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  1. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Ich denke auch, dass man Methoden einüben kann, um in schweren Situationen resilienter zu werden. Dabei hab ich gar nicht mal so sehr das berufliche Umfeld im Kopf, denn ich mag den Ansatz "Resilienter, um noch leistungsfähiger zu werden" nicht. Da wäre es doch besser, die Arbeitsbedingungen so zu ändern, dass sie weniger Probleme machen (ja, ich weiss, keep on dreaming ...).

    Aber es kann ja auch so im Leben viel passieren, Todesfälle, schwere Krankheiten, Umweltkatastrophen.
    Ich denke grad an die Buschfeueropfer hier, denen vor 12 Monaten alles abgebrannt ist, die zum Teil immer noch in Zelten oder Wohnwagen leben, inzwischen auch schon Sturmfluten aushalten mussten plus Lockdowns wegen der Pandemie. Da ist es auf alle Fälle die Gemeinschaft, die stützt und motiviert. Da da meist kleinere Ortschaften betroffen waren, sind die Gemeinschaften auch eher gewachsene und feste.

    Da ist es wahrscheinlich leichter Resilienz zu entwickeln, als wenn man auf sich allein gestellt ist. Andere schaffen es eher allein, aus sich selbst raus, weil sie die Instrumente in der Kindheit mitbekommen haben, siehe Nocturna. Aber das ist ja nicht Jedem mitgegeben.

    Sollte man das in der Schule mehr einfliessen lassen? Mal noch weiter gedacht - wie kann man eine Gesellschaft verändern, um sie - im positiven Sinn - resilienter werden zu lassen?
    Es sieht ja eher nicht so aus, dass das Leben in Zukunft leichter werden wird. Den Teil hier aus Marys Post weiter vorn finde ich auch wichtig:

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Für das eigene Leben in diesen Dimensionen übersetzt, kann man das vielleicht so verstehen, dass es wichtig ist, sich selbst, seine Stärken, Schwächen, Bedürfnisse und Fähigkeiten zu kennen und da eine gute Balance zu finden. Sich ausreichend zu schonen wie zu engagieren, zu fordern wie zu regenerieren.
    .
    ‘One of the criticisms I've faced over the years is that I'm not aggressive enough or assertive enough, or maybe somehow, because I'm empathetic, it means I'm weak. I totally rebel against that. I refuse to believe that you cannot be both compassionate and strong.’
    Jacinda Ardern, 2019


    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    @ja-aber
    Ich habe mich bei der Innenbetrachtung, die ich für mich Seeleninventur nenne, als Schilfrohr gesehen. Bambus passt von daher ebenso prima.

    Ich wurde stark von zwei Frauengenerationen geprägt. Dazu ein "Beutegroßvater" der als Arzt zwei Weltkriege er- und überlebt hat, ein Vater, der mir als Mädchen das Handwerken und Fußballspielen beigebracht hat.
    Ich habe in meinem Leben körperliche Schmerzen aushalten müssen, sowohl Eingriffe ohne Narkose als auch körperliche "Züchtigung".
    Auch ich habe das Durchbeißen gelernt, ohne das hätte ich allein meine Kinder nach der Scheidung nicht so gut ins Leben begleiten können.
    In mir ist bis heute die Überzeugung, das Urvertrauen (?), dass sich immer ein Weg findet, selbst mit Umwegen, um Krisen zu bewältigen.
    Das bedeutet nicht, dass ich über die Maßen begeistert bin, wenn mir das "Leben" wieder einmal einen Brocken vor die Füße knallt.

    Und, um auf das Thema Rente einzugehen, natürlich bin ich sauer, was die Anerkennung meiner 47-jährigen Berufstätigkeit angeht. Ich habe jedoch die Wahl zwischen täglich greinen und zetern und der Akzeptanz.
    Ich arbeite noch selbstständig zusätzlich, solange ich es physisch und psychisch kann. Wenn es nicht mehr gehen sollte, dann wird sich eine Lösung finden.

