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    Reif, frühreif, unreif?

    Hi,

    Mir fällt es sehr schwer dieses Thema zu schreiben, weil ich gar nicht weiss wo ich anfangen soll.
    Am besten starte ich mal ganz vorne.

    Als ich zur Grundschule ging (20 Jahre her) gab es nach der 1. Klasse eine Diskussion darüber, ob ich nicht eine Klasse überspringen soll. Ich war begabt, hatte ein schnelles Auffassungsvermögen und die Lehrerin hielt mich für frühreif, nicht zuletzt weil ich viele der anderen Kinder um einen guten Kopf überragte. Für mich gab es darüber gar keine Diskussion: ich wollte bei meiner besten Freundin in der Klasse bleiben.
    So ging es dann weiter. Ich kam früh in die Pubertät und hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass ich in der falschen Umgebung sei: während andere Mädels noch ihre Barbies kämmten, musste ich mit meinen Hormonen klarkommen...
    Schon damals habe ich mich immer zu älteren Schülern gewandt. Habe mich im Theater und der Musik engagiert, damit ich so irgendwie einen Kontakt herstellen konnte und nicht nur mit meinen Klassenkameraden zu tun hatte.
    Damals war mir das nie bewusst, aber mittlerweile sind die Zusammenhänge doch deutlich klarer.

    Ich habe lange darauf gehofft, dass in der Uni alles besser wird und ich mich nicht mehr mit diesen "Kindern" abgeben muss (so habe ich es damals ausgedrückt).
    Mittlerweile studiere ich zwar schon seit einigen Jahren, aber gebessert hat sich nicht viel.

    Ich finde einfach keinen Zugang zu den gleichaltrigen und auch älteren Kommilitonen. Viele davon leben mit 25 noch bei ihren Eltern daheim und sind in meinen Augen sehr unselbstständig. Andere leben im Wohnheim, saufen jedes Wochenende durch und brüsten sich dann am Montag damit, wer am meisten getrunken hat. Sicherlich: einige sind immer dabei, mit denen man sich mal unterhalten kann, aber ich fühle mich unter Kommilitonen total unwohl.

    Seit einiger Zeit habe ich einen Teilzeitjob in einer Firma angenommen. Ich fühle mich da sehr wohl und kann mich verwirklichen. Meine Kollegen sind sehr nett und ich habe gute Kontakte geknüpft.
    Neben mir arbeiten auch noch 3-4 weitere Studenten dort. Untereinander besteht ein recht guter Kontakt zwischen Ihnen, sie treffen sich auch mal am Wochenende. Ich wurde dazu auch schon eingeladen, konnte aber nicht und bin darüber auch ganz froh, denn auch diese Leute sind für mich völlig unreif.
    Mal ein Beispiel: da wird, wenn der Vorgesetzte grade mal nicht da ist, der Kollege aus dem Nachbarbüro angerufen: "Hey, komm mal rüber", jeder bekommt einen kleinen Feigling (diese Mini-Flaschen für die Hosentasche), der wird runtergekippt und man lacht sich noch Tage danach darüber kaputt, wie cool diese Aktion doch war.
    Ich kann damit wirklich nichts anfangen und finde es einfach nur peinlich.

    Es ist nicht so, dass ich keinen Spaß verstehe und immer nur still in meinem Kämmerlein hocke. Ich gehe z.B. super gerne mal samstags zum Fußball und trinke dort ein paar Bier und feiere. Das allerdings ohne Geprahle, ohne Saufspiele und ohne irgendwelche besonders "lustigen" Aktionen.

    Ich habe über das Thema schon einmal mit einer Therapeutin gesprochen, die mir sagte, dass sie auch den Eindruck habe, dass ich vom Denken her meinen Altersgenossen 5-10 Jahre voraus sei und dass ich einfach meinem Herz nachgehen soll und nicht ständig überprüfen soll, ob nun jemand in meinem Alter ist oder nicht.
    Das ist leichter gesagt als getan... zumal zu einem Kontakt ja immer zwei gehören.

