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  1. Inaktiver User

    Umgang mit fremden Menschen (II)

    Hallo zusammen!

    Habe schon versucht, hier einen Strang zum Thema zu eröffnen (siehe unten im Forum), das ist aber leider schiefgegangen, weil mein Computer... naja, ich wollte halt was aus nem Word Dokument kopieren und dann.... wie auch immer: nun auf ein Neues!

    Es ist nämlich so, dass ich festgestellt habe, dass es mir sehr schwer fällt mit "fremden" Menschen in Kontakt zu kommen.
    Es gibt sie ja, diese strahlenden Gesichter, die einfach auf jemanden zukommen und mit irgendetwas vollalbern (schlimmstenfalls) oder einfach nur eine nette kleine Unterhaltung anfangen...
    Ich kann das aber irgendwie nicht. Und das fängt langsam an, mich zu belasten.
    Es ist so, dass ich schon seit einiger Zeit studiere (mit kleinen Unterbrechungen, siehe andere Beiträge), aber leider immer noch keinen Kontakt zu den Kommilitonen gefunden habe. Teilweise ist die Fakultät auch einfach zu groß und man läuft sich nur sehr, sehr selten bzw. niemals wieder über den Weg, aber es gibt eben auch ein paar Menschen, die ich immer mal wieder sehe, genau weiß, dass "wir beide" wissen, "aha, man kennt sich".... und ja, dann bin ich immer total unsicher, weiß nicht, was ich tun soll. Grüßen? Ànsprechen? Wegsehen?
    Leider tendiere ich zu letzterem, ich weiß eigentlich gar nicht so genau, wieso. - Bzw. ich mache das, weil ich einfach nicht weiß, ob ich grüssen soll bzw. WAS ich sagen sollte.

    Diese "Schüchternheit" -nenne ich es jetzt mal- wird außerdem immer schlimmer.
    Vielleicht liegt es auch daran, dass mitlerweile viele Studenten schon ihren Freundeskreis aufgebaut haben und gar nicht mehr (wie bsp. im ersten/zweiten/dritten Semester) auf der Suche nach neuen Kontakten sind. Vielleicht bin ich auch einfach zu verschlossen, oder uninteressant. Ich weiß es nicht.

    Was ich aber weiß ist, dass ich mich auch oft in einem Zwiespalt befinde. Weil ich nämlich auch irgendwie ganz "froh" bin, wenn ich alleine bin. Ich brauche nicht soooo viele Menschen um mich rum, kann mich am besten alleine entspannen. Bin außerdem recht anspruchsvoll (?), und mag mich nicht mit "jedem" unterhalten, aber vielleicht ist das auch nur Selbstschutz/Schüchternheit, sowas jetzt zu behaupten.
    Trotzdem ärgert es mich, wenn ich im Seminar immer diejenige bin, die alles alleine machen muss, weil sie nur so schwer Anschluss findet.

    Ein weiterer Punkt ist, dass, wenn ich dann mal von jemandem angesprochen werde, ich mich sehr schnell unsicher (fast schon irgendwie "bedroht"?) fühle, gar nicht genau weiß, wie ich reagieren soll. Insbesondere dann, wenn ich gerade nicht damit rechne.

    Okay, soviel soll es erstmal gewesen sein. Vielleicht habt ihr ja ein paar Anregungen oder Tips oder einfach nur Fragen. Ich würde mich freuen.

    Grüße!
    Dhalia

  2. Inaktiver User

    AW: Umgang mit fremden Menschen (II)

    Hallo,

    zuerst möchte ich Dir sagen, daß ich Dein Problem kenne, Du bist also nicht alleine.

