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    Lebensplanung aufgeben

    Kurz vorab: Ich bin kein Mensch, der sein Leben für einen längeren Zeitraum als über 2-3 Jahre hinweg plant. Ich habe neben meinem ersten Master noch ein Postgraduiertenstudium absolviert und wollte nach diesem Studium gerne in einem europäischen Nachbarland promovieren. Leider hat mich eine schwere psychische Erkrankung völlig aus der Bahn geworfen, so dass ich jetzt damit beschäftigt bin, in Deutschland überhaupt wieder beruflich Fuß zu fassen. Den Plan, in das Nachbarland zu ziehen, musste ich also erst einmal aufgeben.

    Während der gesamten Erkrankungsdauer war in dem Nachbarland in der von mir präferierten Stadt keine passende PhD-Stelle frei. Manchmal denke ich mir also, dass es eventuell auch ohne diese Erkrankung nicht geklappt hätte und "nicht hätte sein sollen", aber es fällt mir doch schwer, jetzt weiterhin in einer Stadt ausharren zu müssen, von der ich eigentlich genug hatte.

    Ich hatte mich so auf einen Neustart mit neuen Menschen, nach Möglichkeit in einer WG in einer mir fremden Stadt mit einer neuen Sprache gefreut und wurde so aus dem Leben gerissen, dass dieser Plan jetzt erst einmal mehrere Jahre auf Eis liegt. Hat hier jemand eine ähnliche Situation erlebt und Tipps, wie man mit so einem Perspektivwechsel umgehen kann?

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    AW: Lebensplanung aufgeben

    Hey,

    da du ja auch vor deiner Krankheit nicht wirklich langfristig geplant hast, kannst du doch einfach so weitermachen und nur in kleinen Schritten denken. Dir ganz kleine Ziele setzen, vielleicht erstmal nur für ein paar Monate und dann sehen wie es läuft und wohin dich der Weg führt?!.

    Die Enttäuschung ist natürlich verständlich, aber nur du kannst einschätzen was du mit der Krankheit realistisch erreichen kannst. Dass sowieso keine passende Stelle frei gewesen wäre, mildert die Enttäuschung doch wenigstens etwas. Anders, als wenn dir dadurch jetzt dein Traumjob entgangen ist.

    Ansonsten: Prioritäten setzen. Was ist am wichtigsten? Ein neuer Job? Eine neue Stadt? Neue Wohnung? Alles auf einmal wird nix. Das ist ja selbst im gesunden Zustand schon nicht leicht.

    Liebe Grüße

    Giesskanne

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    AW: Lebensplanung aufgeben

    2-3 Jahre?

    Ich bin mal ein wenig kritisch: Deine Überschrift spricht Bände. ... Kann es sein, dass hinter dem "überschaubaren", weil vielleicht eh nicht eingetroffenen, Verlust der PhD Stelle im Ausland eben doch, aufgrund Deiner Erkrankung, der Verlust eines Lebenstraumes stehen könnte?

    Promotion, Ausland ... das zielt doch schon auf eine akademische (oder wie auch immer geartete) Karriere hin. Kann es sein, dass es das ist, was Dir eigentlich zu schaffen macht?
    Also die Frage, ob Du mit Deiner psychischen Konstitution überhaupt (jemals wieder) in der Lage sein wirst, das, was da in Deinem obigen Text mitschwingt (also Karriere) zu machen?

    Ich kenne einige Menschen, die es früher oder später aus ihrem geplanten Leben geworfen hat. Was ich Dir auf jeden Fall sagen kann: Alle haben nach einer Zeit der Orientierung (und teilweise auch ziemlicher Niedergeschlagenheit) wieder einen Platz im Leben gefunden, wo sie sich wohlfühlen.

    Man kann solche Schicksalsereignisse also sehr gut nutzen, um für sich noch mal (neu) heraus zu finden, was einem wirklich wichtig ist.

    Schwierig ist es meistens dann, wenn man eigentlich andere Vorstellungen von sich hatte, wie man selbst zu sein hätte.
    Es kann dann hilfreich sein, sich zu fragen, ob das wirklich die eigenen Wünsche sind, die da enttäuscht wurden, oder ob es nicht doch auch viel von dem ist, was von außen (Eltern, Gesellschaft, ...) "erwartet" wird.
    Wenn man tatsächlich merkt, nein, ohne geht es nicht - dann findet man auch einen Weg oder eine Abzweigung auf dem Weg dahin.

    Alles Gute für Dich!
    Ich kann nicht alles erleben, aber ich kann [in einem gewissen Rahmen] leben, wie ich will.