    Langsam frage ich mich aber, ob ich nicht irgendetwas verpasse.
    Ich bin jetzt 25 Jahre alt. Bin in vielleicht einem Jahr mit meinem Studium fertig und werde dann vermutlich in der Firma anfangen, für die ich jetzt nebenbei arbeite. Hört es dann auf, immer zu einer möglichst "reiferen" Stelle über einem selbst aufzuschauen?
    Bin ich nun tatsächlich reif oder einfach nur arrogant, weil ich gleichaltrige als unreif empfinde?

    Bitte lasst mich an euren Gedanken zum Thema teilhaben. Aktuell fühle ich mich total unwohl in mir und denke sehr oft über das Thema nach.

  2. gesperrt

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    AW: Reif, frühreif, unreif?

    Zitat Zitat von BehindBlueEyes
    Hi,

    ...
    Ich habe über das Thema schon einmal mit einer Therapeutin gesprochen, die mir sagte, dass sie auch den Eindruck habe, dass ich vom Denken her meinen Altersgenossen 5-10 Jahre voraus sei und dass ich einfach meinem Herz nachgehen soll und nicht ständig überprüfen soll, ob nun jemand in meinem Alter ist oder nicht.Das ist leichter gesagt als getan... zumal zu einem Kontakt ja immer zwei gehören.

    ...
    Bitte lasst mich an euren Gedanken zum Thema teilhaben. Aktuell fühle ich mich total unwohl in mir und denke sehr oft über das Thema nach.

    oh, bin überrascht, dass du dich in Therapie begeben hast.

    mir kommt es ein wenig so vor, als ob du noch nicht bereit bist, dich als Individuum anzunehmen.
    (aber) du bist eben nicht so wie andere, sei froh

    man sollte dabei beachten (so erging es mir jedenfalls), dass man seine Wurzeln nicht verliert. denn angesichts der Komplexität der Menschheit kann der liebevolle Umgang mit einfachen Menschen sehr heilend sein. (das ist jetzt alles anderes als arrogant gemeint)


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    AW: Reif, frühreif, unreif?

    Da findet sich doch ein Teil von mir wieder, in deiner Gechochte. Ich komme super mit 5-10 Jahre älteren Menschen aus, aber die meisten in meiner Altersklasse sind mir etwas unbehaglich. Naja, die die ich kenne in meiner Umgebung richten ihr denken anch außen., d.h. dass sie sich mehr für andere Leute interessieren und sich mehr damit beschäftigen wer mit wem und was andere falsch machen. Damit kann ich weniger was anfangen. Aber das liegt eher an meiner Erziehung. Ich wurde so erzogen, mir nicht immer alle Probleme von außen "reinzuziehen" und nicht darüber zu urteilen was andere machen bzw. mich nicht damit zu beschäftigen. Es fehlt irgendwie der Tiefgang bei den meisten.

    Es heißt aber nicht, dass ich mich nicht für die Probleme anderer interessiere. Eher im Gegenteil, wenn jemand was hat, bin ich gern bereit zu helfen. Das spekulieren über Probleme anderer liegt mir nicht.

    Vielleicht sind es in deinem Fall nicht die "richtigen" Freunde mit denen du was anfangen kannst. Oder du läßt dich einfach mal auf deine Kommilitonen ein, um zu sehen ob sie wirklich so oberflächliche sind.

    O_I
    Erfolg besteht darin, dass man genau die Fähigkeiten hat, die im Moment gefragt sind. (Henry Ford)

    ------------------------------------------

    Das Wesen wahrer Liebe lässt sich immer wieder mit der Kindheit vergleichen. Beide haben die Unüberlegtheit, die Unvorsichtigkeit, die Ausgelassenheit, das Lachen und das Weinen gemeinsam.
    (Honore de Balzac)

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    Grüße O_I

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    AW: Reif, frühreif, unreif?

