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    wie werde ich egoistisch(er)?

    Mein Nickname hat nichts mit meinem Alter zu tun ;) Ich bin jetzt 46 Jahre alt, fast 47 und stelle immer wieder fest, dass sich in meinem Denken etwas festgesetzt hat, was ich für mich als schädlich empfinde, nämlich die Ausrichtung aufs Gegenüber ohne Sinn und Verstand.

    Eigentlich weiss ich super genau, was ich will und ich habe auch keine Probleme mit meinem Selbstbewusstsein oder mit meinen Zielen - und , perfiderweise wüsste ich auch genau, wie ich im zwischenmenschlichen zu agieren hätte, wenn, ja wenn nicht folgendes mein Problem wäre:

    Person X läuft mir über die Füße und hat einen Anspruch auf mich / an mich. Statt nachzudenken: " passt mir das jetzt, möchte ich das, geht das überhaupt für mich?" ist meine erste und oberste Prämisse " es möglich zu machen". Die Konsequenz auf lange Strecke ist dann meist, dass meine Umgebung die Haltung " ach die Torty, die macht das schon, ich muss sie nur fragen" annimmt, was mich auf lange Sicht unglaublich anstrengt.

    Versteht mich nicht falsch - einkaufen für jemanden, der krank ist - kein Problem. Hund zum Tierarzt bringen wenn der Halter nicht kann- kein Ding. Aber es entwickelt sich so ein Selbstläufer, dass ich (um bei diesem konstruierten Beispiel zu bleiben) dann jedesmal beauftragt werde, den Hund zum Tierarzt zu bringen, weil " ich kann da nicht / du machst das doch gerne (NAHAIIIIN!!!!) / es geht echt nicht anders (is doch DEIN Hund?!)...

    Um ein typisches Beispiel zu nennen als der Realität:

    zwei nahe Verwandte, berentet, schneien zweimal im Jahr in ihrem Haupthaus des Weges, weil sie Lust auf Land und Kultur haben. Diese Kurzvisiten sind gut geplant, Arzttermine, Touren.... Beide sind super mobil und noch recht rüstig.
    Vor einiger Zeit fiel es dann auf, dass wir uns doch schon länger nicht mehr gesehen hätten (vor Corona), ein Treffen wurde angesetzt. Ich möchte anführen: ich wurde nicht gefragt, es wurde fefstgesetzt. (Fehler Nummer 1),
    Dummerweise ging aber wegen der ganzen Termine - hier ein Kaffeechen mit der Nachbarin, dort ein Optikertermin nur ein ganz spezieller Wochentag, nachmittags.
    Ich arbeite VZ, mein Mann arbeitet VZ, meine Tochter geht in die Schule und hatte am nächsten Tag eine wichtige Schulaufgabe.

    Statt zu sagen " ey, sorry, aber ich arbeite, mein Mann arbeitet, das Kind hat morgen eine Schulaufgabe, wir KÖNNEN nicht am Nachmittag zu Kaffee und Kuchen bei Euch rumsitzen, dann müsst Ihr halt einen Tag länger am Zweitaufenthaltsort sein, abgesehen davon, Euer Erstwohnsitz ist jetzt auch nicht SO weit weg, wir können auch ein ander Mal uns sehen, jetzt geht's grad echt nicht" .... habe ich es möglich gemacht.

    Arbeit früher beendet, dem Kind das Lernen irgendwie umgeplant auf abends, Mann gebeten, früher aufzuhören um dann - sorry, dass ich es echt mal so brutal sage- einen Nachmittag geopfert zu haben.

    Ich würde so viel lieber in diesen Fällen einfach sagen " nope, weil is mir zu viel Aufriss und ehrlich, das rennt uns nicht davon, wir haben uns eh ein knappe Jahr nicht gesehen, als chillaxt Euch mal" ist mein Impuls nur der " jemand will was, ich mach das möglich" - und mich dann anschließend zu ärgern.

    Wie kann ich es lernen, in so einem Moment zuerst mal an MICH zu denken? Mir fällt es meist später ein und dann ist es zu spät oder - und das finde ich noch schwieriger, das Verhalten hat sich so eingefahren, dass es fast schon Usus ist und eine Verweigerung von mir mit einer Mordsdiskussion beantwortet wird (ich habe das schon ausprobiert, bin ja schon etwas älter).

    Ideen? Buchvorschläge? Hinweise?