    In der derzeitigen globalen Situation stelle ich fest, dass meine Kinder trotz zeitweiser Kurzarbeit, Homeoffice und auch finanziellen Unsicherheiten bisher recht gut mit allem umgehen.
    Erziehung? Veranlagung?
    Sie machen ihre Sache gut. Punkt.
    Liebe ist nicht weil ... sondern trotz und obwohl.
    (Gabriele Krone-Schmalz)

  3. VIP

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von ja-aber Beitrag anzeigen
    Interessant in dem Kontext finde ich auch diesen Artikel über die "Höhlenkompetenz", die wohl in der Pandemie besonders helfen soll: Erbe: „Hohlenkompetenz“ hilft in der Pandemie - science.ORF.at
    Das fand ich auch sehr interessant. In meiner existenziellen Krise hat mir am besten der Rückzug geholfen. Meine Freunde und meine damals noch lebende letzte Angehörige waren eine Extrembelastung. Arbeit (habe allein gearbeitet) ging und die Hunde waren ok, mehr konnte ich nicht aushalten. Sonst war für lange Zeit Höhle angesagt. Das ist jetzt schon bald 20 Jahre her, aber der Rückzug ist immer noch DIE Strategie für mich, wobei alle späteren Krisen im Vergleich leichte Übungen waren und bisher sind. Ich glaube auch, dass ich als Höhlenmensch jetzt aktuell wenig/nicht belastet bin.

    Es ist sehr spannend, wie unterschiedlich die Menschen sind.

    Zur Resilienz
    Aus meiner kleinen Ursprungsfamilie habe ich nicht allzuviel Hilfreiches in der Hinsicht mitbekommen, höchstens vielleicht eine nausgeprägte Frustrationstoleranz entwickelt. Allerdings denke ich, dass es schon eine Art Grundlage gab, auf deren Boden sowas wie eine Nachprägung funktionieren konnte.
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin

  4. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Vorweg, ich bin ich nicht so erfahren oder belesen wie andere hier, taste mich aber gerade im Bereich einer Um- und Fortbildung unter anderem an dieses Thema heran. Wie viele andere bin ich der Meinung, dass Resilienz durchaus ein wichtiges Thema ist, dass teilweise (!) jedoch als reines Buzzword, bzw. ueberhaupt falsch angewendet und, wenn man so will, missbraucht wird. Daraus folgt dann aber wiederum nicht, dass es ueberhaupt keine gute Thematisierung oder Anwendung von Resilienz gibt. Und das ist tatsaechlich auch haargenau meine Meinung zu "Achtsamkeit". Ich halte diese fuer sehr wichtig und wohltuend, jedoch wurde auch daraus teilweise ein (teils falsch verwendetes) Modewort, und dann schwingt das Pendel zurueck und das ganze Konzept wird als nutzlos abgelehnt, weil man irgendwo eine falsche/missbraeuchliche Anwendung gelesen oder erlebt hat.

    Resilienz ist einer der 5 Grundwerte, die meinem Sohn in seiner Grundschule vermittelt wurden. Zum Zusammenhang: Die anderen Grundwerte sind Empathie, Respekt, Freundlichkeit/Guete (kindness) und Ehrlichkeit. Resilience wird hier als Beharrlichkeit verstanden, die sich aus einer positiven, hoffnungsvollen Grundhaltung speist also als: Nicht gleich aufgeben, im Vertrauen, dass es besser wird (sei das eine Fertigkeit durch fortgesetztes Ueben oder eine schwierige Situation, wie auch jetzt die Pandemie, in der die Kinder mehrfach ausdruecklich fuer ihre Resilienz gelobt wurden, diese schwierige Situation auszuhalten. Das war natuerlich so eine Art "Giesskanne", die Schule kuemmert sich durchaus um Familien und Kinder, fuer die der Lockdown ein richtig fieses Problem ist).
    In diesem Sinne halte ich Resilienz durchaus fuer etwas, das erlernt werden kann:
    - man kann lernen, dass es das gibt
    - wo man selbst schon Resilienz gezeigt hat (und stolz darauf zu sein)
    - dass man oft Wahl- und Hilfsmoeglichkeiten hat. Denn auch, sich Hilfe zu holen, gehoert zur Resilienz.