    Zitat Zitat von trambahn100
    oh, bin überrascht, dass du dich in Therapie begeben hast.

    mir kommt es ein wenig so vor, als ob du noch nicht bereit bist, dich als Individuum anzunehmen.
    Ja, das hängt natürlich beides zusammen.
    Ich habe ein mieses Selbstbewusstsein - wohl auch gefördert durch das jahrelange Gefühl nicht dazuzugehören und alleine zu sein.

    man sollte dabei beachten (so erging es mir jedenfalls), dass man seine Wurzeln nicht verliert. denn angesichts der Komplexität der Menschheit kann der liebevolle Umgang mit einfachen Menschen sehr heilend sein. (das ist jetzt alles anderes als arrogant gemeint)
    Ich versteh schon was du meinst. Diese Arroganz habe ich lange Zeit gehabt. Da wurde dann erst einmal geschaut, wer jemand genau ist, bevor ein Kontakt hergestellt wurde. Aber die Zeiten sind eigentlich vorbei. Ich habe ja schon oben den Fußball erwähnt - da treffe ich regelmäßig auf eher einfache Leute, die manch einer auch als primitiv bezeichnen würde und es ist mir völlig egal.

  5. Inaktiver User

    AW: Reif, frühreif, unreif?

    Verstehe jetzt die Problematik überhaupt nicht!

    Als Kinder - klar, da ist es wichtig und da gibt es einen Unterschied, ob jetzt jemand 8 oder 12 ist ... aber wenn man einmal erwachsen ist!?!?!? Da ist es doch völlig egal, ob jemand 25 oder 35 oder 45 ist .... da kommt es auf die Persönlichkeit an sich an und ob sie gut zu einem passt, unabhängig davon, wie alt sie ist.

    Meine beste Freundin ist 17 Jahre älter als ich ... sie war mal eine Kollegin von mir und ich habe sie kennengelernt, da war ich 23 und sie 40 und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden (und das seit nunmehr 20 Jahren!)

    Dann gibt es Frauen, die sind 15 Jahre jünger und mit denen verstehe ich mich auch gut ...!? Ich finde, da ist überhaupt kein Problem ...

    oder habe ich was falsch verstanden ...????

  6. gesperrt

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    AW: Reif, frühreif, unreif?

    Zitat Zitat von BehindBlueEyes
    Ja, das hängt natürlich beides zusammen.
    Ich habe ein mieses Selbstbewusstsein - wohl auch gefördert durch das jahrelange Gefühl nicht dazuzugehören und alleine zu sein.
    bei mir war die Entwicklung aus dieser Situation zweigleisig.
    einerseits ist mir in jungen Jahren ein guter sozialer Kontakt nicht leicht gefallen. andererseits waren mir gewisse Zusammenhänge klar, die andere wohl in ihrem ganzen Leben nicht verstehen werden.

    geholfen hat aus dieser extremen Lage Lektüre, die mir zufällig (?) in die Hände fiel.



    Ich versteh schon was du meinst. Diese Arroganz habe ich lange Zeit gehabt. Da wurde dann erst einmal geschaut, wer jemand genau ist, bevor ein Kontakt hergestellt wurde. Aber die Zeiten sind eigentlich vorbei. Ich habe ja schon oben den Fußball erwähnt - da treffe ich regelmäßig auf eher einfache Leute, die manch einer auch als primitiv bezeichnen würde und es ist mir völlig egal.

    genau so



    übrigens habe ich früher viele innere Dialoge geführt dahingehend, wie ein Gespräch hätte ablaufen können und was ich noch alles hätte sagen können.
    mit der Zeit hat sich das verloren. ich habe gefühlt, dass man den Menschen nichts Besonderes anbieten muss. einfach und echt zu sein ist viel wichtiger.

    ob du diese Phase jemals hattest, weiss ich natürlich nicht.
    ich erzähl's halt mal.

  7. Inaktiver User

    AW: Reif, frühreif, unreif?

    ich kann dich gut verstehen - mir geht's ähnlich.