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    aber es gibt eben auch ein paar Menschen, die ich immer mal wieder sehe, genau weiß, dass "wir beide" wissen, "aha, man kennt sich".... und ja, dann bin ich immer total unsicher, weiß nicht, was ich tun soll. Grüßen? Ànsprechen? Wegsehen?
    Leider tendiere ich zu letzterem, ich weiß eigentlich gar nicht so genau, wieso. - Bzw. ich mache das, weil ich einfach nicht weiß, ob ich grüssen soll bzw. WAS ich sagen sollte.
    In diesem Fall solltest Du unbedingt wenigstens "Hallo" sagen. Dann sagt die andere Person ebenfalls "Hallo", und damit ist es gut. Wenn Du nicht grüßt, dann halten Dich die anderen Leute für unhöflich.
    Du mußt keine Unterhaltung anfangen, wenn Du es nicht möchtest. Grüßen und Weitergehen reicht auch. Wenn Dich die Person jedoch interessiert, versuche es mit Smalltalk à la "Kommst Du morgen auch zur Vorlesung?", "In welchem Semester bist Du?" etc.

    Ein weiterer Punkt ist, dass, wenn ich dann mal von jemandem angesprochen werde, ich mich sehr schnell unsicher (fast schon irgendwie "bedroht"?) fühle, gar nicht genau weiß, wie ich reagieren soll. Insbesondere dann, wenn ich gerade nicht damit rechne.
    Hier ist es hilfreich, von dem Menschen, der Dich anspricht, nicht sofort das Schlechteste zu denken. Gib ihm in Gedanken eine Art "Vertrauensvorschuß" und interpretiere nichts hinein. Ich denke, Du wirst meist auf der Sachebene (Auskünfte) angesprochen, oder? Die meisten fremden Menschen, die einen ansprechen, wollen nichts Persönliches von Dir, sondern wirklich nur das, was sie in ihrer Frage ausdrücken, oder maximal Smalltalk.

    Du scheinst ein Mensch zu sein, der gerne mit sich alleine ist. Das ist doch klasse! Grundsätzlich würde ich Dir empfehlen, nicht danach zu streben, zum "Salonlöwen" werden zu wollen. Es bringt auch nichts, sich einen großen Freundeskreis zu wünschen und ihn nicht zu haben.
    Versuche einen Mittelweg: sei mit Dir selbst so zufrieden wie möglich und versuche ganz langsam (das kann sich über Jahre hinziehen), eine Handvoll guter Freunde zu finden. Vielleicht findest Du diese Handvoll auch nicht in Deiner Altersklasse, es kann sein, daß Du bei älteren Menschen (Tutoren, Lehrbeauftragte, Assistenten?) eher fündig wirst. Man muß nicht immer mit Gleichaltrigen befreundet sein.

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    AW: Umgang mit fremden Menschen (II)

    hallo dhalia,

    kassanrda hat schon das meiste geschrieben, was mir einfiel, als ich dein posting las. auch ich kann dir bestätigen, du bist nicht die einzige mit diesem problem, ich kenne es auch sehr gut.

    ich denke auch: öffne dich in kleinen schritten. überwinde dich wenigstens schon mal zu einem "hallo" im vorbeigehen. du wirst sehen, es wird nach und nach immer leichter. dann versuche mal ein offenes lächeln dazu. das signalisiert dem anderen: ich habe dich wahrgenommen, schön, dich zu sehen. das kommt prompt zurück und wird dir mut zu mehr machen. irgendwann ergibt sich ein smalltalk von allein. entweder, wenn die anderen das gefühl haben, du bist offen für sie, werden sie dich ansprechen, oder es wird irgendwann aus dir selbst herauskommen. ich glaube, man muss nur einmal beginnen, sich zu öffnen. das kann anfangs etwas überwindung kosten, aber der rest ist ein selbstläufer.

    zum smalltalk: der ist ja immer ein wenig verpönt. aber ich habe die erfahrung gemacht, dass man sich nicht davor scheuen muss. es geht so vielen menschen wie dir oder mir, so dass sie sich freuen, wenn jemand den anfang macht. egal was man sagt, sie freuen sich über jedes belanglose wort. ja, gerade das blabla-thema wetter kann gut missbraucht werden, denn letzten endes beschäftigt es doch jeden. oder fang mal mit müttern an, die ihre kinder bei sich haben. mütter freuen sich immer, wenn sie etwas nettes oder mitfühlendes über ihre kleinen gesagt bekommen.

