vielleicht wirke ich auf solche Menschen zu kühl (ich halte mich selbst nicht dafür), mag sein. Jedenfalls gehen Beziehungen zwischen Menschen mit dieser Einstellung und mir einfach nicht gut. Die Grenzen zwischen "einfach nur himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt" und "symbiotische Beziehungen suchend" hin zu Borderline sind vermutlich fließend. Es passt nicht zu mir, und mein Gegenüber würde in einer Beziehung (Liebe, Freundschaft) zu mir auch nicht glücklich.

    Da Du das differenzierte Betrachten ansprichst: Ich vermute, Dreh- und Angelpunkt ist die Fähigkeit eines Borderliners zu lernen, dass auch andere Menschen differenziert zu betrachten sind - und eben ihre Verletztlichkeiten haben.

    Gruß,
    kappa

    P.S.: Nicht wundern, mein PC ist kaputt. Schreibe hier von einem "fremden" Rechner, kann eine Weile dauern, bis ich wieder vorbeischaue.

  2. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ihr habt ja alle Recht, aber glaubt ihr, Borderliner hätten sich dieses Leben selbst ausgesucht?
    Das nicht, aber es muss sich auch niemand gezwungenermaßen auf diese Ebene begegen und kaputt machen lassen. Ich kann es mir aussuchen, weil ich diese Strukturen nicht in mir trage und ich würde mir eine solche Situation nicht noch einmal antun.

  3. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Zitat Zitat von mohnpluhme

    Gibt es denn überhaupt einen "Ausweg" für BPSler? Können die Betroffenen sich selbst helfen, wenn zumindest mal ein Bewusstsein der Erkrankung vorhanden ist? Oder gibt es Erfolgsmeldungen von BPS-spezifischen Therapieansätzen? Weiß da jemand was?
    Leider ist es meistens so, dass Borderliner eher nicht bereit sind,zur Therapie zu gehen, ist leider so. Aber ich finde, die wenigen, die es sind, sollten unterstützt werden. Ich habe mal einen Bericht gelesen, eine Seminararbeit. Eine Bps wurde von Ärzten gefragt, warum sie keine Therapie in ihrem Heimatort wolle, sie wäre ja ziemlich weit weg, 50 km und warum sie keinen Platz in ihrer Region nehmen wolle. Antwort: Die Ärzte wollten mich nicht. So, und welche Chancen haben diese Menschen?
    Ich schreibe bewusst nicht Patienten.
    Sie sind bereit, eine Therapie zu machen. Ich habe auch sehr Mühe, einen geeigneten Platz zu finden.
    Ich habe mal gegoogelt unter Borderline und Erfolgschancen.
    Hinzukommt natürlich, dass Borderliner zum Teil auch undankbare und schwierige Patienten sein können, weil sie dazu neigen, die Therapie abzubrechen. Ich schreibe hier alles unter Vorbehalt, es kann, muss aber nicht sein.
    Vorher ist es oft so, dass sie falsch diagnostiziert werden, oft wird erst mal auf Depression getippt, und dann kommt Borderline auf. Ist ja auch ein relativ neues Gebiet.
    Chancen zur kompletten Heilung wird es wohl eher selten geben, so wie ich nachgelesen habe, aber es wird ein Umgang mit dieser Krankheit, oder eher diesem Anderssein gelehrt, die verschiedenen Skills, wie soziale Kompatibilität, oder so können trainiert werden, Medikamentation hilft auch, diese Aggressivität in den Griff zu bekommen.
    Ich habe mir einiges angelesen, aber ich bin natürlich kein Arzt oder so.
    Verlorene Jahre durch die Krankheit, Ablehnung ....?
    Ist alles ein weites Feld, aber andere Menschen haben ja auch ihre Gebrechen und Eigenheiten, und bekommen eine Chance.
    Liebe Grüße
    Annette

  4. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Kappa, ich danke dir für deine ausführliche Stellungsnahme, ich weiß, wie die Beziehung Borderliner - Partner / Freundin ja sein können.
    Nur, sie von vorneherein abzulehnen, das würde ich nicht wollen, wie du auch geschrieben hast.
    Und es gibt ja auch eine Menge Farbtöne zwischen Schwarz und Weiß, oder?
    Liebe Grüße
    Annette

  5. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    *Renn weg ist doch nicht fair.*

    Du hast recht Anette, es ist nicht fair,
    aber für die meisten Menschen die in einer Beziehung zu einem
    an Borderline erkrankten Menschen leben, die einzige Möglichkeit
    sich selbst zu schützen.
    Je länger jemand unter dem Verhalten eines Borderliners leidet,
    um so unwahrscheinlicher, die Beziehung oder Freundschaft auf einem anderen Level fortzuführen.

    Das Wegrennen, der Abstand und das Nachdenken darüber, ob und in welcher Form ich mit einem Borderliner umgehen kann, ergibt manchmal die Möglichkeit eine Freundschaft oder Beziehung auf einer neuen Basis aufzubauen, allerdings mit einer gewissen Distanz.

    Es ist für den Nichtborderliner wesentlich schwieriger, da es immer eine Gratwanderung ist - ein kleiner Schritt zu weit und der Borderliner vereinnahmt einen wieder.

    Anette, vielleicht hast du mein Posting am Anfang des Stranges gelesen.
    Mein Vater war Borderliner, ich habe den Kontakt zu ihm aus reinem Selbstschutz und auf Anraten seiner Ärzte abgebrochen.

    Wenn ich heute ähnliche Anzeichen bei einem Menschen feststelle, klingeln alle Alarmglocken und ich gehe auf Abstand.