    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Ich lese gerade das Buch 'In der Hölle tanzen, wie ich Auschwitz überlebte' von Dr Edith Eger, das im Original 'The Choice' heisst. 'The Gift', ihr neuestes Buch ist auch sehr gut (ich krieg keine Prozente ).
    Und ich hab festgestellt, dass ihr Konzept, in allem die Möglichkeit zur Wahl sehen, und wenn es nur ein Umfokussieren ist, hängen geblieben ist und auch meistens funktioniert.
    Gut, von einer KZ-Ueberlebenden finde ich das schon die Hardchoreversion, aber fuer uns, in meistensteils einfacheren Umstaenden (als ein KZ), finde ich das tatsaechlich einen unheimlich wichtigen Aspekt: die Optionen, die Wahlmoeglichkeit sehen. Ich erlebe tatsaechlich auch sehr oft, dass Menschen sich in etwas gefangen sehen, wo sie es gar nicht sind. Aus ganz unterschiedlichen Gruenden, manchmal sind das lebenslange Praegungen, manchmal eine Art "den Wald vor lauter Baeumen nicht sehen", manchmal stecken unwahre Glaubenssaetze dahinter, die vor langer Zeit eine Entscheidung beeinflusst haben, die man jetzt fuer unveraenderliches Schicksal (und nicht mehr fuer eine Entscheidung) haelt.

    Dazu gehoert natuerlich auch, das eine vom anderen zu unterscheiden: Was kann ich beeinflussen und was tatsaechlich nicht? Kann ich mich mit dem, was ich nicht beeinflussen kann, irgendwie anders arrangieren? Und natuerlich gibt es Schxxxsituationen, da hilft kein noch so positives Denken und keine noch so grosse Resilienz. Und da darf man, das gehoert dann meiner Meinung nach auch wieder zur Resilienz, die Verantwortung auch abgeben. An das Schxxxvirus, das uns in diese Lage gebracht und meine Firma die Existenz gekostet hat, oder meine Mutter das Leben. An das beschxxxene Schicksal, dass mein Partner an Krebs erkranken musste. Und dass man sich nicht auch noch selber fertig macht, weil man dann gerade mal nicht positiv ist, sondern auch Zeit und Raum hat zu trauern. Das ist eigentlich ein anderes Thema, aber diese Trauerzeiten fehlen mir auch oft in unserer Gesellschaft. Ich habe selbst noch keinen solchen Schicksalsschlag erleben muessen, aber mir faellt auf, dass an die Witwe, deren Partner zu Ostern gestorben ist, an Weihnachten schon keiner mehr denkt. Oder hoechstens noch: 'Du siehst die Kinder? Das ist ja schooooooen, habt tolle Feiertage zusammen!' Schnell weitermachen, positiv sein, funktionieren.
    Das ist in meinen Augen aber genau keine Resilienz, sondern zu Resilienz (auch der mittelbar Beteiligten) wuerde gehoeren, den Kummer auszuhalten.


    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Aber ich weiss auch, dass solche Sätze, wenn es einem nicht gut geht, nur bedingt helfen. Wie zieht Ihr euch dann raus? Was machen resiliente Menschen anders?
    Mir wird auch hin und wieder Resilienz attestiert, und bei mir entspringt sie einerseits schon einer positiven Grundhalten und andererseits, vielleicht paradoxerweise, einer geringen Leidenstoleranz.
    Ich suche mir schnell Hilfe, von anderen Menschen, Buechern, Techniken, weil ich mich ungern schlecht fuehle. Wie oben ausgefuehrt mag ich es aber auch nicht, wenn man eine oberflaechliche "Positivitaet" uebergestuelpt bekommt. Ich nutze Entspannungstechniken, tue schoene Dinge nur rein voellig nutzlos fuer mich (z.B. mich schoen schminken oder frisieren, auch wenn ich keinen Schritt vor die Tuer tue), solche Sachen. Aber wie gesagt, fuer mich ist Corona wahrscheinlich wirklich die dickste Krise, die ich je life erlebt habe, und ich habe immer noch wirtschaftliche Sicherheit und eine Familie, also auch da eher in der privilegierten Gruppe. Natuerlich habe ich auch schon Aengste und schwierige Situationen erlebt. Dabei hilft es mir, erst die Angst/den Kummer zuzulassen und mich dann aktiv "aufzubauen".

