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    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Hallo Meermin,

    es gibt natürlich Menschen mit Macken, aber wenn Dir jemand so dermaßen die Luft nimmt, Kontrolle ausübt bzw. Dich dazu bringt, Situationen nur noch kontrolliert zu "überleben", würde ich davon ausgehen, dass es etwas in diese Richtung ist.

    Was ein psychiatrisches Gutachten ergäbe, kann von hier aus kein Mensch sagen. Es geht wohl eher um die Muster als um die Diagnose und wie man damit umgeht.

    Dir auch alles Gute

    vita
    Danke, liebe Vita!
    "Life is what happening, while you busy making other plans"
    John Lennon

  2. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ich habe diesen Thread übrigens weniger aufgemacht um dieses konkrete Problem um meine Freundin zu diskutieren, sondern um zu hören, wie es anderen ergeht, die mit Borderlinern befreundet sind. Ich weiß, dass es Selbsthilfegruppen gibt, ich habe auch Bücher zum Thema gelesen. Mich interessiert der Alltag mit Borderlinern. Wie geht Ihr mit den extremen Reaktionen, den extremen Stimmungen und den emotionalen Übergriffen um?
    Hallo Med,

    ich lese diesen Thread schon von Anfang an mit großem Interesse. Vor einiger Zeit kannte ich auch eine Borderlinerin. Ich habe erst gegen Ende der Beziehung erfahren, dass sie Borderlinerin ist (sie selbst hat es auch spät erfahren). Nach meinen Erlebnissen schließe ich mich Mondsteinfrau an: Ich würde so etwas nicht noch einmal mitmachen und rennen, was das Zeug hält. Es hat mich total ausgesaugt, wie ein Blatt, dass zunächst dick, grün und saftig ist, und am Ende sind alle Flüssigkeit und alle Farbe gewichen. Man muss das Blatt nur noch antippen, dann zerbröselt es.

    Annette68 hat als vermutlich Betroffene etwas dazu geschrieben, und im Forum "Psychotherapie" gibt es einen Thread "(Beziehungs-)Alltag mit Borderline?" Es heißt immer wieder, Borderliner seien sehr sensibel und spürten Verletzungen superscharf (wie Annette es ausgedrückt hat). Problem dabei: Borderliner haben gar kein Gefühl dafür, wann sie andere verletzen oder dass die Kraft anderer auch mal erschöpft sein könnte. Ich denke, es liegt an der Krankheit, aber als Freund(in) oder Partner(in) macht einen das auf Dauer fertig. Es nutzt nach meiner Erfahrung nichts, den Borderliner "vorzuwarnen", dass die eigene Kraft momentan Grenzen hat; man könnte ebenso gut gegen eine Wand reden.

    Konkretes Beispiel: Ich bin beruflich stark eingespannt; phasenweise komme ich z.B. wirklich erst nach 23.00 Uhr nach Hause. Das ist nicht die Schuld meines Umfelds, klar, und es macht die Pflege von Beziehungen nicht gerade einfach. Ich hänge oft den ganzen Tag dienstlich am Telefon oder sitze in Meetings. Wen soll ich nach 23.00 Uhr noch anrufen? Nach solchen Tagen habe ich auch keine Lust mehr, nach dem Nachhausekommen noch meinen privaten Rechner hochzufahren und private Mails zu schreiben. Es geht mir nicht schlecht, ich bin auf niemanden sauer, sondern schlicht müde.

    Oft habe ich der Borderlinerin schon vorher prophylaktisch gesagt, dass z.B. die nächste Woche sehr anstrengend wird und ich wohl kaum zum Telefonieren oder Mailen komme. Es nützte nichts: bohrende Nachfragen, SMS, Mails, Anrufbeantworter... Habe ich einmal nachgegeben und doch kurz geantwortet, hieß es beim nächsten Mal prompt: "Beim letzten Mal konntest Du aber auch..." Bin ich einfach abgetaucht, wurde irgendwann die ganze aufgestaute Wut (und wohl auch Verlustangst) auf mich niedergekübelt.

