Nee aus der Luft gegriffen ist dies sicher nicht. Mit 20 ist man noch lange nicht erwachsen und gerade wenn es Probleme in der Kindheit gab, ist da sicher noch einiges unverarbeitetes da. Tschuldige aquacolor sicher kann ich das bei Dir nicht beurteilen und möchte dies auch nicht. Ich spreche aus Erfahrung.
Allein der Wunsch nach einem Ersatzpapa zeigt die kindliche Ebene. Und daraus entstehen leicht Abhängigkeiten.
Ersatzmama für junge Arbeitskolleginnen war ich auch schon mal. Den Ersatzpapa fanden sie im Ausbilder der dann letztlich, wie sich viel später herausstellte, seine Stellung zum sexuellen Mißbrauch ausnützte.....Das mag ein Extrembeispiel sein aber so locker sehe ich es halt nicht mehr wie ihr.
Auch spielen ältere Männer gerne mal den Beschützer und sind sich über ihre eigentliche Motivation nicht klar. Mann fühlt sich gerne gebauchpinselt wenn eine Jüngere zu ihm aufblickt.
Aquacolor überprüfe einfach nochmal den Hintergrund Deiner Wünsche und guck wie realistisch sie sind.
LG Woman
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25.12.2007, 23:49Inaktiver User
AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?
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27.12.2007, 08:14Inaktiver User
AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?
Hallo Aqua,
ich schleiche nun schon ein paar Tage um das Thema, weil es mich berührt.Ich weiß echt nicht was ich machen soll. Hat das jemand von der anderen Seite aus mal erlebt? Oder kann mir sonst was raten?
Auf der "anderen Seite" habe ich es nicht erlebt, aber von Deiner Seite aus schon.
Als ich in etwa Deinem Alter war, hatte ich auch einen "Ersatzvater", der mir in 7 Jahren (von unserem Kennenlernen bis er starb) mehr gegeben hat, als es mein Vater wohl je konnte (auch ich habe eine Vergangenheit, die vielleicht in die Richtung gehen könnte, die Du angedeutet hast).
Hier habe ich neulich ein bisschen darüber geschrieben:
http://www.brigitte.de/foren/showpos...23&postcount=7
"Ins Gesicht gesagt" habe ich es ihm zwar nie, aber das war auch nicht nötig. Ich denke, wir beiden wussten genau um die Qualität der Beziehung.
Die Beziehung hat mir damals eine grosse Chance zur Selbstentwicklung gegeben, die ich ausgeschöpft und genutzt habe.
Er war damals auch der einzige Mann, von dem ich mir je einen Rat geben habe lassen, bzw. den ich um Rat gefragt habe - von ihm habe ich damals gelernt, dass ein "guter Rat" nicht zwangsläufig mit Druck zu tun hat (sprich: man kann den Rat annehmen, muss aber nicht - und wenn man es nicht tut, verschlechtert es deswegen nicht zwangsläufig die Qualität der Beziehung).
Die 7 Jahre in dieser Beziehung haben mich wachsen lassen, teilweise sogar über mich hinaus.
Als der Mann starb, brach für mich erst mal eine Welt zusammen, aber ich war so stabil (ich war auch vorher schon ein stabiler Mensch, nur konnte ich ab und zu meine Wahrnehmung nicht immer mit meinem Selbstvertrauen "kombinieren"), dass ich den eingeschlagenen Weg weiter gehen konnte.
In den 7 Jahren konnte er einen wichtigen Teil meines Werdegangs mit verfolgen, u.a. die Adoption meiner Tochter und die Inobhutnahme meiner Pflegetochter.
Einer der schönsten Momente war, als wir ein halbes Jahr nach der Adoption unserer Tochter in das Land flogen, in dem er lebte und sie ihm vorstellten.
Es hängt noch heute ein Bild über meinem Schreibtisch, das ihn zeigt, wie er meine Tochter in den Armen hält und sie innig ansieht :-).
Er hat sie nur zweimal gesehen, meine Pflegetochter hat er leider nie kennengelernt.
Abhängig hat er mich nie von sich gemacht (gerade das war für mich auch wichtig zu erfahren, dass es auch Beziehungen geben kann, in denen es der "Ratgeber" nicht als "Erfolg" für sich sieht, wenn der "Ratnehmer" von ihm emotional abhängig ist. Ich hatte früher viel Furcht davor, dass man mich von sich abhängig machen will und war sowas wie ein "runawaygirl", das schon beim geringsten Verdacht des "Ahängigmachenwollens" die Flucht ergriff) , aber mir ein Gefühl von Wärme gegeben, das ich vorher nie gekannt hatte und rückblickend ist mir klar, dass es für uns beide ein Geben und Nehmen war.
