Deshalb habe ich meine "Abstufungen" geschrieben.
Jedes Erlebnis (er-)fordert den entsprechenden Umgang.
Je schlimmer/unmittelbarer der Mensch in seinem Leben bedroht ist, desto mehr greift der Überlebensdrang; wobei auch hier viele (gerade in Kriegszeiten) den Freitod vorzogen.
Viele geschilderte Erlebnisse kann ich nur begrenzt nachvollziehen/mich versuchen, hineinzudenken. Bei manchen übersteigt es meine Vorstellungskraft und ich weiß nicht, wie ich handeln würde, wenn ....
Die normale alltägliche Resilienz zeigen wir schon dadurch, dass wir den öden-schnöden Alltag mit all seinen Sachzwängen wuppen und in der Arbeitswelt funktionieren.
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29.01.2021, 19:25
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
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29.01.2021, 19:52Inaktiver User
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Ich möchte dir jetzt nicht die Freude an deiner Einordnung nehmen, aber... ich sehe es genau anders herum.
Dass du den Gedanken wieder einfangen konntest - das ist für mich Resilienz.
Ich denke, dass Menschen die - ich sag mal, einen guten R-Faktor haben, durchaus in für sie schweren Situationen solche Gedanken haben können. Verzagt sind, niedergeschmettert - aber sie stehen leichter, schneller, vielleicht sogar stärker als zuvor wieder auf.
Weil sie Distanz finden können zu ihrem Elend, oder Hilfe annehmen können.
Weil sie immer noch Sinn und Ziel haben in ihrem Leben, und darum nicht aufgeben.
Das sind dann Faktoren, die R. begünstigen und schaffen.
So ähnlich wie: was ist ein Held?
Nicht der, der keine Angst hat - sondern der, der die Angst mutig überwindet.
Ja, auch wenn sie dann am dringendsten gebraucht wird, kann R. auch im Alltagsstress oder weniger bedrohlichen Situationen nützlich sein.Ich bin auch nach wie vor skeptisch, ob es so zielführend ist, Resilienz nur mit Super -GAUs wie Kriegstrauma, Todesfällen oder sonstigen wirklich existenziellen Bedrohungen in Verbindung zu bringen.
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29.01.2021, 20:21
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Resilienz geht immer mit einer abwägung der verschiedenen optionen einher.
Krieg ist natürlich ein schwieriges beispiel. Aber das leben ist in jedem fall endlich.
Resilienz bestünde dann, mmn, in einer abwägung:
Wenn 100% sicher feststeht dass der tod unabwendbar und ganz nah bevorsteht, oder zumindest die möglichkeit der eigenen einflussnahme definitiv genommen wird, ist der freitod so gesehen eine resiliente entscheidung.
Aber was ist schon 100% sicher
So seh zumindest ich das.
Bereits die möglichkeit aus 100 % 99,9 zu machen, eröffnet im prinzip bereits wieder eine option.


Die Gedanken sind frei....


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29.01.2021, 20:43Inaktiver User
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Naja, deiner Definition folgende ist dann ja jeder, der sich nicht schon in den ersten 10 Jahren seines Lebens vor einen Zug geworfen hat, ein Resilienz-Weltmeister. Ich glaube nicht, dass das Modewort "Resilienz" so gemeint ist.
Ich schaffe es, jeden Tag vom Bett an den Schreibtisch zu rollen und irgendwie den Tag herumzubekommen, ohne aus dem Fenster zu springen. Das war's aber auch schon. Dazwischen nervt mich mindestens 87 Mal am Tag der Maskenplanet. Bin ich damit eine Resilienz-Queen? Nach der gängigen Definition im Corona-Strang eher nicht. Die Resilienten sind dort die, die Kräuterbrot backen, drei neue Fremdsprachen lernen oder puzzeln. Und mächtig solidarisch sind.
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29.01.2021, 20:48
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Ich halte das für unnötig kompliziert. Kinder sind Menschen. Sie haben die Basis für typisch menschliche soziale und psychologische Reaktionen und Entwicklung, und keine andere. Sich im Geiste immer vorzubehalten, daß sie auch Trisolarier sein könnten, oder Atevi, oder Antheans, oder Wookies ist irgendwie nicht zielführend.
Geändert von wildwusel (29.01.2021 um 21:35 Uhr)
** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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29.01.2021, 20:49
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29.01.2021, 21:12
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Ja schade wenn man seine eigenen leistungen nicht ausreichend würdigt.
Ich wollte nur das prinzip in ein bild fassen bzw an flau's perfektem beispiel erklären.
Und finde dich ebenfalls resilient.
Resilienz misst sich nicht mit anderen.
Sondern mit den jeweiligen umständen.
Corona-lockdown drum und dran, falls du darauf anspielst in deiner beschreibung, ist natürlich eine sondersituation.
Genau wie jede länger andauernde, für einen selbst un-normale belastung.
Würdest du, nur als beispiel, nie mehr tun können als jetzt gerade, sähe das wieder anders aus.
auch die kräuterbrotbäckerinnen reagieren nur auf ihre jeweiligen umstände.
Anderen das unter die nase zu reiben hat weder mit solidarität noch mit resilienz was zu tun.
Und menschen die das tun/brauchen, bauen sich unschönerweise daran auf.
Nur allgemein jetzt gesprochen. Ich kenn den thread nicht.