    Hinzu kommt, dass ich eine sehr anstrengende Weiterbildung mache. Prüfungen dazu finden einmal jährlich statt, Durchfallquoten sind hoch, Wiederholung aber unbegrenzt möglich. In den drei Monaten vor der Prüfung muss ich quasi "abtauchen" (wie andere Prüflinge auch), sonst bräuchte ich gar nicht anzutreten. Habe ich alles versucht zu erklären; bohrende Nachfragen und Vorwürfe kamen trotzdem. Noch dazu habe ich in der Vorbereitungsphase Geburtstag, was mit recht gehässigen Geburtstag-"Wünschen" quittiert wurde. Das meinte ich mit "erschöpfter Kraft des Nicht-Borderliners".

    Besagte Frau hatte in der Tat einige sehr schwere Schicksalsschläge zu verkraften. Mich hat sehr gestört, dass sie ständig an ihrem Umfeld herumpsychologisiert hat (und z.B. den Partner zum Schuldigen gemacht hat), ohne zu hinterfragen, ob der Partner wirklich das fühlt, was sie als seine Gefühle vermutet. Irgendwann habe ich ihr das auch mal gesagt, weil ich die ständigen Abwertungen des Partners nicht mehr ertragen habe. Das führte dann letztlich (mit) zum Ende unserer Beziehung. Normalerweise kommentiere ich die Beziehungen anderer nicht, doch in diesem Fall hatte ich den Eindruck, dass sie ihm regelrecht seine Gefühle stiehlt und ihm aufoktroyiert, was er zu fühlen hat. Die Gefühle, die sie ihm andichtete, wurden im gleichen Atemzug als niederträchtig kommentiert. Es erinnerte ein wenig an die Geschichte, in der sich jemand einen Hammer beim Nachbarn leihen möchte und im stillen Kämmerlein überlegt, welche negativen Reaktionen der Nachbar wohl an den Tag legen könnte. Der Nachbar ahnt davon natürlich nichts. Irgendwann klopft der Mensch ohne Hammer beim Nachbarn und brüllt ihn an: "Stecken Sie sich Ihren blöden Hammer an den Hut!"

    Irgendwo habe ich mal im Netz gelesen, man werde nie so geliebt und auch nie so gehasst wie von einem Borderliner. Allerdings widerspricht das meiner Definition von Liebe und auch von Freundschaft: Ein Borderliner idealisiert oder wertet völlig ab, Grautöne gibt es nicht. Sagt man z.B., dass man gut Englisch spricht, wird man gleich zum totalen Sprachgenie hochstilisiert. In negativen Phasen heißt es dann aber: "Oh, Madame (Sprachgenie oder was auch immer) ist sich ja zu fein, sich mal kurz per SMS zu melden." Ich fühle mich bei solchen extremen Reaktionen nicht wahrgenommen. Ich bin anscheinend für den Borderliner nur ein Bild. Er (sie) sieht nur die Facetten, die zum Bild passen, und diese Facetten werden zum Ideal. Der Rest wird zunächst ausgeblendet. Kommt der Punkt, an dem sich Bild und Realität nun gar nicht mehr zur Deckung bringen lassen, wird gnadenlos abgewertet und draufgehauen. Das hat mit mir als Mensch herzlich wenig zu tun. Fremd- und Eigenwahrnehmung werden sich wohl in allen menschlichen Beziehungen ein wenig unterscheiden, doch so extrem (und eigentlich losgelöst von mir) habe ich das noch nie vorher erlebt. In den positiven Phasen des Borderliners hast Du keine Fehler, was für mich auch nicht zu Freundschaft / Liebe passt. Ich suche bei anderen nicht nach Fehlern, doch perfekt ist mE niemand, und Schwächen gehören zum Menschsein dazu. In den negativen Phasen hast Du nur noch Fehler, und auch das geht an der Realität vorbei.

    Langer Rede kurzer Sinn: An sich bin ich kein Mensch, der schnell davonläuft. Der gnadenlose Wechsel von Überhöhung zu totaler Abwertung, das Manipulative, dieses ständige Bedrängen, die Distanzlosigkeit eines Borderliners würde ich jedoch nicht noch einmal mitmachen.

    Auf der einen Seite ist es bei mir ein Gefühl des Scheiterns, auf der anderen Seite fühlte ich mich nach dem Ende der Beziehung zur Borderlinerin unglaublich befreit.

    Gruß,
    kappa

  3. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Liebe kappa,
    vielen Dank für Dein sehr ausführliches, offenes und persönliches Posting.