Da er in seiner Heimat "nicht unbekannt" war, hat es ihm vermutlich auch gut getan, dass ich ihn ihm nicht den "Promi" gesehen habe, sondern einen "ganz normalen Menschen".
Ich habe zu ihm nicht als "Berühmtheit" aufgesehen, wohl aber auf seine Lebenserfahrung, die er mit sich gebracht hat.
Er war für mich kein "Prestigeaushängeschild", sondern ein Mensch, der durch seine Lebenserfahrung ganz viel an mich weitergeben konnte. Nie wäre ich mit unserer Bekanntschaft "hausieren" gegangen und ich bin sicher, er hat das gespürt.
Ich kann mir rückblickend vorstellen, dass ihm das genauso gut getan hat wie mir seine "väterliche" Unterstützung und Bestärkung, die ich in den Jahren durch ihn erfahren habe.
Wenn ich Dir nun einen Rat geben kann:
geniesse es und schöpfe es für Dich aus. Ich bin sicher, dass so eine Beziehung gar nicht einseitig sein kann, sondern immer auf Gegenseitigkeit beruht.
Alles Gute Dir!
Geändert von Inaktiver User (27.12.2007 um 09:32 Uhr)
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27.12.2007, 13:54
AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?
Hallo aquacolor,
wenn Du Dir sicher bist, dass er Euer Verhältnis auch als eine Art Vater/Tochter-Beziehung sieht, würde ich auch ganz offen sein.
Die Frage ist nur: bist Du Dir wirklich sicher, dass er nicht mit Dir flirtet?
Flirten und gegenseitige Attraktivität muss ja nicht immer zielgerichtet sein. D.h, es muss ja nicht die Absicht dahinter stehen, sich in sexueller Hinsicht zu nähern.
Ich habe schon oft erlebt, dass ich zu älteren Arbeitskollegen ein sehr freundschaftliches und wohlwollendes Verhältnis hatte.
Sie berieten mich, waren mir wohl gesonnen, spielten gerne die Rolle des erfahrenen Mentors.
Die Herren hatten sicherlich auch keinerlei sexuellen Absichten.
Basis des guten Verstehens war aber denke ich doch zu einem guten Teil, dass sie sich geschmeichelt fühlten, dass eine junge attraktive Frau sich für sie interessiert.
Dass sie Generations-übergreifend „mithalten“ können.
Sicher war der persönliche und freundschaftliche Austausch Balsam für beider Seiten Seele, und sie standen gerne als eine Art Mentor und Beschützer zur Verfügung.
Aber ganz ehrlich, ich glaube sie wären doch gekränkt, wenn ich sie zum väterlichen Neutrum ernennen würde.
Ich denke schon, dass die Herren auch ganz ohne Hintergedanken trotzdem gerne als Männer wahrgenommen werden.
Ich könnte mir vorstellen, dass sich nicht jeder in einer solchen Situation mit dem Begriff „Vaterfigur“ identifiziert, obwohl es inhaltlich so etwas ähnliche ist.
Deshalb würde ich den Begriff Vaterfigur oder ähnliches meiden.
Allerdings würde ich schon direkt und deutlich sagen, dass Du seinen Rat und seine Lebenserfahrung schätzt. Er wird sich bestimmt geschmeichelt fühlen und Dir gerne helfen.
Warum benötigst Du gleich eine Art Generalvollmacht?
Wenn Du ein konkretes Anliegen hast, (meinetwegen auch privater Natur,) frage ihn einfach, ob Du auch mal privat seinen Rat haben kannst.
Ich bin mir fast sicher, dass er offen dafür sein wird.
Das wird euer Verhältnis mit Sicherheit auch so auf eine persönlicherer Basis heben.
Du kannst ihm doch ruhig auch mal bei passender Gelegenheit von Deiner Kindheit erzählen.
Und warum nicht offen sein, dass Dir oft Rat von jemandem erfahreneren fehlt. Auch so Dinge, wie die fehlende Nestwärme an Weihnachten kann man unabhängig davon bei passender Gelegenheit mal zur Sprache bringen.
Du musst es ja nicht direkt als Appell an ihn adressieren, sondern kannst einfach mal ganz neutral aus dem Nähkästchen plaudern.
Ich denke, wenn er bereit ist, sich mehr einzubringen und das auch mit seiner Partnerin vereinbar ist, wird er Dir von sich aus entgegenkommen.
Wenn er es nicht will, kannst Du es so oder so nicht erzwingen.
Voraussetzung ist aber, dass er Deine Bedürfnisse kennt.
Ich wäre ihm gegenüber deshalb schon recht offen.
