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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von PollexNiger2 Beitrag anzeigen
    Die Vorstellung, dass man Resilienz "lernen" kann, finde ich deshalb kritisch. Das verführt nämlich dazu, gesellschaftliche Misstände auszublenden und die Verantwortung komplett an das Individuum zu delegieren. Dann hinterfragen alte und kranke Menschen eventuell ihre eigene Haltung (Fehlt mir Resilienz? Warum habe ich das nicht gelernt?), statt über das schlechte Renten- und Krankensystem wütend zu sein.
    @PollexNiger, diese Schlussfolgerung kann ich nicht nachvollziehen. Wer sollte daran ein Interesse haben - der Steuerzahler? Der Steuerzahler ist mein Mitbürger. Von meinen Mitbürgern lasse ich mir keine Verantwortung zuschreiben.
    Auch habe ich das noch nicht beobachtet. In welchen Kontexten machst Du diese Beobachtung?


    Aufgrund schlechter Kindheits-Voraussetzungen musste ich Resilienz erst lernen. Das geht defintiv!

    Für mich sind diese drei Punkte entscheidend:

    1. Denken in Optionen/Wahlmöglichkeiten (s.a. Eingangspost) - dies habe ich in meinen 30ern in einer NLP-Ausbildung gelernt, und es verbessert bis heute mein Leben
    2. Denken in Sinnzusammenhängen (Stichwort Viktor Frankl)
    3. Fokussierung (auf das halbvolle statt halbleere Glas)

    Punkt 3 läuft im "Ich-darf-sein"-Strang bei manchen m.E. schief. Da wird zum xten Male jedes kleinste Detail der Corona-Unannehmlichkeiten ausgewalzt, wobei offensichtlich wichtig ist, auch keinen noch so kleinen Aspekt zu vergessen.
    Das sind immer die gleichen User. Andere User, auch immer die gleichen, schreiben stattdessen in den "Drei-schöne-Dinge"-, "Lichtblicke"-, ... - Strängen, wobei beide Gruppen sicherlich im Schnitt gleichermaßen mit Widrigkeiten des Lebens zu tun haben.
    Es ist ein zentraler Unterschied im Mindset, der sich auf das ganze Lebensgefühl auswirkt.
    Die gute Nachricht ist, dass man sich hier "umprogrammieren" kann, durch Gewöhung und Diszplin. Ein Anfang könnte z.B. sein: Nur noch 3mal pro Woche einen Klagepost verfassen.

  2. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Ich habe mich nach einer Lebenskrise vor etlichen Jahren intensiv mit dem Thema befasst (und empfehle immer noch gerne das Buch "The Resilience Factor: 7 Keys to Finding Your Inner Strength and Overcoming Life's Hurdles", wenn man seine Resilienz trainieren möchte). In der Folge dieses Trainings konnte ich mit einigen weiteren Krisen tatsächlich besser umgehen.

    Schwierig finde ich das Buzzword im beruflichen Umfeld, wenn es vor allem darum geht, kurzfristig die Funktionsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Deine Ehe geht in die Brüche? Kein Grund, beruflich mal eine Weile kürzer zu treten! Du pflegst nebenher deine kranken Eltern? Mach doch mal ein Resilienzseminar! Dein Chef ist ein Choleriker, dein großes Projekt wurde kurz vor Ende gekippt, deine halbe Abteilung wird gekündigt - na, sei ein bisschen resilient und arbeite froh und munter weiter!
    Natürlich ist es cool, diese Fähigkeit zu haben, dass man auch in und kurz nach einer Krise gut funktioniert und alles am Laufen hält. Aber um ehrlich zu sein: Davon hat in erster Linie mein Arbeitgeber etwas, in zweiter Linie vermutlich meine Kinder. Ich selbst hab davon eigentlich nichts.


    Meine hilfreichste Resilienz-Übung derzeit: Die einzelnen Bestandteile meines derzeitigen Stress auseinander dividieren und klar benennen. Gerade in dieser Phase besteht ein ganzes Konglomerat aus praktischen Hürden (Kinderbetreuung neben Homeoffice), konkreten Ängsten (ist meine Mutter Corona-gefährdet?) und diffusen Schwierigkeiten (Hüttenkoller, unterschiedliche Situationsbewertungen innerhalb der Beziehung, Wegfall einiger Kraft-Spender usw.). Schon allein, diese einzeln zu betrachten und nicht als ein überwältigendes Ganzes, kann hilfreich sein.
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

