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  1. Moderation

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    Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Hallo, Ihr

    Mir geistern schon die ganzen letzten Tage Gedanken zum Thema Resilienz im Kopf herum. Ich beschäftige mich zwar schon länger immer mal wieder damit, aber momentan, auch bedingt durch die derzeitige Situation, noch mehr.

    Ich gestehe, zu diesem Post haben mich auch diverse Äusserungen hier in den Community rund um Pandemiebeschränkungen gemacht, bei denen ich etwas Sorge um das Seelenheil der User habe. Und dachte mir, ich stell das mal zur Diskussion.

    Ich glaube, auch wenn das Wort inzwischen gern für clickbait genutzt wird und überall auftaucht (so wie auch zB 'Achtsamkeit') und Gefahr läuft, nicht ernst genommen zu werden, dass die Eigenschaft, Resilienz aufzubauen, immer wichtiger werden wird. Ich seh aber auch das Risiko der Spaltung, wenn Menschen es aus eigenem Antrieb nicht schaffen und dass sie 'auf der Strecke bleiben'. Das beunruhigt mich schonmal.

    Was habt Ihr für Hilfestellungen, wie motiviert Ihr Euch, auch wenn es schwierig wird, wo sind die Hürden?
    Das muss gar nicht mal 'nur' auf die Pandemiezeiten beschränkt sein, bei mir zB ist es auch eine körperliche Sache, bei der ich Sorge habe, dass ich irgendwann meinen Job nicht mehr machen kann (ich kann sicher noch nicht mit 67 aufhören, Geld verdienen zu müssen, ausser ich gewinne im Lotto).

    Habt Ihr Vorbilder? Oder Menschen gesehen/getroffen, die motivierend waren? Gibt es irgendwelche Dinge, die Ihr weitergeben oder fragen würdet?

    Ich lese gerade das Buch 'In der Hölle tanzen, wie ich Auschwitz überlebte' von Dr Edith Eger, das im Original 'The Choice' heisst. 'The Gift', ihr neuestes Buch ist auch sehr gut (ich krieg keine Prozente ).
    Und ich hab festgestellt, dass ihr Konzept, in allem die Möglichkeit zur Wahl sehen, und wenn es nur ein Umfokussieren ist, hängen geblieben ist und auch meistens funktioniert.
    Also zB mir sagen, dass ich momentan noch meinen Job machen kann und noch Zeit habe, auf eine Alternative hinzuarbeiten oder mir entsprechende Hilfsmittel zu suchen. Dass die Medizin weiter fortschreitet, dass ich heute nicht wissen muss, was genau in 10 Jahren ist.

    Dass man im Lockdown sagen kann, dass es wirklich nur temporär ist, dass man vom Staat nicht hängen gelassen wird, sollte der Job weg sein, dass man sich durch den Lockdown selbst schützt (und andere). Dass der Sommer kommt und man wieder raus kann. Dass gerade jetzt in diessem Moment ein Konzert im Radio/TV läuft, dass mir eigentlich mehr gefallen wird, als mir graue Gedanken zu machen. Dass ich mich auch mit meiner Nachbarin quer über den Balkon unterhalten kann.

    Aber ich weiss auch, dass solche Sätze, wenn es einem nicht gut geht, nur bedingt helfen. Wie zieht Ihr euch dann raus? Was machen resiliente Menschen anders?
    Geändert von frangipani (15.01.2021 um 03:40 Uhr)
    ‘One of the criticisms I've faced over the years is that I'm not aggressive enough or assertive enough, or maybe somehow, because I'm empathetic, it means I'm weak. I totally rebel against that. I refuse to believe that you cannot be both compassionate and strong.’
    Jacinda Ardern, 2019


    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

  2. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Ein schönes Thema, Frangipani, das mich auch umtreibt.

    Gerade gestern habe ich an einer studentischen Umfrage hier teilgenommen und darin bedauert, dass ich Resilienz nie so wirklich "gelernt" habe.

    In dem EP ist ein Zentrum für psychische Gesundheit im Alter erwähnt, da geht es auch um das Thema.

