Das ändert nichts daran, dass FREUDE ein Lern-Booster ist. Unser Gehirn ist sehr lustorientiert. Der Trick ist also, sich etwas mit Neugier und Interesse anzunähern - das erleichtert Lernprozesse immens und baut viele Brücken zum zweiten Lern-Geheimis: Mache Fehler und lerne daraus. Fehler sind der direkte Weg zur Meisterschaft.
Wer keine Freude beim Lernen empfindet, der ist offenbar nicht an dem orientiert, was ihm Freude bereiten könnte. Oder - häufig anzutreffen - er hat nie gelernt, was Lernen eigentlich bedeutet, kennt also auch die Freude nicht, die darin steckt. Wer beispielsweise Lehrer hatte, die sich Naturwissenschaften nur trocken und wenig realitätsbezogen nähern, der hat sie nie als das kennen gelernt, was sie sind: Unglaublich lebendig und spannend. Das lässt sich jedoch ändern.
Das kannst Du gern auch wieder lassen. Wären wir nicht neugierig und interessiert daran, zunächst uns und dann unser Umfeld im immer größer werdenden Umfang intensiv zu erforschen, wären wir nicht überlebensfähig. Vielleicht hast Du Babies einmal beobachtet. Sie scheinen für denjenigen, der nicht versteht, was sie da tun, nur irgendwie rumzuliegen und sich zu bewegen. Tatsächlich aber erforschen sie über unzählige Versuchsreihen sich selbst, ihren Organismus, ihre Umwelt. Sie lernen über jeden Fehler, den sie nur machen können, wie man den Kopf hebt, den Oberkörper aufrichtet, sich vom Rücken auf den Bauch und wieder zurück dreht, nach Gegenständen greift, ins Sitzen kommt, sich über den Boden zu bewegen, zu krabbeln, aufzustehen..Und dass „alle“ neugierig auf die Welt kommen, bezweifle ich ebenfalls.
Mit Erwachsenen, die viele dieser Bewegungsmuster vergessen haben, setzt man auf dieser Ebene wieder an. Und siehe da - auch sie sind lernfähig und können sogar Spass daran haben. Gleichzeitig wächst im übrigen ganz automatisch das Ding unter der Schädeldecke, weil neue Verknüpfungen enstehen. Bewegung macht also, sofern sie forschenden Charakter hat und sich nicht in Stereotypien bewegt, auch noch klug.
Sie lernten es, weil sie neugierig waren, Probleme erkannten - und Lösungen suchten. Und natürlich hat ihnen das Freude bereitet, sie motiviert, animiert. Jeder Fortschritt hat diesen Prozess weiter befeuert. Wenn ein Werkzeug dazu verhalf, beispielsweise eine Nuss oder Schalenfrucht zu öffnen und sich am Inhalt zu laben, dann war das umgehend mit Belohnung, Wohlgeschmack, Sättigung, Fortbestand etc. verbunden. Ich würde so etwas durchaus "freudig" nennen.Neuroplastizität ist kein Selbstzweck, sondern dient erst mal dem Überleben. „Freude“ war bei den Urmenschen sicherlich nicht der Grund, warum sie gelernt haben, Werkzeuge zu machen.
Antworten
Ergebnis 941 bis 950 von 1425
-
09.03.2021, 10:35Inaktiver User
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
-
09.03.2021, 12:33Inaktiver User
-
09.03.2021, 12:41
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Ja, es wäre etwas vermessen, anzunehmen, daß jede Frau qua Natur nicht nur alles kann, wofür andere Leute eine meistens dreijährige Ausbildung machen müssen, um akzeptable Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben, sondern auch noch *besser*.
Ich finde Kochen (und Backen) ja die befriedigendsten aller Künste. Man hat mit angenehmen Sachen zu tun, ist in absehbarer Zeit fertig, man hat ein Publikum, und das ist meistens zufrieden.
Dagegen, ein Stück auf die Bühne zu bringen, oder einen Roman zu schreiben... All die Arbeit und dann guckt am Ende noch möglicherweise kein Schwein. 
Ich finde übersichtliche Projekte die man erfolgreich abschließt, einfach gut für's Gemüt. Da kommt der Optimismus für die unübersichtlichen Projekte her, die vielleicht nie fertigwerden, oder nicht brauchbar, und wenn doch, wird der Großteil der Leute nur meckern, daß das nicht schneller ging und daß es das nicht auch in Rosa gibt.
