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  1. Inaktiver User

    AW: An sich arbeiten. Wie?

    Liebe Mondschaf,

    ich habe Dich nicht vegessen und mache mir da noch Gedanken. Wenn ich zu einem guten Ende komme, schreibe ich es.

    Übrigens bin ich manchmal einfach nur müde und abgespannt, wenn ich ein wenig impulsiv ins Erzieherische gehe. Da kann mir wirklich helfen, dass in mir ein kleiner Aufpasser sitzt und sagt: "Heh, bischt einfach nur müde!"
    Aber bedenke, ich hatte auch schon viel mehr Zeit dazu, das zu begreifen als Du. Das Selbermartern bringt auch nicht soooo viel.
    LG herbstblatt2

  2. Inaktiver User

    AW: An sich arbeiten. Wie?

    Liebe mondschaf,

    nun habe ich einige Tage immer mal wieder nachgedacht, was ich als Tipp geben könnte.

    Ich weiß eigentlich auch nicht genau, was richtig ist und das mit zwei großen Kindern. Der Große ist ja jetzt 20 geworden und der Kleine ist 17, hat sich gerade bei der Fahrschule angemeldet und kuckt schon gierig auf das Auto! Das bringt mich fast um, denn das Auto ist wichtig für meinen Beruf und ich verdiene nicht viel. Mein Großer ist ständig damit herumgefahren, während ich es fast nur beruflich nutze oder mal zu "großen Ausflügen". sonst erledige ich fast alles mit Rad oder per Fuß, wohne ja auch im Talkessel. Als er seinen Führerschein gemacht hat, war meine erste größere Ausgabe danach eine neue Kupplung. Meinen Nachbarn ging es auch so mit ihrem Sohn, da haben wir uns gegenseitig getröstet! Das geht schon an die Nerven.

    Ich selber praktiziere bewusst seit einigen Jahren (das klingt jetzt so steif), was ich "Vertrauensbildende Maßnahmen" nenne, der Begriff dürfte aber nicht von mir sein. Ich setze immer wieder Zeichen, dass meine Kinder willkommen sind: Materielle und seelische. Ich schenke oder gewähre ihnen etwas außer der Reihe, obwohl meine Finanzen eigentlich eher kärglich sind. Ich schleppe sie ab und zu in Veranstaltungen, was eine ambivalente Sache ist. Und wir handeln und bestechen uns ständig gegenseitig, oft auch mit Augenzwinkern. Dadurch sind wir irgendwie immer in Kontakt. Ich versuche ihnen Freiräume zu lassen, aber ich bestehe auch auf Gemeinsamem. Ich verwöhne sie manchmal und sie haben auch Pflichten. Ich kucke darauf, dass sie, wenn sie müde und erschöpft sind, keine Pflichten haben und sie werden nicht faul dadurch. Natürlich habe ich die Vorbildfunktion. Manchmal sind sie mir Vorbild - und das sage ich manchmal auch.

    Was sie schon mögen - auch wenn sie "Pfui, mom!" rufen, ist, wenn ich sie lobe oder Komplimente mache und eben ein bisschen schnurre. Sie bekommen dann so große, dunkle, runde Augen.

    Und ich denke, das gleicht meine gelegentlichen Impulsivitäten - die aber nicht sooo sehr groß sind - wieder aus.

    Die langjährige Partnerin des Vaters meiner Kinder ist wohl immer gleichbleibend freundlich und zurückhaltend. Das mögen sie auch. Ich denke, sie hat eben ein anderes Temperametn als ich. Ich bin ziemlich temperamentvoll und leicht engagiert. Und liebe Mondschaf:

    Das hat auch sehr gute und positive Aspekte, so zu sein, sich zu engagieren!!! Sieh es vielleicht so, dass Du Dich eben auch gerne engagierst, bei Menschen, die Dir nahe stehen. Das ist auch etwas Schönes.

    Dein kleiner Zuwächsling ist ja auch noch so klein und da ist das schon anders. Ich denke, wenn Du darüber nachdenkst, dann wirst Du schon einen Weg finden und warum sollte er nicht der richtige sein. Perfekt ist sowieso niemand und Fehler macht jeder.

    Wenn ich mir vorstelle, ich würde noch mal einen Mann mit einem kleineren Kind kennenlernen, fände ich es schon schön. Zumal ich ja auch im Erstdurchlauf so viele Fehler kennenlernen konnte!

