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    verwirrt Wie sag ich es meiner Vaterfigur?

    Ich bin gerade ziemlich durch den Wind. Aus guten Gründen die hier auch gar nicht interessieren habe ich keinen Kontakt zu meiner Famile und bin auch seit ich etwa 12 bin auch vollkommen auf mich allein gestellt da meine Eltern einfach nicht in der Lage waren für mich sorgen. Rückblickend absolut ein Fall fürs Jugendamt.
    Ich (Anfang 20) hab mich aber bisher echt gut durchgewurschtelt und find mich im Leben gut zurecht und habe auch einen sehr lieben Freund (Mitte 20).
    Irgendwie find ich es aber wirklich anstrengend mich so allein zurecht zu finden im Leben ohne "Ratgeber". Ich hätte so gerne auch Eltern oder zumindestens jemand elternähnliches, dem ich einfach wichtig bin und der stolz auf mich ist, der Lebenserfahrung hat und mich berät und begleitet, und jahreszeitbedingt natürlich auch jemand der mich Weihnachten dahaben will zum Beispiel.
    Seit einem Jahr gibt es bei mir auf der Arbeit jemanden, der so in die Richtung geht. Bevor ich ihn kennengelernt habe war ich immer ziemlich hart und wäre nie auf die Idee gekommen, dass ich gerne eine Bezugsperson hätte, aber seine liebe Art hat mich doch irgendwie aufweichen lassen. Er ist mitte 50, kinderlos und in einer glücklichen Beziehung (nur damit da keine falschen Gedanken kommen). Er mag mich offensichtlich sehr gerne und ich ihn auch. Außerdem hat er einen ganz ausgeprägten Beschützerinstinkt mir gegenüber, obwohl ich ja eigentlich ganz gut auf mich alleine aufpassen kann. Wir reden zwar auch häufiger über privates, allerdings immer nur auf der Arbeit oder bei Veranstaltungen wie der Arbeits-Weihnachtsfeier oder so. Ich hätte so gerne "mehr" mit ihm, weiß aber nicht wie ich das anstellen soll. Und mit "mehr" meine ich jetzt nicht Sex/Liebschaft sondern väterlicher Freund. Ich weiß nur nicht wie ich das anstellen soll.

    Wegen Altersunterschied und Hierachie kann ich ihn halt schon nicht einfach mal fragen ob wir was privat machen wollen. Er soll das ja auch nicht falsch verstehen. Auf der anderen Seite möchte ich ihm auch nicht einfach sagen WARUM ich mit ihm gerne mehr Zeit verbringen möchte, da ich Angst habe ihn zu verschrecken (so wie im Film wenn die Frau sagt "Ich liebe dich!" und der Mann dann panisch abhaut weil er Angst vor Verpflichtungen hat). Und einfach auf der Arbeit mehr mit ihm machen geht auch nicht so recht, weil wir auch schon so ein bisschen komisch beäugt werden und solchen Leuten ja auch bestimmt nichts besseres einfällt als das wir garantiert ein Verhältnis haben anstatt das wir uns einfach gern haben.
    Noch dazu werde ich in einigen Monaten auf eine Stelle im Ausland wechseln und ich habe Angst, dass wir dann kaum noch Kontakt haben werden wenn vorher nicht noch etwas passiert.
    Ich weiß echt nicht was ich machen soll. Hat das jemand von der anderen Seite aus mal erlebt? Oder kann mir sonst was raten?

  2. Inaktiver User

    AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?

    Hallo aquacolor, mir geht es so ähnlich - ich such(t)e mir andere Mutterfiguren, weil's mit meiner nicht so sonderlich gut klappt. Meine wichtigste ist meine frühere Lehrerin. Ich hab sie - nachdem unser offizieller Kontakt beendet war (das wäre mir wichtig, auch in deiner Situation) drauf angesprochen, dass mir vieles, was sie so von sich gab, zu denken gab und ich mich gerne näher drüber unterhalten würde. Daraus hat sich ein Treffen zum Kaffee ergeben; da hab ich ihr dann auch gesagt, dass ich von ihr viel gelernt habe und mir wünschen würde, dies auf persönlicher Ebene weiter zu dürfen. Mittlerweile hat sich ein herzlicher Kontakt daraus entwickelt.

