Antworten
Seite 72 von 80 ErsteErste ... 22627071727374 ... LetzteLetzte
Ergebnis 711 bis 720 von 791
  1. User Info Menu

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von KlaraKante Beitrag anzeigen
    Ich betrachte Schuld und Verantwortung nicht so eindimensional.
    Eine einfache Darstellung ist nicht zwangsläufig eindimensional.

    Ich habe mehrfach betont, dass beides - Verantwortung und Schuld - existieren und einander bedingen.


    Und was wäre Deiner Ansicht nach gewonnen, wenn sich jemand "schuldig" fühlt, ohne die Verantwortung für sein Tun zu übernehmen?
    Nichts. Das habe ich ja auch nicht behauptet.

    Wer keine Verantwortung erkennt, kann sich auch nicht schuldig fühlen.

    Obwohl sich manche schlecht (schuldig) fühlen, obwohl sie die Verantwortung ablehnen.
    Dann kämpft der Kopf gegen das Gewissen, dass es besser weiß.

    Die Frage ist, wo man in so einem fall ansetzt: steckt man die Energie dahin, das "Schuldgefühl" zu eliminieren oder schaut man sich genauer an, worauf es hinweist?


    Es gibt viele Konflikte in Paarbeziehungen und Familien, die deshalb Endlosschleifen drehen, weil es um SCHULD geht und man damit glaubt, Verantwortung eben nicht übernehmen zu müssen.
    Das tolle am heutigen Umgang mit "Schuld" ist ja: Schuld ist doof, aber nur wenn es einen selbst betrifft. Die Verlagerung eigener Anteile auf andere ist ja nicht das Ende eines Schuldkonzeptes, sondern nur die Übertragung. Damit man selbst sich damit nicht auseinander setzen muss.

    Sehr vereinfacht dargestellt. So läuft es in Menschen allerdings häufig eben nicht ab. Meiner Sichtweise entspricht eher, davon auszugehen, dass jemand, der Verantwortung übernimmt, automatisch anerkennt, dass er einen Fehler begangen hat.
    Das denke ich gerade nicht, dass das automatisch passiert.

    Menschen machen Fehler - das ist ganz normal.


    Ob es dann überhaupt einer Strafe bedarf oder es völig ausreichend ist, wenn derjenige, der Verantwortung übernimmt, freiwillig ins Handeln / Veränderungsprozesse kommt, hängt sicher von Fall zu Fall ab.

    Für Vorfälle ausserhalb des StGb wird es sehr schwer, "Strafen" überhaupt zu verhängen und zu vollziehen, es sei denn, es liegen schiefe Ebenen vor (Eltern/Kind beispielsweise).

    So manche "Strafe" führt eher dazu, dass sich derjenige, der sie vollzogen sehen möchte, selbst mitbestraft.
    Ich hatte das der Vollständigkeit halber aufgeführt. Im privaten Bereich spielt Strafe wohl eher Weinger eine Rolle.

    Da ist es mir doch erheblich lieber, es wird Verantwortung übernommen. Die setzt nämlich innere Prozesse voraus. Ich muss mein Handeln betrachten und erkennen: Das war nicht in Ordnung UND daraus eine Handlungsoption, einen Veränderungsprozess ableiten und vollziehen. Tue ich das nicht, habe ich nicht wirklich Verantwortung übernommen, sondern Lippenbekenntnisse geäussert.
    Was stört dich eigentlich so am Begriff "Schuld"?

    Du beschreibst ja eigentlich das gleiche wie ich, nur darf dabei das Wort Schuld nicht verwendet werden.



    Aha. Und wie erkennst Du als "Opfer", dass die Reue echt und kein Lippenbekenntnis ist? Um Vergebung bitten - ernsthaft? Das passiert vielleicht in Rosamunde Pilcher Romanen. Welche Kontrolle hat ein Opfer? Wie lange ist ein Mensch eigentlich ein Opfer und was macht es mit seinem Selbstverständnis, sich als solches ggf. dauerhaft zu betrachten?
    Ich habe selbst schon Fehler gemacht, obwohl ich es hätte besser machen können.
    Also kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es so gehen kann.