    DANKE

    P.S: bevor sich jemand fragt: nein. Ich bekomme keine Hilfe. Es ist also nicht gegenseitig. Sonst wäre es in Ordnung, gibt ja diese super patenten Frauen, die alles können und denen nix Mühe macht. Bin ich aber nicht. Ich würde mir zB auch mal wünschen / hätte mir gewünscht, dass nahe Verwandet mit dem Kind mal wenigstens 30 Minuten auf den Spielplatz gehen. (also nahe nahe Verwandte...) Oder mal jemand mir die EInkäufe mitbringt, wenn ich krank bin - oder als wir alle in Quarantäne mussten Knall auf Fall, dass da jemand wenigstens mal eine Tüte Lebensmittel vor die Türe stellt. Und ja, ich frage schon. Aber " sorry Süße, so im Stress... Sorry ZU WEIT WEG. Ach Du weisst doch, wir KÖNNEN das nicht oder: Schweigen."

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    AW: wie werde ich egoistisch(er)?

    Wie ist denn deine Gefühlslage, wenn du nachgibst - hast du Angst vor einem Konflikt, den ein Nein auslösen könnte? (also Vermeidung eines negativen Gefühls) Oder möchtest du gebraucht werden? (Schaffung eines positiven Gefühls)
    "Wenn du erstmal Feminismus hast, das wirst du so schnell nicht mehr los."
    (Gerburg Jahnke)

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    AW: wie werde ich egoistisch(er)?

    Magst du mal "dahinter" schauen warum?

    Das wird weh tun ist aber auch der Schlüssel zur Lösung.

    Machst du das alles, weil

    - du gemocht werden willst?
    - du hoffst das die leute das auch für dich machen würden?
    - du deinen selbstwert daraus ziehst?
    - einen möglichen Konflikt nicht aushalten könntest?
    - dir irgendwo der ruf schmeichelt?
    - du selbstlos sein möchtest?
    - dich durch dein Handeln von anderen abheben möchtest?


    Usw.

    Die ehrliche Beantwortung wird unangenehm sein..... Aber so kommst du dem ganzen auf die Spur
    Betrunken flirten ist wie hungrig Einkaufen gehen.

    Man geht mit Sachen nach Hause, die man eigentlich gar nicht will
    .

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    AW: wie werde ich egoistisch(er)?

    der erste schritt wäre:

    zeit. du lässt dich mit einer antwort, zusage nicht mehr drängen. du musst das erst mit deinem mann besprechen. du musst schauen wegen dem dienst.

    das verschafft dir eine "verschnauf" und "nachdenk" pause.

    und du hast auf deinem schreibtisch, in deinem kalender und ähnlichem kleine merkzettel kleben auf denen steht: nein. ohne diskussion- nein.


    meine leute wissen schon längerfristig: ohne meinen kalender sage ich nichts.
    und dann wird auch niemand meinen kalender kontrollieren. ich sage was geht.
    mit zeitlichem abstand.
    hat mir den ruf verpasst: nicht spontan zu sein- aber damit kann ich leben.

    der zweite schritt: nicht auf diskussionen einzugehen.
    nicht jede aktion verdient, bedingt eine reaktion.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

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    AW: wie werde ich egoistisch(er)?

    Dem Tipp von brighid schließe ich mich an: Du neigst dazu, spontan keine Grenzen zu setzen. Also verkneif Dir Deine spontane Reaktion, indem Du sagst, Du siehst Dir mal an, ob Du da Zeit hast. Dann: Die Reaktion, die Dir jetzt als ideal vorschwebt, ist sehr weitschweifig. Es würde reichen, wenn Du freundlich sagst, dass es grade leider zeitlich sehr eng ist und dass Du mal schaust, wann es besser klappt.

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    AW: wie werde ich egoistisch(er)?

    Zitat Zitat von brighid Beitrag anzeigen
    der erste schritt wäre:

    zeit. du lässt dich mit einer antwort, zusage nicht mehr drängen. du musst das erst mit deinem mann besprechen. du musst schauen wegen dem dienst.

    das verschafft dir eine "verschnauf" und "nachdenk" pause.

    und du hast auf deinem schreibtisch, in deinem kalender und ähnlichem kleine merkzettel kleben auf denen steht: nein. ohne diskussion- nein.
    Ein Supertip!!!

    Denn das ist dein anerzogenes, eingeprägtes Urthema, sehr weiblich, sehr mädchenerzieherisch: NEIN sagen. Muss frau manchmal jahrelang üben (kenn ich auch sehr gut) … und es dann aushalten, nicht lieb und nett gefunden zu werden!

    Das Gute: geht mit der Zeit immer besser, es macht manchmal sogar richtig Spaß, nicht ans Telefon zu gehen. Es verschwindet dieses automatische Verpflichtungsgefühl.
    ************************************************** ******************

    „Nimm Dein Leben ein bisschen in die Hand. Wenn Du es gut behandelst, dann beisst es auch nicht! “
    [Geschenkt von Gustave]

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    AW: wie werde ich egoistisch(er)?