    Daher: vielleicht traust du dich, das ganze zu einem Anlass außerhalb der Firma anzusprechen - eine nette Weihnachtskarte oder Wünsche zum Neuen Jahr (dir, lieber XY, wünsche ich... udn ich würde mich freuen, wenn wri unseren Kontakt im Neuen Jahr intensivieren könnten)?
    Allerdings würde ich persönlich das Risiko nicht eingehen, dass er etwas falsch versteht, falls er dein direkter Vorgesetzter ist: dazu wäre mir die Arbeit zu wichtig.

    Alternativ: viele Firmen haben Mentoren-Programme (hier was spezifisch zur Frauenförderung http://www.dji.de/4_mentoringfrauen/titeldt.htm - ich finde, die Konzepte sind in dieser Broschüre recht schlüssig dargelegt), wo ein älterer Arbeitnehmer einen jüngeren in Karriere- (aber auch persönlichen, so das beide wollen) Fragen berät. Ihn zu fragen, ob er dein Mentor sein möchte, finde ich auch im beruflichen Umfeld (und auch, wenn er dein Vorgesetzter ist) völlig in Ordnung. Und wie stark sich die Sache dann intensiviert, hängt von euch beiden ab.

  3. Avatar von Malina70
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    AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?

    Hallo Aquacolor,

    ich kann Dich gut verstehen, weil ich mir auch immer solche Vaterfiguren gesucht habe, obwohl meine eigene Familie gar nicht zerrüttet ist (aber mir hat in der Hinsicht wohl immer was gefehlt).

    Ich glaube, ich würde, wie Tanguera schon vorgeschlagen hat, dem Mann jetzt zu Weihnachten oder zum Jahreswechsel schreiben. Und zwar würde ich ihm schreiben, dass ich den Jahreswechsel mal zum Anlass nehmen wollte, ihm für seine Fürsorge und seine väterlichen Ratschläge zu danken, die mir sehr viel bedeuten würden und dass ich froh wäre, mich auch mal mit privaten Dingen an ihn wenden zu können, da mir seine Meinung und seine Lebenserfahrung sehr wichtig wären. Und ich würde mich sehr freuen, wenn ich mich auch, wenn ich Ausland wäre, mal an ihn wenden könnte, wenn ich einen Rat bräuchte.

    Wenn er von Deiner Familiensituation ungefähr weiß, würde ich durchaus schreiben, dass Dir manchmal eine Art Vaterfigur fehlen würde.

    Ich glaube, solche Worte wird kein Mann missverstehen. Und bin auch ziemlich sicher, dass er sich darüber freuen und positiv antworten wird. Und dann schaust Du einfach weiter. Halte den Kontakt, ohne übermäßig aufdringlich zu sein, schreib ihm z.B. regelmäßig aus dem Ausland und erzähl, wie es Dir so geht.

    Und dann lass den Dingen ihren Lauf. Wenn er die Rolle, die Du Dir von ihm wünschst, einnehmen will, dann wird es sich ganz von selbst ergeben. Wenn er sich eher distanziert, weil es ihm zu eng wird, dann würde ich das auch akzeptieren und eben soviel von ihm nehmen, wie er zu geben bereit ist.

    Viel Glück,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)


  4. Registriert seit
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    AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?

    Hallo,

    vielen Dank für eure Antworten! Tut gut zu hören, daß auch andere solche Gedanken haben.
    Von meiner Nicht-Familiensituation weiß er nichts. Ich hab mich da bisher immer rausgeredet wenn das Gespräch irgendwie in die Richtung ging. Und das mit dem Brief muß ich mir mal überlegen. Vielleicht sag ich ihm das auch einfach wenn ich ihn nächstes Jahr sehe. Ich muß da erst mal ein bisschen meine Gedanken sortieren.
    Habt ihr eigentlich jemandem davon erzählt, daß ihr diese Menschen so seht? Euren Partnern oder so?

    aquacolor

  5. Inaktiver User

    AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?