    Der Kindsvater und seine Partnerin bestehen übrigens auch darauf, dass meine Söhne mit ihnen an kulturellen und sonstigen Unternehmungen teilnehmen. Meine Söhne meckern dann zwar mal (nie über die Partnerin!!!! finde ich echt gut, sie können sie sehr gut leiden und das liegt ja dann an ihr, sondern eben über die anstrengenden kulturellen und wandernden Tätigkeiten.

    Hier gibt es übrigens irgendwo einen Strang, der heißt "Unperfekte Mütter - humoristisch gesehen" oder so. Da wirst Du schnell feststellen, dass die perfekte Mutter oder Fastmutter noch gar nicht geboren wurde.

    Wie gesagt, sicher bin ich mir da nie.

    Liebe Grüße herbstblatt2

    LG herbstblatt2
    Geändert von Inaktiver User (09.11.2007 um 23:00 Uhr)

  3. Inaktiver User

    AW: An sich arbeiten. Wie?

    Liebe Herbstblatt,

    Danke Dir nochmal für Dein ausführliches Post

    Du hast mir ein bisschen die Augen geöffnet. Ich bin ja nicht falsch, nur weil ich engagiert bin. Jedenfalls gefällt mir das besser, als eine Trantüte zu sein. Klar, dass ich die Grenzen lernen muss, merke ich ja jetzt. Ich werde nächstes Wochenende mal versuchen, ganz besonders auf ihn einzugehen. Und nicht zu schimpfen.

    Letztes Jahr haben wir ein Pfefferkuchenhaus gebaut, das gefiel ihm so gut. Werde ich jetzt wieder machen! Ist ja auch nicht so einfach, wenn sich zwei Menschen neu kennenlernen (der Kleine und ich). Und ich habe keine Kinder, so dass es für mich wie für ihn auch neu ist - der Papa hat auch mich. Ich räume uns einfach noch mehr Zeit ein und versuche, nicht zu meckern. Das mag ich selbst nicht, geschweige denn ein Kind!

    Eine perfekte Mutter würde ich nie sein, glaube ich. Aber dafür mache ich gern Unsinn, wie ich das auch an meinen Eltern mochte. Zum Beispiel ein Zelt im Zimmer bauen aus Decken und Betttüchern. Das fanden wir immer toll! Vielleicht verdränge ich ja diese Kindseite in mir, um erwachsen rüberzukommen, fällt mir grad beim Schreiben ein

    Liebe Grüße,
    Mondschaf

  4. User Info Menu

    AW: An sich arbeiten. Wie?

    Liebes Mondschaf,

    damit, dass Dir bewusst geworden ist, dass Du manchmal etwas schnell vorprescht und aus Deiner Sicht Deinem Freund eher mal den Vortritt gewähren lassen solltest (besonders, was den Sohn angeht), hast Du den ersten Schritt für eine Verhaltensänderung wahrscheinlich schon gemacht.

    Glaub mir, dieses Bewusstsein ändert etwas (in/an Dir).

    Hin und wieder wird Dir auffallen, dass Du Dich zurückhalten solltest und manchmal wird es Dir sogar gelingen.

    Ausserdem solltest Du, was den Sohn betrifft, mit Deinem Freund im Gespräch bleiben. Er hat Dir ja gesagt, dass es bei ihm nicht "so schlimm" ankommt; ist doch schon einmal gut. Du kannst ihn nun auch bitten, es Dir zu sagen, wenn er das Gefühl hat, Du gingest zu weit. Tut zwar weh, wenn es denn wirklich mal kommt, ist aber wichtig.

    Du bist nicht die Mutter und Du bist nicht zuständig dafür, das Kind zu erziehen. Aber: mit der Zeit und dem regelmässigen kontinuierlichem Kontakt, lassen sich manche Sachen einfach nicht umgehen. Und erst recht nicht, wenn ihr vielleicht irgendwann zusammenlebt.

    Wenn jemand am Tisch laut und absichtlich rülpst, löst das eine Reaktion aus (das wäre z.B. bei den Grosseltern oder sogar bei Freunden, die zu Besuch sind, wahrscheinlich ganz genauso). Je nach Stimmung kann das ein amüsiertes Lachen sein oder auch ein Hinweis darauf, dass das unangebracht ist.