    ich selbst habe durch meinen jetzigen freund gelernt, offener auf andere menschen zuzugehen. er weiß das gar nicht. als wir uns kennenlernten, sprach er unterwegs immer wieder wildfremde leute an, so im vorbeigehen, auf der straße, im cafe, bei kursen und vorträgen, und sagte ihnen was nettes oder lustiges. es war interessant, wie die erst verdutzten oder misstrauischen gesichter sich plötzlich zu einem lächeln öffneten und freude zeigten. und ihm ging es absolut gut dadurch. zuerst hat mich das aufgeregt: muss er jeden anquatschen? doch dann habe ich gemerkt: er kann etwas, was ich nicht kann, aber können möchte. also habe ich es auch probiert, und es klappt immer besser.

    versuch es einfach mal. nicht nur an der schule, sondern überall. deine sicherheit im umgang mit anderen menschen wird steigen, und mit der zeit wirst du auch selbstsicherer reagieren können, wenn dich jemand anspricht. du wirst gar nicht mehr in solche situationen geraten, dass du unerwartet angesprochen wirst, da du ja mehr in die offensive gegangen bist. du wirst sehen, dass es keine bedrohung ist, angesprochen zu werden, da du ja auch niemanden bedrohst, auf den du zugehst. deine privatsphäre, die zeit, die du für dich allein brauchst, muss dadurch nicht gefährdet sein. du wirst sicher ein gespür dafür bekommen, wie weit du gehen möchtest.
    Bewahre mich vor der Angst,
    ich könnte das Leben versäumen.
    Gib mir nichts, was ich mir wünsche,
    sondern was ich brauche.
    Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.


    Antoine de Saint-Exupéry

  4. Inaktiver User

    AW: Umgang mit fremden Menschen (II)

    ich glaube, es ist manchmal auch einfach eine Notwendigkeit, auf LEute zuzugehen. Auf die meisten hab ich auch keinen Bock, aber entweder ich muss mit ihnen zusammenarbeiten, oder sie sind Kunden, oder oder oder - tja, und dann muss ich halt ran.

    Hilfreich ist für mich, ein kleines Repertoire an Small-Talk-Anfängen zu haben für verschiedene Situationen, die spule ich dann gern runter. Meistens ergibt sich daraus dann etwas.
    Ebenso: Lächeln, Lächeln, Lächeln. Oft macht dann auch der andere den Anfang, und du sparst dir die mühsame Suche nach einem Einstieg.

    Zum Angesprochen-Werden: das passiert mir sehr oft, auch in eindeutigem Kontext - und ich seh's als Kompliment. Hey, ein Mensch findet dihc interessant, und will dich (unverbindlich) kennenlernen. Ist doch ne super Chance. Und wenn dir nichts einfällt: dann sag doch einfach, dass es dich freut, dass die Person auf dich zugekommen ist.

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    AW: Umgang mit fremden Menschen (II)

    Hallo Dhalia,

    als ich Deinen Beitrag las, dachte ich, der hätte vor zehn, fünfzehn Jahren von mir geschrieben sein können. Mir ging es ganz genauso: große Fakultät, alles sehr anonym, irgendwann schienen alle sich zu kennen, nur ich kannte niemanden. Und dann war das Studium irgendwann rum... Mittlerweile habe ich diese Schüchternheit zumindest soweit überwunden, dass ich nicht mehr leide und wenn ich will auch recht offen auf Menschen zugehen kann. Aber ich weiß auch, dass Schüchternheit immer ein Teil meines Wesens bleiben wird.