    Wie sind den die Komilitonen, mit denen du regelmäßig umgehst? Wenn du Zugang zu Studienstiftungen, Elite-Studiengängen o.ä. hat, wirst du dort vermehrt Leute treffen, mit denen du was anfangen kannst - die meisten haben nämlich dasselbe "Problem". Hier habe ich noch nie erlebt, dass ein Kontakt flach oder oberflächlich geblieben wäre.

    Ansonsten: 80% meines Freundeskreises (und die Mehrzahl meiner bisherigen Beziehungen) sind 10-20 Jahre älter als ich.
    So what?

  8. User Info Menu

    AW: Reif, frühreif, unreif?

    ich (44) war vor kurzem mit einer jungen kollegin (ende 20) in der mittagspause einen kaffee trinken. es war ihr letzter arbeitstag, bevor sie für 2 jahre nach china ging. wir unterhielten uns über das leben, unsere wünsche, pläne. auch kurz über beziehungen. und sie sprach gedanken und erkenntnisse aus, zu denen ich gerade erst in den letzten 3-5 jahren für mich gekommen war.

    ich sprach danach mit einem freund darüber, wie es sein kann, dass eine so viel jüngere frau in so grundsätzlichen dingen bereits auf demselben stand ist wie ich. woher konnte sie das alles schon wissen?
    dieser freund glaubt an reinkarnation, und er gab mir eine für mich völlig neue und verblüffende erklärung: jede seele nimmt sich für ihr neues leben etwas vor, was sie lernen möchte. dies bringt sie dann in das nächste leben bereits mit. so kommt es, dass manche menschen eben schon wissen, was andere sich erst in laufe der jahre erarbeiten müssen.
    diese erklärung hat mich sehr berührt.

    ich würde auch sagen: steh zu dir, lebe das, was du bist. im berufsleben spielt es keine rolle mehr wie alt du bist. dort triffst du auf menschen jeden alters und kannst wählen, mit wem du näher zu tun haben möchtest.
    Bewahre mich vor der Angst,
    ich könnte das Leben versäumen.
    Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
    sondern was ich brauche.
    Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.


    Antoine de Saint-Exupéry

  9. User Info Menu

    AW: Reif, frühreif, unreif?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Wie sind den die Komilitonen, mit denen du regelmäßig umgehst?
    Schwierig das kurz zu beschreiben, aber viele sind sehr unselbstständig, aber keine Stuktur in ihrem Leben, haben keine Pläne und Ziele und das Fachwissen bezüglich des Studiums lässt meist zu wünschen übrig (null persönliches Interesse am Fach)...

    Wenn du Zugang zu Studienstiftungen, Elite-Studiengängen o.ä. hat, wirst du dort vermehrt Leute treffen, mit denen du was anfangen kannst - die meisten haben nämlich dasselbe "Problem". Hier habe ich noch nie erlebt, dass ein Kontakt flach oder oberflächlich geblieben wäre.
    Entsprechende Kontakte habe ich nicht, ich war nur vor längerer Zeit mal bei einem Mensa-Treffen (Hochbegabte). Dort kam ich mir auch eher fehl am Platz vor, weil sämtliche Konversation auf einem unheimlich hohen intellektuellen Level stattfanden, das wirkte schon fast gekünstelt...


    Ich bin jedenfalls froh, dass ich hier ein paar Leute gefunden haben, die meine Probleme verstehen. Danke!

  10. Inaktiver User

    AW: Reif, frühreif, unreif?

    Gerne! Mensa find ich auch... uncool, um's mal vorsichtig zu sagen, deshalb bin ich auch nicht Mitglied geworden.

    Ansonsten... versuch mal, die Leute rauszufinden, die "anders" sind, z.B. sich trauen, in der Vorlesung Fragen zu stellen, überdurchschnittlich gut sind, ...
    Meistens findest du unter Begabten halt eher die "reifemäßigen" Ausrutscher nach oben...

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