    Resilienz ist für mich ein Schlagwort neueren Datums. Das Thema aber natürlich ein altes, nur seit geraumer Zeit in neuen Schuhen daherkommend.

    Spannend. Ich freue mich jedenfalls sehr, dass Du diesen Thread eröffnet hast.
    Moderatorin in
    *Gesundheit* und *Frauengesundheit*
    *Fasten* und *Welchen Nutzen haben Diäten?*
    *Haushalt - Tipps und Tricks*

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Muss gleich sagen: bin nicht vom Fach, also in Psychologie, Medizin etc. in keinster Weise vorgebildet.....

    Das Thema "Resilienz" ist wirklich ein Schlagwort geworden ! In unserer zunehmend komplexer werdenden Welt ist es offenbar zunehmend von Bedeutung.

    Unsere Altvorderen lebten -jetzt ganz pauschal und überspitzt gesprochen- mehrheitlich ein Leben lang in einer ähnlichen Umgebung, übten denselben Beruf aus und waren mit derselben Person verheiratet. Nochmal: alles sehr pauschal und überspitzt, es gab freilich genügend Ausnahmen und Schicksalsschläge wie z.B. Kriege. An die erlebten Traumata meines Vaters (er war als 18jähriger im 2. Weltkrieg) mag ich garnicht denken. Gesprochen hat er darüber nie, wie fast diese ganze Generation, aber er hat sein Leben bewältigt und war eigentlich positiv gestimmt.

    Heutzutage ist kaum mehr etwas verlässlich, weder ein Ehepartner noch ein Arbeitsplatz. Auch beruflich muss man flexibel sein, räumlich wie inhaltlich. Die Sehnsucht nach Verlässlichkeit scheint auf der anderen Seite riesengroß, die beiden Pole muss jeder für sich irgendwie zusammenbringen.

    Junge Leute heute sind mehrheitlich in Deutschland recht behütet aufgewachsen, es war für alles gesorgt. Mir fällt auf, dass viele jungen Leute recht schnell aus der Bahn geworfen werden, wenn etwas nicht ganz so läuft, wie sie es sich vorstellen. Wenn in der Schule die Note etwas schlechter ausfällt als gedacht, bricht die Welt zusammen, die Eltern rennen zum Anwalt. Oder wenn die Oma hochbetagt stirbt ist über Wochen kaum ein Schulbesuch möglich, auch wenn der Kontakt zur Oma nun nichtmal so eng war.

    Ich selbst bin dazu erzogen, mich mit Gegebenheiten auch mal arrangieren zu müssen, von demher komme ich mit der momentanen Situation wohl vergleichsweise gut zurecht. Es ist wie es ist. Irgendwann ist es hoffentlich mal wieder anders. Ich muss mir allerdings um meine Existenz keine Sorgen machen, darüber bin ich froh und dankbar. Das sieht bei anderen Berufsgruppen anders aus, das ist mir klar.

    Es gibt inzwischen wohl Resilienz-Forschung, die in Gesellschaften, in denen es -nach unseren Maßstäben- nicht so gut läuft untersucht, warum die Leute dort mehrheitlich besser damit zurechtkommen als von uns(!) gedacht.

    Na ja, ein weites Feld.

    Gruß Elli
    Geändert von elli07 (15.01.2021 um 06:20 Uhr)
    Auf der höchsten Stufe der Freundschaft offenbaren wir dem Freunde nicht unsere Fehler, sondern die seinen (F. de La Rouchefoucauld, 1613-1680)

    Fürchte dich nicht vor einem großen Schritt. Mit zwei kleinen lässt sich keine Schlucht überwinden (David Lloyd George)

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Ich habe im letzten Jahr auch viel daran gedacht. Weil es ja darum geht, wie man sich bessere Nerven aneignet, die manche von Natur aus haben.

    Ich habe das Wort schon oft als Schlagwort gehört, weil ich ein den USA wohne.

