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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von katelbach Beitrag anzeigen
    Ich glaube auch, dass ich als Höhlenmensch jetzt aktuell wenig/nicht belastet bin.
    Jup, ich bin auch Höhlenmensch. Wenn es mir nicht für alle Betroffenen leid täte, wären mir die Coronaeinschränkungen egal. Corona tangiert mich seelisch kein bisschen.
    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen
    Aha! Aber koennte es nicht sein, dass Du damit nur unter Beweis stellst, dass Du sowohl Resilienz als auch Achtsamkeit bereits besitzt und anwendest?
    Ich vermute, dass ich Resilienz besitze, denn ich besitze eine gewisse Fähigkeit unabänderliche Situationen sehr schnell zu akzeptieren, so dass sie mich nicht weiter belasten. Andererseits ist mir in meinen 57 Jahren auch keine wirkliche Krise bekannt, bei der ich Resilienz unter Beweis hätte stellen müssen. Fragt sich nur, habe ich nun 57 Jahre permanentes Glück gehabt oder weigere ich mich einfach gewisse Unregelheiten des Lebens, wie z.B. eine Scheidung, als Katastrophe zu sehen?
    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen
    Und vielleicht brauchst Du keine Literatur, keinen Austausch und kein Coaching oder was auch immer in Achtsamkeit / Resilienz. Ist ja prima. Aber das macht nicht die Dinge an sich wertlos.
    Das wollte ich keinesfalls zum Ausdruck bringen. Jede Strategie, die Menschen befähigt besser durch den Alltag zu kommen, ist wertvoll.
    "Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
    (John D. Rockefeller)

  2. Inaktiver User

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Ich glaube, man muss sich da nichts vormachen, es gibt Erlebnisse, da hilft einem auch eine angeborene oder antrainierte Resilienz nicht weiter. Tod eines Kindes, Gewaltverbrechen, Kriegserfahrung usw.

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Das stimmt! Eine Freundin von mir hat gerade innerhalb von 14 Tagen ihren Mann und ihre Mutter verloren. Sie ist bestimmt sehr resilient, aber das ist einfach zu viel.

    Was mich einmal tief beeindruckt hat, war die Aussage eines KZ-Insassen. Er wurde gefragt, wie er die Zeit so gut überstanden habe. Da meinte er: "Ich hatte die Wahl, mich für Hass oder Liebe zu entscheiden. Ich habe die Liebe gewählt!"
    Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg (Mahatma Gandhi)

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich glaube, man muss sich da nichts vormachen, es gibt Erlebnisse, da hilft einem auch eine angeborene oder antrainierte Resilienz nicht weiter. Tod eines Kindes, Gewaltverbrechen, Kriegserfahrung usw.
    Das ist aber genau das für mich spannende.

    Extremen Dinge habe ich erlebt und gut gemeistert. Über 30 Jahre lang.

    Und dann ging es abwärts. Da kommen dann im Vergleich "Banalitäten" und das wirft mich aus der Bahn bzw. Vertrage ich schlecht.

    Ich hatte ja auch schon die These, das Verdrängung im Spiel ist /war und das der Grund war, warum ich extremes schaffte.

    Aber Verdrängung (allein) ist es nicht...

    Liegt es am zunehmenden Alter? Erschöpfung?
    Einen Mischung aus allem?
    When a man tells you A and does B, believe B because A is what hes trying to get you to believe, B is who he is

  5. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    @Nocturna, danke fuer die Antwort, das hatte ich missverstanden.

    @Manesse. Richtig. Aber wer "macht sich [oder anderen] vor", Resilienz sei unendlich? Oder schuetze vor jeder Situation? Resilienz heisst ja nicht: "Es geht mir immer toll". (Ich habe den Eindruck, das wird haeufig so missverstanden.) Resilienz heisst, sich in unangenehmen Situationen zurecht zu finden und sich von schlimmen Erlebnissen erholen zu koennen. Ich meine wie gesagt auch, dass dazu gehoert: Sich Hilfe in der Situation oder bei der Erholung zu suchen.

    Auch bei richtig schlimmen Traumata, wie Du sie beschreibst, kann man natuerlich eine gewisse Resilienz haben, diese zu ueberleben. Die werden dadurch kein Stueck weniger schlimm, traumatisch, praegend. Ich glaube auch nicht, dass es irgendetwas gibt, durch dass sie weniger schlimm werden. Das ist aber nicht das Ziel oder die Anwendung von Resilienz.
    Desgleichen @Fels: Deine Bekannte hat immer noch ihre Resilienz. Diese wird sich vermutlich auf lange Sicht auch wieder zeigen, wenn sie diese furchtbaren Erlebnisse betrauert, verarbeitet, ueberlebt. Ihre Resilienz ist nicht "weg", weil sie unter einer uebergrossen Buerde (hoffentlich zeitweise) zusammenbricht. Ihre Resilienz wird ihr helfen, irgendwann wieder aufzustehen, sich ggf. Hilfe und Kruecken zum Wiederaufstehen zu suchen. Nochmal: Resilienz heisst nicht ungebrochen gute Laune. (Wie nervig waere das denn bitte? )


    Ich finde es sehr vergleichbar mit Gesundheit: Manche Leute haben von Natur aus eine robustere, andere eine zartere Konstitution. Jeder kann mindestens punktuell Dinge tun, die seiner Gesundheit foerderlich sind. Auch sehr gesunde, optimal ernaehrte, perfekt-gewichtige, fitte, gut trainierte Menschen erkranken mitunter an schrecklichen Krankheiten und erliegen ihnen. Und das ist schrecklich und schlimm fuer sie und ihre Angehoerigen.