    Zitat Zitat von PollexNiger2 Beitrag anzeigen
    Die Vorstellung, dass man Resilienz "lernen" kann, finde ich deshalb kritisch. Das verführt nämlich dazu, gesellschaftliche Misstände auszublenden und die Verantwortung komplett an das Individuum zu delegieren. Dann hinterfragen alte und kranke Menschen eventuell ihre eigene Haltung (Fehlt mir Resilienz? Warum habe ich das nicht gelernt?), statt über das schlechte Renten- und Krankensystem wütend zu sein.
    Wie gesagt, ich halte es durchaus fuer erlernbar, den Fokus zu weiten und sich aller Optionen bewusst zu werden: Ist meine Rente wirklich so schlecht? Was kann ich mir (nicht / nicht mehr) leisten? Wie schlimm ist das? Welche Wahl- und Hilfsmoeglichkeiten habe ich?
    Wenn ich dann allerdings zu dem Schluss komme, dass es wirklich schlecht ist und xy dafuer verantwortlich, dann waere aus meiner Sicht eben nicht resilient/gesund, sich selbst zu zerfleischen und statt auf das Problem auf die eigene vermeintlich fehlende Resilienz zu schauen. Das wuerde auch der gesamtgesellschaftlichen Resilienz massiv schaden, wenn jeder nur noch Nabelschau betreibt und Probleme nicht angesprochen, diskutiert, ausgestritten wuerden.



    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Der Anfang deines Posts hat mich nicken lassen, ich hab es aber mal wegen der Länge gekürzt. Nur bei den zitierten Sätzen bin ich mir nicht ganz sicher. Führen erlernte Bewältigungsstrategien nicht zu Resilienz, über die Zeit?
    Wuerde ich auch so sehen. Ich wuerde auch dringend vor der Vorstellung warnen, dass es irgendeine universale Messlatte fuer Resilienz gibt, auf der man idealerweise 100% erreichen kann. Es heisst einfach: Mit den Missstaenden, die man erlebt, so gut als moeglich umzugehen, ohne einerseits aus reinem Frust gleich zu implodieren und ohne andererseits die Zaehne bis zum Umfallen zusammenzubeissen.

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Es scheint im Grunde (mindestens) zwei Pole oder Dimensionen zu geben, die für die Fragestellung, „wie gehe ich mit tiefgreifenden Belastungen um, wie bleibe ich in Balance?“ wichtig sind.


    Das ist einmal die Resilienz, eigentlich die Fähigkeit, nach Belastung und Verformung wieder in den Ausgangszustand zurückzukommen. Dazu weiß man, dass sowohl innere Eigenschaften (zum Beispiel ein ausgeglichenes Temperament, Intelligenz, Phantasie, soziale Kompetenz) als auch das familiäre und soziale Umfeld (Bindung, Unterstützung in der Familie, mindestens eine Person, die zu einem hält, interessierte Lehrer, Vereine, religiöse Gemeinschaft) wichtig sind.


    Auf der anderen Seite scheint es Menschen zu geben, die stärker als andere auf äußere Faktoren reagieren bzw deren Entwicklung sowohl in positiver als auch in negativer Richtung stärker beeinflussbar ist als bei anderen Menschen. Die also bei günstigen Milieufaktoren eine besonders positive, bei belastenden Milieufaktoren jedoch eine besonders negative Entwicklungsrichtung nehmen (Stichwort differential susceptibility).


