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    Schamesröte Wie soll es weitergehen?

    Liebes Forum,
    Ich bin hier auf eine Community gestoßen, die mir freundlich vorkommt, und würde von daher gerne die Gelegenheit nutzen, andere Meinungen zu hören.
    Ich bin 32 und musste letzte Woche zu meinen Eltern zurück, weil ich mit den starken Medikamenten, die ich neu genommen hatte, allein nicht mehr klarkam. In meiner Heimatstadt wohne ich alleine. Ich komme außerdem "frisch" von einer dreimonatigen tiefenpsychologischen Therapie. Da ist mein Selbstwertgefühl noch ein bisschen im Keller.
    Im Allgemeinen habe ich gerade auch immer wieder Angstzustände, weil ich so viel von meinem alten Leben nicht mehr greifbar habe (aus verschiedenen Gründen), aber die Ängste hemmen mich gerade auch noch tierisch, Neues anzugehen. Will lieber wieder fit sein bevor ich definitiv etwas Neues anfange.
    Es ist für mich klare Sache, dass ich erstmal Psychotherapie ambulant weiter mache, aber da habe ich noch keine feste Zusage und ab und zu überkommt mich immer wieder das große "Trauern" um das, was mal war, und ich mache mich selber fertig. Wie gehe ich mit der Situation am besten um? Ich danke Euch für Euren Support...
    liebe Grüße,
    dasein

  2. Moderation

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    AW: Wie soll es weitergehen?

    Zitat Zitat von Dasein Beitrag anzeigen
    Wie gehe ich mit der Situation am besten um? Ich danke Euch für Euren Support...
    Dasein,

    Ich habe ganz gute Erfahrungen mit "Augen zu und durch" gemacht. Denn der einzige Weg "raus" ist "vorwärts", und wenn man nicht allzuviel darüber nachdenkt, sondern ihn nur geht, belastet einen der Zweifel oft weniger. Es ist, wie es ist, man arbeitet einen Tag nach dem anderen ab, tut, was nötig ist, schaut nicht zu weit nach vorne und deprimiert sich nicht zusätzlich mit der Gesamtsituation. Trauer ist angemessen, wenn man etwas verliert, das einem lieb und vertraut war, und Trauer ist ein Prozeß, der ebenfalls vorwärts führt.

    Am Ende wird man jemand anders sein. Wahrscheinlich ist das auch jemand, mit dem man klarkommt und der seine Stärken und Möglichkeiten hat, auch wenn man ihn noch nicht sieht.

    Was rein praktisch oft hilft:
    - Geregelter Tagesablauf und Gewohnheiten. Dann verschwendet man keine Energie auf Fragen wie "Stehe ich heute auf?" oder "Tee oder Kaffee?"
    - In Bewegung bleiben. Wenn du körperlich stark belastet bist, versuche trotzdem irgendwas zu finden, was du tun kannst, damit du nicht nur in deinem Kopf lebst -- das ist oft ein gruseliger Ort, wenn es einem nicht gut geht. Wenn du körperlich nicht belastet bist, nutz das aus!
    - Deine soziale Landkarte angucken: Wer kann dir in welcher Situation beistehen, an wen kannst du dich wenden? Läßt sich da etwas aufbauen? Und wenn es nur eine Selbsthilfegruppe für was immer dich gerade plagt, ist. Gibt es Leute, mit denen zu reden einfach angenehm ist? (Sch***-Corona, man kann nicht einfach nur mit Leuten rumhängen, selbst wenn man Leute zum einfach-nur-rumhängen hat.)
    - Keine neuen Verpflichtungen eingehen, wenn du nicht weißt, ob du sie erfüllen kannst -- aber bereit sein, neue Sachen auszuprobieren, wenn es dich zu nichts verpflichtet. Verbiete dir nichts, was du tun kannst und was nett sein könnte, nur weil es dir nicht gut geht. Spiele.
    - Eine Art von Tagebuch zu führen, damit man sieht, ob man sich bewegt. Wenn etwas aufgeschrieben ist, ist es oft schon emotional zumindest "in Arbeit", und liegt nicht mehr auf dem "ich muß noch"-Stapel offener Baustellen, die man jeden Tag wieder schuldig oder genervt anguckt. Gerade nach einer tiefenpsychologischen Behandlung ist doch wahrscheinlich noch einiges offen?

    Außerdem, überleg dir, was tut dir gut? Und was nicht? Wenn das Nötige getan ist, tu das, was dir gut tut, und laß das, was dir nicht gut tut.

    Alles Gute!
    Geändert von wildwusel (28.11.2020 um 23:01 Uhr)
    ** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
    ** ansonsten niemand besonderes **

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    AW: Wie soll es weitergehen?

    Klingt scheinbar kontraindiziert - aber fang was neues an - jeden Tag.

    Also - ich verstehe dich so, du bist aus einer mehrmonatigen stationären Therapie entlassen worden und kannst nicht in deiner Wohnung am Heimatort alleine wohnen sondern musstest- Medikamentenbedingt- wieder bei deinen Eltern einziehen.