    Ich rede hier nicht von Straftaten, von schlimmen Untaten die andere zerstört haben - wohl aber gab es emotionalen Schaden. Ich habe teils auch zuerst die Schuld für meine Fehler beim anderen gesucht - und meine Verantwortung geleugnet.

    Als ich mich der Verantwortung dann gestellt habe - habe ich Schuld empfunden.
    Bedauern und Reue.
    Und habe diese Person um Verzeihung gebeten und sie wurde mir gewährt.
    Das ist nicht leicht, und es macht auch nichts ungeschehen - aber es macht das weiter leben einfacher.

    Ich habe es auch schon umgekehrt erleben dürfen.

    Und auch schon unverzeihliches, weil ich nicht verzeihen wollte, oder der andere nicht, das fand ich dann insgesamt belastender. Da gibt es dann keine Heilung.

    Gerade diese vereinfachten Gleichungen führen in der Praxis dazu, dass Menschen sich gezwungen sehen, permanent unterhalb der Grasnabe zu krauchen. Eine Heilung der Beziehungen kann nicht stattfinden, es bleibt bei schiefen Ebenen: Du Schuldiger, ich Opfer.
    Nein, Reue und Vergebung lösen diese Verstrickung auf.

    Wandeln kann sich das erst, wenn JEDER Verantwortung übernimmt, auch das Opfer - für seine Prozesse nämlich und dafür, irgendwann das "Opfer" hinter sich lassen zu können.

    Von "Reue" und wortreichen Entschuldigen heilt nichts. Auch nicht von demütiger Haltung oder davon, dass ein "Opfer" grossmütig Verzeihung gewährt.
    Tja, vielleicht bilde ich mir das dann auch nur ein. Ich lebe gut damit.

    Tatsächlich hat mich das resilienter gemacht, weil ich nicht mehr so viel Energie in Abwehr und Verdrängung stecken muss und in Krisen etwas souveräner bin.
    Geändert von print (23.02.2021 um 08:59 Uhr)
    Think before you print.

  2. User Info Menu

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Nachtrag: das geht jetzt alles wohl ins OT, auch wenn es für mich persönlich viel mit Resilienz zu tun hat, es ist nur ein Teil davon.

    Ich möchte nicht den Eindruck erwecken man könne alles reduzieren auf die Frage nach Verantwortung und Schuld.
    Think before you print.

  3. User Info Menu

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von print Beitrag anzeigen
    So ist es. Wobei man unter Wiedergutmachung ja nicht "ungeschehen machen" verstehen sollte.
    Nein, natürlich nicht.
    Aber, mal grob gesagt - wären das dann die klassische Entwicklung die man vom Saulus zum Paulus nennt.

    Ich persönlich glaube ja, es gibt in unserem Alltag viel mehr Psychopathen als man denkt.
    Sensibilität wurde ja auch lange als "Schwäche" verstanden.
    Als labil, Schwäche zeigend.

    Ich finde das Lied von Milva "du hast es gut" verdeutlicht das sehr gut.
    Meine Lieblingszeile: geht mein Gemüt mir auch oft gegen den Strich, du hast vom Glück nur halb so viel wie ich.

    Und da wäre ich dann wieder bei meiner Meinung: Resilienz hat viel mit Selbsterkenntnis zu tun.
    Was aber auch nicht heißt sich in einen Elfenbeinturm zu verkriechen.
    Wenn man von der Sonne spricht,
    so scheint sie auch.

    aus Norwegen

  4. User Info Menu

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von KlaraKante Beitrag anzeigen
    Richtig! Manchmal ist Distanz das einzige Mittel, damit ein Mensch wieder inneren Frieden finden, ausheilen, eine Perspektive auf ein normales Leben bekommen im Sinne von: sich erarbeiten kann. Im dysfunktionalen, toxischen System zu verbleiben führt oft genug in Endlosschleifen und verhindert einen Genesungsprozess. Zumindest zeitweise Distanzierung kann äusserst hilfreich wirken und ist im Fall von Missbrauch/physischer Gewalt unerlässlich meines Erachtens.

