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  1. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    dass die Eigenschaft, Resilienz aufzubauen, immer wichtiger werden wird.
    Ich bin nicht sicher, daß die sich so "aufbauen" läßt wie Muckis oder die Fähigkeit, beim Trivial Pursuit zu gewinnen.

    Ich vermute, das Fundament und die meisten Bausteine der Resilienz tief in der Persönlichkeit, in Kindheit- und Jugenderfahrungen. Danach wird zwar noch ein bißchen entwickelt und gepatcht, aber Anbauten, die von der Architektur nicht unterstützt werden, bleiben wackelig.

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Was habt Ihr für Hilfestellungen, wie motiviert Ihr Euch, auch wenn es schwierig wird,[...]
    Wie der Zoowärter mit der kleinen Schippe und dem großen Haufen Elefantendreck, der weg muß: Eine Schippe nach der anderen. Eine Woche, ein Tag, eine Stunde nach der anderen.

    Außerdem, der Blick auf die Dinge und Umstände, die zu meinen Gunsten sind. Das sind viele. Und da spielt jetzt schon der Hintergrund und die Lebenserfahrung mit rein, erstens, diese Dinge und Umstände zu haben, und zweitens, die Erfahrung zu haben, daß mit ihnen Probleme lösbar sind, Krisen nicht existentiell, solange ich sie nicht komplett eskalieren lasse, und sogar ich hab es bis jetzt geschafft, keine meiner Krisen komplett eskalieren zu lassen -- wiederum, weil ich die Mittel und Möglichkeiten habe, sie daran zu hindern. Mein Leben ist nicht auf Kante genäht.

    Ich denke aber, was ich mache, hilft denen nicht, deren Leben tatsächlich auf Kante genäht ist, oder auf die eine Katastrophe nach der anderen einprasselt, oder die nicht die Erfahrung haben, daß sich das schon regeln wird.

    Es gibt einige weitgehend irrelevante Themen, wo mich jedes Knacksen im Gebälk in Panik versetzt. Wahrscheinlich ist das das Reservat all meiner Kapazität für Ängste. Umgekehrt können mich aber auch Kleinigkeiten wie ein guter Song, ein Stück Kuchen, ein frischbezogenes Bett, der Geruch nach Schnee... unheimlich aufbauen.

    Was vielleicht generell gegen Ängste hilft: "Zwischen jetzt und dem schlimmstmöglichen Szenario liegen viele Abzweigungen." Und, "Es bildet sich immer wieder eine neue Normalität". (Das ist nur mäßig ermutigend, da es an all die besseren Normalitäten erinnert, die man jetzt schon verloren oder nicht erreicht hat. Aber es erinnert daran, daß Drama nicht für immer ist.)

    Was gegen "diesmal ist alles anders" hilft (sowohl gegen "viel schlimmer" wie auch "ab heute nur noch regenbogenspeiende Einhörner") ist für mich die Meditation über geeignete Texte (und Songs), vom Kölner Grundgesetz bis zu Ecclesiastes.
    Und Geschichte.

    Andere Menschen sind für mich nicht motivierend, was mentale und emotionale Robustheit angeht. Daß Leuten so viel Sch*** passiert, macht mich wütend und negativ, und ich denke an "das stumme Zeugnis des Friedhofs" -- all die Leute, die nicht mehr davon erzählen können. Ich ziehe da mehr Nutzen draus, wenn es abstrahiert ist.


    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Wie zieht Ihr euch dann raus?
    Ich vermeide weitestmöglich, mich reinzuziehen. Wie Mark Twain sagte: "Es ist leichter, draußenzubleiben als rauszukommen." Das gilt auch für Krisen und Unglück.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Resilienz war schon immer wichtig. Ich denke nicht, dass sich an der Bedeutung im Laufe der Zeiten irgendwas geändert hat, nur die Herausforderungen sind teilweise andere.

    Ich halte mich für ziemlich resilient, zumindest bin ich glücklicherweise in meinem Erwachsenenleben noch nicht in eine Lebenslage geraten, in der ich keinen Ausweg mehr gesehen habe oder alles nur noch hoffnungs- oder freudlos erschien oder nach der ich mich gebrochen fühlte. In der Kindheit und Pubertät war ich eindeutig noch nicht so weit, es gab wohl initiale Erfahrungen und einen Lernprozess für den Umgang mit Herausforderungen.