    Für das eigene Leben in diesen Dimensionen übersetzt, kann man das vielleicht so verstehen, dass es wichtig ist, sich selbst, seine Stärken, Schwächen, Bedürfnisse und Fähigkeiten zu kennen und da eine gute Balance zu finden. Sich ausreichend zu schonen wie zu engagieren, zu fordern wie zu regenerieren.
    Da spricht jetzt die Fachfrau, das wollte ich auf meine laienhafte Art ausdruecken: Auch Selbstfuersorge ist Teil von Resilienz.
    Zitat Zitat von Maryquitecontrary
    Aus der Resilienzforschung gegenüber Menschen einen Vorwurf abzuleiten, wie Borghild andeutet,finde ich überraschend. Viele der Faktoren, die in Kindheit und Jugend zu Resilienz beitragen, sind für den einzelnen selbst nicht wirklich zu beeinflussen. Umgekehrt wird ein Schuh draus: es wäre klug von Gesellschaften, Resilienzfaktoren zu fördern, sich umeinander zu kümmern, gute Schulen, engagierte Lehrer, Vereine, Jugendeinrichtungen usw zu fördern, dafür zu sorgen, dass jedes Kind gesehen wird.
    Sehe ich auch so. Auch hier wieder: Es ist kein Nullsummenspiel. Und nur weil das Wort vereinzelt missbraeuchlich eingesetzt wird, spricht das nicht gegen das ganze Konzept.

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Schwierig finde ich das Buzzword im beruflichen Umfeld, wenn es vor allem darum geht, kurzfristig die Funktionsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Deine Ehe geht in die Brüche? Kein Grund, beruflich mal eine Weile kürzer zu treten! Du pflegst nebenher deine kranken Eltern? Mach doch mal ein Resilienzseminar! Dein Chef ist ein Choleriker, dein großes Projekt wurde kurz vor Ende gekippt, deine halbe Abteilung wird gekündigt - na, sei ein bisschen resilient und arbeite froh und munter weiter![...]
    Ja, das waere jetzt so ein Paradebeispiel von "missbraeuchlicher Anwendung", und gerade eine resiliente Person erkennt sowas und zieht dann, soweit moeglich, auch Grenzen. (Also so wie Du jetzt.)


    Zitat Zitat von Cariad
    Meine hilfreichste Resilienz-Übung derzeit: Die einzelnen Bestandteile meines derzeitigen Stress auseinander dividieren und klar benennen.
    So mache ich das auch und oft hilft es zumindest gegen das Gefuehl, voellig ueberwaeltigt zu werden. Und sortiert die Bereiche aus, in denen ich den Stress selber mache. Die schleichen sich, zumindest bei mir, naemlich immer mit rein, wenn es allgemein viel wird. Also wieder Stichwort: Optionen erkennen.

    @xani, einfach mal danke fuer die Literaturtipps!

    Zitat Zitat von Nocturna Beitrag anzeigen
    Resilienz hat man oder eben auch nicht. Warum das so ist, kann ich nicht sagen. Deswegen kann ich auch mit dem Wort Achtsamkeit persönlich absolut nichts anfangen. Völlig überflüssig, brauche ich nicht, denn ich sorge schon dafür, dass es mir gut geht. Das ist quasi mein angeborener Selbsterhaltungstrieb.
    Aha! Aber koennte es nicht sein, dass Du damit nur unter Beweis stellst, dass Du sowohl Resilienz als auch Achtsamkeit bereits besitzt und anwendest? Du musst es ja nicht so benennen. Und es muss keine Thematik sein, die dich besonders interessiert. Aber ich finde es schwierig zu argumentieren, es waere "voellig ueberfluessig" Strategien / Perspektiven in Krisen zu haben und sich seiner eigenen Beduerfnisse (-und natuerlich auch der anderer-) bewusst zu sein. Gut, Du nennst das Selbsterhaltungstrieb. Und vielleicht brauchst Du keine Literatur, keinen Austausch und kein Coaching oder was auch immer in Achtsamkeit / Resilienz. Ist ja prima. Aber das macht nicht die Dinge an sich wertlos.
    Das ist ein bisschen so als wuerde ich sagen: "Gaertnerei, voellig ueberfluessig, brauche ich nicht! Ich hab meine Balkonkaesten mit preisgekroenten Petunien, da brauch ich keine Pflanzenkunde!" Schoen, aber deswegen wird ja nicht das gesamte Themengebiet "Gaertnern" fuer alle die unwichtig, die einen groesseren Garten, ein groesseres Interesse oder verkuemmerte Petunien haben, die sie gerne pimpen wuerden.