    Ich stimme zu, grissom: Es gibt keine Verpflichtung für ein Opfer, verzeihen zu müssen. Es existiert auch nicht die Notwendigkeit, verzeihen zu müssen, wenn man gesunden will. Es kann gerade für die Opfer von Gewalt sehr schädlich wirken, dass immer noch in vielen Köpfen - leider auch in der von TherapeutInnen - vorherrscht, "man müsse" verzeihen. Das als Voraussetzung für Heilung zu proklamieren, ist insbesondere im Kontext Kindesmissbrauch eine regelrechte Monstrosität.
    ja, das ist das problem.

    am schlimmsten finde ich ja, wenn gleichzeitig mit opfern und tätern gearbeitet wird und dabei die opfer bei den täterinnen bleiben müssen.
    nicht nur bei sexuellem missbrauch, bei jedwedem, manchmal ja auch "nur" psychischer.....
    Falls jemand "Mist" findet, was ich poste:
    Meine "BS"-Tastatur ist nur fürs Formale zuständig
    Alles Andere wäre ja noch schöner.

  5. User Info Menu

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von print Beitrag anzeigen


    ..--........


    Nein, Reue und Vergebung lösen diese Verstrickung auf.



    .
    echt?
    wie?

    oder auch mehr so "frommer wunsch"?
    Falls jemand "Mist" findet, was ich poste:
    Meine "BS"-Tastatur ist nur fürs Formale zuständig
    Alles Andere wäre ja noch schöner.

  6. User Info Menu

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von print Beitrag anzeigen
    Nachtrag: das geht jetzt alles wohl ins OT, auch wenn es für mich persönlich viel mit Resilienz zu tun hat, es ist nur ein Teil davon.

    Ich möchte nicht den Eindruck erwecken man könne alles reduzieren auf die Frage nach Verantwortung und Schuld.
    wieso sollte das jetzt ot sein?
    Falls jemand "Mist" findet, was ich poste:
    Meine "BS"-Tastatur ist nur fürs Formale zuständig
    Alles Andere wäre ja noch schöner.

  7. User Info Menu

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von Grissom Beitrag anzeigen
    echt?
    wie?

    oder auch mehr so "frommer wunsch"?
    Persönliche Erfahrung, habe ich auch so beschrieben.

    Wie kann man den Täter-Opfer-Modus je verlassen, wenn die Rollen bis zum Lebensende ein zwischenmenschliches Verhältnis dominieren?
    Sieht man ja oft in Familiengeschichten.

    Die sicher nicht einfache Auseinandersetzung mit eigener Verantwortung und Schuld ist oft schmerzhaft. Ich kann verstehen, wer das nicht ertragen kann und erlaube mir auch kein Urteil oder Ratschläge bei gravierenden Verletzungen.
    Besonders wer Schaden aus Kindheitserfahrungen hat, der kann nicht die eigene Verantwortung für die Verhältnisse von damals übernehmen - nur für sein Leben von heute, und wovon es bestimmt sein soll.

    Außerdem: es gehören halt auch immer 2 dazu - das ist schwer zu ertragen: wenn die Reue nicht angenommen werden kann oder noch schlimmer: wenn man bereit wäre zu verzeihen, wenn der andere nur einen Schritt entgegenkäme und eingestehen könnte, dass er mir Unrecht getan hat.... an der Stelle zeigt sich dann wieder Resilienz, auch dies ertragen zu können ohne dabei zu verbittern.

    Es gibt hier im Forum viele Stränge/Beiträge zum Thema "Kontaktabbruch".
    Ich kann es oft nachfühlen, warum jemand das macht.
    Ich habe aber nicht oft den Eindruck, dass man damit dann besser lebt.
    Aber vielleicht schreiben ja auch nur diejenigen dazu, die eben ein Problem damit haben und viele andere leben ganz gut damit.
    Think before you print.

  8. User Info Menu

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von print Beitrag anzeigen

    ...
    Wie kann man den Täter-Opfer-Modus je verlassen, wenn die Rollen bis zum Lebensende ein zwischenmenschliches Verhältnis dominieren?
    Sieht man ja oft in Familiengeschichten.