    So genau weiß ich nicht, wie ich so geworden bin. Ich bin am Überlegen, ob für die Resilienz neben dem Entwicklungsprozess in der Kindheit auch so etwas wie ein familiäres Gedächtnis (dafür gibt es sicher auch einen Fachbegriff) und vorgelebte Bewältigungsstrategien eine Rolle spielen. Wobei das sicher auch in der Phase der Kindheit am prägendsten ist. Wichtig ist vielleicht auch, was einem zugetraut wird. Ich habe noch im Ohr, wie einer meiner Großväter meiner Mutter mal gesagt, dass sie sich um mich keine Sorgen machen müsse, ich wäre stur. „Stur“ war positiv gemeint im Sinne von, lässt sich nicht unterkriegen oder kaputt machen. Entweder hatte er recht oder ich habe mir die Prognose zu eigen gemacht.

    In schwierigen Situationen erinnere ich mich recht häufig an Berichte von und über Verwandte, die ich teilweise nicht einmal mehr kennengelernt habe, aber auch an die von Freunden und Bekannten. Bei mir ist die mütterliche Linie da sehr präsent, wo die Biographien Geschehnisse wie lebensbedrohliche Armut, Tod von Kindern, Geschwistern, Geburten und Miterleben von Todesfällen ohne jeden Beistand, komplette Neuanfänge mit leeren Händen in jüngerem, aber auch in höherem Alter aufweisen (alles nicht so ungewöhnlich in früheren Generationen). Und dann noch ein Sammelsurium an Erzählungen und Erinnerungen an selbstbestimmte, entscheidungsstarke andere Menschen aus meinem näheren Umfeld, die viel erlebt hatten, aber alles keine gebrochenen oder verbitterten Menschen waren. Es gibt auch die anderen Menschen, die mit den Herausforderungen im Leben nicht gut klar kamen, aber die sind in meinen Erinnerungen weniger von Bedeutung, sind nur sehr eingeschränkt Vorbilder für mein Verhalten und Empfinden.

    Wenn ich in auch nur annähernd vergleichbare Situationen wie diese Menschen gerate, dann kommen oft Gedanken wie, da haben Grete, Lieschen oder Klaus noch ganz andere Herausforderungen gemeistert. Dann wirst du, wohlgenährt, gesund, in einem sicheren Umfeld lebend, den Mist, den du gerade erlebst, ja wohl auch bewältigen können. Also A***backen zusammenkneifen oder Ärmel hochkrempeln und durch, die schwierigen Zeiten gehen früher oder später vorbei, entweder ändert sich die Situation oder du gewöhnst dich einfach dran und es wird dein neues Normal. (Im allerschlimmsten Fall kannst du auch immer noch den Stecker ziehen, du bist keiner Lebenslage völlig hilflos ausgeliefert.)

    Ich sollte dem Leben wohl dankbar dafür sein, dass ich ein so gutes Rüstzeug mitbekommen habe.
    Geändert von Lea1958 (15.01.2021 um 17:59 Uhr)

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von PollexNiger2 Beitrag anzeigen
    Wie bist du eigentlich auf "den Steuerzahler" gekommen?
    Eigentlich hätte ich gleich "Bürger" schreiben müssen. Ich bezog mich darauf, dass der Grund für die schlechte Bezahlung in der Pflege ja die Bürger sind, die für Pflege nicht mehr bezahlen wollen.