  3. Inaktiver User

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von Cariad Beitrag anzeigen
    Schwierig finde ich das Buzzword im beruflichen Umfeld, wenn es vor allem darum geht, kurzfristig die Funktionsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Deine Ehe geht in die Brüche? Kein Grund, beruflich mal eine Weile kürzer zu treten! Du pflegst nebenher deine kranken Eltern? Mach doch mal ein Resilienzseminar! Dein Chef ist ein Choleriker, dein großes Projekt wurde kurz vor Ende gekippt, deine halbe Abteilung wird gekündigt - na, sei ein bisschen resilient und arbeite froh und munter weiter!
    Natürlich ist es cool, diese Fähigkeit zu haben, dass man auch in und kurz nach einer Krise gut funktioniert und alles am Laufen hält. Aber um ehrlich zu sein: Davon hat in erster Linie mein Arbeitgeber etwas, in zweiter Linie vermutlich meine Kinder. Ich selbst hab davon eigentlich nichts.
    Wollte ich auch gerade schreiben. Immer, wenn der Begriff im beruflichen Umfeld fällt, lautet der Subtext "Wie können wir dem Mitarbeiter noch mehr draufpacken, ohne dass er uns zusammenklappt".

  4. Moderation

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Interesssante Posts, danke! Gutes Gedankenfutter.
    Ich bin grad unterwegs, deshalb nur kurz - ich moechte nicht urteilen, auch nicht ueber den ‘ich darf’ Strang, bzw User dort, da dort ja alles darf.
    Ich wuerd das hier gerne abgeloest davon sehen, auch wenn das eine oder andere Post in der Community mit Ausloeser fuer diese Strangeroeffnung war.
    ‘One of the criticisms I've faced over the years is that I'm not aggressive enough or assertive enough, or maybe somehow, because I'm empathetic, it means I'm weak. I totally rebel against that. I refuse to believe that you cannot be both compassionate and strong.’
    Jacinda Ardern, 2019


    Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von katelbach Beitrag anzeigen
    Ich habe ein ähnliches Verständnis von Resilienz wie PollexNiger es beschreibt. Nach dem, was ich darüber "gelernt" habe, würde ich sogar noch weiter gehen: Nicht nur emotionale Stabilität, angenommen werden und Urvertrauen in der frühen Biografie begründen Resilienz, sondern vermutlich auch ein gewisser (epi)genetischer Hintergrund.

    Ich glaube nicht, dass Resilienz per se erlernbar ist, aber Mechanismen, die dazugehören sind vielleicht trainierbar (im Sinne einer kognitiven Verhaltenstherapie). Vermutlich gehört "ich zähle bis 10 und atme dreimal tief ein und aus, bevor ich reagiere" schon zu den Strategien.

    Und eine gewisse "Nachprägung" oder "Nachreifung" durch stabile Beziehungserfahrung etwas später im Leben, wie @putulu annimmt, möglicherweise.
    Ich sehe es genau wie katelbach, darum ausnahmsweise Vollzitat.
    Außerdem glaube ich, dass Resilienz viel mit dem Bindungstyp zu tun hat.

    Ich habe mal von einer Studie gehört (Kinder aus problematischen sozialen Verhältnissen), bei der sich herausgestellt habe, dass eine stabile, unterstützende Bezugsperson in den ersten Lebensjahren wichtig für die Entwicklung von Resilienz sei. Bei Mädchen wirke es sich außerdem positiv aus, wenn sie dazu ermutigt würden, ihren eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Bei Jungen, wenn man sie gezielt in kleinere tägliche Pflichten/Arbeiten einbeziehe. So ungefähr.
    >>Der Zahn der Zeit steht auf der Seite der Vernunft.<< (Jan Böhmermann) 🐧🐧🐧

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von maryquitecontrary Beitrag anzeigen
    Für das eigene Leben in diesen Dimensionen übersetzt, kann man das vielleicht so verstehen, dass es wichtig ist, sich selbst, seine Stärken, Schwächen, Bedürfnisse und Fähigkeiten zu kennen und da eine gute Balance zu finden. Sich ausreichend zu schonen wie zu engagieren, zu fordern wie zu regenerieren.

    Und darüber hinaus Beziehungen zu suchen und zu leben, die unterstützen und die wir selbst unterstützen, uns mit anderen Menschen engagieren, das, was wir tun, von Herzen (oder mit Achtsamkeit, wenn der Begriff noch nicht verbraucht ist), tun, und unsere Spiritualität praktizieren, falls vorhanden.
    Das finde ich eine gute Beschreibung, ob es nun Resilienz heisst oder nicht.

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Spannendes Thema

    Meine persönliche erfahrung:

    Trotz harter Kindheit hab ich es überraschend gut "gepackt". Mir wurde von mehreren Seiten eine gute Resilienz nachgesagt.

    Mein Umfeld wurde dann stabil und die Jahre vergingen.

    Ich hatte also die Fähigkeit und mit Mitte 30 ging sie flöten. Woran das liegt? Keine Ahnung.

