Die Überschrift sagt eigentlich alles: wie "sortiert" ihr euch wieder, wie bewältigt ihr neue Erkenntnisse?
Ich bin gerade in einer Zwischen-Phase (Promotion-Berufsanfang), in einem fremden Land, habe totale Auszeit von meinem normalen Umfeld, meiner normalen Arbeit. Kombiniert mit Körperarbeit und einer anderen, viel herzlicheren Lebensart hier bewegt sich so einiges in mir; ich verstehe mich selbst besser, auch und ganz besonders wie alles zusammenhängt. So ne Art Rundumschau über mein Leben, beängstigend (von Heulanfällen bis Spontan-Kuscheln alles drin), aber auch schön, so manches jetzt zu verstehen (klingt alles sehr vage, ich weiß - mehr ins Detail zu gehen, führt hier aber glaube ich nicht zum Ziel).
Und jetzt frag ich mich: wie krieg ich das alles auf die Reihe, wie wie daraus ein strukturiertes Gedankengut, ein Weg mit einem Ziel? Ich habe in dieser Lebensform noch 4 Wochen.
Aufschreiben? Tu ich schon.
Drüber reden? Es gibt nur zwei Leute, die mir hier einfielen: der eine ist telefonisch/Internet nicht verfügbar, den anderen will ich bewusst nur teilweise (d.h. zum Ausloten, Beruhigen) einbinden, nicht zur Aufarbeitung. Obwohl ich mir psychologische Hilfe vorstellen könnte (trotz bisher zumeist negativer Erfahrungen), fällt das hier auch weg: so gut komme ich mit der Sprache noch nicht zurecht.
Was tut ihr, wenn Aufarbeiten ansteht? Welche Methoden helfen?
Dankeund Grüße aus der
,
T.
Antworten
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13.12.2007, 20:15Inaktiver User
Wie "sortiert man sich"? Methoden zur Problembearbeitung
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13.12.2007, 22:08
AW: Wie "sortiert man sich"? Methoden zur Problembearbeitung
Hallo Tanguera,
sich sortieren... das "Problem" habe ich auch gerade. Auch ich befinde mich in einer Phase zwischen dem Abschluss meines Studiums und (wieder) Berufsanfang.
Das klingt ja wirklich spannend. Wo bist du denn gerade?
Zitat von Inaktiver User
Also die Erlebnisse, das bessere Verstehen von Zusammenhängen löst solche unterschiedlichen Gefühle in dir aus?So ne Art Rundumschau über mein Leben, beängstigend (von Heulanfällen bis Spontan-Kuscheln alles drin), aber auch schön, so manches jetzt zu verstehen (klingt alles sehr vage, ich weiß - mehr ins Detail zu gehen, führt hier aber glaube ich nicht zum Ziel).
Was möchtest du jetzt genau machen?Und jetzt frag ich mich: wie krieg ich das alles auf die Reihe, wie wie daraus ein strukturiertes Gedankengut, ein Weg mit einem Ziel? Ich habe in dieser Lebensform noch 4 Wochen.
Aus dem gesehenen und erlebten eine Art Konzept für dein weiteres Leben stricken?
Alles eben etwas fassbarer machen, damit du später nichts vergisst?
Aufschreiben ist schon mal gut. Drüber reden auch.
Was würdest du am liebsten noch tun?
Also ich würde wahrscheinlich alles aufschreiben, die Gefühle herauslassen und die Zeit geniessen.
Und wieder zurück zuhause würde ich alles noch mal lesen, die Zeit noch einmal Revue passieren lassen und schauen, was ich jetzt aus dem erlebten machen will.
strandkatze
Was bleibt sind nicht die Tage und Jahre und Stunden, was bleibt sind die kleinen Augenblicke
Du wirst keine neuen Meere entdecken,
solange du nicht den Mut hast, die Küste aus den Augen zu verlieren.
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13.12.2007, 23:30Inaktiver User
AW: Wie "sortiert man sich"? Methoden zur Problembearbeitung
Liebe Tanguera, das ist wirklich schwer zu raten, weil man ja nicht genau weiß, worum's so wirklich geht. Vielleicht löst sich auch gerade viel Stress bei Dir. Aufschreiben ist immer gut. Eigentlich geht's ja im Leben vor allem darum, Prioritäten zu setzen. Mal Dir doch mal einen kleinen Lebenskuchen, mit den Anteilen an den einzelnen Lebenssphären (privat, beruflich etc., oder: Tango, Beziehung, Beruf), damit Du Dir deinen zukünftiges Leben visualisieren kannst. Wie stellst Du Dir das vor, wenn Du aus dem fremden Land wieder zurückkehrst, im Ganzen und en détail? Oder, wenn Du gezielt träumen kannst: Mal Dir Deine Träume auf (die Schlüsselszenen). Und anhand der Schreiberei findet man wirklich viel über sich selbst heraus, man sollte es vielleicht mit ein bisschen Abstand noch einmal durchgehen, dann kristallisieren sich die Kernfragen schon heraus. Außerdem: Du hast noch vier Wochen, das ist viiiel Zeit. Wirst sehen, danach bist Du sowieso schlauer, weil die Zeit für Dich arbeitet!