    Zitat Zitat von PollexNiger2 Beitrag anzeigen
    Da verkennst du meines Erachtens total, dass es ganz unterschiedliche Bewältigungsstrategien geben kann, die alle ihre Berechtigung haben.
    Ich finde es völlig legitim, die eigenen negativen Empfindungen zuzulassen und auch zu kommunizieren. (Obwohl ich persönlich eher zur dritten Gruppe gehöre ("Mir doch egal, ob das Glas nun halbvoll oder halbleer ist.")) Der Titel "Ich-darf-sein" bringt das gut auf den Punkt. Manche Menchen fühlen sich durch die aktuelle Lage psychisch besonders belastet und dazu haben sie jedes Recht. Wenn es jemandem hilft, sich in einem Strang auszukotzen, dann ist das völlig in Ordnung.
    Es ist in Ordnung im Sinne von legitim.
    Es ist m.E. aber nur eine Pseudo-Bewältigung.
    Das ist wie das genusslose Verschlingen einer Tafel Schokolade bei Frust, usw. Es verschafft im ersten Moment Erleichterung, ist aber m.E. nicht nachhaltig. Klagen und jammern, so legitim es ist, setzt, wenn übertrieben und wenn zum Ausgleich die Sicht auf's Positive fehlt, einen Fokus.
    Die Folge ist, dass man im Leben mit einem solchen Fokus die Aufmerksamkeit unbewusst primär auf Negatives richtet.
    Wer stattdessen immer erst nach Positivem schaut, findet mehr davon - der klassische Fall von einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung.
    Dazu kommt, dass man mit Dauer-Klagen andere Menschen energetisch eher runterzieht als aufbaut. Andere Menschen spüren und unterscheiden sehr genau, ob jemand sich einmal aussprechen muss, oder ob er ein Dauer-Lamentierer ist.


    Beim Resilienz-Thema interessiert mich persönlich weniger die (hier viel diskutierte) Frage des Verhältnisses von Veranlagung - Kindheitserfahrungen - Selbst-Lernen (- denn natürlich ist es eine Kombination aller drei), sondern wie genau Letzteres geschehen kann.


    Zitat Zitat von wildwusel Beitrag anzeigen
    Ich vermeide weitestmöglich, mich reinzuziehen. Wie Mark Twain sagte: "Es ist leichter, draußenzubleiben als rauszukommen." Das gilt auch für Krisen und Unglück.
    Wie schaffst Du das?

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Mir hat vorhin konkret geholfen, als ich nach dem Mittagsschlaf (tagsüber bin ich ja normalerweise auf Arbeit) etwas niedergedrückt war, mit Gummihandschuhen und einer Tüte hinauszugehen und in dem kleinen Parkstück um die Ecke eine halbe Stunde lang Kleinmüll aufzulesen, der mich schon seit 30 Jahren dort stört.
    Sozusagen etwas Nützliches mit der frischen Luft und Bewegung zu verbinden.
    Ich vermeide auch, mich in unangenehme Sphären hereinzuziehen. Also Bücher über Holocaust und Kriege wären jetzt nichts für mich.
    Dagegen Lesen von Kierkegaard ..., Anhören von Vorträgen z.B. Richard David Precht und seine Zukunftsvisionen.

    Seit Coronabeginn, einiges an verschieden Organisationen oder direkt gespendet, nicht so sehr viel, aber immerhin.
    Ich pflege sorgfältig telefonisch meine Beziehungen mit den mir mehr oder weniger Lieben. stricke, nähe und bastele für sie und mich, halte meinen Haushalt so schmuck, als würde jeden Moment Besuch kommen ...
    Ich führe seit einer Woche ein Tagebuch, nicht mit Gedanken, sondern eher mit Taten und Nichttaten.

    Ob es echte Bewältigung oder Pseudobewältigung ist, ist mir eher gleichgültig, die Hauptsache, es fühlt sich so an.

    Also, die meiste Zeit mache ich zurzeit nichts und verzeihe mir das.

    Das gehört für mich zur Resilienz. Ich steuere, was ich aufnehme und bin dankbar für das, was ich bin und habe ...
    ... und verzeihe mir, dass ich so viel herumtrödele, ganze Tage auf dem Sofa liege und Rosamunde-Pilcher-ähnliche Filme sehe und dann völlig verpeilt bin. Ich denke mir, ich bin normalerweise ein schwer arbeitendes Schaf in der Herde und jetzt ruhe ich mich mal aus.
    Habe mir auch die zwei Flaschen Wein verziehen, die ich in der letzten Zeit an zwei Abenden getrunken habe. Dafür trinke ich dazwischen nichts - weil ich nichts da habe und nichts kaufe.
    Geändert von Heidenelke (15.01.2021 um 18:57 Uhr)