    Vielleicht kannst du auch sagen "so einen Vater wie dich/Sie habe ich mir immer gewünscht" und dann schauen, was kommt. In einem Gespräch ist es einfacher, aufkommende Missverständnisse zu klären. Setzt aber voraus, dass du dich öffnen kannst und willst.

    Ja, warum nicht jemandem davon erzählen? Es ist ja nichts verwerfliches, so zu empfinden. Schon gar nicht in Deiner Situation. Ich kann verstehen, dass Du vorsichtig bist, was Deine Gefühle betrifft. Aber wenn Du nur ein klein wenig aus der Deckung wagst, wirst Du erfahren, wie positiv die meisten Menschen darauf reagieren.

    Nur Mut, Kleines.

  6. Avatar von Malina70
    Registriert seit
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    AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?

    Gespräch hat aber halt eben auch den Nachteil, dass man sich kurz fassen muss (man will ja keine Rede halten), und der andere ist gezwungen, irgendwie zu reagieren, auch wenn er sich gerade etwas überrumpelt fühlt.

    Ich mache solche geständnishaften persönlichen Dinge lieber schriftlich. Da kann ich selbst lang genug überlegen, wie ich es formuliere und der andere auch.

    Warum solltest Du Deinem Freund nicht davon erzählen? Ich finde, enge Bindungen auch außerhalb der Beziehung wichtig. Und wenn die Familie das nicht leisten kann, warum sollte dann nicht ein andere Mensch diese Rolle übernehmen?

    Viele Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)


  7. Registriert seit
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    AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?

    hallo aquacolor,

    ich würde erst mal nichts weiter unternehmen. im rahmen der arbeit wäre mir persönlich das viel zu persönlich. du sprichst es schon selbst an, möglicher weise überfordert ihn das oder es entstehen mißverständnisse. ich würde einfach die fürsorge genießen und dankbar sein, dass man auch von wo anders bekommen kann, wo die eigenen eltern versagt haben. ist doch ein schönes geschenk.

    vlg miss smith

  8. Inaktiver User

    AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?

    Hallo aquacolor,

    ich kann Deine Sehnsucht gut verstehen. Trotzdem - das mit dem Ersatzpapa kann nicht funktionieren! Über kurz oder lang wirst Du die Konflikte die Du mit Deinem leiblichen Vater hast auf ihn projezieren und entäuscht sein. Und er wird Deine Erwartunghaltung nicht erfüllen können. Du verschiebst hierbei aus meiner Sicht ein Problem, daß Du so nicht lösen kannst. Versuche das anders aufzuarbeiten und suche Dir gleichaltrige Freunde.
    Die Beziehung die ihr jetzt habt würde ich so belassen.

    LG Woman

  9. Inaktiver User

    AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Trotzdem - das mit dem Ersatzpapa kann nicht funktionieren! Über kurz oder lang wirst Du die Konflikte die Du mit Deinem leiblichen Vater hast auf ihn projezieren und entäuscht sein.
    Das halte ich für zumindest nicht universell gültig - meine Ersatz-Mutterbeziehung hält seit 8 Jahren. Und wenn ich meine ganzen Konflikte auf sie projizieren würde, wär sie schneller beendet gewesen, als sie angefangen hätte

  10. Avatar von Malina70
    Registriert seit
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    AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?

    Hallo,

    ich finde die genannten Bedenken auch aus der Luft gegriffen. Und ich bin sicher, dass es gute Ersatz-Eltern-Beziehungen gibt, vorausgesetzt, dass sich beide Seiten nicht mit unrealistischen Erwartungen unter Druck setzen und man nicht etwas nachzuholen versucht, was nicht mehr nachzuholen ist. Unter Erwachsenen sieht eine Eltern-Kind-Beziehung ja nun mal anders aus, als wenn ein Teil noch minderjährig ist.

    Ich habe aber den Eindruck, dass die TE die Sache realistisch einschätzt. Und ich finde, man sollte auch mal was wagen im Leben, wenn auch mit Augenmaß und vernünftiger Risikoabschätzung.

    Gruß,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

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