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    AW: Lebensplanung aufgeben

    Zitat Zitat von Giesskanne Beitrag anzeigen
    Hey,

    da du ja auch vor deiner Krankheit nicht wirklich langfristig geplant hast, kannst du doch einfach so weitermachen und nur in kleinen Schritten denken. Dir ganz kleine Ziele setzen, vielleicht erstmal nur für ein paar Monate und dann sehen wie es läuft und wohin dich der Weg führt?!.
    Danke für deine Rückmeldung. Ich habe leider immer sehr lange Wartezeiten (für die Tagesklinik, für die berufliche Reha...) und mir kann alles gar nicht schnell genug gehen, weil ich es überhaupt nicht gewohnt bin, den ganzen Tag frei zu haben. So kann ich aber auch immer nur ein paar Monate im Voraus schauen, was dann passiert und mache tatsächlich alles Schritt für Schritt. Wenn eben auch in sehr kleinen Schritten.

    Zitat Zitat von Giesskanne Beitrag anzeigen
    Die Enttäuschung ist natürlich verständlich, aber nur du kannst einschätzen was du mit der Krankheit realistisch erreichen kannst. Dass sowieso keine passende Stelle frei gewesen wäre, mildert die Enttäuschung doch wenigstens etwas. Anders, als wenn dir dadurch jetzt dein Traumjob entgangen ist.

    Ansonsten: Prioritäten setzen. Was ist am wichtigsten? Ein neuer Job? Eine neue Stadt? Neue Wohnung? Alles auf einmal wird nix. Das ist ja selbst im gesunden Zustand schon nicht leicht.

    Liebe Grüße

    Giesskanne
    Ja, ich bin auch froh, dass nicht der Traumjob schlechthin dabei war. In dem Zustand, in dem ich mich befand, hätte ich mich allerdings auf den Traumjob beworben und das wäre dann mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Desaster geendet. Im Moment wäre mir ein Job am wichtigsten, die Stadt kann ich immer noch wechseln, wenn mein Zustand stabil ist oder ich weiß, dass er nicht mehr stabil wird (das kann leider auch passieren).

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    AW: Lebensplanung aufgeben

    Zitat Zitat von Susisa Beitrag anzeigen
    2-3 Jahre?

    Ich bin mal ein wenig kritisch: Deine Überschrift spricht Bände. ... Kann es sein, dass hinter dem "überschaubaren", weil vielleicht eh nicht eingetroffenen, Verlust der PhD Stelle im Ausland eben doch, aufgrund Deiner Erkrankung, der Verlust eines Lebenstraumes stehen könnte?

    Promotion, Ausland ... das zielt doch schon auf eine akademische (oder wie auch immer geartete) Karriere hin. Kann es sein, dass es das ist, was Dir eigentlich zu schaffen macht?
    Also die Frage, ob Du mit Deiner psychischen Konstitution überhaupt (jemals wieder) in der Lage sein wirst, das, was da in Deinem obigen Text mitschwingt (also Karriere) zu machen?
    Vielen Dank für deine Erfahrungen, ich kürze das Zitat hier mal ab. Ja, es ist tatsächlich so, dass mir eine akademische Karriere vorschwebte und ich nicht mehr weiß, ob ich das umsetzen kann. Meine Psychiaterin betonte, dass ich eine Diss immer noch später machen könnte und dieser Zug nicht abgefahren sei. Ich habe jetzt eine Haltung dazu entwickelt, dass sich das bei mir ergeben kann, aber kein "Muss" mehr ist, auch, weil ich mir nicht mehr ganz sicher bin, ob ich mir das noch zutraue. Meine Karriereplanung muss ich allerdings tatsächlich noch einmal überdenken, ich habe neben der Uni immer nur Nebenjobs gehabt, in denen ich wissenschaftlich tätig war und kann mir kaum etwas anderes vorstellen Da führt dann leider auch kein Weg um die Promotion herum, aber vielleicht finde ich im Laufe einer beruflichen Reha auch ein anderes Berufsfeld, dass zu mir und meinen Vorstellungen passt.

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    AW: Lebensplanung aufgeben

    Zitat Zitat von nouvellevague Beitrag anzeigen
    ... mir kann alles gar nicht schnell genug gehen, weil ich es überhaupt nicht gewohnt bin, den ganzen Tag frei zu haben. ...

    Im Moment wäre mir ein Job am wichtigsten ...
    Wäre ich an Deiner Stelle, wäre es mir das Wichtigste, entweder gesund zu werden oder soweit mit meiner Krankheit zu leben gelernt zu haben, dass ich wüsste, was ich mir sinnvollerweise vornehme.

    Und ja, ich bin selbst chronisch krank.

    Ansonsten kannst Du ja mal hier nachlesen, wie es auch sein kann, wenn mensch alles Geplante erreicht hat:

    Die "bucket list" ist leer - und nun?