    Ich unterschreibe nahezu jedes Wort, kenne die von Dir beschriebenen Situationen gut und kann Deine Erschöpfung in Bezug auf diese Freundschaft sehr gut nachvollziehen.

    Ich habe mich inzwischen auch sehr zurückgezogen, wir haben nur noch sehr distanzierten und oberflächlichen Kontakt und mir geht es gut dabei, obwohl ich die "schillernden" Momente mit ihr vermisse (Du wirst das auch kennen, dass man mit einem Borderliner, wenn es denn gut läuft, die allerschönsten und intensivsten Momente erleben kann).

    Sehr nachvollziehbar finde ich Deinen Vergleich mit dem Bild. So kenne ich das auch. Ich werde als Person nicht wahrgenommen, sondern nur als Projektion oder allenfalls einige Teilaspekte meiner Persönlichkeit, die gerade zu irgendeiner Stimmung des Borderliners passen.

    Ich bin gerade ganz zufrieden mit dem Zustand der Distanz und befinde mich in einer Zwischenphase, in der ich versuche, mich von dem Gedanken zu verabschieden, dass eine echte Freundschaft jemals möglich sein wird (zumal bei einem Menschen, der seine Krankheit nicht im Ansatz reflektiert).

    Aber weh tut es. Denn ich schätze viele Eigenschaften an dieser Frau ganz außerordentlich. Viele davon hätte sie vielleicht nicht in diesem Maße, wäre sie nicht Borderlinerin (Kreativität, Begeisterungsfähigkeit, Charisma, Bühnenpräsenz (wir treten zusammen auf) etc.).

    Dir, liebe kappa, wünsche ich alles Gute für die Prüfung.
    Geändert von Inaktiver User (14.02.2008 um 20:03 Uhr)

  4. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    In einem anderen Strang hat mich eine Userin an ein Lied erinnert, das ich sehr mag und das viel von dem beschreibt, wie es mit einem Borderliner ist:

    The Waterboys - The whole of the moon

    I pictured a rainbow
    You held it in your hands
    I had flashes
    But you saw then plan
    I wondered out in the world for years
    While you just stayed in your room
    I saw the crescent
    You saw the whole of the moon!
    The whole of the moon!

    You were there at the turnstiles
    With the wind at your heels
    You stretched for the stars
    And you know how it feels
    To reach too high
    Too far
    Too soon
    You saw the whole of the moon!

    I was grounded
    While you filled the skies
    I was dumbfounded by truths
    You cut through lies
    I saw the rain-dirty valley
    You saw brigadoon
    I saw the crescent
    You saw the whole of the moon!

    I spoke about wings
    You just flew
    I wondered, I guessed, and I tried
    You just knew
    I sighed
    But you swooned
    I saw the crescent
    You saw the whole of the moon!
    The whole of the moon!

    With a torch in your pocket
    And the wind at your heels
    You climbed on the ladder
    And you know how it feels
    To reach too high
    Too far
    Too soon
    You saw the whole of the moon!
    The whole of the moon!

    Unicorns and cannonballs,
    Palaces and piers,
    Trumpets, towers, and tenemets,
    Wide oceans full of tears,
    Flag, rags, ferry boats,
    Scimitars and scarves,
    Every precious dream and vision
    Underneath the stars

    You climbed on the ladder
    With the wind in your sails
    You came like a comet
    Blazing your trail
    Too high
    Too far
    Too soon
    You saw the whole of the moon!
    Geändert von Inaktiver User (15.02.2008 um 19:41 Uhr)

  5. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Hallo, ich wollte mich noch mal melden und auch ein bisschen auf Kappas Eintrag eingehen.
    Ja, ist nicht einfach mit Borderlinern. Ich schreibe ja von meiner Perspektive.
    Klar, ist auch nicht einfach für den Partner bzw die Freundin.
    Und jeder sollte natürlich seine eigenen Schlüsse ziehen.
    Aber was bleibt Borderlinern denn dann übrig, nicht mehr in die Gesellschaft integriert zu werden?
    Ich denke es gibt da ein paar wichtige Punkte.
    Inwiefern ist der Borderliner bereit, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.
    Inwiefern erkennt er die Grenzen anderer?
    Und auch: Wie kann er mit dieser Krankheit am besten Leben und kann er es lernen, Zugang zu anderen zu finden.
    Ich wollte kurz sagen: Borderline ist nicht gleich Borderline und von vorneherein zu sagen: Renn weg ist doch nicht fair.
    Und noch eines: Ich habe die Krankheit Borderline, ich heiße aber nicht Borderline.
    Nichts für ungut. ;)
    Liebe Grüße
    Annette

  6. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Annette,
    das mit dem Wegrennen ist mir auch zu einfach.
    Distanz ja, aber fallenlassen möchte ich meine Freundin nicht. Außerdem mag ich sie ja sehr.

