"Ich habe grundsätzlich überhaupt nichts gegen Therapien - im Gegenteil - aber eben gegen dieses Gefühl, man müsse alsbald wieder funktionieren und dürfe sich nicht auch mal hängen lassen und eine (für sich persönlich) angemessene Zeit um scheidende Liebespartner, Träume und Lebensziele, die man schwinden sieht, trauern und mit der aktuellen Lebenssituation hadern."
... Und genau das ist es, Martin, was ich OutOfOrder auch sagen wollte! Einfach die Gefühle und Stimmungen - und wenn sie noch so schwarz und negativ sind, zulassen!!
( Kann mir mal einer erklären, wie ihr das mit den Zitaten hinkriegt?)![]()
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Schönen Sonntagabend noch![]()
Ricky
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12.08.2007, 18:43
AW: Einsamkeit zerfrisst mich....
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12.08.2007, 20:03
AW: Einsamkeit zerfrisst mich....
Von mir hierzu 100% Zustimmung. Das sehe ich ganz genauso. Ich kriege eben nur zuviel, wenn eine Therapie deshalb nahegelegt wird, damit man möglichst schnell wieder "normal funktioniert" (ohne dass ich hier jemandem unterstellen will, das aus diesem Grunde vorgeschlagen zu haben).
Zitat von Inaktiver User
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12.08.2007, 22:38
AW: Einsamkeit zerfrisst mich....
Liebe OutofOrder,
in deiner Geschichte finde ich sehr viel von mir wieder.
Der Unterschied zwischen uns: ich habe geheiratet (er ist mein bester Freund geworden) und ich habe ein Kind bekommen.
Das Schreckliche: es änderte gar NICHTS an der Verzweiflung und Sinnlosigkeit.
Ich habe es nur vorher gedacht, es würde was ändern.
Wir wachsen doch fast alle mit der Meinung auf, dass wir einen Beruf brauchen, ein Zuhause, Partner, Kind, Hobbys...
Und irgendwie erwarten wir dann (wenn wir es haben) dass wir glücklich sind.
Ich glaube, solange wir Probleme haben (mit der Gesundheit, Job, noch in Ausbildung, Partnerschaftsprobleme,...) sind wir am Kämpfen, haben noch die Hoffnug, dass es später ganz toll ist, wenn wir die Probleme erledigt haben.
Wenn wir aber KEINE Probleme haben, dann haben wir erst die Chance die LEERE zu erkennen.
Zu spüren, dass Sinn fehlt.
Ich habe Jahre gebraucht um zu begreifen, dass ein "eigentlich" perfektes Leben noch lange nicht für mich persönlich gut sein muss.
Dass es nur darauf ankommt, sich selbst kennenzulernen, zu begreifen, dass jeder Mensch anders ist und ein anderes Leben braucht.
Ich habe lange gebraucht um herauszufinden, was mir an dem "perfekten" Leben nicht passt. Nämlich: alles, was nicht froh macht. Alles, was dich NICHT froh macht, ist schlecht. Egal wie "gut" es eigentlich ist.
Alles, was dich nicht glücklich macht, ist Zeitverschwendung.
Ich habe mein ganzes Leben umgestellt. Mein Beruf geändert, meine ganze Lebensweise. Ich kenne nur noch wenige Menschen aus meinem früheren Umfeld.
Weißt du, ich glaube nicht mehr daran, dass nur das NEGATIVE die Probleme im Leben verursacht, sondern einfach das, was nicht zu uns passt!
Ich glaube NICHT, dass du ein neues Hobby brauchst oder Ablenkung. Wenn es dir so geht wie mir, dann schlummert in dir eine ganz andere Frau, ein anderer Charakter, die ganz anders leben will.
Vielleicht bist du die Frau, die in einem Jeep durch die Wüste brettert und Hilfsorganisationen leitet. Vielleicht bist du eine gute Mama für ein Kinderdorf, ...
Ich habe nicht den Eindruck, dass du Therapie brauchst, sondern eher ein Selbstfindungeseminar und eine Vision von dem Leben, das zu dir passen würde.
Es war für mich ein langer Prozess herauszufinden, wie ich leben muss, was ich machen muss, damit mein Blutdruck von allein hochgeht (früher hatte ich niedrigen), damit ich morgens glühend-freudig-bibbernd aus dem Bett springe.
Was mir geholfen hat: ein Bekannter sagte zu mir:
"Dein Verstand ordnet dein Leben und du erwartest, dass du innerlich zufrieden bist. Aber so läuft das nicht. Du kannst nicht drüber bestimmen, WAS dich glücklich macht. Du kannst es nur herausfinden, entdecken und dann tun. Selbst wenn es bedeutet, dass du barfuss durch den Dschungel marschieren musst."