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    AW: Lebensplanung aufgeben

    Zunächst - seit über einem Jahr ist ja sowieso "alles anders" - das ist sicherlich kein Trost, aber die Planung wäre vermutlich auch ohne Erkrankung erstmal verzögert worden ? Traf dich die Erkrankung "aus heiterem Himmel" oder war es in irgendeiner Form absehbar (Überlastung, auslösendes Ereignis, Veranlagung ?) Das würde vermutlich zunächst nichts ändern, aber vielleicht ein Hoffnungsschimmer, das wenn das "Element" eleminiert ist, es auch wieder aufwärts gehen kann? Ich denke, du solltest dir erstmal genug Zeit zum genesen "schenken" bevor du nach und nach wieder deine Lebensplanung - möglicherweise etwas modifiziert - in Angriff nimmst

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    AW: Lebensplanung aufgeben

    Zitat Zitat von Nicolo Beitrag anzeigen
    Wäre ich an Deiner Stelle, wäre es mir das Wichtigste, entweder gesund zu werden oder soweit mit meiner Krankheit zu leben gelernt zu haben, dass ich wüsste, was ich mir sinnvollerweise vornehme.

    Und ja, ich bin selbst chronisch krank.

    Ansonsten kannst Du ja mal hier nachlesen, wie es auch sein kann, wenn mensch alles Geplante erreicht hat:

    Die "bucket list" ist leer - und nun?
    Ob eine Chronifizierung der Erkrankung bei mir vorliegt steht noch nicht fest. Als potentieller Auslöser wurde eine Infektion des zentralen Nervensystems diskutiert, so dass ich mich im Moment noch nicht als chronisch krank einstufen würde, weil ja die Chance besteht, dass ich wieder völlig gesund werde.

    Den verlinkten Thread habe ich gelesen, aber ich konnte in meiner Situation jetzt nicht so viel mitnehmen.

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    AW: Lebensplanung aufgeben

    Zitat Zitat von summerfeeling Beitrag anzeigen
    Zunächst - seit über einem Jahr ist ja sowieso "alles anders" - das ist sicherlich kein Trost, aber die Planung wäre vermutlich auch ohne Erkrankung erstmal verzögert worden ? Traf dich die Erkrankung "aus heiterem Himmel" oder war es in irgendeiner Form absehbar (Überlastung, auslösendes Ereignis, Veranlagung ?) Das würde vermutlich zunächst nichts ändern, aber vielleicht ein Hoffnungsschimmer, das wenn das "Element" eleminiert ist, es auch wieder aufwärts gehen kann? Ich denke, du solltest dir erstmal genug Zeit zum genesen "schenken" bevor du nach und nach wieder deine Lebensplanung - möglicherweise etwas modifiziert - in Angriff nimmst
    Die Erkrankung traf mich aus heiterem Himmel, ich hatte vorher gar keine psychischen Probleme und habe problemlos meine Masterarbeit geschrieben (wie ich bereits in dem vorangegangenen Post schrieb war möglicherweise eine Infektion der Auslöser). Deshalb gibt es leider auch kein "Element", dass ich eliminieren könnte oder nichts in meinem Lebensstil, wo eine Modifikation meines Erachtens nach notwendig wäre. Beziehungsweise habe ich meine Lebensplanung ja bereits modifiziert, weil ich meine Auslandspläne erst einmal auf Eis gelegt habe. Falls sich bei der Erkrankung im weiteren Verlauf eine Chronifizierung einstellen sollte (was ich wirklich nicht hoffe) müsste ich mir natürlich langfristig eine Perspektive überlegen. Wegen einer akuten Phase denke ich jetzt jedenfalls noch nicht über eine dauerhafte Erwerbsunfähigkeit nach.

    Ich wurde vor acht Monaten aus der Klinik entlassen und war zwischendurch auch in einer Tagesklinik und hatte jetzt genügend Zeit, um mich von der Erkrankung zu erholen. Mittlerweile treiben mich meine Hummeln im Hintern um und ich würde gerne wieder arbeiten gehen, aber in einem geschützten Rahmen. Mein Antrag auf berufliche Reha wurde von der Agentur für Arbeit allerdings leider nicht bewilligt (ich habe Widerspruch eingelegt, aber bin nicht sonderlich hoffnungsvoll, dass ich damit Erfolg habe).

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    AW: Lebensplanung aufgeben

    Zitat Zitat von nouvellevague Beitrag anzeigen
    Mein Antrag auf berufliche Reha wurde von der Agentur für Arbeit allerdings leider nicht bewilligt (ich habe Widerspruch eingelegt, aber bin nicht sonderlich hoffnungsvoll, dass ich damit Erfolg habe).
    Was stellt sich denn die Agentur für Arbeit vor, wie du weitermachen solltest?
    "Never take things personally. [...] Always give the benefit of doubt, until evidence to the contrary. Never assume malice. We are all going through things and you never know the inner battles some of us fight, so it‘s best to check your ego at the door.“

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