    Wenn ich hier immer "Borderliner" schreibe, dann soll das keine Abwertung sein, es ist nur einfacher, als immer zu schreiben "die Person, die die Krankheit Borderline hat".
    Ebenfalls nix für ungut und liebe Grüße
    Med.

  7. gesperrt

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    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    @ kappa

    vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich denke, man kann die Situation nicht besser beschreiben.

    Selbst war ich 2 Jahre lang mit einer Borderlinerin zusammen und habe von Anfang an gespürt, dass da was nicht stimmt. Bloss was ?

    Insgesamt war es jedenfalls die schlimmste Zeit meines Lebens, was Beziehungen anbelangt:

    Man kann im Leben betrogen werden, die Liebe mag in einer Beziehung irgendwann unerwidert bleiben, aber das was man mit einer B. erlebt ist so kalt und grauenhaft, dass ich dazu zum ersten Mal gesagt habe: diese gemeinsame Zeit war eine verlorene Zeit.

    Was kann man tun ? In meinen Augen nichts als sich zu distanzieren.


  8. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    liebe Med, danke dir für deine Antwort. Ich wollte nur nicht, dass Borderline zu sehr pauschalisiert wird. Ich habe dies nicht so als Abwertung verstanden.
    Ich reagiere vllt in dieser Hinsicht auch etwas überempfindlich, da man es als derartiger Patient eh nicht leicht hat, was Therapie und Ähnliches angeht. The whole of the moon erinnert mich übrigens an ein Gedicht von Alice Miller.
    Liebe Grüße
    und einen schönen Tag
    Annette

  9. Inaktiver User

    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Zitat Zitat von trambahn100
    @ kappa

    vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich denke, man kann die Situation nicht besser beschreiben.

    Selbst war ich 2 Jahre lang mit einer Borderlinerin zusammen und habe von Anfang an gespürt, dass da was nicht stimmt. Bloss was ?

    Insgesamt war es jedenfalls die schlimmste Zeit meines Lebens, was Beziehungen anbelangt:

    Man kann im Leben betrogen werden, die Liebe mag in einer Beziehung irgendwann unerwidert bleiben, aber das was man mit einer B. erlebt ist so kalt und grauenhaft, dass ich dazu zum ersten Mal gesagt habe: diese gemeinsame Zeit war eine verlorene Zeit.

    Was kann man tun ? In meinen Augen nichts als sich zu distanzieren.

    ich will jetzt keine Grundsatzdiskussion vom Stapel lassen, aber was sind dann die Konsequenzen für Borderliner?
    Gruß
    Annette

  10. gesperrt

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    AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    ich will jetzt keine Grundsatzdiskussion vom Stapel lassen, aber was sind dann die Konsequenzen für Borderliner?
    Gruß
    Annette

    warum keine Grundsatzdiskussion ? vielleicht kommt die TE dadurch auf eine Idee, was sie machen könnte.

    Eine Therapie hat damals jedenfalls nicht geholfen. Der Therapeut sagte zu ihr, sie drehe sich im Kreis, würde immer dieselben Gedankengänge vortragen.

    Das sagt mir a), der Therapeut hatte keine Ahnung, was er machen soll und b) dass es die Patientin nicht weiter geniert, wenn es sich im Kreise dreht. Hauptsache, sie wird beachtet.

    @ Annette

    was sollen Borderliner machen ?
    ich sehe da keinen Königsweg und glaube ich nicht daran, dass ein B. diesen gehen würde - auch wenn es ihn gibt.

    In meinen Augen ist ein B. beratungsresistent. Das hat sicherlich Gründe (ich sah in der Wohnung "meiner" B. einige Bilder hängen, die mir sehr auf Kindesmißbrauch hindeuteten).
    Dennoch wüsste ich nicht, was ich da tun soll und ob diese Beobachtung überhaupt der Schlüssel zu dem Problem war.


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