Die Gedanken sind frei....


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29.01.2021, 21:18
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Ein Freund von mir trägt mit Mitte 50 immer noch die Kämpfe seiner Kindheit aus. Er sieht sein Leben als eine eng geplottete Story, wo jede Pistole auf dem Kaminsims im letzten Akt auch abgefeuert werden muß, wo jeder Charakter relevant für die Geschichte ist, wo nichts belanglos ist und nichts jemals vorbei. Wenn er von einem Unrecht erzählt, daß ihm mit acht Jahren widerfahren ist, ist er so leidenschaftlich, als wäre es gestern gewesen (und das Publikum fürchtet sich ein wenig vor ihm), und jede Strategie, die er sich gegen seine leicht dysfunktionale Familie zugelegt hat, behält er bei, Jahre nachdem die auslösenden Personen unter der Erde sind.
All das ist so teuer für ihn, daß er immer mehr ein Schatten seiner selbst wird, und jeder Tag eine Anstrengung, die sich kaum bewältigen läßt. Man könnte meinen, seine Verwandten hätten einen Teil seiner Seele mit in den Hades genommen und er wäre selber ein halber Geist dadurch.
Eine Bekannte von mir hat so viel auf die Omme gekriegt vom Leben, daß sie nur noch funktioniert und sich permanent für ihre Existenz entschuldigt. Man kann sie nicht mal bitten, das zu unterlassen, dann entschuldigt sie sich nur noch mehr. Daß sie inzwischen schwerbehindert ist, und Sachen nicht mehr tun kann, die es vielleicht besser machen würden, hilft auch nicht.
Eine entfernte Verwandte muß mal ganz souverän und komptenent gewesen sein (vor meiner Zeit), aber inzwischen glaubt sie jeden Mist, den man ihr erzählt, ist außerstande, auf sich aufzupassen, ist sauer auf Leute, die ihr helfen wollen und hat ihre Legende, daß alle so gemein zu ihr sind, mit Teflon verkleidet, da bleibt kein Fragezeichen mehr hängen. (Nein, sie ist nicht dement.)
Mangelnde Resilienz ist, daß man, wenn man in einen Strudel gerät, nicht rausschwimmen kann. Weil man nicht weiß, daß man in einem Strudel ist, weil man nicht weiß, was ein Strudel tut, weil man nicht weiß, daß rausschwimmen eine Möglichkeit ist, weil man die Wachsamkeit nicht aufbringt, eine Gelegenheit zu sehen, oder nicht die Kraft oder Entschlossenheit, sie zu nutzen. Und das ist eine ganz furchtbare Sache.
Während andere Leute, die sind wie der Frosch in der Milch. Die hören nicht auf zu strampeln, haben immer irgendwie den nächsten Schritt, den nächtsten Versuch gemacht, immer geguckt, was noch ging, das realistisch bewertet, und etwas getan, was brauchbar sein könnte, bis etwas davon brauchbar war. Manche sind wirklich bis dahin gekommen, am Ende auf dem Haufen Butter zu sitzen. Andere strampeln noch.
Und viele waren nur in kleinen, seichten Strudeln. Sie sind urchgeschwommen, und haben nur gemerkt, daß sie den Kurs ein wenig korrigieren mußten. Schrödingers Resilienz: Solange keiner nachsieht, ist sie sowohl da wie auch nicht.
***
Flau, gelegentlich blödsinnige Gedanken halte ich für normal. Ich habe von Leuten gehört, die nicht von einer Brücke gucken können, weil sie den Gedanken nicht loswerden, sie würden dann runterspringen. Meine Mutter erzählte mir, als ich 40 (oder so) war, wie oft sie 30 bis 20 Jahre zuvor, wenn sie mit dem Auto über die Krezung fuhr, wo es rechts zu ihrer Arbeit und geradeaus zur Autobahn ging, sich vorgestellt hat, einfach geradeaus zu fahren und zu verschwinden und jemand ganz anders zu werden. Der Kopf produziert unentwegt Ideen und Impulse. Wichtig ist nicht, was für einen Impuls man spürt, sondern welchem man folgt.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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29.01.2021, 21:21
AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?
Glaube ich auch nicht.
Und ich finde es absolut verheerend, nun auch noch resilienz zum modewort zu machen.
Meine antwort auf flau 's beispiel bezog sich auf die konkrete situation: Bus verpasst, genervt....
Resilienz begründet sich in lösungsorientiertem verhalten.
Das wertende vergleichen völlig unterschiedlicher situationen führt dabei offensichtlich zu keiner definition von resilienz.
Wir sagen ja auch nicht, dass nur jemand, der 100 m unter 10 sekunden schafft, rennen kann


Die Gedanken sind frei....


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29.01.2021, 21:32



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