    Was ich versuchen würde zu vermeiden (weitgehend, immer geht das nicht!), ist das Schimpfen (das sich eben nach schimpfen anhört). Zurückhaltung im Ton kannst Du üben - oft reicht es schon, sich selber gut zuzuhören.

    Wichtig ist aus meiner Sicht, dass Du Inhalt und Intension der Erziehung, wie Dein Freund sie sieht und praktiziert, seinen Erziehungsstil akzeptierst und bestenfalls mitträgst. Beispiel: wenn Dein Freund es gut und richtig fände, dass das Kind bei Tisch Rülpser herausdrückt, dann musst Du zunächst ins Gespräch mit Deinem Freund, bevor Du das immer wieder anmahnst bei dem Kind.

    Du bist nicht die Mutter und Du bist nicht für die Erziehung verantwortlich - einen Einfluss auf das Kind übst Du dennoch aus! Das ist auch eine Verantwortung. Und es kann - für das Kind und für Dich - eine Bereicherung sein. Solche Dinge, wie das mit Zeltaufbauen im Zimmer und Ähnliches, mach das doch mit dem Kind (Einverständnis des Vaters vorausgesetzt).

    Du meinst, Du bist insgesamt manchmal etwas vorschnell bzw. lässt Deinem Partner manchmal nicht genügend (Sprach)raum?

    Zum einen gehört das ja zu Dir und so hat er Dich kennengelernt. Ich würde nicht versuchen, mich da um 180 Grad zu drehen. Was Du versuchen kannst, ist Dich nach dem ersten Impuls zu stoppen - nicht in einen Redefluss auszubrechen, sondern nach dem ersten Statement Dein Gegenüber einzubeziehen, in den Dialog zu holen. Statt dem Schluck Wasser vielleicht rückwärts von 3 auf 0 zählen, wenn Du merkst, Du bist Dir gerade zu impulsiv.

    Dir ein schönes Wochenende
    hopscotch

  5. Inaktiver User

    AW: An sich arbeiten. Wie?

    Liebe Modschaf,
    das wünsche ich Dir auch! Liebe Grüße herbstblatt2

  6. Inaktiver User

    AW: An sich arbeiten. Wie?

    Danke, hopscotch, für Deinen Beitrag

    Zitat Zitat von hopscotch07
    Glaub mir, dieses Bewusstsein ändert etwas (in/an Dir).

    Hin und wieder wird Dir auffallen, dass Du Dich zurückhalten solltest und manchmal wird es Dir sogar gelingen.
    Das habe ich letztes Wochenende schon erfolgreich umsetzen können. Nachdem ich es bewusst gemacht, hier geschrieben und Tipps erhalten habe. Es hat gut geklappt und ich muss halt noch paarmal aufpassen, damit es sich richtig einschleift. Ich habe dieses Verhalten an mir selbst überhaupt nicht gemocht.

    Natürlich hat er das mit dem Rülpsen auch wieder gemacht, aber mit Absicht. Da aber noch Großmutter, Tante und Onkel von ihm da waren, hab ich ihnen "den Vortritt gelassen". Der testet einfach seine Grenzen, trotzdem toleriere ich das nicht. Aber das muss sein Papa richten, nicht ich. Meinem Kind würde ich es verbieten, weil ich es EKLIG finde.

    Naja, ich hab mich mit ihm deshalb trotzdem verstanden und mich gut um ihn gekümmert. Vielleicht passiert dann von selbst etwas, weil er weiß, was ich akzeptiere und was nicht.

    Zitat Zitat von hopscotch07
    Du meinst, Du bist insgesamt manchmal etwas vorschnell bzw. lässt Deinem Partner manchmal nicht genügend (Sprach)raum?

    Zum einen gehört das ja zu Dir und so hat er Dich kennengelernt. Ich würde nicht versuchen, mich da um 180 Grad zu drehen. Was Du versuchen kannst, ist Dich nach dem ersten Impuls zu stoppen - nicht in einen Redefluss auszubrechen, sondern nach dem ersten Statement Dein Gegenüber einzubeziehen, in den Dialog zu holen. Statt dem Schluck Wasser vielleicht rückwärts von 3 auf 0 zählen, wenn Du merkst, Du bist Dir gerade zu impulsiv.
    Auch dies versuche ich vermehrt umzusetzen, aber das ist schwieriger. Es sprudelt manchmal soviel aus mir raus, dass ich es später erst merke. Dann entschuldige ich mich sogar manchmal dafür, was ja auch doof ist. Du hast schon recht, er hat mich so kennen gelernt und eine 180°-Drehung wäre ja falsch. Aber ich möchte dieses Überrollende ablegen. *immer-wieder-bewusst-mach*

    Liebe Grüße,
    Mondschaf

    @herbstblatt


  7. User Info Menu

    AW: An sich arbeiten. Wie?