    Was ich aus heutiger Sicht anders machen würde im Studium?! Ich würde mir glaube ich ganz gezielt Seminare und Veranstaltungen raussuchen, die nur einen kleinen (oder halt relativ kleinen) Teilnehmerkreis ansprechen. Da kommt man deutlich schneller ins Gespräch, als wenn man jede Woche neben gänzlich unbekannten Kommilitonen sitzt. Ich würde mich eher für Gruppenarbeiten -referate melden, was ich immer total vermieden habe. Wenn man mit anderen zusammenarbeiten muss, ergibt sich viel leichter ein Kontakt, als beim bloßen Smalltalk vor der Vorlesung (das war und ist einfach nicht mein Ding). Bei uns wurden seinerzeit auch mal Blockseminare über ein Wochenende angeboten. Sowas würde ich ebenfalls mal ausprobieren. Also einfach Gelegenheiten suchen, wo wenige Leute intensiver miteinander zu tun haben.

    Ich habe meine Schüchternheit teilweise überwunden, als ich nach dem Studium für drei Jahre nach Prag gegangen bin, um dort meine Doktorarbeit zu schreiben. Allein im fremden Land ohne nennenswerte Sprachkenntnisse - das war die reinste Konfrontationstherapie. Insofern wäre ein Auslandssemester vielleicht auch eine Überlegung wert, auch wenn Dir das bei der vor-Ort-Situation nicht sonderlichviel hilft.

    Anschließend habe ich noch eine einjährige Fortbildung in einer kleinen Gruppe von 14 Leuten gemacht. Das hat auch viel gebracht, weil man sich da nicht in der Menge verstecken konnte. Gerade dieses Verstecken fand ich an der Massen-Uni am Anfang noch richtig klasse. Heute würde ich nicht mehr an so einer Uni studieren wollen.

    Dann habe ich einige Gruppenreisen alleine gemacht. Auch ein sehr gutes Training.

    Nebenher noch eine Coaching-Ausbildung mit der Notwendigkeit, sich vor einer Gruppe zu öffnen (das war richtig schwer und war auch erst vor zwei Jahren, früher hätte ich das nicht gepackt).

    Und der Beruf tut nun ein Übriges, aber ich merke immer noch die Tendenz, mich hinter anderen zu verstecken und zu sehr zurückzuhalten. Es geht aber schon sehr, sehr viel besser als noch zu Studienzeiten.

    Was ich damit sagen will: es ist letztlich permanente Arbeit aber auch Geduld und Großzügigkeit mit sich selbst notwendig, um sich auf dem Gebiet weiterzuentwickeln. Einerseits muss man sich Zeit geben und nicht ständig unter Druck setzen (nun sprich mal mit den Leuten, sei offener), andererseits sollte man sich aber immer wieder diesbezüglichen Herausforderungen stellen, um hinzuzulernen.

    Schüchternheit hat ja auch Vorteile: schüchterne Menschen sind oft rücksichtsvoll und einfühlsam, gute Zuhörer und angenehme Gesprächspartner. Aber sie werden auch leicht übersehen, haben es schwerer, im Leben voranzukommen. Ich habe einen Kollegen, der immer so schüchtern ist, wie ich vor fünfzehn Jahren. Und ich muss sagen, ich möchte nicht tauschen. Er zeigt mir ein Stück weit, was aus mir geworden wäre, wenn ich nicht immer weiter an mir gerarbeitet hätte.

    Aufmunternde Grüße,

    Malina
    Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt. (Psalm 30)

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    AW: Umgang mit fremden Menschen (II)

    Liebe Dhalia,
    auch mir ging es früher so. Vieles an "Smalltalk" war mir zu blöd, ich war eigentlich gerne alleine und fand's trotzdem manchmal belastend,niemanden zum Austausch zu haben. Ohne wiederholen zu wollen, was meine Vorschreiberinnen angemerkt haben:
    1. Alle kochen nur mit Wasser und sind nicht so stark und selbstbewußt, wie sie wirken.
    2. Such dir einzelne Leute aus, die du magst und pflege diese Kontakte (d.h. grüßen und auf sie Zugehen- meist freuen sie sich darüber..)
    3. Du mußt nicht mit jedem auskommen! Du hast es in der Hand, welche Kontakte du möchtest.
    4. Wenn dir jemand blöd kommt-sei's drum. Dann sind sie deine Freundschaft nicht wert.
    LaDiva

    ____________________________

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