Nur „kastrieren“ durch Begriffe wie Vaterfigur würde ich ihn eben nicht.
Viele Grüße
Mystery
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30.12.2007, 19:53Inaktiver User
AW: Wie sag ich es meiner Vaterfigur?
Hallo Aqua,
und.....hast Du es ihm gesagt? *binneugierigichweiss*
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04.01.2008, 11:05Inaktiver User
Es gibt da einen Ausdruck: Nachbeeltern
Hallo Aqua,
diesen Ausdruck habe ich einmal gelesen über den Umstand, daß man sich als Erwachsene/r das holt, was einem als Kind vorenthalten wurde. Meiner Meinung nach stimmt das und ist eine sehr gesunde Umgangsweise mit sich selbst. Als Kind ist man abhängig davon, was man von der Umwelt bekommt, aber als Erwachsener kann man für sich selbst sorgen und auch die Defizite, die man spürt, nachträglich ausgleichen. Ich beglückwünsche Dich, daß Du das suchst und die eventuelle Chance darauf auch nutzen willst. Ich nenne so etwas Wahlverwandtschaften. Eine sehr schöne Sache. So etwas habe ich auch. Mein ehemaliger Tutor, ich damals 17, er 31J. haben uns über gemeinsame Interessen angenähert (übrigens völlig asexuell von beiden Seiten, naja, attraktiv war er schon, aber darum ging´s nicht). Er war für mich so ein Zwischending. Nicht ganz Vaterfigur, aber doch lebenserfahrener als z.B.gleichaltrige Freunde. Der Schritt ins private war ein fließender Übergang, denn als junger Oberstufenlehrer hat er gerne mal seine Tutandengruppe nach Hause eingeladen. Ich habe auch gleich seine Frau kennengelernt. Wir waren uns alle sehr sympathisch, hatten uns auch viel zu erzählen, auszutauschen. Es hat einfach alles gestimmt. Dann bekamen sie Kinder und heute ist mein Patensohn 21 Jahre alt und wir verstehen uns alle prima. Eine Wahlfamilie eben. Für beide Seiten.
(Übrigens haben sich die, wenn man das abstufen will, Wertigkeiten der Beziehung etwas verändert über die mittlerweile 25 Jahre, die wir befreundet sind. Mit meinem Patenkind bin ich emotional am engsten verknüpft, vom gegenseitigen Verständnis her mit der Frau meines "Ex-Tutors". Mit ihm bereichert mich der Austausch über Interessen am meisten und mit der Tochter diskutiere ich über die neuesten Entwicklungen etc.pp. ) Das ist das reine Rundum-Wohlfühlpaket.
Aber rückblickend muß ich sagen, das wir nichts forciert haben. Und wir haben uns gegenseitig auch "gebraucht". Nicht existentiell, aber zusammen war es eben schöner. Und es war von beiden Seiten - oder besser gesagt von allen Seiten - auch gewünscht. Es hat halt einfach gestimmt.
An deiner Stelle würde ich mal schauen, ob man das nicht privatisieren kann, aber gleich auf der familiären Ebene! Gibt es eine Möglichkeit, ihn und seine Frau zu besuchen, sie auch mal kennenzulernen?
Viel Glück und ToitoitoiGeändert von Inaktiver User (04.01.2008 um 11:14 Uhr)
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16.02.2008, 22:06
AW: Es gibt da einen Ausdruck: Nachbeeltern
Hallo,
danke fuer eure Antworten.
Eigentlich wollte ich das gleich Anfang Januar in Angriff nehmen, aber dann ging beruflich (insbesondere in einem sehr wichtigen gemeinsamen Projekt) alles moegliche schief und es war und ist alles ganz stressig. Und wird wohl auch die restlichen Wochen so stressig bleiben.
Und ausserdem bin ich ganz angekotzt und enttaeuscht von ihm. Er ist im wesentlichen der Grund fuer den Stress, wobei es fuer mich sehr wichtig ist, dass das Projekt gut laeuft, waehrend er sich da einfach aus der Verantwortung stiehlt.
Ich weiss halt nicht, ob er mich da ins Messer hat laufen lassen, weil es ihm egal ist, oder ob er das echt nicht vorhergesehen hat obwohl er sich ernsthaft bemueht hat.
Und dann vermisch ich halt den beruflichen Frust mit dem persoenlichen Frust. Das Gefuehl, dass ich ihn mir die ganze Zeit nur schoengeredet habe, weil ich so gerne jemanden haette. Und Angst und Enttaeuschung, dass ich jetzt doch keinen gefunden habe und auch nicht wuesste, wo ich sonst sojemanden finden kann.