    Kann man es verlernen? Ich denke nicht. Sie kann aber schwächer werden.

    Es spielen so viele Faktoren rein, die davon abhängig sind.
    When a man tells you A and does B, believe B because A is what hes trying to get you to believe, B is who he is

  8. Inaktiver User

    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von Borghild Beitrag anzeigen
    Ich habe den Eindruck, dass es durchaus ein Modewort ist, das auch gern genutzt wird um anderen mitzuteilen, dass man der Ansicht ist, sie seien an ihrem Leid/negativem Gefühl/Verzweiflung/Aussichtslosigkeit/etc. selber schuld, sie müssten nur härter an sich arbeiten und lernen resilient zu sein.

    Solche Unterstellungen kommen vor.
    Sie sind meistens als Hinweis anzusehen, dass die, die sie äußern, nicht wissen, wovon sie sprechen.
    Man tut gut daran, sie nicht zu beachten.

    Es ist zwar richtig, dass man für sich selbst verantwortlich ist und etwas anpacken kann und muss.
    Nur, nicht jeder Mensch befindet sich an einem Punkt, wo er das immer und jederzeit von sich aus auch machen kann.
    Manche sind aus verschiedenen Gründen nicht dazu in der Lage und brauchen Hilfe, Unterstützung.
    Andere, die keine Ahnung von dem Ganzen haben oder nicht genug verstanden haben, sind dann am schnellsten zur Stelle mit Unterstellungen und Vorwürfen. Daran erkennt man ihre Unkenntnis von dem Ganzen.

    Davon zu trennen ist aber auch eigene Bequemlichkeit oder Feigheit.
    Auch die gibt es und nicht gerade wenig.

    Von daher ist so mancher Vorwurf auch berechtigt, aber ohne Kenntnis der besonderen Umstände der Person sind solche Vorwürfe oder Behauptungen wertlos und nichtssagend.

  9. VIP

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von Prilblume Beitrag anzeigen
    Ich sehe es genau wie katelbach, darum ausnahmsweise Vollzitat.
    Außerdem glaube ich, dass Resilienz viel mit dem Bindungstyp zu tun hat.

    Ich habe mal von einer Studie gehört (Kinder aus problematischen sozialen Verhältnissen), bei der sich herausgestellt habe, dass eine stabile, unterstützende Bezugsperson in den ersten Lebensjahren wichtig für die Entwicklung von Resilienz sei. Bei Mädchen wirke es sich außerdem positiv aus, wenn sie dazu ermutigt würden, ihren eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Bei Jungen, wenn man sie gezielt in kleinere tägliche Pflichten/Arbeiten einbeziehe. So ungefähr.
    Die bekannteste und längste Studie zur Resilienz ist die Kauai-Studie von Emmy Werner. Sie hat über Jahrzehnte hinweg Menschen begleitet und bezüglich Resilienz befragt und Schutzfaktoren gesammelt. Es gab viele weitere Studien (diese zwei z.B.), die die Ergebnisse von Emmy Werner bestätigten. Es gibt Schutzfaktoren, die sind nicht beeinflussbar (Geschlecht, Position in der Geschwisterreihe), andere sind es.
    Andere Schutzfaktoren wie Emphatischer Umgang, angemessene Verantwortungsübertragung, Erfahrung von Selbstwirksamkeit uvm. sind von den umgebenden Erwachsenen beeinflussbar - nicht vom Kind selbst. Dies wird aus meiner Sicht viel zu wenig beachtet, bzw. teilweise sogar negiert.

    Ich habe selbst bei einer Studie zum Thema "Lebenskunst" mitgemacht, die sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Man kann aktuell noch einen Fragebogen ausfüllen. Ich schicke den Link gerne per PN.
    Manchmal kann man nichts machen, außer weiter.

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    AW: Resilienz - Modewort oder wichtiger denn je?

    Zitat Zitat von luftistraus Beitrag anzeigen
    Spannendes Thema

    Meine persönliche erfahrung:

    Trotz harter Kindheit hab ich es überraschend gut "gepackt". Mir wurde von mehreren Seiten eine gute Resilienz nachgesagt.

    Mein Umfeld wurde dann stabil und die Jahre vergingen.

    Ich hatte also die Fähigkeit und mit Mitte 30 ging sie flöten. Woran das liegt? Keine Ahnung.

    Kann man es verlernen? Ich denke nicht. Sie kann aber schwächer werden.

    Es spielen so viele Faktoren rein, die davon abhängig sind.
    Den Aspekt finde ich interessant, also dass Du tatsächlich sagst, Du hast (zu) wenig Resilienz.

    Ich hätte eher vermutet, dass das wie mit Intelligenz ist: Jeder glaubt von sich, er hat genug davon.

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