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen
    [...]
    Ich finde es sehr vergleichbar mit Gesundheit: Manche Leute haben von Natur aus eine robustere, andere eine zartere Konstitution. Jeder kann mindestens punktuell Dinge tun, die seiner Gesundheit foerderlich sind. Auch sehr gesunde, optimal ernaehrte, perfekt-gewichtige, fitte, gut trainierte Menschen erkranken mitunter an schrecklichen Krankheiten und erliegen ihnen. Und das ist schrecklich und schlimm fuer sie und ihre Angehoerigen.

    Aber ich habe noch nie jemanden deshalb sagen hoeren: "Im Ernstfall nuetzt Dir Gesundheit auch nichts."
    Ich finde den Vergleich mit der Gesundheit sehr aufschlussreich.

    Wie du ja sehr richtig sagst, kann man punktuell Dinge tun, die die Gesundheit fördern. (Bewegung, gesunde Ernährung, frische Luft, nicht rauchen). Auf der anderen Seite ist aber der Einfluss der Gene auf die Gesundheit erschreckend groß.

    Man kann seine Gesundheit also im Rahmen seiner Möglichkeiten verbessern, aber der Rahmen ist im Einzelfall eng begrenzt. Die Formulierung "Gesundheit kann man lernen" käme mir deshalb recht zynisch vor. Wer an einer erblichen Erkrankung leidet oder von einem LKW überrollt worden ist, der kann trotz allem seine Konstituion durch Physiotherapie, Rehasport und dergleichen mehr verbessern. Aber der Nachteil, den man durch erblichen Muskelschwund oder Beinamputation hat, lässt sich nicht ausgleichen.

    Ganz ähnlich stelle ich mir die psychische Gesundheit und Widerstandsfähigkeit vor. Man hat gewisse Schrauben, an denen man drehen kann, aber wenn eine ungünstige Grundkonstitution und widrige äußere Einflüsse zusammenkommen, dann hat man unter Umständen einen Nachteil, der sich durch alle Lernprozesse nicht ausgeichen lässt.

    Ich glaube aber, ein Problem mit dem Begriff "Resilienz" ist, dass er nicht ganz klar definiert ist. Es gibt Resilienz als Forschungsgegenstand in der Psychologie und Resilienz als "Modewort". Da ist es schwer, auf einen Nenner zu kommen, weil man nie ganz genau weiß, was der andere darunter versteht.

  6. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von Nocturna Beitrag anzeigen
    Deswegen kann ich auch mit dem Wort Achtsamkeit persönlich absolut nichts anfangen.
    Achtsamkeit verwende ich jetzt persönlich als ein Werkzeug, das ganze Rauschen im Kanal mal stummzuschalten und das Signal wieder zu hören. Ich tendiere zum verflusen...

    So wie das allerdings oft gebraucht wird, steigt mir da schon derselbe Bratengeruch in die Nase, den PollexNiger2 auch bei Resilienz angemerkt hat.

    Modewörter eben. Blöd, wenn brauchbare Konzepte unter der Mode begraben werden.
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von Galah9 Beitrag anzeigen
    (...)



    Es ist in Ordnung im Sinne von legitim.
    Es ist m.E. aber nur eine Pseudo-Bewältigung.
    Das ist wie das genusslose Verschlingen einer Tafel Schokolade bei Frust, usw. Es verschafft im ersten Moment Erleichterung, ist aber m.E. nicht nachhaltig. Klagen und jammern, so legitim es ist, setzt, wenn übertrieben und wenn zum Ausgleich die Sicht auf's Positive fehlt, einen Fokus.
    Die Folge ist, dass man im Leben mit einem solchen Fokus die Aufmerksamkeit unbewusst primär auf Negatives richtet.
    Wer stattdessen immer erst nach Positivem schaut, findet mehr davon - der klassische Fall von einer sich selbst erfüllenden Prophezeihung.
    Dazu kommt, dass man mit Dauer-Klagen andere Menschen energetisch eher runterzieht als aufbaut. (...)

    Sehe ich auch so.

