Mediterranee und Muffi!
Da muss ich mich auch einreihen. Bei mir war es mein Vater, der als Borderliner die Familie tyrannisiert hat. Ich habe ihn ständig mit Argusaugen beobachtet, um rechtzeitig zu wissen, wenn ein Wutausbruch sich ankündigte. Es war furchtbar. Meine gesamte Kindheit habe ich unter Gewaltausbrüchen und völliger Unberechenbarkeit meines Vaters gelitten.
Heute sehe ich meine beiden Eltern sehr, sehr selten. Ich fühle mich bei bestimmten Gesten immer noch ganz reflexartig bedroht und bin keineswegs entspannt in der Gesellschaft meines Vaters. Ich könnte mir auf keinen Fall vorstellen, mit jemandem mit Borderline befreundet zu sein, ich bin für den Rest meines Lebens da verschreckt.
Habt Ihr beiden Euch inzwischen emanzipiert? Ich habe gelernt, auf mich aufzupassen, aber es kommt immer mal wieder vor, dass mich die Vergangenheit in Form von Erinnerungen einholt.
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Massashi
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Ergebnis 11 bis 20 von 118
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06.02.2008, 11:12
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
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06.02.2008, 11:50Inaktiver User
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
*Muffi, denkst Du, Dein Vater hatte sich tatsächlich bewusst vorgenommen, Dich fertig zu machen, wie Du schreibst? Ist es nicht eher so, dass er um sich schlug, weil er es einfach nicht besser wusste?*
ich denke er hat es bewusst gemacht. Er hat wortwörtlich zu mir
gesagt
*und dich mach ich auch fertig, genau wie deine Mutter*
ER war der Meinung, er hat es geschafft und ist dann einige Monate später gestorben.
Die Nachricht von seinem Tod hat in mir gleichermaßen Trauer und Erleichterung ausgelöst, ein sehr seltsames Gefühl.
Wenn ich Menschen kennenlerne, die mir bekannte Anzeichen
dieser Krankheit zeigen, ziehe ich mich zurück.
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06.02.2008, 11:57Inaktiver User
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Massashi,
die Erinnerung verblasst etwas, kommt aber immer wieder hoch
und schmerzt noch immer.
Ich trauere um den Vater meiner Kindheit und bin doch erleichtert daß ich mein Leben ohne Angst vor seinen Ausbrüchen geniessen kann und nicht mehr dafür gehaßt werde, dass es mir gutgeht und ich glücklich bin.
Daß ich das Ganze relativ unbeschadet überstanden habe, habe ich einer Handvoll wunderbarer Freunde und meinen Söhnen zu verdanken.
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06.02.2008, 12:04Inaktiver User
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
meiner war psychotisch, aber das ging mir ganz genau so!
Zitat von Inaktiver User
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07.02.2008, 16:22
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Liebe Mediterranee!
Ich hoffe, unsere Erfahrungen haben Dich nicht abgeschreckt. Wie ich schrieb, meide ich als gebranntes Kind Menschen mit Borderline-Problematik, das ist mir zu aufwühlend.
Aber abstrakt betrachtet tut es mir Leid, wenn ich sehe, wie schwer es für psychisch kranke Menschen ist, Kontakte zu haben. Ich habe eine Nachbarin, von der ich glaube, dass sie psychotische Schübe hat. Sie sucht immer mal Kontakt zu mir. Ich gehe da aus Selbstschutz nicht drauf ein. - Wie sieht es jetzt bei Dir und Deiner Freundin aus?
Massashi
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07.02.2008, 16:30Inaktiver User
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Massahi,
um es mit einem Wort zu sagen: derzeit Funkstille.
Für mich momentan eine Erleichterung.
Von ihrer Seite aus eher Taktik (as always).
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07.02.2008, 17:15Inaktiver User
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
liebemediterranee, nun ich gebe es zu - ich bin wahrscheinlich selbst Borderlinerin, vllt sind es auch nur Depressionen mit diesem Zug, egal - ich kann mich ein bisschen in deine Freundin und natürlich in dich hineinversetzen.
Ok.
1.) Borderliner haben Schwierigkeiten, soziale Bindungen einzugehen. Ich habe einen Partner, aber auch nur wahrscheinlich, weil ich mich mit mir intensiv auseinandersetze.
2.) Borderliner denken nur schwarz weiß,das heißt sie kennen keine Grautöne.
3.) Sie spüren Verletzungen superscharf.
Helfen würde es deiner Freundin und dir, wenn ihr es beiderseits lerntet, Grenzen zu setzen.
Borderliner müssen lernen, zu sehen, dass nicht jeder ihr Spiel mitspielt.
Ich habe das superscharf an meinem Partner erkennen müssne.
Es gibt übrigens eine sehr gute Beschreibung unter Wikipedia.
Vllt hilft dir das ein bisschen weiter, wenn du Fragen hast, gerne mehr.
Liebe Grüße
Annette
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09.02.2008, 16:56
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Es bleibt mir seit einige Zeit nichts anderes übrig, als so zu handeln, wie Du hier oben beschreibst. Habe ganz lange gebraucht, überhaupt soweit zu kommen! Ich fühle mich momentan ganz ok damit.
Zitat von Inaktiver User
Ist außerdem eine gute Stütze damit ich mir endlich wieder die schöne Dinge die ich liebe widmen kann. Lange Zeit fehlte mir einfach die Motivation und Energie.
Ist mir klar, dass es so nicht weiter gehen kann. Echte Gefühle, Respekt gehen total verloren. Ich merke, dass es ihm auch nicht gut geht. Es ist so, als ob er in einem Käfig sitzt und verzweifelt um Hilfe ruft. Wenn abr jemand kommt und ihn befreien will, beißt er zu!
Mal eine Frage: woher weißt man ob jemand Borderliner ist? Unter diesen "Macken" leiden aber viele Leute!
Alles Gute für Euch alle. Miteinder reden hier in BriCom tut ja schon gut und gibt Kraft!Geändert von Meermin (09.02.2008 um 17:11 Uhr)
"Life is what happening, while you busy making other plans"
John Lennon
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09.02.2008, 23:48Inaktiver User
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Hallo Meermin,
Zitat von Meermin
es gibt natürlich Menschen mit Macken, aber wenn Dir jemand so dermaßen die Luft nimmt, Kontrolle ausübt bzw. Dich dazu bringt, Situationen nur noch kontrolliert zu "überleben", würde ich davon ausgehen, dass es etwas in diese Richtung ist.
Was ein psychiatrisches Gutachten ergäbe, kann von hier aus kein Mensch sagen. Es geht wohl eher um die Muster als um die Diagnose und wie man damit umgeht.
Dir auch alles Gute
vita
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10.02.2008, 00:03
AW: Borderline - wie als Freundin damit umgehen?
Hallo Med,
irgendwie gibt es hier - wie immer im Leben - keine Patentrezepte. Sicher ist nur, dass es ein langer harter Weg ist, für sie da zu sein. Wie der aussieht? Da zu sein, wenn man kann. Sich rauszuziehen, wenn es nicht mehr geht und sie das verkraftet.
Dieses Vabanque-"Spiel" kann man sicher lernen. Aber es geht auf die Kosten der eigenen Kraft und Seele.
Befrag Dich selbst nach Deiner Kraft. Wenn Du diese Kraft hast, dann hast Du auch die Geduld, Härte und Sensibilität, mit ihr und für sie da zu sein.
Ich hatte einmal die Kraft für eine gute Freundin. Das zweite Mal habe ich nicht geschafft - es hätte mich selbst kaputt gemacht.Liebe Grüße,
samsona


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