    Die sicher nicht einfache Auseinandersetzung mit eigener Verantwortung und Schuld ist oft schmerzhaft. Ich kann verstehen, wer das nicht ertragen kann und erlaube mir auch kein Urteil oder Ratschläge bei gravierenden Verletzungen.
    Besonders wer Schaden aus Kindheitserfahrungen hat, der kann nicht die eigene Verantwortung für die Verhältnisse von damals übernehmen - nur für sein Leben von heute, und wovon es bestimmt sein soll.
    .........

    Es gibt hier im Forum viele Stränge/Beiträge zum Thema "Kontaktabbruch".
    Ich kann es oft nachfühlen, warum jemand das macht.
    Ich habe aber nicht oft den Eindruck, dass man damit dann besser lebt.
    Aber vielleicht schreiben ja auch nur diejenigen dazu, die eben ein Problem damit haben und viele andere leben ganz gut damit.
    hat klara kante vorhin sehr gut erklärt, dass das wirkliche verarbeiten für das opfer oft erst außerhalb der vom täterIn am leben gehaltenen schleifen stattfinden kann.

    grottiges negativ beispiel

    rihanna und eminem:
    i love the way you lie

    wenn man weiss, was eminem angetan wurde, und von wem, merkt man deutlich, dass er maximal aufhören konnte täter zu sein.
    opfer bleibt er wohl..-------
    Falls jemand "Mist" findet, was ich poste:
    Meine "BS"-Tastatur ist nur fürs Formale zuständig
    Alles Andere wäre ja noch schöner.

  9. User Info Menu

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von Grissom Beitrag anzeigen
    hat klara kante vorhin sehr gut erklärt, dass das wirkliche verarbeiten für das opfer oft erst außerhalb der vom täterIn am leben gehaltenen schleifen stattfinden kann.
    Ja, das verstehe ich sehr gut.

    Da sind dann aber auch keine Prozesse im Gang, wie ich sie beschrieben habe - wenn die Schleifen weiter gehen.

    Kein Anerkennen von Verantwortung (beim Täter), kein Anerkennen von Schuld (ich habe Unrecht getan), keine Reue.....

    Dann hat man als Opfer nur die Möglichkeit sich dem zu entziehen.

    Man kommt aber nicht aus der Verantwortung für sich selbst heraus: sich nicht auf Dauer als Opfer zu definieren, dass dieser Status das ganze Leben bestimmt (oder eben: nicht).

    Ich denke, genau das ist es, was resiliente Menschen erreichen, mit Unterstützung, aber vor allem sehr viel Eigenleistung (Mut, Kraft, Schmerz ertragen)
    Think before you print.

  10. User Info Menu

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von print Beitrag anzeigen

    ......

    Da sind dann aber auch keine Prozesse im Gang, wie ich sie beschrieben habe - wenn die Schleifen weiter gehen.

    Kein Anerkennen von Verantwortung (beim Täter), kein Anerkennen von Schuld (ich habe Unrecht getan), keine Reue.....

    Dann hat man als Opfer nur die Möglichkeit sich dem zu entziehen.

    Man kommt aber nicht aus der Verantwortung für sich selbst heraus: sich nicht auf Dauer als Opfer zu definieren, dass dieser Status das ganze Leben bestimmt (oder eben: nicht).


    .:

    Da ist mMm sehr kurz gedacht.

    im binnenverhältnis muss täterIn und opfer klar definiert bleiben.
    vollkommen egal, ob reeler kontakt besteht oder nicht. und auch egal warum nicht, wenn nicht.


    aus der verantwortung kann das opfer so oder so nicht entkommen.

    und gerade schuld und reue - lippenbekenntnissse sind eine klassische täterInnen strategie, neben schuldumkehr, um das opfer auch im "hohen" alter "gefügig" zuhalten.
    sehr "beliebt" zb.:. ich habe alles für dich geopfert, sogar meine karriere uvm...... nur
    wegen dir....
    Geändert von Grissom (23.02.2021 um 11:14 Uhr)
    Falls jemand "Mist" findet, was ich poste:
    Meine "BS"-Tastatur ist nur fürs Formale zuständig
    Alles Andere wäre ja noch schöner.

Antworten
Seite 72 von 80 ErsteErste ... 22627071727374 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •