Cancers Gedankengänge finde ich sehr wichtig.
Ich fasse es für mich zusammen unter dem Wunsch, einfach nur zu SEIN, hier und jetzt. Alles andere ist für mich zweitrangig.
Ich war vor 12 Jahren in einer ähnlichen Situation, wie Cancer sie beschreibt - ich wusste nicht, ob ich noch einen einzigen Tag würde erleben dürfen. Diese Erfahrung hat mein Leben verändert und das Sein in den Fokus gerückt, weil ich lernen musste, dass das einzig Sichere, das wir haben, dieser Moment hier ist.
Mein Vater ist Alzheimer Patient. Er hat grosse Teile dessen, was er sich wünschte, auf "später" verschoben, auf die Zeit nach Eintritt in die Rente. Er hat diesen Zeitpunkt nicht gesund erreicht, musste aufgrund seiner Erkrankung bereits mit Ende 50 (!) aus dem Berufsleben ausscheiden und war da schon so krank, dass an Träume kaum noch zu denken war.
Drum halte ich es ganz sicher nicht mehr wie Scarlett O´Hara, die "verschieben wir´s auf morgen" predigt.
Grüssle
Seawasp
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19.10.2007, 08:41Inaktiver User
AW: Was bedeutet eigene Identität?
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19.10.2007, 13:32Inaktiver User
AW: Was bedeutet eigene Identität?
aber genau das ist das problem ( zumindest bei mir) - ich denke, wissen wir nicht eigentlich alle, dass wir jeden tag so leben sollten, als ob es der letzte waere?! und was tun wir stattdessen? aufstehen, arbeiten, stressen, kochen, lieb haben, schlafen.
Seawasp - bitte sage mir, wie das geht. schaffst du das jeden tag?
ich scheitere immer wieder klaeglich.
beispiel 1: ich habe auf der arbeit so YOGI tees. da haengt an jedem teebeutel ein sinnspruch. heute zum beispiel: If you do not see God in everything, you do not see god at all. Ich denke, guter spruch - so muss man echt immer denken und ruhe fuer ganz kurze zeit in mir. der erste anruf, der erste stress- und ich lasse die ruhe gehen und andere ueber mich bestimmen.
beispiel2: ich habe seit kurzem eine 4tage woche - jeden mittwoch frei. grosser luxus, zeit nur fuer
am anfang habe ich jeden mittwoch was besonderes gemacht und ja - auch ich schreibe ;-))
dann gibt es aber wieder die tage, wo ich morgens aufstehe und nicht weiss was ich will. und dann denke, ich, dass kann doch nicht sein, waere das dein letzter tag, muesstest du heute doch ganz tolle sachen machen. und ich denke, ach egal, ich will einfach nur hier sitzen!
versteht ihr was ich sagen will?! manchmal finde ich den anspruch jeden tag toll zu leben und die erfuellung in seinem traumjob zu finden zu hoch. ich muss mich schon genuegend bewegen, mich mit genuegend naehrstoffen ernaehren, mich um meinen mann und um eine gute beziehung kuemmern, meine familie und freunde nicht vernachlaessigen und und und....
deswegen - mein traumjob ist ganz ehrlich: auf dem sofa liegen und ein buch lesen !
noch eine idee zu ihr - sandfloh.
sagt ihr das ennegramm was? der ausspruch von deiner mutter dass du alles kannst - das waere eine typische 9. und dann kann ich nur sagen - willkommen im club!
wir koennen naemlich alles ein wenig - und das ist unser dilema !
so, jetzt muss ich wieder arbeiten
gruss
aleta
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19.10.2007, 15:43
AW: Was bedeutet eigene Identität?
Na ja ... wenn ich Gott nicht in jedem Teebeutel erkennen kann, dann denke ich mir: "OK! Then I don't see him at all! Shit happens!". Das war's dann auch schon! - Aber ich versuche nicht, krampfhaft, etwas zu suchen, was schwer zu sehen/finden ist!
Zitat von Inaktiver User
Denn, wenn ich einmal tot bin, dann werde ich früh genug wissen, was nun wahr ist. - Und bis dahin lebe ich als Christ nach dem buddhistischen Grundsatz (frei wiedergegeben): "Tu den Menschen täglich nur Gutes! Da dies schon schwer genug ist, versuche wenigstens, Ihnen nichts Schlechtes zu tun!" ... wenn ich das schaffen sollte, dann wird er mir wohl verzeihen, dass ich ihn in diesem Teebeutel nicht wiedererkannt habe.
Dann bist du wohl noch nicht zufrieden genug ... für mich klingt das so, als hättest du das Gefühl, etwas zu versäumen, wenn du nicht etwas Besonderes unternimmst oder leistest.
Zitat von Inaktiver User
EBEN ... setz dich einfach nur einmal hin, wenn dir danach ist. Nimm dir Zeit - Zeit, auch mal um nur auszuspannen.
Man kann NIEMALS all seine Wünsche und Ziele erreichen, aber viele glauben, dies jedoch innerhalb einer bestimmten Zeit tun zu müssen.
Wie langweilig wäre das Leben wohl, wenn alle Ziele in greifbarer Nähe oder sogar erreicht sind???
Ein Ziel von mir ist z.B. auch, dass ich mir Zeit nehmen kann, wann immer ich will! - Dazu gehört, einfach in ein Café in der Fußgängerzone zu sitzen und z.B. zwei Stunden lang das Treiben dort zu beobachten. Sowas finde ich schön, ohne dass mir dabei langweilig wird. - Wenn ich mir DAS nicht mehr leisten kann, dann habe ich etwas falsch gemacht und eines meiner Ziele nicht erreicht!
Oder heute ... das Wetter weiß nicht, was es will: regnen oder nicht? Frisch ist es draußen auch, trübe Stimmung ... einfach ein lustloser Faulenzertag ...
Aber HEY! ... ich hab den Müll weggebracht, die Wohnung auf Vordermann getrimmt, den Kühlschrank enteist, die Glühbirne im Flur gewechselt, die Krimskrams-Schublade in der Küche ausgemistet, usw. ...!
Habe ich etwas versäumt? - Nein, ganz im Gegenteil! Ich kann mich wieder wohl und glücklicher fühlen, weil ich wegen diesem schlechten Wetter endlich meine Ziele erreichen konnte, die ich schon seit Tagen immer mit "Ja gleich, nachdem ich ..." erledigen wollte. - Ich bin zufriedener als noch heute morgen!
Ziele gibt es auch ganz kleine ... Kleinvieh macht genauso Mist! Und die großen Ziele, die rennen einem nicht davon (an denen ich übrigens heute natürlich auch ein wenig nebenher gearbeitet habe
)!
Und die großen Ziele muss ich nicht unbedingt erreichen ... ich probiere es zumindest und gehe sie an! Step by step!
Auf QUALITÄT kommt's an ... nicht auf QUANTITÄT.
Wer glaubt, an einem Mittwoch etwas reinquetschen zu müssen, um ja nichts zu versäumen ... na ja ... vielleicht sollte man sich an einem dieser Mittwoche einmal Gedanken über alternative Prioritäten machen, mit denen man glücklich ist/wird, und nicht einfach nur eine Aktivitäts-Checkliste abarbeiten.
lg
cancer
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19.10.2007, 17:03
AW: Was bedeutet eigene Identität?
@aleta
Ach ja ... noch etwas, das mein voriges Posting etwas verkürzt vielleicht zusätzlich noch ein wenig erklärt:
"Übe dich im Nichttun und alles fügt sich zum Guten"
Dao De Jing, aus Vers 3
lg
cancer
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19.10.2007, 17:43Inaktiver User
AW: Was bedeutet eigene Identität?
aleta,
Zitat von Inaktiver User
ich glaube, Du machst einen entscheidenden Denkfehler - Du glaubst, SEIN bedeutet, jeden Moment etwas tolles tun zu müssen.
Aber nicht doch!
SEIN bedeutet auch, einfach mal einen Gammeltag einzulegen und sich mit einer Wolldecke, einer Kanne Tee und einem Buch selbst genug zu sein.
SEIN bedeutet, Empfindungen nachzuspüren und sie ernst zu nehmen - auch Trauer, Melancholie, Rückzug gehören dazu.
SEIN heisst, bewusst wahrzunehmen. Dass es regnet. Wie der Himmel gerade ausschaut. Wie das Brot, das ich esse, eigentlich genau schmeckt. Sich darüber zu freuen, dass man jetzt gerade etwas Gutes isst, oder die Lieblings-Soap im TV geniessen darf, oder dass gerade JETZT eine liebe Freundin anruft.
Und nein, aleta, mir gelingt das natürlich nicht immer, nicht einmal die Hälfte der Zeit! Aber ich erinnere mich so oft wie möglich daran, dass es dieser Moment jetzt ist, der wichtig ist - wenn ich z.B. gedanklich in der Vergangenheit oder Zukunft stecke und ganz vergesse, was JETZT ist. Wenn ich mich dabei ertappe, wie ich gedankenverloren etwas esse, ohne es richtig zu schmecken. Der Weg ist das Ziel!
In diesem Sinne: gönn Dir auch Deine ziellosen Mittwoche. Sie helfen Dir dabei, den Kopf frei zu bekommen, Deine Gedanken zu ordnen, zu Dir selbst zu finden. Ganz ohne aufregende Aktivitäten.
Grüssle
Seawasp
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20.10.2007, 18:53Inaktiver User
AW: Was bedeutet eigene Identität?
Hallo,
ich sage nur mal kurz, dass ich hier interessiert weiter mit lese und danke, Seawasp und C-Bird für euer Eingehen auf mein Posting und Dir, sandfloh, danke, dass Du es eröffnet hast.
Bei mir ist es schon manchmal so, dass ich denke, mir ist das Leben zu schwierig. Ich komme immer gerade so durch, gerade existenzmäßig, habe zwar einen prima freiberuflichen Beruf, mir aber, seitdem wir vo 17 Jahren in diese Stadt zogen, nie wieder eine halbwegs befriedigende Existenz schaffen können, auch kein berufliches Netzwerk. Dabei ist das schon 17 Jahre her. Ich meine, das ist doch schon ein halbes Menschenleben und auch irgendwie die Kraft nicht es zu ändern.
Da denke ich manchmal, es liegt an meiner Identität, dass ich irgendwie "den Strom" nicht in mir habe, der menschlisches Leben bedeutet. So ungefähr: Das menschlische Leben beginnt bei 10 Punkten und ich bin bei 9 oder 9einhalb.
Wenn ich bei 10 läge oder noch besser bei 11 oder 12
, dann würde mich das beruhigen und ich könnte auch im einzelnen Tag leben.
Deswegen war mir wahrscheinlich auch sandflohs Eröffnungsposting so aufgefallen, obwohl es bei ihr ja anders liegt.
Liebe seawasp,
das was Du mit SEIN ausdrückst, kann ich eigentlich gut, bei mir ist es das Gegenteil davon, was ich nicht hinbekomme.
Ich komme dadurch irgendwie nie in Ruhe, weil ich gerne etwas Gewissheit in meiner beruflichen und damit finanziellen Entwicklung hätte. Nur ein kleines bisschen mehr!!
LG herbstblatt2Geändert von Inaktiver User (20.10.2007 um 18:59 Uhr)
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20.10.2007, 18:57Inaktiver User
AW: Was bedeutet eigene Identität?
Liebe aleta, darüber musste ich lachen, als ich es las. Davon habe ich nämlich zuviel. Zusammen wären wir beide dann vielleicht die ideale Persönlichkeit mit der idealen Identität
Zitat von Inaktiver User
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LG herbstblatt2
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20.10.2007, 19:08
AW: Was bedeutet eigene Identität?
Hallo Herbstblatt ! Deine Identität ist also die PRIMA FREIBERUFLICHE TÄTIGKEIT, na , das ist doch etwas, das kann nicht jeder ausüben, dass diese möglicherweise nicht so übermässig lukrativ ist, ist doch nicht so schlimm,denn wir sind-doch alle keine Superverdiener (odr?) versuchen aber, trotzdem mit den kleinen Dingen des Lebens glücklich zu sein und zu bleiben.Hauptsache wir LEBEN!!!!!
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20.10.2007, 19:17Inaktiver User
AW: Was bedeutet eigene Identität?
Liebe Tarant,
es ist halt nur SEHR WENIG PRIMA FREIBERUFLICHE TÄTIGKEIT (oh, das ist aber schwer so viele große Buchstaben zu schreiben) auf das Jahr verteilt, ich kann nicht davon eigenständig leben in den letzten Jahren und deswegen entwickle ich mich nicht wirklich weiter, wie man so sagt!! Na ja, und irgendwie auch meine Identität. Die entwickelt sich dabei nicht so richtig weiter oder verblasst dabei.
Stimmt aber natürlich was Du sagst und weißt Du was, gerade hast Du mich irgendwie ganz stark getröstet oder aufgebaut (ich war aber nicht wirklich runter, habe halt nur übers Thema gesprochen).
Jedenfalls danke ich Dir jetzt spontan und gebe Dir mal einen dicken Knutscher 'rüber - wenn Du magst -

und gehe Katzenfutter im LIDL kaufen. Der hat seit einiger Zeit samstags bis 20 Uhr auf, auch komisch nicht wahr?! Mir tun da echt die Verkäuferinnen Leid, die kein Recht auf ein schönes WE haben!
Allen noch ein schönes Wochenende und
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20.10.2007, 20:25
AW: Was bedeutet eigene Identität?
Sandfloh, ich antworte jetzt darauf mal ganz spontan, ohne den Rest des threads fertig zu lesen...
Zitat von sandfloh
Aus so einem Verhalten blickt Dich mit großen Augen unbändige Angst an.... Angst vor Verlust, Angst vor Untergebung ... und was sonst auch immer.
Und ganz ehrlich, solche Menschen tun mir leid, sehr leid! Weil sie garantiert eine riesengroße Mauer um sich herum aufgebaut haben. Siehst Du die Menschen selbst mit dieser Einstellung fällt es etwas leichter, damit umzugehen.... und den Frust nicht auf dich selbst zu laden...
lieben Gruß, Mary


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