    Ich wünschte, ich hätte es früher in meinem Leben gelernt. Dass es etwas ist, auf das man stolz sein kann. Mich haben Schicksalsschläge oft zu lange umgehauen, da hätte ich mehr Resilienz haben können. Irgendwie hatte ich wohl Zeiten, in denen ich eine schlechte Nachricht nicht wahr haben wollte und habe so darum getrauert, statt in die die Ärmel hoch zu krempeln und zu sagen: "Das bring ich jetzt auch noch hinter mich, das schmeisst mich nicht um". Ich werde aber immer besser darin.

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Interessanter Strang

    Bei der Resilienz ist es wahrscheinlich ähnlich wie bei anderen komplexen Phänomenen, die in der Psychologie von Interesse sind. Ein wichtiges Thema, das aber in Diskussionen häufig als reines Schlag- oder Modewort auftaucht.

    Wenn ich den Begriff richtig verstehe (man möge mich korrigieren, ich bin nicht vom Fach), dann bedeutet Resilienz in erster Linie Widerstandsfähigkeit gegen Schicksalsschläge, die Fähigkeit, mit widrigen Bedingungen umzugehen: Menschen, die eine miserable Kindheit hatten, haben überdurchschnittlich oft soziale und psychische Probleme, eine stabile Minderheit entwickelt sich aber zu erfolgreichen, gefestigten Persönlichkeiten. Auch mit Schicksalsschlägen im Erwachsenenalter gehen Menschen unterschiedlich um. Die einen gehen daran zugrunde, die anderen wachsen daran.

    Mein Problem, wenn Resilienz als Mode- oder Schlagwort auftaucht ist folgendes: Resilienz scheint mir vielen Faktoren zusammenzuhängen, auf die der einzelne Mensch gar keinen Einfluss hat. Wer trotz schlimmer Kindheit stabil und gefestigt durchs Leben geht, der hat in der Regel zumindest eine verlässliche, stabile Bezugsperson gehabt. Darauf hat das betroffene Kind keinen Einfluss. Genetische Faktoren scheinen auch eine Rolle zu spielen.

    Die Vorstellung, dass man Resilienz "lernen" kann, finde ich deshalb kritisch. Das verführt nämlich dazu, gesellschaftliche Misstände auszublenden und die Verantwortung komplett an das Individuum zu delegieren. Dann hinterfragen alte und kranke Menschen eventuell ihre eigene Haltung (Fehlt mir Resilienz? Warum habe ich das nicht gelernt?), statt über das schlechte Renten- und Krankensystem wütend zu sein.

    Ich würde es so formulieren: Resilienz ist eine Chrakter"eigenschaft", die der einzelne nur bedingt beeinflussen kann. Da spielen zu viele äußere Faktoren mit rein.

    Was man sicher lernen kann, sind bestimmte Bewältigungs"strategien" bei Krisen.

  6. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von elli07 Beitrag anzeigen

    Unsere Altvorderen lebten -jetzt ganz pauschal und überspitzt gesprochen- mehrheitlich ein Leben lang in einer ähnlichen Umgebung, übten denselben Beruf aus und waren mit derselben Person verheiratet. Nochmal: alles sehr pauschal und überspitzt, es gab freilich genügend Ausnahmen und Schicksalsschläge wie z.B. Kriege. An die erlebten Traumata meines Vaters (er war als 18jähriger im 2. Weltkrieg) mag ich garnicht denken. Gesprochen hat er darüber nie, wie fast diese ganze Generation, aber er hat sein Leben bewältigt und war eigentlich positiv gestimmt.
    Stimmt, bei den Altvorderen wurde auch viel 'in Gottes Hand gegeben', ein starker Glaube kann wohl durchaus resilient machen

    Mein Grossvater hat auch nie über den Krieg gesprochen, kam aber als Alkoholiker zurück und starb früh. Also eher Charaktersache? Oder erlerntes Verhalten? Oder entwickelt sich der Charakter durch Erlernen?