    Zitat Zitat von ja-aber Beitrag anzeigen
    Ich habe viel von Mira Czutka über Resilienz gelernt - durch meinen Arbeitgeber konnte ich an Seminaren teilnehmen (und ich denke schon, dass da die Interpretation "wie kriegen wir ihn leistungsfähiger" durchaus ihre Berechtigung hat).

    Sie nennt Resilienz auch "Glücklich wie ein Bambus", und ich finde, das trifft es gut.

    Ein "Fels in der Brandung" wird irgendwann auch mürbe und porös. Ein Bambus ist flexibel im Wind, sehr biegsam, aber dennoch unglaublich stabil. Er kann in seine Ausgangsposition zurück und er ist auch extrem überlebensfähig (das weiß jeder, der mal einen Bambus ohne Rhizomsperre gepflanzt hat ;-)). Dieses Bild finde ich total gut.

    Für mich bedeutet Resilienz nicht nur Widerstandsfähgikeit und "dickes Fell". Sondern auch Neugier auf Neues, Flexiblität und eine positive Grundhaltung.
    Das sehe ich ganz genauso, und Dein ganzes weiters Post entspricht auch eher dem (wenigen), was ich jetzt so ueber Resilienz gelernt habe. Es geht nicht nur um "Aushalten" und funktionieren. Das mit dem Bambus ist auch ein sehr schoenes Bild.
    Geändert von Flau (15.01.2021 um 13:04 Uhr)
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Resilienz ist für mich weder etwas, was man vollständig hat oder nicht hat, noch etwas, was vollständig erlernbar ist. Sondern beides.
    Es gibt wohl bestimmte Persönlichkeitsmerkmale, angeboren oder in früher Kindheit ausgeprägt, die einem helfen, psychisch gesund oder zumindest ohne grösseren Schaden aus schwierigen Situationen herauszukommen. Diese Merkmale sind später im Leben nicht grundlegend veränderbar, denke ich.
    Dennoch hat Resilienz eine erhebliche erlernte und erlernbare Komponente. Nämlich schon nur die Erfahrung: wenn ich schon mehrere schwierige Lebenssituationen recht gesund überstanden habe, hilft mir diese Erfahrung bei der nächsten, mit einer positiveren, selbstsicheren Grundeinstellung in diese neue Krise zu gehen - dadurch werde ich auch besser fertig damit. Ich kann mich auch daran erinnern, welche Faktoren bei den letzten Krisen wichtig waren, um gut durchzukommen, und aktiv etwas in diese Richtung unternehmen.

    Resilienz ist natürlich nicht nur ein psychologischer oder soziologischer Begriff, sondern ebenfalls ein technischer. In diesem Bereich meint Resilienz die Fähigkeit eines technischen Systems, bei einem Teilausfall nicht vollständig zu versagen. Bei der Energieversorgung auch: trotz Ausfall bestimmter Netzwerkteile ist die Energieversorgung des Gesamtsystems sichergestellt.
    Und Resilienz eines Ökosystems meint die Fähigkeit, nach einer Störung zum Ausgangszustand zurückzukehren. Etwa eines Korallenriffs, nach einem Öltankerunglück in der Nähe eben nicht abzusterben, sondern sich mit der Zeit wieder zu erholen.

    Auch in diesen anderen Anwendungsbereichen des Konzepts Resilienz ist das nicht eine fixe, unveränderbare Eigenschaft, die etwas hat oder nicht hat, sondern ebenso Resultat aus Lernprozessen. Wenn ein technisches System bei einem Teilausfall doch komplett versagt, so wird der Ingenieur sich das genau anschauen und das System so umbauen, dass es beim nächsten Mal eben nicht mehr komplett versagt. Auch bei Energieverteilungsnetzen lernt man aus früheren Ausfällen und baut die Netze anders.