    Zitat Zitat von Rotweinliebhaberin Beitrag anzeigen
    Denn das ist dein anerzogenes, eingeprägtes Urthema, sehr weiblich, sehr mädchenerzieherisch: NEIN sagen. Muss frau manchmal jahrelang üben [...] … und es dann aushalten, nicht lieb und nett gefunden zu werden!

    Ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen: üben und aushalten!

    Positiv weiterhin:
    Die anderen merken mit der Zeit, dass Du nicht mehr nach ihren Plänen handelst, sondern dass es einer Abstimmung bedarf und oft auch ein NEIN kommt. Sie werden anfangs versuchen, Dich zu "bearbeiten", damit Du wie üblich funktionierst, aber je konsequenter Du bleibst, umso schneller geht diese Phase um.

    Auch positiv: Deine Tochter lernt von Dir!
    (heißt aber auch, ihre NEINs zu akzeptieren / natürlich im erzieherisch-vernünftigen Rahmen, Schulbesuch nicht canceln ).
    Was es alles gibt, das ich nicht brauche!
    (Aristoteles)

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    AW: wie werde ich egoistisch(er)?

    Ojj, meine ganze Antwort weg :( Ich antworte dann wohl noch mal :(

    Als erstes: vielen Dank für den Tip mit dem "erst mal nein sagen" - weil mir genau diese (ich schätze) 2 bis 5 Minuten fehlen, nach dieser Zeit sehe ich nämlich "klarer" und denke mir "nee. einfach NEEE!!!".

    Postits sind eine super Idee, da bin ich nicht drauf gekommen. Ich bebb mir eins aufs Smartphone;))

    So, jetzt die Antworten in lang

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    AW: wie werde ich egoistisch(er)?

    Zitat Zitat von Puls Beitrag anzeigen
    Ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen: üben und aushalten!

    Positiv weiterhin:
    Die anderen merken mit der Zeit, dass Du nicht mehr nach ihren Plänen handelst, sondern dass es einer Abstimmung bedarf und oft auch ein NEIN kommt. Sie werden anfangs versuchen, Dich zu "bearbeiten", damit Du wie üblich funktionierst, aber je konsequenter Du bleibst, umso schneller geht diese Phase um.

    Auch positiv: Deine Tochter lernt von Dir!
    (heißt aber auch, ihre NEINs zu akzeptieren / natürlich im erzieherisch-vernünftigen Rahmen, Schulbesuch nicht canceln ).
    Danke für den HInweis mit dem konsequent bleiben, auch wenn ich das weiss, ich neige zum nachlässig sein, wenn es um mich geht.
    Meine Tochter kann sich zwischenzeitlich herovrragend abgrenzen, aber sie musste das auch auf die harte Tour lernen, am Anfang war sie auch so ein gutmütiges Schäfchen, das den anderen die Sportsachen getragen hat - jetzt ist sie 14 und sehr.....meinungsstabil;)

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    AW: wie werde ich egoistisch(er)?

    Zitat Zitat von Rotweinliebhaberin Beitrag anzeigen
    Ein Supertip!!!

    Denn das ist dein anerzogenes, eingeprägtes Urthema, sehr weiblich, sehr mädchenerzieherisch: NEIN sagen. Muss frau manchmal jahrelang üben (kenn ich auch sehr gut) … und es dann aushalten, nicht lieb und nett gefunden zu werden!

    Das Gute: geht mit der Zeit immer besser, es macht manchmal sogar richtig Spaß, nicht ans Telefon zu gehen. Es verschwindet dieses automatische Verpflichtungsgefühl.
    Hallo:) Tatsächlich hat da wirklich was in mir geklingelt. Ich war meinen Eltern immer zu "unweiblich". Ich kann das gar nicht zählen, wie oft ich gehört habe
    " sei nicht so sei nicht so, nimm Rücksicht, sei nicht so egoistisch, sei nicht so, kümmer Dich um andere,"- ich war gut, wenn ich nützlich war. Letzten Endes gipfelte das darin, dass ich elternwillenkonform einen Beruf gelernt habe, der per se altruistisch ist, altruistischer geht es nicht. Meine Mutter verklärte das Leben als Nonne und wäre sackestolz auf mich gewesen, wäre ich zusätzlich noch in einen Orden gegangen.

    8 Jahre habe ich das Dienen, Helfen, mich unterordnen....ausgehalten (nix gegen den Beruf an sich, aber wenn man ihn nicht machen WILL ist er die Hölle!), dann kam der Berufsbruch und der Start meines echten Berufslebens mit Weiterbildung, Studium und mMn Erfolg. Meine Eltern waren entsetzt ob meiner Wahl unterstützten mich null und auch heute höre ich nie ein " was machst Du eigentlich so" - bis heute ist die komplette Familie der Meinung, ich wäre eine Frontalversagerin.

    Ich merke, dass das wirklich zwickt und somit wohl ein Weg ist, den ich geistig abklappern muss. Danke für den Anstoß!

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