    Zitat Zitat von elli07 Beitrag anzeigen
    Heutzutage ist kaum mehr etwas verlässlich, weder ein Ehepartner noch ein Arbeitsplatz. Auch beruflich muss man flexibel sein, räumlich wie inhaltlich. Die Sehnsucht nach Verlässlichkeit scheint auf der anderen Seite riesengroß, die beiden Pole muss jeder für sich irgendwie zusammenbringen.
    Ich überlege gerade, ob im Grunde nur die Zeit von 1950-2000 mehr oder weniger verlässlich war, wir aber, weil wir da aufgewachsen sind, es nicht anders kennen und es deshalb dazu kommt:

    Zitat Zitat von elli07 Beitrag anzeigen
    Junge Leute heute sind mehrheitlich in Deutschland recht behütet aufgewachsen, es war für alles gesorgt. Mir fällt auf, dass viele jungen Leute recht schnell aus der Bahn geworfen werden, wenn etwas nicht ganz so läuft, wie sie es sich vorstellen. Wenn in der Schule die Note etwas schlechter ausfällt als gedacht, bricht die Welt zusammen, die Eltern rennen zum Anwalt. Oder wenn die Oma hochbetagt stirbt ist über Wochen kaum ein Schulbesuch möglich, auch wenn der Kontakt zur Oma nun nichtmal so eng war.


    Zitat Zitat von elli07 Beitrag anzeigen
    Na ja, ein weites Feld.

    Gruß Elli
    Stimmt :)


    Zitat Zitat von PollexNiger2 Beitrag anzeigen
    [...]
    Die Vorstellung, dass man Resilienz "lernen" kann, finde ich deshalb kritisch. Das verführt nämlich dazu, gesellschaftliche Misstände auszublenden und die Verantwortung komplett an das Individuum zu delegieren. Dann hinterfragen alte und kranke Menschen eventuell ihre eigene Haltung (Fehlt mir Resilienz? Warum habe ich das nicht gelernt?), statt über das schlechte Renten- und Krankensystem wütend zu sein.

    Ich würde es so formulieren: Resilienz ist eine Chrakter"eigenschaft", die der einzelne nur bedingt beeinflussen kann. Da spielen zu viele äußere Faktoren mit rein.

    Was man sicher lernen kann, sind bestimmte Bewältigungs"strategien" bei Krisen.
    Der Anfang deines Posts hat mich nicken lassen, ich hab es aber mal wegen der Länge gekürzt. Nur bei den zitierten Sätzen bin ich mir nicht ganz sicher. Führen erlernte Bewältigungsstrategien nicht zu Resilienz, über die Zeit?

    Ich finde auch nicht, dass individuelles Bemühen gesellschaftliche Verantwortung ausschliesst und Mißstände unweigerlich ausblendet. Teil der Resilienzstärkung könnte ja auch Einsatz für die Gesellschaft sein. Mal so laut ins Unreine gedacht.

    Was ich sicher glaube, ist, dass es Anstösse braucht. Entweder gleich von Anfang an in der Stammfamilie oder später von aussen.
    ‘One of the criticisms I've faced over the years is that I'm not aggressive enough or assertive enough, or maybe somehow, because I'm empathetic, it means I'm weak. I totally rebel against that. I refuse to believe that you cannot be both compassionate and strong.’
    Jacinda Ardern, 2019


    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

  7. Inaktiver User

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen

    Was habt Ihr für Hilfestellungen, wie motiviert Ihr Euch, auch wenn es schwierig wird, wo sind die Hürden?

    Gute Voraussetzungen für Resilienz erwirbt man sich vor allem in der Kindheit.
    Das ist auch das Problem, denn für sehr viele Menschen waren die Voraussetzungen dafür schlecht.
    Das ist nicht so zu verstehen, dass man eine wunderbare Kindheit haben muss, sehr liebevolle Eltern usw., um gute Voraussetzungen zu haben, auch wenn solche Bedingungen dafür sorgen, dass man sehr stabile und kräftige Ressourcen entwickelt, aus denen man später, in schwierigen Zeiten, schöpfen kann.

