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    Einfach akzeptieren?

    Hallo liebe Community,
    ich knabbere schon lange an einem Gefühl, das sich seit Jahren in Wellenbewegungen zeigt, mal wieder etwas in den Hintergrund rückt, mich dann wieder in voller Wucht überkommt und inzwischen scheinbar ruhig und abgeklärt vor sich hinplätschert.

    Es handelt sich um einen sogenannten "besten Freund". Wir kennen uns ewig, wir sind uns sehr ähnlich, wir sehen uns fast nie, obwohl wir nur wenige km auseinander wohnen. Wir hatten zwischendurch wochen-, monate- und jahrelang keinen Kontakt zueinander. Wir haben beide eine eigene Familie. Alles gut (wie man so schön sagt). Und doch habe ich das Gefühl, ich brauche ihn in meinem Leben. Manchmal habe ich Bruder-Schwester-Gefühle für ihn, dann wieder Muttergefühle und manchmal auch ein anderes Gefühl. Liebe kann es nicht sein.

    Er hat mir seine Liebe gestanden, vor vielen Jahren. Er weiß auch von meinen Gefühlen, die ich immer noch nicht einordnen kann. Wir haben uns geküsst, mein Mann weiß davon, er hat mir verziehen. Es geht mir nicht um Küssen oder Sex. Ich brauche das nicht von ihm. Das fehlt mir nicht. Was ich mir wünschen würde ist, stundenlang mit ihm reden und lachen (dürfen) und ihn umarmen (dürfen). Ich fühle mich wohl bei ihm. Mein Herz sehnt sich nach seiner Nähe, nicht nach Sex mit ihm. Ich möchte das Wort Seelenverwandter nicht unbedingt verwenden, obwohl er selbst das auch schon gesagt hat. Es hört sich so abgeklärt an.

    Ich habe viel überlegt, ob es an meiner Ehe liegt, ob ich meinen Mann nicht genug liebe, ob ich ein Selbstwertproblem habe, ob ich irgendwie bekloppt bin? Ich habe versucht, mich dagegen zu wehren, ihn innerlich schlecht zu machen, ihn doof zu finden. Geht nicht. Egal wie er aussieht, was er macht, ob er mich anschmachtet oder mit mir streitet, er hat diesen Platz in meinem Herzen. Inzwischen wehre ich mich nicht mehr, ich akzeptiere es. Aber die Fragen nach dem Warum sind immer noch in mir. Sie machen mich manchmal "körperlich krank", weil ich ein schlechtes Gewissen habe. Weil sowas doch nicht normal ist und nicht sein darf. Ich würde mir auch wünschen, ganz normal mit ihm zu schreiben, über unseren Alltag, wie eine beste Freundin vielleicht, aber das geht nicht.

    Momentan gibt es keinen Kontakt, aber wir wissen, dass wir uns unglaublich gern haben. Und wir denken an uns. Täglich. Wie kann ich das in den Griff bekommen? Muss ich es in den Griff bekommen? Meinem Mann gegenüber ist es nicht fair, ich weiß. Kann man Gedanken abstellen? Nein. Ich weiß auch, dass Alltag mit einem Ehemann (der übrigens viel hübscher ist , der mir treu ist, der mich liebt...) nach fast 30 Jahren Zusammensein anders ist als Gedanken an einen "besten Freund", der so weit entfernt auf einem Sockel steht. Darüber habe ich mit meinem Mann schon oft gesprochen.
    Aber warum bin ich so? Kindisch? Normal? Verrückt?

    Liebe Grüße!

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    AW: Einfach akzeptieren?

    Hallo liebe Miona,

    ein schönes und tiefgehendes Thema ... Könntest du noch ein paar wenige Dinge ergänzen? Wie alt seid ihr? Und in welchem Kontext seid ihr euch seinerzeit begegnet? Wie sehen in heutiger Zeit die eventuellen persönlichen Treffen aus? Oder gibt es generell nur schriftlichen Kontakt?

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    AW: Einfach akzeptieren?

    Akzeptiere deine Gefühle ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
    Sie sind nun mal da und gehören zu dir.
    Das Einzige was ich vermeiden würde, ist mit deinem Mann darüber zu reden.
    Er ist nicht dein Kumpel und ich könnte mir vorstellen, dass ihn deine Aussagen verletzen.

    Antworten auf meine Fragen, habe ich meistens dann bekommen, wenn ich einige Zeit allein für mich, meine Gefühle ungefiltert zugelassen habe.

    Kann es sein, dass du einen Mangel verspürst, der aber gar nichts mit deinem Freund zu tun hat und er nur der Stellvertreter ist?
    Geändert von catlady3 (10.11.2020 um 11:38 Uhr)

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    AW: Einfach akzeptieren?

    @Amicamea: Wir sind beide Ü40. Wir sind uns seit 20 Jahren immer wieder mal bei privaten Feiern von Freunden begegnet, wir halfen kurzzeitig auch gemeinsam beim Hausbau oder Hochzeitsvorbereitungen von Freunden. Inzwischen haben wir beide Familie, die privaten Feiern sind sehr selten geworden, zuletzt vor zwei Jahren, d.h. wir sind uns in diesem Personenkreis schon lange nicht mehr begegnet.
    Es finden momentan keine Treffen statt. Wir haben uns letztes Jahr an einem schönen Ort draußen getroffen, nur um kurz zu reden und uns zu sehen. Es hätte jederzeit jemand kommen können, ich wollte kein geheimes Treffen, weil ich keine Affäre möchte, aber trotzdem die Sehnsucht hatte, ihn zu sehen und mal von ihm in den Arm genommen zu werden. Ich spüre ein warmes Gefühl in mir, wenn ich nur daran denke. Das letzte Zusammentreffen liegt also schon Monate zurück. Schreiben ist sehr selten geworden, da es uns dann immer traurig macht, weil wir uns nicht sehen können. Wir sind momentan in einer Phase, wo wir versuchen, unsere Geschichte zu akzeptieren, ohne den Kontakt auszubauen. Wir versuchen, das als Geschenk zu sehen, was wir haben. Also eigentlich nichts außer liebevolle Gedanken...