    Hallo Mondschaf,

    ich bin auch eine von denen die ihren Mund nicht halten können
    ich habe aber festgestellt, das andere das eher bereichernd als nervend empfinden
    ich selber bin gerade letztes Wochenende wieder in so einen Redeschwall gekommen und dachte mir das das zu viel des guten gewesen sei. Doch es war eher so, das man mich genau wegen dieser Fähigkeit angesprochen und eingeladen hatte!!
    Wenn dein Partner ruhig ist, ist er vielleicht froh wenn du die Initiative ergreifst.

    Kleinkinder brauchen Grenzen.
    Deine Grenzen sind andere als die seiner Mutter, das kann er sehr wohl verstehen. Wie du schon selber bemerkt hast, testet er jeden aus. Ganz normal für einen kleinen Kerl.
    Es kommt nur darauf an wie du ihm mitteilst was du duldest bzw. nicht duldest.

    Anstatt ihn mit Worten zuzureden sind klar kurze Sätze gut, die mit den Worten "Ich möchte" beginnen und eine kurze Erklärung geben.
    Zb.: ich möchte, das du bei Tisch das laute Rülpsen lässt, weil es mir nicht gefällt.

    nicht: lass das sein, das macht man nicht.

    Das Interessante bei dieser Methode ist, das du selber darüber nachdenken musst, warum du Dinge erwartest. Ich finde das sehr bereichernd, man überdenkt seine Erwartungen noch mal und kann sie dann auch selbstsicher vertreten.
    dadurch kommst es automatisch zu einer verzögerten Reaktion, Weil du erst nach innen horchst und dich fragst:warum stört mich das jetzt so? Was genau stört mich? Ist diese Reaktion jetzt angebracht oder übertrieben?
    Ich hoffe ich konnte dir Anstöße geben
    grüße fruechtchen

  8. Inaktiver User

    AW: An sich arbeiten. Wie?

    Hallo Mondschaf,
    mein Tip: nonverbal.
    Da reagieren Kinder viel mehr drauf. Vorallem hält das Kind Blickkontakt zu dir, es will ja nichts verpassen. Dafür bist du viel zu interessant.

  9. Inaktiver User

    AW: An sich arbeiten. Wie?

    Hallo Früchtchen

    Ja, Du hast recht!! Manche empfinden es wirklich als Bereicherung, wenn man viel plappert. Letztens war ich zu Besuch bei zwei Verwandten, habe einen immensen Redeschwall gehabt und beim Nachhausefahren dachte ich, dass das zuviel des Guten war. Habe sie angerufen, mich "entschuldigt" und sie meinten, dass sie gerade das mögen. Das fand ich sehr nett.

    Zitat Zitat von Fruechtchen33
    Anstatt ihn mit Worten zuzureden sind klar kurze Sätze gut, die mit den Worten "Ich möchte" beginnen und eine kurze Erklärung geben.
    Zb.: ich möchte, das du bei Tisch das laute Rülpsen lässt, weil es mir nicht gefällt.
    Das mache ich generell so, weil ich ihm zeigen will, dass ICH das nicht möchte. Ich selbst habe auch als Kind nie akzeptiert, dass ich etwas so oder so machen sollte, "weil man das so macht" oder "weil das so ist". Und er ist da ein bisschen ähnlich, glaube ich. Hinterfragt vieles und ist recht intelligent. Und Du hast Recht, Früchtchen, man denkt nochmal über die Wichtigkeit der zu treffenden Aussage nach und verkneift sich unter Umständen irgendetwas. Ich sage dann manchmal, dass er das zu Hause so machen kann, wenn das erlaubt ist, aber bei mir ist es nicht erlaubt.

    Vielleicht klappt es ja auch mal mit einem ermahnenden Blick (@shila ). Sich den Mund fusslig reden bringt nicht immer was.

    Lieben Dank nochmal an euch beide,
    Mondschaf

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