Ich wurde schon so geboren.
Es war immer so. Mir fällt es nur als Erwachsene vermehrt auf:
Ich bin sehr sehr nah am Wasser gebaut. In meiner Familie ist sonst keiner so empfindsam, selbst bei Beerdigungen bleiben viele total cool. Nur eine Tante von mir ist genau so wie ich. Früher hieß es immer: "Tante Lisa knatscht immer".
Warum ich heule?
Ich weiß es gar nicht.
Es ist meistens bei Musik. So melodramatische Sachen:
"Das Piano" zum Beispiel. Oder auch bei Kirchenmusik in einfacher Molltonlage. Bei Beerdigungen heule ich grundsätzlich immer, egal ob ich den Betroffenen kenne oder nicht.![]()
Die Situation muss gar nicht traurig sein. Es kann auch durchaus eine ganz normale und fröhliche Situation sein: Z.B. am Ende eines Konzertes, alle klatschen, und ich habe die Tränen in Augen.
Oder am Geburtstag. Man will mir gratulieren, und ich schluchze.
Das hat schon für viele befremdliche Blicke gesorgt.
Offensichtlich stimmt bei mir irgendwas mit dem Reizfilter nicht. D.h. die Musik oder Stimmung geht mir sofort in die Seele und wütet dort.
Ich fühle mich i.d.R. ja ganz ok damit, und wenn ich alleine irgendwo bin, fällt es nicht auf. Aber vielleicht kann man es doch trainieren, mit solchen Situationen anders umzugehen. Oder fehlt da noch in meinem Kopf? Ich kann auch lachen, laut und lange.
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Ergebnis 1 bis 10 von 12
Thema: Zu nah am Wasser gebaut
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06.01.2008, 12:50Inaktiver User
Zu nah am Wasser gebaut
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06.01.2008, 13:01Inaktiver User
AW: Zu nah am Wasser gebaut
Mir geht es ganz ähnlich wie dir. Ich bin empfindsam, kann über alle Maßen lachen und weinen, wenn andere keine Miene verziehen. Noch nie habe ich ein "Stille Nacht, Heilige Nacht" ohne Tränen in den Augen über mich gebracht. Und?
Ich bin so, ich will nicht anders sein. Solltest du auch nicht
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06.01.2008, 13:10Inaktiver User
AW: Zu nah am Wasser gebaut
ich nehme an, das ist einfach so - und nicht unbedingt zu ändern, zumal du ja davon sprichst, dass es nciht unbedingt mit traurigen Ereignissen oder einer traurigen Grundstimmung zusammenhängt.
Eine Freundin von mir ist auch so, nervt gelegentlich schon, aber so ist sie halt ;-)
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06.01.2008, 16:33
AW: Zu nah am Wasser gebaut
hallo schlumpfine,
vielleicht hilft's einfach, wenn du weißt, dass du gar nicht allein bist da am wasser?
mir geht's ähnlich wie dir, ganz besonders das hier:
Die Situation muss gar nicht traurig sein. Es kann auch durchaus eine ganz normale und fröhliche Situation sein: Z.B. am Ende eines Konzertes, alle klatschen, und ich habe die Tränen in Augen.
Oder am Geburtstag. Man will mir gratulieren, und ich schluchze.
Das hat schon für viele befremdliche Blicke gesorgt.
könnte genauso von mir sein.

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07.01.2008, 01:31
AW: Zu nah am Wasser gebaut
Hallo Schlumpfine,
ich find's schön, dass du Bewegendes so nah an dich heranlassen kannst, dass es dich wirklich berührt. Viele können das gar nicht. Oder sie trauen sich vielleicht nicht.
Natürlich mag mal jemand irritiert sein von deinen Gefühlsausbrüchen, und es wäre praktisch, deine sichtbaren Reaktionen kontrollieren und unterdrücken zu können, wenn's grad unpassend erscheint, im Job z.B., wenn toughes Auftreten angesagt ist. Aber ich fürchte, du kannst nicht beides haben. Bist du leicht zu rühren, dann sieht man das eben.
Bei mir kommt das auch vor, sicher nicht so häufig, aber manchmal überraschend, heftig und sehr sichtbar (ich hatte z.B. mal einen Rührungstränenausbruch im Auto, ausgelöst von einem Röschen auf einer Verkehrsinsel
- fühlte sich gut an, aber erklär das mal jemandem!).
Ich hab die Erfahrung gemacht, dass Menschen, wenn sie älter und erwachsener werden, den Tränen anderer gelassener und toleranter begegnen. Ich selbst finde es hinreißend, wenn jemand so lebendig und offen ist, dass ihn/sie Rührendes rührt."Oh good! Nobody here but People."
Veta Louise Simmons in Harvey von Mary Chase
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07.01.2008, 07:00Inaktiver User
AW: Zu nah am Wasser gebaut
Ich bin was das angeht sehr komisch. Das schlimmste sind bei mir Dokus über den 2. Weltkrieg und/oder den Holocaust, da heule ich wie ein Schloßhund. Ähnlich schlimm ist es bei (heroischen) Filmen, aber auch z.B. bei Lovestory.
Abschiede dagegen, oder die Trennung von einer Partnerin - gar nichts, nicht mal ein feuchter Augenwinkel.
Irgendwas ist bei mir nicht ganz richtigGeändert von Inaktiver User (07.01.2008 um 07:03 Uhr)
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07.01.2008, 10:40Inaktiver User
AW: Zu nah am Wasser gebaut
Ich kenne das auch, allerdings heule ich selten, wenn es um Gefühle aus dem realen Leben geht. Bei Beerdigungen beispielsweise verziehe ich keine Miene. Aber wehe, es läuft ein trauriger Film (kann auch ein Zeichentrickfilm sein), dann hält mich nichts mehr. Nur die Andeutung von traurig lässt die Tränen bei mir fließen. Und Tierfilme gehen gar nicht bei mir. Mir tun die Tiere immer so Leid, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass die wirklich Spaß bei so etwas haben. Ich heule auch, wenn ich Preisverleihungen sehe und sich jemand wahnsinnig freut.
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07.01.2008, 19:32Inaktiver User
AW: Zu nah am Wasser gebaut
Ich danke euch sehr herzlich für eure Antworten. Es beruhigt mich und tut gut, zu wissen, dass ja andere auch so sind wie ich.
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07.01.2008, 19:43
AW: Zu nah am Wasser gebaut
Du kannst es Dir wahrscheinlich nicht vorstellen, aber ich beneide Dich!
Wie oft habe ich mir schon in bestimmten Situationen gewünscht, weinen zu können - und es ging nicht. Dabei wäre es in dem Moment soooo befreiend gewesen, Tränen statt Magenschmerzen, Tränen statt Engegefühl in der Brust. Meine Ärztin sagte mal, das Weinen ganz wichtig für die Psychohygiene sei. Da kann ich ihr nur zustimmen.
Wenn Deine Umgebung ein Problem mit Deinen Tränen hat - so what! Das ist nicht Dein Problem, sondern das der Leute, die Dich nicht verstehen können.
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07.01.2008, 20:01Inaktiver User
AW: Zu nah am Wasser gebaut
@ sawlanut


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