    Aber ich habe noch nie jemanden deshalb sagen hoeren: "Im Ernstfall nuetzt Dir Gesundheit auch nichts."
    Geändert von Flau (15.01.2021 um 15:15 Uhr)
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung

  6. Inaktiver User

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von luftistraus Beitrag anzeigen
    Extremen Dinge habe ich erlebt und gut gemeistert. Über 30 Jahre lang.

    Und dann ging es abwärts. Da kommen dann im Vergleich "Banalitäten" und das wirft mich aus der Bahn bzw. Vertrage ich schlecht.

    Ich hatte ja auch schon die These, das Verdrängung im Spiel ist /war und das der Grund war, warum ich extremes schaffte.

    Aber Verdrängung (allein) ist es nicht...


    Ich würde an der Stelle einfach die Resilienz mal "vergessen".
    Wie ich schon sagte, jeder packt alles Mögliche in den Begriff hinein, bläht ihn auf und zum Schluss wird der Begriff untauglich, um Manches zu verstehen.

    30 Jahre lang.. Man müsste sich erst einmal das genau anschauen, um zu verstehen, was dabei in dir vorging, wie du mit den Situationen umgingst. Nicht (nur) äußerlich sondern vor allem von dem seelischen Geschehen aus. Was dich trieb, was dich hielt, welche Mechanismen aus dem Inneren heraus dir halfen.
    Dann erst würde (wenn überhaupt) das Wort Resilienz einen Inhalt bekommen. Einen fühlbaren, konkreten, nachvollzogenen Inhalt und kein aufgeblasener Sack, in den man alles Mögliche hineinwirrft, wie es einem gerade passt.



    Zitat Zitat von luftistraus Beitrag anzeigen
    Liegt es am zunehmenden Alter? Erschöpfung?
    Einen Mischung aus allem?

    Wenn du die Zusammenhänge der 30 Jahre verstehen würdest, dann hättest du wahrscheinlich auch die Antwort auf diese Fragen.
    Ganz jenseits des Begriffs "Resilienz".

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von luftistraus Beitrag anzeigen
    Extremen Dinge habe ich erlebt und gut gemeistert. Über 30 Jahre lang.

    Und dann ging es abwärts. Da kommen dann im Vergleich "Banalitäten" und das wirft mich aus der Bahn bzw. Vertrage ich schlecht.

    Ich hatte ja auch schon die These, das Verdrängung im Spiel ist /war und das der Grund war, warum ich extremes schaffte.

    Aber Verdrängung (allein) ist es nicht...

    Liegt es am zunehmenden Alter? Erschöpfung?
    Einen Mischung aus allem?
    Ich würde das Thema "Erfahrung" nicht unterschätzen. Ich habe das zumindest bei mir festgestellt.

    Nehmen wir Katastrophe X, die ich vor etlichen Jahren gut gemeistert habe. Eigentlich ja eine gute Erfahrung, ich habe gelernt, mit Katastrophen der Kategorie X kann ich umgehen. Nun taucht Katastrophe Y am Horizont auf, die mich aus irgendwelchen synaptischen Gründen an Katastrophe X erinnert, und zwar die blöde Erfahrung "das könnte eine Katastrophe sein", aber gleichzeitig die Erkenntnis, dass das doch auch wieder neu ist, weil ja nicht X, sondern Y.

    Bei mir ist es also irgendwie ein Mischmasch aus Müdigkeit, den Kram noch einmal durchstehen zu müssen, die Erfahrung, dass das langwierig sein und mich erst mal beuteln wird und dem Unsicherheitsfaktor Y.

    Mir hilft da eher die "das krieg ich schon hin" Grundstimmung, und die hat man eben halt nicht immer...

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Ich spüre seit ein paar Jahren eine gewisse Müdigkeit, lasse mich da auch ab und an mal "hängen", das habe ich lernen müssen.
    In der derzeitigen globalen Situation werden die "Macher" (m/w) ausgebremst, ggf. zum ersten Mal mit Ohnmacht konfrontiert.
    Möglich, dass auch eine gewisser Pragmatismus gelernt werden muss.
    Gegen das Mistviech Virus kann ich nichts tun, außer mich an die Regeln halten, und ich kann mir mein Leben schön machen, im Rahmen der Möglichkeiten.