    Als "Neues" meine ich folgenden Blumenstrauss:
    - Termine mit möglichen Therapeuten ausmachen und die Probesitzungen / Treffen wahrnehmen
    - Ex-Mitpatienten anrufen - ihr habt hoffentlich Telefonnummern ausgetauscht ? - und so eine Mini-Selbsthilfegruppe / Kontaktgruppe in Corona-Zeiten haben
    - wenn dir die Decke auf den Kopf fällt - du bist derzeit in einer schwierigen Überganggslage - da kann die Telefonseelsorge zuhören - mit dir reden
    - Wenn es körperlich geht irgenwas im Haushalt mithelfen oder einkaufen gehen oder einen Spaziergang machen.
    - Tagebuch schreiben

    Welche Basteleien würden dir Spass machen ? Malen - Sticken - Stricken - Puzzle legen ( Tangramm sind sieben Teile die einen jahrelang beschäftigen können .....) Origami - ausprobieren und dabei bleiben oder was neues probieren

    - Briefe schreiben - wenn du Kontakte außerhalb deiner Heimatstadt hast - entfernte Verwandte - ehemalige Mitschüler - kannst du denen mal eine Mail / einen Brief schreiben.
    Da musst du nicht deine ganze Krankheitsgeschichte offenbaren - Corona als Erklärung warum du dich plötzlich nach drei Jahren meldest reicht aus.

    Auch von mir - Alles Gute
    Geändert von Di-Di-Di (28.11.2020 um 22:56 Uhr) Grund: vergessen

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    AW: Wie soll es weitergehen?

    Hallo wildwusel,

    Bei Deinem Text standen mir die Tränen in den Augen. Vielen lieben Dank! Ich muss tatsächlich schauen, dass ich mich mehr bewege. Das ist das größte Manko gerade. Ansonsten, ja, die Kleinteiligkeit, die Du beschreibst, scheint mir manchmal auch die richtige Lösung zu sein, aber sie ist halt verdammt ungewohnt.

    Liebe Di-Di-Di, auch DIR vielen lieben Dank für die Tipps - den Blumenstrauß. Ich habe Deine Antwort als sehr empathisch wahrgenommen und das hat mir super gut getan. Uff!

    Viele liebe Grüße

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    AW: Wie soll es weitergehen?

    Zitat Zitat von Dasein Beitrag anzeigen
    Hallo wildwusel,

    Bei Deinem Text standen mir die Tränen in den Augen. Vielen lieben Dank! Ich muss tatsächlich schauen, dass ich mich mehr bewege. ^
    finde @wildwusels Beitrag auch klasse!

    wenn es Dir nicht gleich gelingt, raus zu gehen, dann steh auf beim Fernsehen und stell Dir den handywecker und geh auf der Stelle nur e i n e Minute!
    Nächstes Mal machst Du das 2 Minuten, usw....

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    AW: Wie soll es weitergehen?

    Hallo Dasein,
    erstmals einen schönen guten Abend. In Teilen Deutschlands hat es gestern geschneit - aber Anonymität ist wichtig, du sollst also gar nicht sagen, ob das auch bei Dir so war.

    Mir fällt hier auf, dass nur wenige posten. Das liegt an dem Forum, das du "gewählt" hast. Wenn Du deinen Strang in "Depressionen" - unter diesen Sonnenschirm passt ja vieles - oder ein anderes Gesundheitsthema verschiebst wird er häufiger gelesen werden und du kannst mehr mit dem Forum im Dialog sein.

    Ich ergänze meinen Blumenstrauss Es gibt auch die Möglichkeit hier im Forum einmal täglich was zu tun. Also nicht nur in deinem Strang - du kannst auch so ziemlich jede Haushalts-Technik-Kleidungsfrage -Fernsehfilm-Buch-Frage stellen oder in den entsprechenden Strängen mitschreiben. Manchmal gibts da auch ganz nette Dialoge.

    Danke für Deine Rückinfo. Zu Nikolaus wünsche ich Dir sechs gute Stunden an dem Tag. Ein Anfang.

    "Verschieben" geht über eine Anfrage bei den Moderatorinnen - ich glaube es genügt, wenn du hier einen Text mit der Bitte reinschreibst.
    Geändert von Di-Di-Di (01.12.2020 um 20:07 Uhr) Grund: vergessen

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    AW: Wie soll es weitergehen?

    Liebe Di-Di-Di,

    Danke für deine Tipps. Wenn ich ehrlich bin, waren die beiden ersten Antworten so hilfreich für mich, dass ich mich zufrieden gefühlt habe und mich tatsächlich auch an das Umsetzen der Tipps jenseits der Flimmerkiste gemacht habe ;-).

    Es geht mir schon viel besser. Ich gehe spazieren, lese den Text von einer Bekannten Korrektur, schreibe Bewerbungen... Allen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden, möchte ich Mut machen: a) teilt euch mit :-) Wer das nicht gewohnt ist, braucht Übung, und die kriegt man eben z.B. in einem so tollen, empathischen Forum wie diesem hier mit toller Unterstützung :-), und b) Gebt nicht auf. Das Leben kann immer wieder besser werden. Ich bin noch nicht da, wo ich hin will, aber ohne den Glauben an mich selbst hätte ich mir noch nicht einmal die Möglichkeit schaffen zu können, überhaupt irgendwelche Schritte gehen zu können, die mich ans Ziel bringen. Kopf hoch, tief durchatmen und Tschagga!

    Nachdem ich das hier geschrieben habe, merke ich, dass ich den Thread jetzt doch gerne verschieben möchte wie du es vorgeschlagen hast, di-di-di, denn vielleicht können andere ja davon profitieren. Wäre jemfraud von den Moderatoren dazu bereit, das zu tun? Vielen Dank im Voraus.

    Allen einen guten Rutsch und ein gutes neues Jahr!
    Geändert von Dasein (31.12.2020 um 16:35 Uhr) Grund: Ergänzung

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