    Auch eine schwierige Kindheit kann dazu führen, dass man später mit Problemen gut umgehen kann.
    Es gibt aber auch Umstände in der frühen Kindheit, die es Menschen sehr schwer machen und oft auch unmöglich machen, eine Resilienz zu entwickeln und solche Umstände gibt es weitaus öfter, als allgemein geglaubt wird.
    Das sind dann oft Menschen, denen man vorwirft, zu leicht aufzugeben, nicht zu kämpfen, zu resignieren. Sie werden als "schwache Menschen" betrachtet.
    Das ist aber eine äußerst oberflächliche Betrachtung, die die Frage ausklammert, warum sie sind, wie sie sind.


    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Habt Ihr Vorbilder? Oder Menschen gesehen/getroffen, die motivierend waren? Gibt es irgendwelche Dinge, die Ihr weitergeben oder fragen würdet?

    Ein direktes Vorbild habe ich nicht. Vor allem deswegen nicht, weil ich nicht vergleichen will, was nicht vergleichbar ist.
    Wenn jemand in einer sehr schweren Situation kämpft und überlebt, dann hat das auch mit seinen ganz ihm eigenen Eigenschaften zu tun und auch mit den Erfahrungen, die er oder sie im Leben gemacht hat.
    Wenn dieser Mensch z. B. eine bestimmte, schwierige Situation insgesamt gut überwindet, von der ich weiß, dass ich sie nicht bewältigen könnte, muss das nicht bedeuten, dass ich "schwach" wäre, denn meine und seine Bedingungen und Erfahrungen, die wir im Leben gemacht haben, sind nicht die selben.

    Warum sage ich das? Weil Resilienz leider oft auch zu einem "Programm" gemacht wird, zu einem Ziel, dessen Erfolg daran gemessen wird, ob man Schwierigkeiten am Ende gut übersteht.
    Klappt das nicht, dann ist man angeblich "schwach", ein "Versager" usw..
    Und das finde ich falsch, weil es nur das Ergebnis betrachtet, aber die Gründe ausblendet.

    Insofern, was die Frage nach Vorbildern betrifft, ich habe keine, aus den o. g. Gründen, aber es gibt Geschichten, die Mut machen können.
    Und darum geht es: Mut machen. Einen darin stärken, dass man nicht aufgeben soll, dass auch unter sehr schweren Bedingungen manchmal irgendwann doch eine Wende kommen kann usw.
    Aber ich vergleiche nicht.


    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Und ich hab festgestellt, dass ihr Konzept, in allem die Möglichkeit zur Wahl sehen, und wenn es nur ein Umfokussieren ist, hängen geblieben ist und auch meistens funktioniert.
    Also zB mir sagen, dass ich momentan noch meinen Job machen kann und noch Zeit habe, auf eine Alternative hinzuarbeiten oder mir entsprechende Hilfsmittel zu suchen. Dass die Medizin weiter fortschreitet, dass ich heute nicht wissen muss, was genau in 10 Jahren ist.

    Wenn es dir hilft, dann ist es richtig! Für dich!
    Und sicherlich für viele andere auch.
    Aber auch ganz sicher für sehr viele andere auch gar nicht.


    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Was machen resiliente Menschen anders?

    Ich glaube, das Entscheidende ist weniger die Frage, was sie anders machen sondern warum sie es anders machen können.
    Das hat mit ihren inneren Ressourcen zu tun, die sie meistens in der Kindheit entwickeln.
    Resiliente Menschen verfügen über innere Ressourcen.
    Un diese inneren Ressourcen können eine ganze Mischung von verschiedensten Eigenschaften sein. Eine Folge von gemachten Erfahrungen. Vor allem auch im Umgang mit Menschen.

    Das bedeutet nicht, dass man später keine Chance mehr hat, Resilienz zu entwickeln, wenn man die entsprechenden Ressourcen nicht mitbringt.
    Der Mensch kann immer lernen und Resilienz ist auch etwas, was man später entwickeln kann.

    Eine sehr gute Möglichkeit ist Selbsterkenntnis.

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Ich habe den Eindruck, dass es durchaus ein Modewort ist, das auch gern genutzt wird um anderen mitzuteilen, dass man der Ansicht ist, sie seien an ihrem Leid/negativem Gefühl/Verzweiflung/Aussichtslosigkeit/etc. selber schuld, sie müssten nur härter an sich arbeiten und lernen resilient zu sein.