Ich bekomme es zwar schon hin mit ihm "professionell" zu arbeiten, aber wenn es dann mal eine persoenliche Situation gibt mag ich echt nicht nett sein, weil ich so enttaeuscht ueber seine Inkompetenz bin bzw. nicht weiss, ob es Inkompetenz oder Gleichgueltigkeit ist.
;-(
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17.02.2008, 22:56Inaktiver User
AW: Es gibt da einen Ausdruck: Nachbeeltern
das tut mir Leid für dich...
trotzdem halte ich deine Erkenntnis auch ein stückweit für "notwendig": auch bei "normalen" Eltern kommt irgendwann (meist in der Pubertät) die "Entzauberung", die Erkenntnis, dass sie nicht alles können, nicht (nur) gut sind... sondern ganz normale Menschen, mit allen Fehlern und Schwächen.
So wird das auch mit deiner Vaterfigur sein: vermutlich hatte er schon vorher diese Seiten, du konntest und/oder wolltest sie nicht sehen.
Kannst du denn den beruflichen Frust mit ihm konstruktiv ansprechen?
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18.02.2008, 00:37
AW: Es gibt da einen Ausdruck: Nachbeeltern
Hi Tanguera,
meinst du damit: keiner ist perfekt, auch deine Wunschfigur nicht. Das ist vollkommen normal und nichts schlimmes. Also nicht so wichtig nehmen, jemand "perfektes" gibt es halt nicht.
oder
gut, dass du dich ihm nicht anvertraut hast. Vergiss es einfach.
Ich hab ihn auf die beruflichen Probleme angesprochen, woraufhin er erstmal komplett ausgetickt ist, da er ja niemals irgendetwas falsch machen wuerde (er ist halt perfekt seiner Meinung nach). Und nach einem ziemlich heftigen Streit genau darueber, hat er es wohl eingesehen, dass er mich da echt uebelst im Stich gelassen hat und gelobt Besserung und hat sich auch schon deutlich verbessert. Das muss ich auch mal sagen.
Es ist halt nur jetzt vielleicht zu spaet um die Sache noch zu retten. Auch wenn er sich entschuldigt hat und sich jetzt deutlich mehr bemueht. Was seine Arbeitsleistung von 5 auf etwa 3+ hebt...was fuer ein Scheiss.
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18.02.2008, 07:05
AW: Es gibt da einen Ausdruck: Nachbeeltern
Hallo aquacolor,
Zitat von aquacolor
ich würde Tanguera im ersten Sinne verstehen und sehe das selbst auch so. Ich glaube, eine wirklich stabile menschliche Beziehung muss auch mal durch eine Krise gehen, die eine oder andere Desillusionierung aushalten, um gefestigt zu werden.
Natürlich ist jede Entzauberung eines strahlenden Helden irgendwo auch schmerzhaft, weil wir uns ja alle wünschen, dass andere Menschen so perfekt sind, wie wir niemals sein werden. Aber ich habe auch festgestellt, dass es sich lohnt, auch nach so einer Entzauberung dem betreffenden Menschen treu zu bleiben. Die Beziehung wandelt sich dann notwendigerweise, aber sie muss dadurch nicht schlechter werden. Sie wird einfach realistischer, und man lernt, einen anderen Menschen wirklich anzunehmen. Das kann auch ein großer Gewinn sein.
Dass der Mann sich entschuldigt hat und Besserung nicht nur gelobt, sondern auch aktiv zeigt, finde ich schon sehr achtenswert!! Und ich finde auch, dass es eine gute Grundlage für eine Weiterentwicklung dieser Beziehung ist. Durch seine Schwächen werdet Ihr ja auch ein Stück weit gleichwertiger, d.h. Du verlierst vielleicht einen Helden und gewinnst einen Freund, dem Du durch Dein Feedback vermutlich auch etwas gegeben hast. Das muss ja nicht unbedingt schlechter sein als der vorherige Zustand.
Ich würde einfach mal ein wenig abwarten, bis Deine ärgste Wut und Enttäuschung verraucht ist und dann versuchen, eine neue Form des Miteinanders zu finden.
Viele Grüße,
MalinaDu hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)
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18.02.2008, 13:28Inaktiver User
AW: Es gibt da einen Ausdruck: Nachbeeltern
so hab ich's auch gemeint - danke, Malina, für die Ausführung, das trifft genau, was ich sagen wollte.
Und schau: mehr, als eine (wenn auch erst nach langen Diskussionen) Anerkennung seiner Fehler, dem Versprechen der Beserung UND AUCH NOCH der Einhaltung dieses Versprechens kann man eigentlich nicht verlangen, denke ihc.


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