    Ich bin mir sicher, dass mir das sowohl als auch in meinem Leben sehr geholfen hat.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von Galah9 Beitrag anzeigen
    Zitat Zitat von PollexNiger2
    Die Vorstellung, dass man Resilienz "lernen" kann, finde ich deshalb kritisch. Das verführt nämlich dazu, gesellschaftliche Misstände auszublenden und die Verantwortung komplett an das Individuum zu delegieren. Dann hinterfragen alte und kranke Menschen eventuell ihre eigene Haltung (Fehlt mir Resilienz? Warum habe ich das nicht gelernt?), statt über das schlechte Renten- und Krankensystem wütend zu sein.
    @PollexNiger, diese Schlussfolgerung kann ich nicht nachvollziehen. Wer sollte daran ein Interesse haben - der Steuerzahler? Der Steuerzahler ist mein Mitbürger. Von meinen Mitbürgern lasse ich mir keine Verantwortung zuschreiben.
    Auch habe ich das noch nicht beobachtet. In welchen Kontexten machst Du diese Beobachtung?
    Die Gesellschaft wird - das ist zumindest mein Empfinden - tendenziell weniger solidarisch.

    Ein ganz banales Beispiel: Jeder weiß, dass Pfelgekräfte dringend gebraucht werden. Das hindert erschreckend viele Leute nicht daran, richtig zynisch und giftig zu reagieren, wenn Pflegerinnen auf ihre drohende Altersarmut hinweisen. ("Augen auf bei der Berufswahl. Wer hat dich daran gehindert, etwas anderes zu machen? Haha.")

    Das ist eine Mentalität die ich ziemlich verstörend finde. Man hinterfragt nicht die Tatsache, dass jemand nach fast 50 Jahren anstrengender Arbeit auf die Altersarmut zusteuert (gesellschaftlicher Missstand), sondern man schaut auf das Individuum herab, das blöd genug war, in der Pflege zu arbeiten.

    Anderes Beispiel: Es ist bekannt, dass Menschen, die als Kinder schlechte Startvoraussetzungen hatten, überdurchschnittlich häufig zu Suchterkrankungen und psychischen Problemen neigen.

    Auch hier kann man das Problem komplett an das Individuum delegieren: "Dann müssen die Leute halt Resilienz lernen. Andere schaffen das ja auch." Oder man sieht die gesellschaftliche Komponenten (Wie kann man bessere Startvoraussetzungen für Kinder schaffen?)

    Alles etwas vereinfacht, aber das war mein Gedankengang.

    Wie bist du eigentlich auf "den Steuerzahler" gekommen?

    Aufgrund schlechter Kindheits-Voraussetzungen musste ich Resilienz erst lernen. Das geht defintiv!
    Die Frage ist, ob es für jeden geht (Stichwort genetisches Rüstzeug), oder ob die Voraussetzungen nicht doch sehr ungleich verteilt sind.

    3. Fokussierung (auf das halbvolle statt halbleere Glas)

    Punkt 3 läuft im "Ich-darf-sein"-Strang bei manchen m.E. schief. Da wird zum xten Male jedes kleinste Detail der Corona-Unannehmlichkeiten ausgewalzt, wobei offensichtlich wichtig ist, auch keinen noch so kleinen Aspekt zu vergessen.
    Das sind immer die gleichen User. Andere User, auch immer die gleichen, schreiben stattdessen in den "Drei-schöne-Dinge"-, "Lichtblicke"-, ... - Strängen, wobei beide Gruppen sicherlich im Schnitt gleichermaßen mit Widrigkeiten des Lebens zu tun haben.
    Es ist ein zentraler Unterschied im Mindset, der sich auf das ganze Lebensgefühl auswirkt.
    Da verkennst du meines Erachtens total, dass es ganz unterschiedliche Bewältigungsstrategien geben kann, die alle ihre Berechtigung haben.

    Ich finde es völlig legitim, die eigenen negativen Empfindungen zuzulassen und auch zu kommunizieren. (Obwohl ich persönlich eher zur dritten Gruppe gehöre ("Mir doch egal, ob das Glas nun halbvoll oder halbleer ist.")) Der Titel "Ich-darf-sein" bringt das gut auf den Punkt. Manche Menchen fühlen sich durch die aktuelle Lage psychisch besonders belastet und dazu haben sie jedes Recht. Wenn es jemandem hilft, sich in einem Strang auszukotzen, dann ist das völlig in Ordnung.

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Habt Ihr Vorbilder? Oder Menschen gesehen/getroffen, die motivierend waren?
    Ja, eine enge Freundin von mir. Ihr erster Mann ist plötzlich verstorben, als sie 30 war. Als sie knapp 50 war, ist ihr zweiter Mann und Vater ihrer Kinder (zu dem Zeitpunkt im Grundschulalter) einem Hirntumor erkrankt und war dadurch lange pflegebedürftig. Ein paar Tage vor seinem Tod sagte sie, dass sie jeden Tag etwas hätte, für das sie dankbar ist. Das ist ein Satz, der für mich sehr prägend war.

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