Alles Gute für dich
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13.08.2007, 09:51Inaktiver User
AW: Einsamkeit zerfrisst mich....
Liebe Karmella, deinen Beitrag finde ich sehr, sehr gut. Auch wenn er nicht an mich gerichtet ist, vielen Dank dafür. Du fasst zusammen, was mir gerade an diesem Wochenende - das ich alleine für mich verbrachte - durch den Kopf und auch Bauch ging.
Zitat von Karmella
Im Endeffekt geht es mir ähnlich wie outoforder - recht frisch getrennt aus einer sehr schlechten Beziehung - und konfrontiert mit Einsamkeit und auch viel Alleinsein.
Die Lösung 'neuer Mann' oder überhaupt 'Mann' ist es nicht. Kann es nicht sein, weil die Tragfähigkeit meines Lebens hängt von mir ab. ICH bin die Basis.
Und dazu gehört Zufriedenheit, den Sinn des Lebens finden. Das Glück in mir selbst. Morgens aus dem Bett springen und sich auf den Tag, die Aufgaben freuen. Im Moment tue ich das nicht.
Auf dem Weg, herauszufinden WAS mich glücklich macht, bin ich jetzt auch.
Gibt es vielleicht noch unterstützenden 'Tipps' von dir für diesen Prozess?
Lieber Grüsse, Julifrau
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13.08.2007, 10:05Inaktiver User
AW: Einsamkeit zerfrisst mich....
@ Martin und Karmella - Ihr schreibt super Beiträge und gebt mir gerade viele neue Denkanstöße, obwohl ich ja garnicht OutofOrder bin.
Danke dafür.
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13.08.2007, 12:11
AW: Einsamkeit zerfrisst mich....
Das klingt sehr nach einer hedonistisch (also schlichtweg am Lustgewinn = Glück?) ausgerichteten Lebensphilosophie, der ich eigentlich auch anhänge. Aber herauszufinden, was genau die Dinge sind, die den Lustgewinn für einen persönlich ausmachen ist eben nicht so einfach.
Zitat von Karmella
Wenn ICH persönlich einfach einmal mein bisheriges Leben betrachte, dann muss ich wohl zu der Erkenntnis kommen, dass für mich ein sehr wichtiges "Glücks-Ding" tatsächlich immer eine "gute Partnerschaft" war, mit der ich mein Leben teilen kann - und zwar die guten wie die schlechten Aspekte. Das war mir immer wichtiger z.B. als Karriere, Geld oder Status. Doch vielleicht ist das ja genau DER Fehler, da auf diesem Wege das "Glück" eben nie allein aus mir heraus "entspringen" kann.
Mich würde sehr interessieren, wie genau Du dein Leben umgestellt hast. Was hast Du konkret an Deinem Beruf, an Deiner Lebensweise geändert? Was gibt Dir nun mehr Sinn als früher und sorgt für ein freudiges aus dem Bett springen?
Zitat von Karmella
So klingt das zwar alles ganz schön, aber für mich doch wenig konkret. Kannst Du vielleicht einige Beispiele nennen, was Du für DICH eben als das richtige erkannt hast und WIE Du dazu gekommen bist. Durch "Trial & Error"?
Viele Grüße
Martin
PS. Vielleicht nicht wirklich eine Hilfe - aber an folgendem Zitat ist sicherlich auch etwas dran:
"Die meisten Leute machen sich selbst bloß durch übertriebene Forderungen an das Schicksal unzufrieden."
Wilhelm Freiherr von Humboldt
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13.08.2007, 12:16
AW: Einsamkeit zerfrisst mich....
In der Tat, ein neuer Mann oder überhaupt einen Mann zu haben ist nicht die Lösung für ein zufriedenes Leben. Wie soll derjenige Dir Zufriedenheit und Glück schenken, wenn man selbst ruhelos und auf der suche nach etwas ist.
Zitat von Inaktiver User
Der Weg zur Zufriedenheit und des Glücklichseins ist lang, aber nicht unerreichbar. Was man noch machen kann. einfach Dinge ausprobieren die einen interessieren. Ich meine jetzt keine VHS-Kurse oder so, sondern:
Interessierst du dich für Literatur? - stöbere die Buchläden durch, da fallen dir Bücher in die Hände, denen hättest du sonst keine Aufmerksamkeit gezollt. Ich hätte selbst nie gedacht, die klassische Literatur zu lieben und davon nicht mehr loszukommen.