Ehrenpreis
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14.12.2007, 00:04Inaktiver User
AW: Wie "sortiert man sich"? Methoden zur Problembearbeitung
Dankeschön euch beiden für die lieben Antworten - das mit dem detailliert ausmalen, Ehrenpreis, find ich richtig gut. Träumen... hm. Mal gucken, vielleicht kann ich mein Unterbewusstes ja ein bißchen anschubsen, und um Hilfe bitten...
Strandkatze, hm, was ihc machen möchte, weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich stukturiert nachdenken - es geht dabei weniger um ein Lebenskonzept (das habe ich, daran ändert sich auch nichts), sondern eher um das Verstehen und die Aufarbeitung der Vergangenheit.
Das Gefühlsmäßige erklärt sich auch daraus: ich erkenne, was ich mir angetan habe bzw. habe antun lassen - und manchmal macht es mich total fertig, wenn Menschen trotzdem lieb zu mir sind (heute z.B. hat mir meine Lehrerin gesagt, sie würde sich freuen, wenn ich abends wohin käme und mit ihr tanzte; mein Lehrer hat mich ohne Übungsgrund herzlich in den Arm genommen - diese Aufmerksamkeit und uneigennützige Zuneigung verwirrt mich), gleichzeitig bin ich oft überfordert von allem (wirklich allem; Sprachverständnis, Schmerzen, Busfahren... ) und nahe an den Tränen, ein Zustand, den ich von mir nur sehr selten und eigentlich nur in Depressions-Phasen kenne, aber jetzt eigentlich als ok empfinde.
Auf jeden Fall tut's mir gut zu wissen, dass auch andere diese Nachdenk-Phasen haben! Danke euch beiden nochmal!
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14.12.2007, 12:52
AW: Wie "sortiert man sich"? Methoden zur Problembearbeitung
Erschöpfung und eine gewisse Dünnhäutigkeit sind mE normale Erscheinungen beim Wechsel des Sprachraums.
Dazu kommt, dass man "ohne Sprache" von manchen Teilen seiner Persönlichkeit abgeschnitten ist (ich kann mich daran erinnern, dass ich mich fremdsprachenbedingt ohne Sprachspiele, Ironie und Sarkasmus regelrecht persönlichkeitsamputiert gefühlt habe) - das kann natürlich wiederum Türen zu Persönlichkeitsbereichen öffnen, die bis dato weniger im Vordergrund standen.
Du sagst, dass Du Aufschreiben schon versucht hast. Was mir in Momenten des Chaos hilft, ist das Sortieren nach immer neuen Muster - immer wieder von null anfangen.
Ich würde dazu verschieden (Be)schreibstile benutzen. Die Situation und Dein Empfinden mal als Brief an eine (imaginäre?) beste Freundin (oder an eine zukünftige Version von Dir); mal als nüchternen Bericht - sortiert nach Fakten oder in chronologischer Ordnung; mal in Form einer Gebrauchsanweisung (Leben - Nutzung, scopes and limitations...)....formulieren.
Vielleicht auch versuchsweise mal in der Fremdsprache.
Die jeweilige Version dann weglegen und komplett vergessen, bevor Du die neue anfängst. Mit der Zeit bilden sich in Deinem Kopf neue Querverweise und Du erkennst neue Zusammenhänge. Ein ähnliches Vorgehen hilft mir bei beruflichen Herausforderungen sehr.Gefahr im Küchenschrank
Er steht im mittleren Regal,
ganz hinten in der Ecke.
Wann und wie ist ihm egal,
so hockt er im Verstecke.
Er kichert still in sich hinein,
gibt nicht den kleinsten Mucker.
Er ist so listig und gemein.
Der raffinierte Zucker.
Peter Sendtko
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14.12.2007, 13:53
AW: Wie "sortiert man sich"? Methoden zur Problembearbeitung
Ich erstelle gerne Listen:
was möchte ich unbedingt noch machen, (privat, beruflich),
was soll mein Leben beinhalten (Partner, Kind, Kinder),
Wo und wie würde ich gerne Leben (ländlich/in der Stadt,),
wo und wie würde ich gerne arbeiten, wenn ich arbeiten möchte/muss
was möchte ich noch lernen, sehen,
welche Möglichkeiten habe ich mit meinen derzeitigen Befähigungen, diese beschreiben, pro-contra
schrecke auch vor größeren zielen nicht zurück, wenn du auch nur ein stück des weges schaffst, hast du schon etwas erreicht!