  9. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Es scheint im Grunde (mindestens) zwei Pole oder Dimensionen zu geben, die für die Fragestellung, „wie gehe ich mit tiefgreifenden Belastungen um, wie bleibe ich in Balance?“ wichtig sind.


    Das ist einmal die Resilienz, eigentlich die Fähigkeit, nach Belastung und Verformung wieder in den Ausgangszustand zurückzukommen. Dazu weiß man, dass sowohl innere Eigenschaften (zum Beispiel ein ausgeglichenes Temperament, Intelligenz, Phantasie, soziale Kompetenz) als auch das familiäre und soziale Umfeld (Bindung, Unterstützung in der Familie, mindestens eine Person, die zu einem hält, interessierte Lehrer, Vereine, religiöse Gemeinschaft) wichtig sind.


    Auf der anderen Seite scheint es Menschen zu geben, die stärker als andere auf äußere Faktoren reagieren bzw deren Entwicklung sowohl in positiver als auch in negativer Richtung stärker beeinflussbar ist als bei anderen Menschen. Die also bei günstigen Milieufaktoren eine besonders positive, bei belastenden Milieufaktoren jedoch eine besonders negative Entwicklungsrichtung nehmen (Stichwort differential susceptibility).


    Für das eigene Leben in diesen Dimensionen übersetzt, kann man das vielleicht so verstehen, dass es wichtig ist, sich selbst, seine Stärken, Schwächen, Bedürfnisse und Fähigkeiten zu kennen und da eine gute Balance zu finden. Sich ausreichend zu schonen wie zu engagieren, zu fordern wie zu regenerieren.

    Und darüber hinaus Beziehungen zu suchen und zu leben, die unterstützen und die wir selbst unterstützen, uns mit anderen Menschen engagieren, das, was wir tun, von Herzen (oder mit Achtsamkeit, wenn der Begriff noch nicht verbraucht ist), tun, und unsere Spiritualität praktizieren, falls vorhanden.


    Aus der Resilienzforschung gegenüber Menschen einen Vorwurf abzuleiten, wie Borghild andeutet,finde ich überraschend. Viele der Faktoren, die in Kindheit und Jugend zu Resilienz beitragen, sind für den einzelnen selbst nicht wirklich zu beeinflussen. Umgekehrt wird ein Schuh draus: es wäre klug von Gesellschaften, Resilienzfaktoren zu fördern, sich umeinander zu kümmern, gute Schulen, engagierte Lehrer, Vereine, Jugendeinrichtungen usw zu fördern, dafür zu sorgen, dass jedes Kind gesehen wird.

    Im Erwachsenenalter kann man dann selbst mehr Verantwortung übernehmen, aber auch da ist ja das Zusammenspiel zwischen dem einzelnen und der Gemeinschaft entscheidend.
    Geändert von maryquitecontrary (15.01.2021 um 07:59 Uhr)
    that was the river - this is the sea


    Moderation in den Foren "Kindergesundheit", "Persönlichkeit" und im "Corona"-Forum

  10. VIP

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Ich habe ein ähnliches Verständnis von Resilienz wie PollexNiger es beschreibt. Nach dem, was ich darüber "gelernt" habe, würde ich sogar noch weiter gehen: Nicht nur emotionale Stabilität, angenommen werden und Urvertrauen in der frühen Biografie begründen Resilienz, sondern vermutlich auch ein gewisser (epi)genetischer Hintergrund.

    Ich glaube nicht, dass Resilienz per se erlernbar ist, aber Mechanismen, die dazugehören sind vielleicht trainierbar (im Sinne einer kognitiven Verhaltenstherapie). Vermutlich gehört "ich zähle bis 10 und atme dreimal tief ein und aus, bevor ich reagiere" schon zu den Strategien.

    Und eine gewisse "Nachprägung" oder "Nachreifung" durch stabile Beziehungserfahrung etwas später im Leben, wie @putulu annimmt, möglicherweise.
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

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