Ja. Eine Spezies, die so abhängig vom Lernen und Lösungen finden ist wie die menschliche, die sollte besser Erfolg im Lernen und Lösungen finden mit ihrem inneren Belohnungssystem verdrahtet haben, sonst kommt die nie aus dem Urschlamm...
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
-
09.03.2021, 13:17Inaktiver User
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Du wirst Deine Gründe haben, warum Du offenbar mit Freude so Deine Probleme hast. Was mich betrifft, so kenne ich die Freuden eines gefüllten Bauches, eines gemütlichen Schlafplatzes, der herrlich frischen Luft im Wald oder an der See. Der simple Geschmack einer Erdbeere kann mich froh machen. Und ICH habe enorm viel Spass am Lernen und werde damit hoffentlch bis zu meinem letzten Atemzug nicht aufhören.
-
09.03.2021, 13:56Inaktiver User
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Und Ich bin heilfroh, nach vielen Jahren unbrauchbarer akademischer Bildung mit dem Thema „Lernen“ durch zu sein. Never ever again. Und was sagt uns das jetzt? Menschen sind verschieden. Es gibt Resiliente und Nichtresiliente, Neugierige und Nichtneugierige, Freudige und weniger Freudige. Vielfalt ist doch was Gutes. Alle sind in Ordnung, so wie sie sind. Mit allen Konsequenzen, die das hat.
-
09.03.2021, 14:14Inaktiver User
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Ich inzwischen auch

Ich würde auch keine Sprache "einfach so zum Zeitvertreib" lernen wollen, irgendwas müsste mich da schon reizen, durchaus als Nutzen: Literatur im Original lesen können, das Land bereisen, mit jemandem in dessen Sprache sprechen können....
Ich hab eher den Eindruck dass dein Blickfeld für "Nutzen" sehr auf bereits bekanntes und vorrangig auf berufliches beschränkt ist.
Es war aber definitiv ein evolutionärer Vorteil, sollte man nicht gering schätzen.Neuroplastizität ist kein Selbstzweck, sondern dient erst mal dem Überleben. „Freude“ war bei den Urmenschen sicherlich nicht der Grund, warum sie gelernt haben, Werkzeuge zu machen.
Freude ist ja neurophysiologisch nichts anderes als die Ausschüttung von Belohnungshormon (Dopamin) und ja, das kann man auch vom lernen bekommen.
Dieses gute Gefühl kann man sich immer wieder selbst bereiten.
Es funktioniert jedenfalls bei mir so, eben eher anders herum: ich hab was gelernt, und darüber hab ich mich dann gefreut.
-
09.03.2021, 15:14Inaktiver User
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Es muss ja keine Sprache sein, wenn man daran kein Interesse hat.
Dass Menschen sich für verschiedene Dinge begeistern, ist doch das Normalste überhaupt. Wäre ja auch langweilig, wenn alle die gleichen Dinge toll fänden.
Ich gestehe allerdings, mir ist der Gedanke fremd, gar nichts Neues lernen zu wollen. "Lernen" bedeutet ja nicht nur, sich den geforderten Stoff für Schule, Studium oder Fortbildung anzueignen, "lernen" ist ja noch so viel mehr.
-
09.03.2021, 15:21Inaktiver User
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Sehr viele Menschen hören auf zu lernen. Man merkt es ihnen sehr bald an. Unser ZNS will benutzt werden.
-
09.03.2021, 15:28Inaktiver User
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
-
09.03.2021, 15:40Inaktiver User
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Warum fühlst Du Dich angegriffen? Ich schreibe doch genau das. Wer mit dem Rauchen aufhört, dem merkt man es an. Man kann es an vielerlei Parametern messen. Und genauso ist es eben, wenn man aufhört zu lernen (das ist im übrigen auch etwas sehr Umfassendes, das sich nicht auf trockenes Auswendiglernen begrenzt). Man bemerkt es. Man kann es messen. Ich sehe da keine Keule. Es handelt sich einfach um Entscheidungen, die ein Mensch trifft.



Zitieren
Man muss nicht überall „Freude“ reininterpretieren.