ich finde es auch wichtig mich zu erden und mir manchmal bewusst werden zu lassen, was ich erreicht habe
zu viel "Hätte und könnte" stört eigentlich, aber manchmal bekommt man unverhofft eine Möglichkeit mit der man sich alte Träume erfüllen kann
für die innerliche Verarbeitung dieser Listen gehe ich joggen, das erledigt dann mein Unterbewusstsein (Ich staune manchmal selbst, was dabei alles rauskommen kann),
ich löse meine Probleme/ schwierige Aufgaben so,
bei dir kann es eine andere körperliche Betätigung sein, die dein Hirn anregt, das muss jeder für sich selbst herausfinden;
wichtig ist, sich nicht unter Druck zu setzen, dann blockierst du dich
ist der Druck zu gross und du bekommst ihn nicht weg, tue zunächst naheliegendes, höre auf dein bauchgefühl;
jammere nicht einer nicht genutzten chance nach, wer weiss wozu das gut war, ausserdem kannst du es nicht ändern, wer weiss schon, was sich dir als nächstes bietet;
wenn du das Gefühl hast Altlasten aufarbeiten zu müssen, um nicht mehr blockiert zu sein, dann analysiere positiv, versuche etwas daraus zu lernen; alleine das Gefühl dich positiv auseinandergesetzt zu haben, stärkt schon
das war jetzt ein ziemliches Kuddelmuddel, such dir aus, was dir gefällt ;)
viel Erfolg!
strong
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14.12.2007, 14:01Inaktiver User
AW: Wie "sortiert man sich"? Methoden zur Problembearbeitung
Hi Tanguera,
hast Du es schon mal mit Mind maps probiert?
Sie helfen mir ungeheuer Probleme und Sachverhalte zu strukturieren und Dinge miteinander in Bezug zu setzen.
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14.12.2007, 15:15
AW: Wie "sortiert man sich"? Methoden zur Problembearbeitung
Hallo Tanguera,ich erkenne, was ich mir angetan habe bzw. habe antun lassen - und manchmal macht es mich total fertig, wenn Menschen trotzdem lieb zu mir sind
fühlst Du denn zur Zeit, dass Du nicht liebenswert genug bist, nur weil Du Dir in der Vergangenheit etwas angetan hast bzw. antun lassen hast?
Hast Du schon erkannt, warum Du Dir etwas hast antun lassen, was dazu geführt hat? Hast Du Ideen, wie sich das hätte vermeiden lassen oder in Zukunft vermeiden liesse?
Aufschreiben ist bestimmt wertvoll, weil Du sonst Dinge, die Du erkennst wieder verlieren könntest. Sortieren, was Dir besonders wichtig erscheint und daran weiter arbeiten......
Und vielleicht Dich von der Vorstellung befreien, Du müsstest ein ausgearbeitetes Konzept, das dann für Dein weiteres Leben gültig sein soll, aus dieser Zeit mitnehmen.
Will sagen, so etwas schliesst man nicht mal eben ab und Punkt. Das Leben überrascht einen doch immer wieder.
Alles Gute!Geändert von Hopscotch07 (14.12.2007 um 15:55 Uhr)
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14.12.2007, 16:26Inaktiver User
AW: Wie "sortiert man sich"? Methoden zur Problembearbeitung
Danke euch nochmal - ihr seid echt wahnsinnig kreativ! Mindmaps oder verschiedene Schreibstile - darauf wär ich echt nicht gekommen, aber ich werd's probieren, versprochen!
@hopscotch, hm, ich glaub, das ist anders. Obwohl ich weiß, dass ich liebenswert bin (u.a. weil man es mir sagt), EMPFINDE ich es oft nicht so. Hier ist die Kultur viel offener, man zeigt auch gerne (u.a. körperlich), wenn man jemanden mag - und das geht mir nahe, weil ich den Clash von meiner Wahrnehmung und der der anderen deutlicher spüre.
Was war, kann ich - zumindest bezüglich der Auswirkungen, die ich mir selbst "rausgesucht" habe (u.a. Essstörung, SVV) - einigermaßen bestimmen, ja - diese Probleme waren/sind mir auch schon länger isoliert klar. Hier finde ich jetzt den Zusammenhang - und das ist spannend, braucht aber auch Arbeit.
Grüße aus der Sonne an euch alle!
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14.12.2007, 16:48
AW: Wie "sortiert man sich"? Methoden zur Problembearbeitung
Und was hindert Dich daran?
Zitat von Inaktiver User
Und: Kannst Du diese Zuneigungsbekundungen annehmen? Und auch zurückgeben?Hier ist die Kultur viel offener, man zeigt auch gerne (u.a. körperlich), wenn man jemanden mag - und das geht mir nahe, weil ich den Clash von meiner Wahrnehmung und der der anderen deutlicher spüre.
Aber egal, Du hast ja nach Methoden gefragt, nicht nach Austausch.
Ich glaube die genannten Methoden sind gut und wichtig. An Deiner Stelle würde ich mir zusätzlich noch vornehmen, loszulassen. Wenn Du das Gefühl hast, eine bestimmte Sache bereits gut bearbeitet zu haben oder wenn Du merkst, da geht es nicht weiter - Dich bewusst davon zu verabschieden.
Problembearbeitung und -bewältigung ist wichtig, aber auch die Dinge mal stehen zu lassen und das jetzt zu geniessen. Wenn Dir in dieser besonderen Zeit mal danach ist. Auch das trägt zu Deiner Entwicklung bei, nicht immer nur Arbeit.
Gruss und schönes Wochenende
hopscotch


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