Reizt dich der Sport - na dann mal los und hole dir die passende Kleidung zum sporteln. Auch wenn letztendlich die Erkenntnis kommt, dass man keinen Marathon laufen muss, sondern 30 Minuten laufen einen völlig glücklich macht.
Liegt dein Interesse bei der Handarbeit - auch dafür gibt es genügend anlaufstellen
Oder die Kunst - Ja auch dafür gibt es interessante Ausstellungen etc.
Es sind Dinge die man erst alleine anfangen muss, aber im Laufe der Zeit finden sich Gleichgesinnte, der eine bleibt der andere geht, neue interessen werden geweckt.
Einfach mal die Seele baumeln lassen und wenn es bei 20 Gard am Strandbad liegt mit einem guten Buch, einer Thermoskanne Kaffee und guten Freundin - sich einfach nur entspannen ohne Zeitdruck
Ich hoffe es hat dir geholfen.
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13.08.2007, 12:26Inaktiver User
AW: Einsamkeit zerfrisst mich....
Hedonistisch finde ich es nicht, dafür zu sorgen, möglichst 'rund' im Leben zu stehen, d. h. Dinge zu tun, die Freude machen, die dem Bauch gut tun. Um das mal in meiner Sprache zum Ausdruck zu bringen.
Zitat von Martin_36
Hedonismus hat für mich persönlich immer einen Beigeschmack der Egozentrik. Denn Lustgewinn bedeutet für mich etwas anderes als Glücksgewinn.
Lust ist kurzfristig; Glück halt ich für dauerhafter.
Lust zu befriedigen ist auf mich selbst gerichtet. Lust kann leicht eine Beziehung zu Sucht entwickeln.
Glück hat einen Multiplikationsfaktor. Ein glücklicher Mensch teilt.
Bin ich glücklich, strahle ich dies aus, mein Umfeld profitiert.
Julifrau
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13.08.2007, 13:33Inaktiver User
AW: Einsamkeit zerfrisst mich....
@OnIce: danke für dein Posting. Ja, in diese Richtung bewege ich mich auch, Dinge zu entdecken, die mir Spaß machen.
Gehe ich dabei in mich, dann ist es eindeutig 'etwas' in Richtung Kreativität, was mich glücklich macht. Ich möchte etwas 'gestalten'. Das muß nicht unbedingt Kunst sein, es könnte auch etwas anderes sein, nur ein 'Produkt', etwas, das ich sehe.
Beruflich arbeite ich mit Papier. Sehe praktisch nie reale Ergebnisse.
Es macht mir auch gute Laune, z. B. eine anspruchsvolle Wohnzeitschrift zu lesen, schöne Dinge zu sehen und FARBEN. Farben machen mich happy.
Ich wollte jetzt auch wieder beginnen zu nähen, aber es scheitert im Moment noch, ich habe es noch nicht geschafft, z. B. konkret nach Stoff zu schauen.
Für Tipps und Anregungen bin ich dankbar
LG Julifrau
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13.08.2007, 14:15
AW: Einsamkeit zerfrisst mich....
Ohne jetzt wirklich eine semantische Diskussion lostreten zu wollen. Aber genau das verstehe ich eigentlich darunter!
Zitat von Inaktiver User
Der Begriff Hedonismus wird heute meist nur im abwertenden Sinn gebraucht, ursprünglich war damit gemeint, daß das private Glück als höchstes Gut in der Erfüllung individueller, physischer und psychischer Lust gesehen wird.
Das sehe ich persönlich anders. Ohne Lust (Freude, Interesse, Spaß) an etwas wird man wohl auch kaum Glück empfinden können. Denn woraus sollte das "Glücksgefühl" sonst entstehen?
Zitat von Inaktiver User
Epikur sah z.B. die Lust als Prinzip eines gelingenden Lebens. Heutzutage wird es wohl leider eher mit Sex, Drogen, Egoismus in Zusammenhang gebracht. Bei Wikipedia steht sogar so ein Schwachsinn, dass das Gegenteil von Hedonismus Altruismus sei. Ich halte es jedenfalls für optimal, würde man die Dinge, die man im Leben tut, eben mit Lust daran tun. Und ich glaube, dass man auch nur so glücklich werden kann.
Je mehr Dinge wir eben mit Unlust tun (z.B. weil wir sie tun müssen im Privatleben oder Beruf) je schwieriger wird es wohl werden, Glück oder Sinnhaftigkeit darin und im Leben zu empfinden.
Aber lasst uns outoforders Thema vielleicht besser nicht mit solch theoretischen Spitzfindigkeiten kontaminieren
Denn ob ihr das weiterhilft...(oder sonst jemanden hier).


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