    Ist auch eine Frage der Energielenkung bzw. Realität ist das, was man dazu macht. Alles ist eine Frage der Wahrnehmung.

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Resilienz ist die praktische Fähigkeit, alle Theorien zur Seite liegend lassend, sich erfüllt durchs Leben zu steuern.

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von Heidenelke Beitrag anzeigen
    Resilienz ist die praktische Fähigkeit, alle Theorien zur Seite liegend lassend, sich erfüllt durchs Leben zu steuern.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

  10. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Bei der Beschreibung, was dein Sohn in der Grundschule lernt, fiel mir ein, dass hier zB Kindergartengruppen und Grundschulklassen jedes Jahr neu durchgemischt werden, damit die Kinder lernen, immer wieder neue Kontakte zu schliessen und nicht in 'Cliquen' die ganzen Jahre durchziehen.
    Hm, das haben sie bei uns aus rein organisatorischen Gründen alle zwei Jahre gemacht. Ich habe den Eindruck, was die Kinder (wobei, eher Teenies als Kinder, da Teenies einen größeren Bewegungsradius haben) da mehr gelernt haben als Extrovertiertheit zumindest vorzuspiegeln war, für ihre Freundschaften nicht auf die Schule angewiesen zu sein. In der 9 hat es schon viele nicht mehr interessiert, und in der 11 dann keinen mehr, wer im gleichen Klassenzimmer saß, sondern nur, wen man in der Pause oder nach der Schule treffen konnte.

    Das ist eine andere Seite der gleichen Medaille, und auch eine Form von Resilienz, denke ich: Zu wissen, daß die Welt diese Art von Problemen für einen schafft (versucht, Stabilität zu reduzieren -- passiert an allen Ecken, im ganzen Universum), und daß man sie lösen kann (so oder anders), und daß auch wenn man sie nicht so komplett lösen kann, wie man gerne würde, die Lösung trotzdem gut sein kann.


    Zitat Zitat von luftistraus Beitrag anzeigen
    Liegt es am zunehmenden Alter? Erschöpfung?
    Einen Mischung aus allem?
    Vielleicht hast du jetzt Situationen, auf die du deine gelernten Methoden (noch?) nicht angepaßt hast? Mißerfolg kann einen ziemlich untergraben.
    Oder deine Prioritäten sind nicht mehr so klar? (Das muß nicht schlecht sein, wenn man mehr als eine wichtige Sache im Leben hat, aber es verkompliziert vieles.)

    Es war alles irgendwie leichter, als mir mehr egal war. Seit mir nicht mehr so viel egal ist, gerate ich viel leichter in Panik. Aber, wie gesagt, zum Glück bevorzugt bei völlig unwichtigen Sachen.

    Ich bin definitiv kein Höhlenmensch[*]. Zu viel kulturelle Interessen, zu wenig körperliche Kompetenz, um meinen Sportarten alleine auf weiter Flur nachzugehen, und Fremdheit und schlechte Kommunikation machen Leute im Alltag nicht leichter, sondern schwerer erträglich.

    Aber, naja, eine Woche, ein Tag, eine Stunde nach der anderen. Alles fließt.

    --
    [*] Wobei die, unmetaphorisch betrachtet, ja auch ständig in der Horde gehaust haben...
    --


    Zitat Zitat von Galah9 Beitrag anzeigen
    Wie schaffst Du das?
    Hängt von der Situation ab, aber ich denke, das gemeinsame Element ist mir auf Vorrat innere Distanz zu holen.
    (Zum Beispiel durch Einsicht in Risiko und Vergänglichkeit, und wovon die Welt untergeht und wovon nicht, und daß letzteres in meinem Leben deutlich in der Mehrheit ist.)

    Wenn mich dann destruktive Gedanken reinziehen wollen, oder mich die Gedanken und Gefühle zu einer Situation zu überwältigen drohen, dann greife ich mir die innere Distanz und höre auf, mich mit Problemen zu befassen, die ich nicht lösen kann. Meist finde ich dann welche, die ich lösen kann. Bis jetzt zum Glück immer rechtzeitig.
    Geändert von wildwusel (15.01.2021 um 20:50 Uhr)
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
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