    Deshalb: doch, Resilienz lässt sich zu einem guten Teil lernen.

    Achtung, Lesen gefährdet die Dummheit!
    _____________________________________

    Mut ist nicht das Gegenteil von Angst. Sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die eigene Angst.

  6. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Also mindestens haben die, die echt mein Post #34 gelesen haben, spaetestens jetzt erhoehte Resilienz.
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von Flau Beitrag anzeigen
    Also mindestens haben die, die echt mein Post #34 gelesen haben, spaetestens jetzt erhoehte Resilienz.
    Alles gut
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    (Gabriele Krone-Schmalz)

  8. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Flau, danke, das möchte ich mir morgen früh nochmal im Ruhe durchlesen, was du da geschrieben hast. Dafür, dass du dich erst rantastest, steckt da aber schon viel Erkenntnis drin.

    Bei der Beschreibung, was dein Sohn in der Grundschule lernt, fiel mir ein, dass hier zB Kindergartengruppen und Grundschulklassen jedes Jahr neu durchgemischt werden, damit die Kinder lernen, immer wieder neue Kontakte zu schliessen und nicht in 'Cliquen' die ganzen Jahre durchziehen. Ist das bei euch auch so? Ob das auch mithilft, zu lernen, sich immer wieder gut auf neue Situationen einzustellen?
    ‘One of the criticisms I've faced over the years is that I'm not aggressive enough or assertive enough, or maybe somehow, because I'm empathetic, it means I'm weak. I totally rebel against that. I refuse to believe that you cannot be both compassionate and strong.’
    Jacinda Ardern, 2019


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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Awww, danke frangi, das ist aber hohes Lob! Naja, das sind halt nur Ueberlegungen zu dem, was ich nur aus einer Quelle ueber Resilienz gelesen habe, keine wissenschaftlichen Studien und Erfahrungen, wie xanidae und Mary vorweisen koennen. Aber natuerlich freut es mich sehr, wenn es Sinn ergibt.


    Zitat Zitat von frangipani Beitrag anzeigen
    Bei der Beschreibung, was dein Sohn in der Grundschule lernt, fiel mir ein, dass hier zB Kindergartengruppen und Grundschulklassen jedes Jahr neu durchgemischt werden, damit die Kinder lernen, immer wieder neue Kontakte zu schliessen und nicht in 'Cliquen' die ganzen Jahre durchziehen. Ist das bei euch auch so? Ob das auch mithilft, zu lernen, sich immer wieder gut auf neue Situationen einzustellen?
    Ja, das ist hier auch so, wobei ich nicht weiss, ob das vorwiegend als Resilienztraining gedacht ist. Ich glaube, es geht tatsaechlich gegen Cliquenbildung und darum, Kindern, fuer die eine Klassenchemie vielleicht nicht so gluecklich ist, schnell wieder eine neue Chance zu geben. So genannte "Freundschaftsgruppen" werden auch nicht getrennt, also 2-3 beste Freunde landen dann wieder in derselben Klasse. Aber Du hast Recht, das passt schon zu dem, was auch ja-aber zu Resilienz als positive Grundhaltung Neuem gegenueber geschrieben hat.
    Moderatorin im Forum Über Treue und Lügen in der Liebe, Politik und Tagesgeschehen, Was bringt Sie aus der Fassung?, Medizinische Haarprobleme und Zähne


    [Damals] wurde weniger Geschiss gemacht und insgesamt war alles besser. Was an den Müttern lag. Denen von damals. Wenn sie ihren Kindern doch bloß [...] noch beigebracht hätten, wie man Kinder erzieht.
    Userin Minstrel02 im Forum Erziehung

  10. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Ich habe gerade nicht viel zum Thema beizutragen, aber ich finde Eure Beiträge alle hochinteressant, danke dafür!
    May you be surrounded by friends and family,
    and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.

    Leonard Cohen


    Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
    Erich Kästner

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