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    AW: Einfach akzeptieren?

    Zitat Zitat von catlady3 Beitrag anzeigen

    Kann es sein, dass du einen Mangel verspürst, der aber gar nichts mit deinem Freund zu tun hat und er nur der Stellvertreter ist?
    Ja, das kann sein. Darüber habe ich auch oft nachgedacht. Er vergöttert mich, er findet mich immer und überall schön, er mag meine Art und mein Lachen, er denkt und fühlt ähnlich wie ich. Er tut mir gut. Es fühlt sich an wie Zuhause-Sein, obwohl wir noch nie auf einem Sofa zusammen gelegen haben, noch nie in einem Bett zusammen waren, noch nie gemeinsam gekocht haben. Er stillt einen Mangel in mir, aber welchen? Selbstzweifel?
    Ob er wirklich ein Stellvertreter für etwas ist, zweifle ich aber auch manchmal an. Ich bin schon von ihm als Person fasziniert. Er hat eine andere Art als mein Mann, evtl. auch, weil wir nicht den Alltag zusammen leben. Da mache ich mir selbst etwas vor.

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    AW: Einfach akzeptieren?

    Da gibt es ja diesen netten Spruch: "Nur weil dich jemand nicht so liebt, wie du es dir wünscht, heißt das nicht, daß er dich nicht mit ganzer Seele liebt."

    Ich liebe meine beste Freundin ja auch. Komplett anders als meinen Mann, meine Kinder oder meine Schwester. Liebe gibt es in vielen Varianten.

    Dein schlechtes Gewissen rührt wahrscheinlich daher, weil du weißt, dass dein Freund dich anders liebt als du ihn. Sonst wäre das ja alles kein Problem. Du kannst die Freundschaft deshalb auch vor deinem Mann nicht so richtig vertreten.
    "...es gibt höchstens hoffnungslose Menschen, aber nie hoffnungslose Situationen..."
    Sprichwort auf Oxtorne


    Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähle ihm von deinen Plänen.

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    AW: Einfach akzeptieren?

    Zitat Zitat von catlady3 Beitrag anzeigen
    Akzeptiere deine Gefühle ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
    Sie sind nun mal da und gehören zu dir.
    Das Einzige was ich vermeiden würde, ist mit deinem Mann darüber zu reden.
    Er ist nicht dein Kumpel und ich könnte mir vorstellen, dass ihn deine Aussagen verletzen.
    Mein Mann und ich sprechen generell öfter darüber, dass in langen Beziehungen diese Faszination verloren gehen kann, weil man den anderen schon in- und auswendig kennt. Also es geht in unseren Gesprächen nicht konkret um diesen Freund. Er kennt ihn zwar und weiß, dass wir uns gut verstehen und besondere Gefühle da sind/waren. Wir sprechen aber inzwischen allgemein über dieses Thema. Er weiß nicht, dass ich mir so viele Gedanken um IHN mache. Das würde ihn natürlich verletzen.

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    AW: Einfach akzeptieren?

    Ich bin etwas verwirrt.

    Für mich werden da zwei Dinge vermischt. Einerseits die Situation mit deinem Freund, den du nur platonisch liebst und auf der anderen Seite deine eingeschlafene Ehe, wo du dir etwas mit einem anderen Mann vorstellen kannst.

    Was nun? Kannst du dir doch mehr mit deinem Freund vorstellen? Eine Affaire?
    "...es gibt höchstens hoffnungslose Menschen, aber nie hoffnungslose Situationen..."
    Sprichwort auf Oxtorne


    Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähle ihm von deinen Plänen.

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    AW: Einfach akzeptieren?

    Zitat Zitat von Unendlichkeit Beitrag anzeigen
    Da gibt es ja diesen netten Spruch: "Nur weil dich jemand nicht so liebt, wie du es dir wünscht, heißt das nicht, daß er dich nicht mit ganzer Seele liebt."

    Ich liebe meine beste Freundin ja auch. Komplett anders als meinen Mann, meine Kinder oder meine Schwester. Liebe gibt es in vielen Varianten.

    Dein schlechtes Gewissen rührt wahrscheinlich daher, weil du weißt, dass dein Freund dich anders liebt als du ihn. Sonst wäre das ja alles kein Problem. Du kannst die Freundschaft deshalb auch vor deinem Mann nicht so richtig vertreten.
    Diese Freundschaft kann ich vor meinem Mann überhaupt nicht vertreten, weil schon mehr passiert ist als mit einer normalen besten Freundin. Wenn ich noch keinen Mann hätte, würde ich meinen Freund heiraten. Wenn es so weit wäre, keine Ahnung, ob ich es wirklich tun würde.

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    AW: Einfach akzeptieren?

    Zitat Zitat von Unendlichkeit Beitrag anzeigen
    Ich bin etwas verwirrt.

    Für mich werden da zwei Dinge vermischt. Einerseits die Situation mit deinem Freund, den du nur platonisch liebst und auf der anderen Seite deine eingeschlafene Ehe, wo du dir etwas mit einem anderen Mann vorstellen kannst.

    Was nun? Kannst du dir doch mehr mit deinem Freund vorstellen? Eine Affaire?
    Ich bin auch verwirrt. Bestimmt keine Affäre! Ich möchte nichts mit einem anderen Mann. Das fehlt mir nicht.
    Was genau ist platonisch in deinen Augen?

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