    Ich kann bis heute nicht ertragen, wenn mir jemand zu sehr auf die Pelle rückt, versucht mich zu vereinnahmen oder über mich bestimmen möchte.
    Borderliner neigen dazu ohne Rücksicht in das Leben des anderen
    einzugreifen, es mitzubestimmen - oftmals sehr rücksichtlos.

    Wenn ich dich liebe Anette lese, habe ich das Gefühl, du bist von dieser Krankheit in einer abgeschwächten Form betroffen, da du dir Gedanken darüber machst wie du mit deinen Mitmenschen
    umgehen möchtest und dir deiner Krankheit bewusst bist, dich informierst und dir Mühe gibst nicht in die borderlinetypischen Verhaltensmuster zu fallen.

    Borderline ist eine Krankheit, die von vielen Ärzten noch sehr zögerlich diagnostiziert wird, eben weil vieles mit anderen Krankheitbildern identisch ist - es ähnelt der manischen Depression und läuft oft parallel zu Suchtkrankheiten.
    Viele Borderliner sind z.B. alkoholkrank.

    Ich habe berufllich 1-2 mal die Woche in einer psych. Klinik zu tun
    und unterhalte mich dort oft mit den Ärzten und Therapeuten.
    Ich habe die letzten Monate dort versucht Infos über die Krankheit und das Verhalten meines Vaters zu bekommen und merke immer wieder, dass selbst dort noch eine gewisse Hemmschwelle zur Diagnose *Borderline* besteht.
    Gewisse Verhaltensmuster werden zuerst Suchtkrankheiten und Depressionen zugeordnet und dann in ganz kleinen Schritten geht man auf die Krankheit *Borderline* zu.

    Die meisten Betroffenen akzeptieren ihre Krankheit nicht,
    sie machen ja alles richtig - die Schuld liegt immer bei den anderen.
    Ich finde es sehr positiv, dass du dich mit der Krankheit auseinandersetzt.
    Alles Gute für dich

  6. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Hallo Muffi, ich wünschte, es wäre eine abgeschwächte Form, aber leider ist es nicht so. Ich habe heftigste Krisen erlebt, aber bei mir hat es irgendwann Klick gemacht. Einen Vater als Borderliner - muss eine traumatische Erfahrung sein. Es ist nun mal so, dass ich schon einige Monate vorher Therapie wollte, aber aufgrund meiner Eltern dies nicht geklappt hat. Aber das würde nun den Rahmen sprengen und ich möchte ja hier auch nicht den Platz der eigentlichen Strangeröffnerin verdrängen. An dieser Stelle meine Entschuldigung.
    Ich habe gesehen und begriffen, dass ich mir durch meine extrremsten Handlungen vieles kaputt mache und vllt tatsächlich nur bei meinen Tieren bleiben würde, also vereinsamen.
    Leider beeinträchtigt die Krankheit das neutrale Denken enorm und klar greifen Borderliner zu Mitteln, um mit ihrem Schmerz fertig zu werden, so auch ich.
    Ich schreibe hier aber so offen, um ein anderes Bewusstsein geg
    Borderline zu öffnen.
    Ich habe auch nur noch eine Freundin und meinen Partner hätte ich durch die schlimmen Krisen fast verloren. Er hält eben zu mir und das ist das größte Geschenk für mich.
    Deshalb arbeite ich wohl auch so hart an mir.
    Aber wie gesagt. Wenn die Krisen so schlimm sind, dann ist es nicht einfach, objektiv zu bleiben.
    Doch die Einsamkeit, die Angst sich gehen zu lassen, da man da einsam wird (eben wegen dieser Handlungen), das ist schon ein hartes Schicksal.

    Ich habe übrigens die Katzenbilder gesehen. Ich habe zwei Katzen und einen Hund. Und diese Tiere tun mir auch gut.

    Ganz liebe Grüße
    Annette

  7. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Annette, ich hab hier als Strangeröffnerin keinen Platz, der zu verdrängen wäre. Ich bin eine, die durch eine Beziehung zu einem anderen Menschen von Borderline betroffen ist und freue mich, wenn Du hier Deinen Standpunkt als direkt Betroffene darstellst.

  8. gesperrt

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    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User

    Borderliner, bleibt lieber alleine?
    Mein Satz wäre das nicht.
    Ich war aber schon immer ein Mensch, der sich nicht gerne auffressen lässt. ...

    Ehrlich gesagt, kappa, was willst Du eigentlich mit deinem langen Beitrag sagen ?

    Und der obige Satz widerspricht sich selbst.

  9. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    *... und meinen Partner hätte ich durch die schlimmen Krisen fast verloren. Er hält eben zu mir und das ist das größte Geschenk für mich.
    Deshalb arbeite ich wohl auch so hart an mir*

    Hallo Anette,

    dann wünsche ich dir die Kraft weiterhin an dir zu arbeiten
    und deinem Partner die Kraft und das Verständnis für dich dazusein und dir den nötigen Halt und die Geborgenheit zu geben, die du brauchst.
    Du hast den Wunsch und den Willen an dir zu arbeiten, dass ist
    viel mehr als manch anderer Borderliner bereit ist zu tun.

    Alles Gute für euch

  10. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Zitat Zitat von trambahn100
    Ehrlich gesagt, kappa, was willst Du eigentlich mit deinem langen Beitrag sagen ?

    Und der obige Satz widerspricht sich selbst.
    Ambivalenz, trambahn.
    Ich verstehe kappa da gut.

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